Читать книгу Das große Buch vom Kleinvieh - Wolf-Dietmar Unterweger - Страница 10

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DIE INFRASTRUKTUR: STALLUNG, GARTEN, WIESEN UND WEIDEN

DER KLEINVIEHGARTEN

Der Kleinviehgarten ist das unmittelbare Umfeld um das Wohnhaus der Menschen beziehungsweise rund um den Kleinviehstall. Diese beiden Faktoren bestimmen die Ausstattung des Kleinviehstalls maßgeblich. Für den Menschen ist es interessant, dass unnötiger Schmutz, Geräusche und Gerüche vom Wohnhaus ferngehalten werden, was durch die Ausrichtung der Türen und Fenster und die Lage bezüglich zur Windrichtung beeinflusst werden kann.

So ist eine Stallung in Süd-West-Lage direkt vor dem Wohnzimmerfenster sicherlich nicht optimal. Auch die Rückseite eines Kaninchenstalls am Schlafzimmerfenster lässt auf eine ungünstige Raumnutzung im Kleinviehgarten schließen. Da sich die Witterung (Hitze, Feuchtigkeit …) oftmals negativ auf den Untergrund im Auslauf auswirkt, können hier auch Gedanken an die Platzierung gemacht werden. Die Kotecke einer Schweinekoppel und das Küchenfenster sind unpassende Nachbarn, während eine Weide vor der Terrasse dafür sorgt, dass man während der Mahlzeiten Tiere beobachten kann und alles im Blick hat.

Es lohnt sich auf alle Fälle je nach Tierart über die Gestaltung im Gartenraum nachzudenken. Ästhetische Gesichtspunkte spielen eine große Rolle bei der Vermittlung von Freude und Akzeptanz der Tierhaltung. Kurze Wege, gerade im Winter, erleichtern die Fütterung und Pflege und ermöglichen auch noch im höheren Alter eine gefahr- und mühelose Tierhaltung.

Ein wichtiges Merkmal ist die biologische Vielfalt des Gartens. Der Wert der Biodiversität macht sich im Kleinviehgarten bemerkbar. Bäume und Sträucher spenden Schatten und ermöglichen Staubbäder, zugleich reduzieren sie die Verdunstung von Schweinesuhlen und Schwimmteichen. Artenreiche Säume fördern die Selbstmedikation der Tiere und unterstützen Nutzinsekten bei der Parasitenkontrolle. Nisthilfen in den Bäumen steigern die Anzahl der Gartenvögel, was den Hausund Nutztieren zu Gute kommt, indem die lästigen Insekten auf natürliche Weise in Schach gehalten werden. Der Star übernimmt in unseren Breiten die Funktion des „Madenhackers“ und befreit die Weidetiere durch enge Begleitung von jeder Menge Lästlingen und Parasiten. Vielfalt ist demnach die beste Gesundheitsprävention für die Tiere. Artenreiche Hochstamm-Streuobstwiesen bieten durch den Frühjahrsschnitt der Bäume Knospen und Misteln. Die extensiven Wiesen und Weiden führen zu ausgewogener Ernährung. Strukturelemente ermöglichen den Ziegen das Klettern und bieten Schatten und Deckung für die kleineren Haustiere.


Ein schöner Anblick ist die gemischte Nutzung der Grünflächen hinterm Haus.


Ideales Areal für Kleinvieh. Gewässer für Wassergeflügel. Säume für Esel und Ziegen.

Vielfalt ist ein wichtiger Helfer bei der Gestaltung des Kleinviehgartens. Vielfalt ist tolerierte Natur und bewusste Wildnis. Sie ergänzt unsere Verantwortung für die Tiere und hilft bei der Gesundheitsprävention. Keinesfalls entbindet sie uns von unserer Sorgfalts- und Beobachtungspflicht. Ein naturnaher, wilder Garten ist sinnvoll und erstrebenswert, da er das klimaschädliche Kohlendioxid bindet. Verwilderte oder verwahrloste Haus- und Nutztiere sind dagegen nicht zu akzeptieren.

