Читать книгу Waldlichter - A. V. Frank - Страница 29
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Kapitel 12
Tran erwachte am nächsten Morgen als Erste gut ausgeruht und entspannt. Als sie aufstand, schmerzte ihr gesamter Körper von der Tortur der vergangenen Tage. Doch von der Gefangennahme und der Morddrohung gegen Vici mal abgesehen, konnte sie sich an kaum etwas erinnern. Sie wusste, dass sie mit den anderen beiden ein seltsames Ritual durchgeführt hatte, dass sie über einen verborgenen Pfad hierhergekommen und zwei Tage und Nächte lang an einen Baum gefesselt gewesen waren. Ansonsten erinnerte sie sich nur noch an die Rettung durch Nicja, ihre nicht existierende Zwillingsschwester.
Da war noch mehr gewesen, doch bei dem Gedanken daran wollte ihr Kopf schier bersten. Bilder von unzähligen fein geschnittenen Gesichtern blitzten vor ihrem inneren Auge auf. Was waren das für Leute?
Als sie ihre Aufmerksamkeit von den wilden, haltlosen Gedanken in ihrem Kopf auf ihre Umgebung lenkte, sah sie, dass man ihnen Kleidung hingelegt hatte, denn der Tag war in Sarscali bereits angebrochen. Es war sogar schon Mittag, stellte Tran fest, als sie auf ihre Uhr blickte. Bereits vor zwei Stunden hätten sie im Palast sein sollen. Doch das war ihr ziemlich egal und so suchte sie sich erst einmal ein hübsches Kleid aus dem Klamottenstapel aus und zog es an. Es war hellgrün wie die Farbe der Frühlingsblätter und mit fein gearbeiteten Ornamenten in ebendieser Form bestickt. Eine Haarspange war daran festgemacht und Tran steckte sich damit ihre Mähne hoch. Außerdem fand sie drei Paar seltsamer Schuhe aus Leder und mit ziemlich dünner Sohle, die mit Lederschnüren oben zusammengebunden wurden. Sie schlüpfte in eins davon hinein und wunderte sich darüber, wie bequem die Fußbekleidung war. Sie spürte zwar jede Unebenheit auf dem Boden, doch es war nicht unangenehm.
Plötzlich seufzte Ana im Schlaf auf, drehte sich um und fiel aus dem schmalen Bett. Mit einem unterdrückten Aufschrei wachte sie auf und starrte verwirrt zu Tran hoch. Nachdem sie sich zusammengereimt hatte, was passiert war, lief sie dunkelrot an vor Scham, richtete sich auf und warf die Decke zurück aufs Bett.
Tran war in der Zwischenzeit ins Badezimmer gelaufen, um dort in schallendes Gelächter auszubrechen und Vici nicht zu wecken. Das übernahm Ana, bevor sie sich zusammen über den Kleiderstapel hermachten. Schließlich erschien Ana mit einem malvenfarbenen und Vici mit einem dunkelblauen Kleid.
Ana sah unzufrieden aus. „Auch wenn ich meine Erwartungen schon runtergeschraubt habe, das ist echt zu viel. Die haben unmögliche Farben herausgesucht. Wer zieht denn bitte ein orange- oder lilafarbenes Kleid an? Das sind absolute No-Gos in der Mode, die selbst hier angekommen sein sollten.“
Tran und Vici sahen sich kurz an, um dann einhellig den Kopf zu schütteln und den Kommentar zu übergehen. Sie ließen Ana über die Mode schimpfen und hörten sich ihr Gejammer über den vergessenen Schmuck an, bis es an ihre Tür klopfte. Hastig machten sie sich daran, zu öffnen.
Draußen stand Tyr, der sie anlächelte und munter sagte: „Guten Morgen, ihr Langschläferinnen. Die anderen warten schon ungeduldig auf euch. Kommt mit.“
Er drehte sich schon um, doch Ana antwortete ihm trotzdem, allerdings nicht ganz so fröhlich. „Wenn wir zu lange geschlafen haben, dann sind nicht wir daran schuld. Wir wollten schließlich nicht so schlecht behandelt werden, dass wir hinterher komplett übermüdet sind.“
Tyrs Bewegungen stockten, zwar nur für einen kurzen Moment, aber dennoch wahrnehmbar, und er erwiderte ernst: „Wir können uns wohl nicht oft genug dafür entschuldigen.“ Dann ging er zügig weiter, während die Mädchen ihm ernst und angespannt folgten.
Als sie in dasselbe Zimmer wie am Vortag kamen, warteten dort bereits die vier Geschwister, Morin und noch einige andere Unbekannte. Tyr setzte sich neben Morin, während Nicja auf drei freie Stühle am Tischende deutete. Unbehaglich setzten sich die Mädchen und sahen sich schweigend um.
Schließlich ergriff Nicja das Wort. „Ich hoffe, ihr habt gut geschlafen und seid zufrieden mit eurer Unterkunft.“ Sie erwartete keine Antwort, deshalb bekam sie auch keine. „Hier anwesend sind die Godji unseres Stammes, unsere Priester. Das sind Vrivus, Priester der Midjis, Dewde, Priester der Lifrana, Beljis, Priester der Pesrentrae, Silvijo, Priester der Billingra, Iros, Priester der Ethlirikdoma, und Boulevolite, der Priester von Blawde. Morin, mein Gefährte, ist der siebte der Hauptpriester, er dient der Göttin Nykra. Tyr, mein Sohn, ist der Hochpriester von Vara und mich nennt man die Großpriesterin oder Mycidja.“ Sie hatte nacheinander auf alle Anwesenden gedeutet und den Mädchen immer wieder wachsame Blicke zugeworfen, ob sie irgendwie reagierten. Sie sahen vor allem etwas erschlagen ob der vielen Namen und ziemlich verwirrt aus. Zu guter Letzt fügte sie hinzu: „Und das hier ist unser Cousin, Erundis of Barrond, kein Priester, aber genauso wichtig.“