Читать книгу Gott und Gender. Metaphysik von Sex und Tod / Бог и Пол. Метафизика секса и смерти - Яков Шмидт - Страница 8
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ОглавлениеDie Größe des Menschen besteht darin, dass er einen Sinn für Größe=Differenz und einen Sinn für das Lächerliche hat – die Freude an der Rückkehr zur Gleichgültigkeit, die Freude an dem Nullstellen. Vom Großen zum Lächerlichen ist ein Schritt. Ein Schritt in Richtung der Gleichgültigkeit.
«Das Lachen ist ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts.»
I. Kant “Kritik der Urteilskraft”
Wo es keine Erhabenheit gibt, kann es auch kein Komisches geben. Lyrische Offenbarung und zynische Schärfe sind gleichermaßen Beweis für Bild und Gleichnis.
Der Glaube kann polytheistisch sein – mit vielen Göttern. Und die Familie kann polygam sein – mit vielen Ehefrauen, wie man sie auch nennen möchte: Liebhaberinnen, Nebenfrauen… Oder polyandrisch, mit vielen Ehemännern, wie man sie auch nennen möchte.
Im wirklichen Leben widerspricht alles dem fundamentalen Schema. Der Familienalltag wird als Prosa genannt, und “Seitensprung” ist ein Tag der Poesie. Und ganz schwermütig und ohne Poesie scheint das religiöse Ideal des Asketentums und des Zölibates. Das Schema spiegelt nicht die Psychologie der Persönlichkeit wider, sondern die dahinter verborgene Anthropologie. Und gleichzeitig kann die rätselhafte Psychologie nur dadurch erklärt werden.
Der Ehelosigkeit, die unvermeidlich zum Aussterben der Gattung und zum Ende der Geschichte führt, liegt paradoxerweise in einem Sinn für die Lasterhaftigkeit der Empfängnis. Deshalb scheint die Familienordnung mit ihrer Moral eine Zwischenstufe zu sein, auf der die Geschichte ins Stocken geriet und stecken blieb. Oder besser gesagt: Die Geschichte ist die Zwischenstufe. Die nächste Stufe führt uns über unseren Verstand hinaus. Aber dazu später mehr.
Je mehr spekulative Betrachtung die Wahrnehmung verdrängt, desto realer wird das Gegenteil des Offensichtlichen. Nur spekulativ vom Offensichtlichen weggehend, erriet man, dass die Erde, scheinbar flach und unbeweglich, die Form einer Kugel hat, sich um ihre Achse und um die Sonne dreht, das heißt, die menschliche Sicht stimmte zunehmend mit der Sicht des außenstehenden Beobachters überein. Aber man hat nicht aufgehört, den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang zu bewundern, Gott sei Dank.
Für einen außenstehenden Beobachter scheint unser Planet rund zu sein und sich zu drehen. Er sieht eine andere Harmonie, die uns unzugänglich oder nur spekulativ zugänglich ist. Wer weiß, vielleicht sieht der Blick des Außerweltlichen eine ganz besondere Rolle für die Erdkugel.
Der ewige Schmerz des philosophischen Pessimismus – das Fehlen eines Sinns des Lebens und des Weltalls – entsteht aus der inneren Überzeugung, dass es einen solchen Sinn geben muss:…wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Es wurde gesagt, nicht zwischen Güte und Böse zu unterscheiden: zwischen Sinn und Sinnlosigkeit, zwischen Ordnung und Chaos, zwischen Schönheit und Hässlichkeit, zwischen dem Ehrenhaften und dem Beschämenden.
Die Geschichte zeigt, dass der Mensch nicht in der Lage ist, das Geflecht aus Güte und Böse zu entwirren: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Der Feigenhand wird, wie Rozanov sagte, ein Denkmal für den Philosophen sein.
Denn es ist allen Lebewesen gegeben, das Angenehme und das Unangenehme zu kennen, dem Verstand, Ursache und Folge zu begreifen, das Wahre vom Falschen, das Zweckmäßige vom Unzweckmäßigen zu unterscheiden, aber die Güte und die Böse, das Erhabene und das Niederträchtige zu kennen, als zweckgerichtete Selbsteinschätzung, ist Gleiche mit Gott, das Bewusstsein mit Ihm auf von Gleich zu Gleich.
Aber der Apfel wurde gegessen, und was für die Tiere natürlich und eindeutig ist, wird von den Menschen symbolisch und in dreifacher Weise wahrgenommen: als Sakrament oder als Demütigung oder als Verwüstung. Eine und dieselbe Szene hat je nach Kontext unterschiedliche Bedeutungen – wie Poesie oder Satire, oder Prosa. Wenn man sagt, dass sich die Beziehungen erschöpft haben, bedeutet das, dass der frühere Text seine Bedeutung verloren hat und zu einem “Fisch” nach derselben Melodie geworden ist. Wenn nicht eine Parodie. Neue Worte für die Hymne, ein neues Paar, das Neue Testament sind nötig.
Vor der Verletzung des Gebots wurde über die Frau und den Mann gesagt:…und werden die zwei ein Fleisch sein. Und nach der Verletzung wurde der Frau gesagt:…durch die Vermehrung will ich deinem Mann deine Anziehungskraft vermehren, und er soll über dich herrschen. Er wird dominieren, und ihre Anziehungskraft auf ihn wird sich noch verstärken. Je weniger wir eine Frau lieben, Desto mehr gefallen wir ihr…(A.S. Puschkin). Zynismus des Oben und Tragikomismus des Unten, Sadismus und Masochismus sind entstanden.
Zunächst wurde eine übernatürliche Verbindung als etwas, das der natürlichen Hierarchie der Tiere überlegen ist, und dann eine übernatürliche Trennung in ein Oben und Unten gegeben, die größer als bei den Tieren ist. Güte und Böse.
Zwei sind ein Fleisch – Poesie, Sadist und Masochist – Satire, ein männliches und ein weibliches Wesen – Prosa.
Zwischen dem rätselhaften und poetischen: vom Baum der Erkenntnis der Güte und der Böse esse nicht davon, denn… mit dem Tod wirst du sterben und dem prosaischen: seid fruchtbar und vermehret euch gibt es eine geheimnisvolle Satire: sie fanden heraus, dass sie nackt waren.
In der Poesie des Paradieses vermehrten sie sich nicht, nur in der Satire des Exils erkannte Adam seine Frau Eva.
Wie das zu erklären ist, weiß nur Gott.