DER KLEINVIEHSTALL

Die Stallungen dienen den Tieren zum guten Leben. Das bedeutet, dass hier auf eine solide und art- bzw. rassegerechte Haltung geachtet werden sollte. Neben den typischen Anforderungen für die unterschiedlichen Tierarten spielen aber auch noch andere Aspekte eine große Rolle. Die Benutzerfreundlichkeit durch kurze Wege, sicheres Arbeiten und leichte Pflegbarkeit, die Schönheit im System, sodass der Stall zur Region, zur Landschaft zum Dorf und auch zum Haus passt. Ein Stall im Toskanastil wirkt in Schweden fremd und bei unbedachter Verwendung wie ein Fremdkörper. Dennoch kann es auch gut passen, wenn sich Kulturen vermischen und ergänzen.

In keinem Fall jedoch ist ein Stall im Baumarktstil zu rechtfertigen. Offen gezeigte Grobspanoder Siebdruckplatten, einfallsloses Wellblech, offen verbaute Hohlblocksteine haben in unseren Dörfern und in der Kulturlandschaft keinen Platz. Die Kleinviehhaltung muss schön sein, wenn sie Akzeptanz erfahren möchte. Es ist daher sinnvoll, den Baumärkten keinen Glauben zu schenken, wenn sie uns mit Lockangeboten überhäufen. Denn neben der Schönheit und den vorangegangenen Punkten spielt auch die Nachhaltigkeit und die Gesundheitsverträglichkeit eine große Rolle bei der Haltung von Nutztieren. Ökologisches Bauen mit heimischem Holz, mit Lehm und Fundsteinen geht in jedem Fall in die richtige Richtung. Regionale Ziegelsteine, Lehmflechtwände, Rundholzkonstruktionen, Natursteinmauern und Zimmermannshandwerk erfüllen alle Anforderungen an eine nachhaltige Gestaltung.

Bei den Fahrten mit der Bahn und durch Vororte fallen die Schrebergärten auf, die mit den Mitteln der Baumärkte hergerichtet werden. Keiner dieser Schrebergärten ist zukunftstauglich. Unverrottbare Bauteile zersplittern in der Witterung, Wind und Wetter machen Kunststoffe brüchig und verteilen sie in der Landschaft. Zersprungene Hohlblocksteine, geborstene Dachabdeckungen, aufgequollene OSB-Platten schaffen unnötige Probleme und Belastungen für die, die sie entsorgen müssen und somit für die Gemeinschaft.


Ein Storch zeigt an, dass es im Umfeld genug Futter gibt.


Dieses kleine Eindachbauernhaus bietet Platz für Mensch und Tier. Es beherbergt Wohnräume, Stallungen für Kleinvieh, Stroh, Heu und Futterrüben.

Der Bau von Stallungen ist ökologisch zu gestalten. Das Halten von Hühnern ist kein Grund, die zukünftigen Generationen mit Sondermüllbaustoffen zu belasten.

Unsere Freilichtmuseen geben wunderbare Beispiele für ökologisches und nachhaltiges Bauen. Sie zeigen, wie ein Leben zwischen Mensch und Tieren möglich ist, ohne dass chemisch verunreinigte Baustoffe das Leben belasten. Ein Besuch in diesen Museen gibt wichtige Ideen für tolle Stallbauten – vom Eindachbauernhaus bis hin zum Weideunterstand.


Ein harmonisches Ensemble, bestehend aus Wohnhaus, Stall- und Wirtschaftsgebäude sowie Lagerscheune. Die Anordnung ist gestaffelt, so steht das Wohnhaus leicht verschoben in der ersten Reihe im Süden. Zudem schützen die in Westrichtung gebauten Gebäude das Wohnhaus und den dahintergelegenen Wirtschaftshof vor der Witterung aus der Hauptwindrichtung. Das Einbauen einer Terrasse, eines Gemüsegartens und die Gestaltung der Weide vor dem Wohnhaus ermöglichen das Beobachten der Tiere vom Wohnzimmer aus. Außerdem kann durch das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern die Kulissenwirkung sehr passend gestaltet werden.


Die flächendeckende Verfügbarkeit genormter Baumaterialien und die billigen Baustoffe der Großhändler sind kein Freischein dafür, dass Ihr Kleinviehstall nicht aus regionalen und ökologischen Baustoffen besteht und sich in seiner Optik harmonisch an die Region anpasst. Bauen Sie schön.

