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Kapitel 4

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Niemand und Seele

„Niemand, du?“ Plötzlich konnte ich mich wieder erinnern. Es war mein künftiger Begleiter, mein innerer Psychopompos, der mich in meiner zukünftigen Erinnerung durch die Abgründe meiner inneren Schatten führen wird. Deshalb war es für mich auch so ungemein schwer, mich jetzt schon zu konzentrieren, weil das alles erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden wird. Aber mit einem Mal schwebte meine noch unerlebte Zukunft vor meinem inneren Auge, und ich konnte jedes zukünftige Detail vor mir sehen, und da wurde mir klar: Ich werde meine Reise durch das zukünftige Haus der Erinnerungen genauestens protokollieren. Denn: „Die Suche nach dem Tod wird eines Tages zur Aufarbeitung und endgültigen Erlösung meines Schattens werden.“

Dann schlug Niemand die Kapuze seines Mantels zurück und mit einem einzigen Blick wurde mir die Antwort klar: Es war kein Körper aus Fleisch und Blut, sondern es handelte sich um leuchtende Flammen aus regenbogenfarbenem Licht, lebendige Energiemuster, vielleicht eine abstrakte Entsprechung dessen, was sich der Mensch unter einem physischen Körper vorstellt, der sich wie ein starkes Informationsfeld aus meinem Bewusstsein in den Kosmos abstrahlte.

„Ich bin nicht der, den du zu sehen glaubst“, hörte ich seine Botschaft im Sternenmeer, „ich bin der Wächter der Seele am Ende der Träume, der ganz zum Schluss aus dem alten Niemand hervorgehen wird, um dir zu zeigen, an was du dich eines Tages wieder zu erinnern beginnst.“

Seine Augen glühten wie zwei Laserstrahlen, die mit einer höheren Welt in Kontakt waren. Als ich ihn berührte, wechselte sein leuchtender Ausdruck und er schaute mich ruhig und gefasst an, als ob er gerade wieder in meine Träume zurückkehren würde: „Willkommen in meiner Erinnerung: Endlich bist du wieder bei mir – ich liebe dich und vermisse dich so sehr“, hörte ich ihn sagen. „Nie wieder lasse ich dich gehn!“

„Ja, ich liebe dich auch“, wollte ich ihm schon antworten, da merkte ich, Niemand meinte nicht mich – er sprach durch mich hindurch, aber nicht mit mir. Zumindest war es nicht meine Person, der seine Worte galten. Was war geschehen?

Im Spiegel seiner Augen erblickte ich eine wunderschöne Frau: „Ja, ich vermisse dich sehr“, stöhnte sie. Eine weibliche Erscheinung züngelte wie eine Energiesäule in ihm, von der ich keine Ahnung hatte, wie es ihr gelungen war, sich in seiner Pupille zu spiegeln.

Vielleicht war sie durch einen geheimen Seiteneingang gekommen, von oben durch die Decke geschwebt oder auf digitalem Weg irgendwo verschwunden und bei mir im Schockraum wieder aufgetaucht. Ich spürte einen erotischen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Ihr funkelnder Leib war erfüllt von leuchtender Wärme und ich sah den feurigen Strom seiner Worte ihre Lust umschmeicheln. Sein Geist nahm sie auf, und sie fanden ihren Rhythmus in der Liebesglut. Beide schrien ihre Lust hinaus in die Sternennacht.

Die 8te Pforte

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