Grundbauform und Module

Die Freude an der Kleinviehhaltung bleibt lange erhalten, wenn die Infrastruktur praktisch angeordnet ist. So ist die Vermeidung langer Wege und das zeit- und kräftesparende Gestalten der Anlage ein wichtiger Faktor. Auch die Barrierefreiheit und die volle Nutzbarkeit bei Schnee und Eis beeinflussen die Tierhaltung positiv.

Der hier vorgestellte Kleinviehstall ist ein modularer Vorschlag zur Haltung verschiedener Nutztiere. Der dreigegliederte Stall bietet auf seiner Grundfläche drei variable Haltungsformen an, wobei der mittlere Teil auch als Werk- und Tierhaltungsraum fungiert und somit nur zum Teil für die Tiere zur Verfügung steht. Im Dach findet sich Platz für das Heu.

Da die Tiere unterschiedliche Anforderungen an ihren Stall haben, bespricht dieses Kapitel zunächst nur den Aufbau und die Grundbauform. Aufgrund von einzelnen Modulen gehen wir in den jeweiligen Kapiteln auf die speziellen Anforderungen der Tiere ein und besprechen die artspezifischen Anpassungen an Einrichtung und Ausstattung.

Selbstverständlich gibt es eine Fülle von Varianten und Eigenkonstruktionen, die alle für die Haltung von Kleinvieh genutzt werden können. Prädestiniert sind bestehende Stallungen in Gehöften, die durch eine Instandsetzung wieder benutzt werden können. Hierbei ist an mögliche Anpassungen in Bezug auf Tierwohl, Arbeitssicherheit und Arbeitserleichterung zu achten. Dennoch ist die Wiedernutzung bestehender Stallungen auch aus Gründen des Ressourcen- und Klimaschutzes sicherlich die sinnvollste Lösung. Die Trennung von Lagerscheune und Stall kann manchmal baulich sinnvoll sein, dennoch ist das tägliche Schleppen von Futter eine nicht zu unterschätzende Aufgabe, die durch einen integrierten Heustock erleichtert werden kann.


Grundriss

A: Hühnerstall

B: Legenester

C: Fluchtsicherer Zugang

D: Luke zu Heustock im Dach

E: Kaninchenstall

F: Vorraum

G: Futteranrichte

H: Schaf-/ Ziegenstall

I: Doppeltor

J: Voliere


Ein Kleinviehstall ist das optimale Gebäude für ambitionierte Halter und Familien mit der Freude an Haustieren. Hier finden neben den Hühnern auch noch Kaninchen und eventuell Pferde, Esel, Ziegen, Schafe oder Schweine einen sicheren Unterschlupf. Die Bauweise mit dem offenen Wirtschaftsraum ermöglicht ganzjährig geschütztes Arbeiten und einen Unterstand an nassen Tagen. Außerdem kann der zweite Anbau auch als Geräteschuppen genutzt werden, da er räumlich getrennt ist. Der Dachboden bietet ausreichend Stauraum für Heu und Stroh oder für Transport- und Obstkisten.

Multifunktionelle Futterkrippe

Die Erfahrung, welche sich durch das Halten von Tieren einstellt, wird Schritte zur Arbeitserleichterung und zur Schonung von Ressourcen hervorbringen. Dass im abgebildeten Futterstand das herausgezupfte und herunterfallende Heu durch einen Trog aufgefangen wird, erhält wertvolles Futter und schützt es vor Verunreinigungen durch Tritt. Das gerettete Heu kann in den Kaninchenstall verbracht werden.


DER AUSLAUF

Neben dem Stall und der Weide bietet der Auslauf für manche Tiere einen temporären Freigang. Der Auslauf ist für Geflügel die Voliere. Volieren bieten Schutz vor garstiger Witterung und sind für manche Tage eine Alternative zum Freilauf. Im Falle einer Stallpflicht ist die Voliere der einzige Kontakt zur Außenwelt und sollte daher für Geflügel vorschriftsmäßig und recht üppig gestaltet sein.

Ein Schweinekoben ermöglicht den Schweinen das Verlassen des Stalls, wenn die Weide zu nass ist oder anderweitig genutzt wird. Der Auslauf ist somit ein Vorhof am Stall, der den Tieren und Tierhaltern temporäre Entlastung bieten soll. Diese Entlastung sollte stets das Tierwohl als Ziel haben und zeigt, dass die Nutzung des Auslaufs zeitlich sehr begrenzt ist.


Beispiel zweier kleiner Geflügelställe: für Hühner, Gänse, Enten, Perlhühner und auch Wachteln.


Die Farben eines Schweinestalls ergänzen sich harmonisch.

DAS GRÜNLAND

Durch die Sesshaftwerdung des Menschen vergrößerten sich um die Siedlungsgebiete herum die offenen Flächen für die Haltung und Fütterung der Tiere. Während der Vegetationszeit wurden die Tiere nachts in Pferchen und Koppeln vor Raubtieren geschützt und während des Tages zogen sie – vom Hirten begleitet – auf die Weiden und Waldweiden. Zur Fütterung der Tiere während des Winters brauchte man Heu. Dieses wurde auf speziellen, unbeweideten Flächen erzeugt – den Wiesen.

Die Wiesen

Als Wiesen bezeichnet man Grünland, welches mindestens einmal pro Jahr gemäht wird. Diese Mahd dient der Gewinnung von Futter oder Einstreu. Durch diesen Eingriff unterscheiden sich Wiesen erheblich von Weiden, welche ursprünglich nie gemäht, sondern ausschließlich beweidet wurden.

In der natürlichen Landschaft Mitteleuropas sind Wiesen demnach künstliche und vom Menschen geschaffene Ökosysteme. Dennoch nehmen sie eine ganz besondere Rolle ein. Durch die regelmäßige, aber reduzierte Mahd, welche in aller Regel nur ein- bis zweimal pro Jahr durchgeführt wurde, konnten sich auf diesen Flächen sehr vielfältige Pflanzengesellschaften entwickeln. Diese Entwicklung, die über viele Jahrhunderte in Mitteleuropa stattfand, führte zu den artenreichen Blumenwiesen und zu der damit einhergehenden Insektenvielfalt. Heu und Streu waren demnach die Treiber für eine sehr artenreiche Landschaft.

Die Intensivierung der Mahd, die Düngung der Wiesen und die Einführung der Silage führten dazu, dass die Vielfalt der Pflanzen und Tiere drastisch zurückging. Wiesen sind ein stabiles System und entwickeln sich über die Jahre zu artenreichen Beständen. Die Änderung in der Pflege in den letzten Jahren führte zur Verarmung der Blumen- und Kräuterzusammensetzung und schuf eine Menge von Problemen. Die häufige Befahrung durch viel zu schweres Gerät verdichtet die Böden und sorgt für Hochwasser. Die starke Düngung mit Gülle belastet das Wasser mit Nitrat, Chemikalien und Keimen und somit die Gesundheit von Menschen, aber auch von Tieren. Die schnelle und effiziente Mahd und Aufbereitung tötet nahezu alle Insekten und Wiesenvögel, vergleichbar wie bei der Überfischung der Meere.


Die Steinmauern zeigen, dass die Feldeinfriedungen Europas vielfältig, ökologisch und wertvoll sind.

Viele globale Probleme könnten gelöst werden, wenn die klassische Heuwirtschaft – zwei Schnitte pro Jahr – und die nachhaltige Pflege der Streuwiesen – ein Schnitt pro Jahr – kombiniert mit extensiven Weidelandschaften wieder zur Regel gemacht würde. Die Haltung von Kleinvieh hilft dabei.

Nach der zweimaligen Mahd konnten die Wiesen im Herbst und Winter nachbeweidet werden. Dadurch bekamen diese Flächen eine einmalige und gut dosierte Düngung. Außerdem brachten die Tiere durch Fell und Kot Samen auf die Flächen und erhielten so die Pflanzenvielfalt – oder bereicherten diese. Die Nachbeweidung umfasste alle Wiesen, aber auch die Stoppelfelder und die abgeernteten Feldfruchtäcker. Die Mischung der Weidetiere sorgte dafür, dass verschiedener Mist aufgebracht wurde und dass die Nutzung der Pflanzenreste und der möglicherweise aufgetretenen Schädlinge effizient war. Während Schafe und Rinder vorwiegend den Aufwuchs verwerteten, nutzten Schweine zusätzlich tiefer liegende Energiequellen, wie Wurzeln oder bodenlebende Insektenlarven.


Ziegen und Schafe ergänzen sich bei der Beweidung. Schafe bevorzugen Gräser und Kräuter. Ziegen reduzieren die Verbuschung.


Dem Zeitgeist des übertriebenen Ordnungssinns und der wirtschaftlichen Optimierung erlegen, traut sich die Mehrheit der Menschen immer noch nicht, ihren Rasen in eine artenreiche Wiese zu verwandeln. Solch blühende Wiesen, wie die Bilder zeigen, könnten auch in Ihrem Garten und auf Ihrem Grünland blühen. Wenn Sie zudem Teile der Wiese ungemäht über den Winter stehen lassen, dann können große Mengen von Insektenarten unterschiedlicher Entwicklungsstadien überwintern und das biologische Gleichgewicht und die ökologischen Funktionen im Frühjahr aufrecht erhalten.

Die Weiden

Oft wird der Begriff Weide recht statisch gesehen. Das mag zum einen an den rechtlichen Regelungen der Förderungspolitik liegen oder an dem durch den gestiegenen Wohlstand veränderten Anspruch an Fläche. Beides ist für die Beweidung von großem Nachteil. Fassen wir nämlich zusammen, was die eigentlichen Weiden für Kleinvieh sind, so ergibt sich plötzlich ein Bild einer Landschaft, in dem viele Probleme neu geordnet werden müssen oder gar nicht erst entstehen.

Weiden sind Grünland, welches beweidet wird und somit anderen Anforderungen entspricht als Wiesen, welche gemäht werden. Wege, Grabenränder, Ufer, Triften, Böschungen, Säume, Geflügelausläufe, Obstgärten, Waldschneisen, „Unland“, abgeerntete Stoppel- und Hackfruchtfelder sind Weiden. Zählt man diese Flächen zusammen, so ergeben sich in den Städten und Gemeinden riesige Flächen, die nicht in Konkurrenz zum Ackerland oder zu Wiesen stehen. Es muss in unserer Landschaft wieder selbstverständlich werden, dass man diese Bereiche beweidet. Ein wichtiger Gedanke für eine Beweidung der gesamten Landschaft ist das Einführen bzw. Wiedereinführen von „Weidedienstleistern“ oder Gemeindehirten.

Setzt man diese Definition und diesen Umfang des zu beweidenden Landes in den Kontext mit den allgegenwärtigen Begriffen des Bienen- und Insektensterbens und des Verlusts der biologischen Vielfalt, so ergibt sich in der Beweidung ein interessantes Lösungsmodell. Derzeit wird die Pflege dieser Randstrukturen aus Kosten- und Effizienzgründen meist durch ein flächendeckendes Mulchen gelöst. Mulchen von Grünland wiederum schadet der Blütenvielfalt und den Insekten erheblich, eine Lösung ist die Beweidung. Es ist daher unsere gesellschaftliche Pflicht, dass wir die Beweidung wieder neu denken und gerade diese kleinen unscheinbaren Flächen wieder besser nutzen. Sei es beim Viehtrieb, durch die Triebbeweidung oder durch ein gezieltes Einhagen. In jedem Fall muss dieses Neudenken sowohl von den Tierhaltern als auch von den Ordnungsbehörden und den Anwohnern neu geregelt werden, wenn wir langfristig und effizient Landschaftspflege betreiben möchten.


Ein Esel frisst auf einer schwer zu bewirtschaftenden Weide. Kleinviehhalter sind in der Lage, fast alle Landschaftstypen nachhaltig und wertvoll zu pflegen. Sie sind Dienstleister und wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft. Von der düngenden Nachbeweidung eines Stoppelfeldes oder Beets bis zum Steilhang: Kleinviehhalter werten alles auf.


Kreislaufwirtschaft und Upcycling. Die Beweidung des Gründüngers nach dem Abernten des Getreides stimuliert den Wuchs der Leguminosen und regt die Stickstoffbindung im Boden an. Die Kühe und die munter schnatternden Gänse veredeln dieses Pflanzenmaterial in delikater Weise. Eine Win-Win-Situation, die einen ganzheitlichen Bauernhof mit geringer Spezialisierung fordert.

Beweidung fördert die biologische Vielfalt und trägt aktiv zum Klimaschutz bei. Voraussetzung für die Erfüllung dieser Funktionen ist die extensive Beweidung ohne Zufütterung. Durch den angepassten Besatz und die Verwertung von Nährstoffen durch die Tiere werden die Weiden artenreich und vital. Die Stickstoffzufuhr durch den Niederschlag ist derzeit hoch genug, damit die Flächen wüchsig bleiben. Zur Pflege einer extensiven Weidelandschaft gehört dazu, dass die Flächen nicht befahren, nachgemäht oder egalisiert werden. Dadurch entsteht eine dreidimensionale Vielfalt, die durch Hochstauden, Sträucher und Bäume, aber auch durch langjährige Ameisenhaufen einen erheblichen Wert für die Artenvielfalt und die ökologische Funktion hat.

Die Tiere pflegen die Weiden, indem sie Dünger und Samen verteilen. Sie sparen Energie und sorgen für gesunde, regionale Lebensmittel. Aber natürliche Tierhaltung erfordert Wissen, Können und Liebe. Die Regionalität, die Rassen, das Individuum und auch die Natürlichkeit des Umfelds stiften den Unterschied zum eintönigen Massenauftreten auf der Weide.

Haustiere sind domestizierte Wildtiere. Durch diese artenreiche Kleingruppenhaltung auf der Weide wird dem Insektensterben entgegengewirkt. Denn das Insektensterben ist real. Es geht nicht nur um das Hundekottütchen und den Flüssigmist des Massentierhalters; wir sind längst eine Stufe weiter. Das Bienensterben ist in aller Munde – das Sterben und Fehlen der Zersetzer, der Destruenten, merkt kaum jemand. Der flüssige Mist der Massentierhaltung versickert unzersetzt und gelangt dadurch zu schnell ins Grundwasser. Und zugleich zeigt er, dass die Bauernhoftiere nicht auf Stroh liegen dürfen. Anders bei den Kleinviehhaltern.

Unterstand auf der Weide

Zum Schutz vor den unterschiedlichen Witterungen empfiehlt es sich, einen einfachen Unterstand auf der Wiese zu installieren. Dies lohnt sich freilich nur auf langfristigen Dauerweiden. Je nach Bauart kann dieser Unterschied verschiedene Funktionen erfüllen. Grundlegend ist jedoch die Einfachheit der Bauart.

Ein einfacher Unterstand aus Rundhölzern. Herunterhängende und büschelweise angebrachte Reisigbesen erlauben es den Tieren, sich von Fliegen und anderen Lästlingen zu befreien. Diese Einrichtung hat gegenüber Kunststoffbesen den Vorteil, dass kein Mikroplastik ins Erdreich und somit in unseren Nahrungskreislauf gelangt.


Unterstand für Weidetiere. Durch die Schräge kann das Dach für Ziegen als Kletterfläche benutzt werden.

Durch das Einbauen einer erdnahen Dachschräge kann der Unterstand als Klettergerüst für Ziegen benutzt werden. Optimal ist die Verwendung eines Gründachs. Dadurch wird die Dachhaut geschont und Weidefläche bleibt trotz Bebauung erhalten. Die Statik muss bei einer Schichtdicke von 30 cm mindestens 300 kg pro Quadratmeter aushalten.

INFO! Weideregeln

Wege, Grabenränder, Ufer, Triften, Böschungen, Säume, Geflügelausläufe, Obstgärten, Waldschneisen, „Unland“, abgeerntete Stoppel- und Hackfruchtfelder sind Weiden.

Besitzverhältnisse klären und Betretungsberechtigung einholen.

Den Übergang von der Stallhaltung zur Beweidung allmählich durchführen.

Wasser und Minerallecksteine vorhalten.

Tiere ruhig fressen lassen und nicht unnötig stören.

Verschmutztes Weidefutter meiden.

Sonnenschutz und Regenunterstand anbieten.

Stoppelweiden mit Bedacht nutzen.

Blähendes Futter, frischer Klee, Rübenblätter vermeiden und ggf. Raufutter, Heu und Stroh zufüttern.

Bei „intensiver Weidehaltung“: kurze Besatzzeiten und lange Ruhezeiten

Bei „extensiver Weidehaltung“: Dauerweide mit geringer Dichte (1–2 GVE pro ha in gemischter Beweidung)

Moderne Grassorten können durch Endophyten zu Problemen beim Weidevieh führen.


Der Zauber, der Reiz und die Funktionalität einfacher Unterstände, aus regionalen Hölzern konstruiert und erbaut.

Die Zäune

Zäune und Feldeinfriedungen sind vielfältig. In der Anfangsphase der bäuerlichen Lebensweise war die Strategie, Feldeinfriedungen und Zäune zu errichten, komplett anders als heute. So wurden aus Kosten- und Effizienzgründen nur die Pferche und Koppeln eingefriedet, um das Vieh nachts zu schützen. Des Weiteren umfriedete man Felder und Äcker mit Lesesteinen oder Hecken und schuf so unbewusst die sehr artenreichen Wallhecken, Knicks und Lesesteinwälle. Man schützte somit das Vieh vor nächtlichen Angriffen und die Feldfrüchte vor Übergriffen durch Tiere.

Das Vieh stand im Mittelpunkt. Man war entweder selbst Hirte oder hatte Hirten. Hirten waren Teil der Familien oder die Gemeinde stellte einen Gemeindehirten. Da das Vieh der wertvollste Besitz war, war die Arbeit als Hirte oder die Beschäftigung von Hirten selbstverständlich. Eine Umfriedung aller Weiden, die zum Teil als Allmende der Gemeinschaft gehörten und sich über weite Flächen erstreckten, war finanziell und politisch nicht vorstellbar. Erst die soziale Verteuerung des Lebens und die günstige Herstellung von Stacheldraht machten Weidelandschaften unrentabel. Eine Katastrophe für die biologische Vielfalt und den Klimaschutz. Nun wurden Weiden eingezäunt und Felder blieben uneingefriedet. Jagdpächter vertrieben recht schnell die letzten Haustierherden aus dem Wald und nahmen den Fraßdruck von den Feldern.


Zäune können intelligent angelegt werden und so passiv darüber entscheiden, wer durchgelassen wird.

Die Entwicklung war auf verschiedenen Ebenen problematisch für die Umwelt. Der Verlust von Wallhecken, Hecken und Mauern entstrukturierte die Landschaft und reduzierte die Vielfalt. Der Strukturverlust ging auf Kosten der Tier- und Pflanzenvielfalt. Erosion durch Wind und Wasser bedrohte die Felder und die Verstecke von Vögeln, Insekten und Niederwild gingen verloren.

Der Stacheldraht schuf zunächst noch Lebensraum für Wildpflanzen und Insekten, da entlang dieser Strukturen der Fraßdruck geringer war und auch nur schlecht gemäht werden konnte. Bewachsene Stacheldrahtzäune rund um die Weiden schufen ein kilometerlanges Blütennetz durch ganz Deutschland. Das endete abrupt mit der Einführung des Elektrozauns: Dieser muss zum Erhalt der Funktion ausgemäht werden. Viele Kilometer Lebensraum gingen so schon verloren, als die Tiere noch auf den Weiden waren.


Ob man für die Herstellung der Materialien eines Zauns eine Fabrik, ein Sägewerk oder einfach nur die Ruten einer intakten Hecke braucht, entscheidet sich von Fall zu Fall. Ein bunter Katalog voller Sonderangebote sollte einem das Denken nicht abnehmen.


Feldeinfriedungen sind vielfältig. In Europa gibt es Hunderte verschiedene Typen. Von der viehsicheren Hecke über verschiedene Steinmauern und Erdwälle bis zur nahezu grenzenlosen Vielfalt regionaler Holzzäune. Es lohnt sich die Beschäftigung mit den Feldeinfriedungen Europas, um zu sehen, dass Weiden auch sehr schön aussehen können und dass die Pflege von Hecken plötzlich eine für das Vieh nützliche Aufgabe wird, die den Zweck der Weideeinfriedung erfüllt.

Ob man nun einen Holzzaun wählt oder sich mit einem Drahtzaun beschäftigt – der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Mit Sicherheit ist ein Elektrozaun mit mobilen Pfählen und Solarplatte schnell aufgebaut. Dennoch sollten gerade bei langfristigen Weiden auch schöne und nachhaltige Zäune gebaut werden. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Anregungen und Modellen. Eine Elektrolitze ist dennoch sehr praktisch und hat in manchen Bereichen große Vorzüge.

Die Höhe des Zauns richtet sich nach der Tierart. Niemals sollte man die Sprungkraft eines Schafs oder gar einer Ziege unterschätzen. Auch die Kraft und das Geschick eines Esels oder Schweins ist unvorstellbar. Kaninchen graben flink und Hühner können oft erstaunlich gut fliegen. Als Teilzeittierhalter müssen wir uns immer wieder vor Augen führen, dass der Tag dieser Tiere auch 24 Stunden hat. In dieser Zeit bleibt genug Energie und Kraft für die Tiere, sich ausgiebig mit den Einfriedungen zu beschäftigen, um sich weiteres Weideland zu erschließen. Drücken und Schieben sind beständige Kräfte, die jeden Zaun irgendwann knacken. Esel zeigen außerdem großes Geschick beim Bearbeiten von Riegeln und Schiebern. Hier wirkt der Elektrozaun durch seine psychologische Wirkung Wunder. Dennoch ist die regelmäßige, strenge Kontrolle der Zäune ein Muss.

Während bei den meisten Tieren ein solider Zaun als Weideeingrenzung genügt, ist für die Freifläche um den Stall eine stabilere und langfristigere Lösung sinnvoll. Bei Schweinen gilt vielerorts zur Verhinderung des Kontakts mit Wildschweinen eine doppelte Zaunpflicht. Hier muss parallel zum Weidezaun ein weiterer Zaun gezogen werden, der den Tierkontakt vermeidet.

Nicht vergessen darf man, dass man nicht nur das Ausbrechen der Tiere oder den ungewünschten Kontakt mit den Wildformen verhindern, sondern auch das Eindringen von „Raubtieren“ oder Menschen regulieren möchte. Somit ist je nach Lage der Koppel oder des Geheges auch ein intensiver Schutz gegen ungewollten menschlichen Kontakt sinnvoll.

Das Aufkommen des Wolfs versetzt nun auch die Säugetierhalter wieder in die Situation, aus der Geflügelhalter nie herauskamen: die Hege und Pflege der Tiere durch nächtliche Sicherung.

Zäune sind vielfältig und können zudem schön und sinnvoll sein. Es lohnen sich eine Recherche und etwas handwerkliche Zuneigung zum Zaunbau, wobei regionale Zäune bevorzugt werden sollten.

DIE FELDER

Zur effizienten und kostengünstigen Kleinviehhaltung empfiehlt es sich, möglichst viele Futtermittel selbst anzubauen. Dadurch reduzieren sich die Kosten erheblich. Es gibt kaum Grenzen des Anbaus und die vollständige Ernährung der Tiere kann durchaus gelingen. Wenn der Platz nicht ausreicht, so sollte zumindest das Heu für Kaninchen oder den alltäglichen Bedarf als Nesteinlage in fast jedem Garten produziert werden können. So spart man sich das Rasenmähen und fördert nebenbei artenreiche Blumenwiesen. Auch das Anbauen von vielen Zucchini- oder Kürbispflanzen ist ein großer Beitrag zur Tierfütterung. Riesenzucchinis werden geraspelt und können so die Hühnerschar satt machen.


Kartoffellegen ist eine Einzelarbeit, die sich lohnt. Man legt die Kartoffeln in Abständen auf den Mist und drückt sie an. Ein Wohl- und Glücksgefühl überkommt einen nach getaner Arbeit – beim Legen und späteren Ernten.

Das große Buch vom Kleinvieh

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