Читать книгу Das Juwel der Talmeren (Band 1) - C. M. Spoerri - Страница 13
Kapitel 5 - Léthaniel
ОглавлениеIch fühle mich, als wäre ich in freiem Fall vom Himmel in ein Dornenbeet gestürzt, daraufhin von einer Klippe gefallen und am Schluss noch von einer Horde Pferde überrannt worden. Jeder Muskel schmerzt und meine Seite brennt so stark, dass ich am liebsten zurück in die Dunkelheit fliehen würde, aus der ich gerade aufgewacht bin. Trotzdem blinzle ich gegen das Tageslicht an und versuche zu begreifen, was geschehen ist.
Die Dunkelelfen … die Höhle …
Steinwind!
Schlagartig öffne ich die Lider und fluche laut, als ich mich aufsetzen will, denn mein Körper quittiert die abrupte Bewegung mit einem Stechen an meiner rechten Seite. Ich ziehe scharf die Luft ein und kneife die Augen zusammen, warte, bis die Schmerzwelle abgeflacht ist.
Der eisige Wind, der mir Schneeflocken ins Gesicht treibt, hilft mir dabei ein wenig.
Vorsichtig schlage ich den Pelzmantel zurück und begutachte meinen Oberkörper. In meinem ledernen Wams klafft ein großes Loch, das blutverschmiert ist. Da mein Hemd, das ich darunter trage, durch das getrocknete Blut an der Haut klebt, muss ich schon länger hier liegen. Zudem bin ich über und über mit Schneeflocken bedeckt, die ich unwirsch wegwische.
Ein Plätschern verrät, dass sich in der Nähe ein fließendes Gewässer befindet. Als ich den Kopf etwas drehe, entdecke ich Meteor, der sich neben mir zusammengerollt hat und mich nun mit einem leisen Fiepen sowie dem Bild einer aufgehenden Sonne begrüßt, das er in meinem Kopf entstehen lässt.
Ich tätschle ihm fahrig die blutverkrusteten Federn, was er mit einem Gurren kommentiert. Schnell suche ich ihn nach Wunden ab, aber das Blut stammt wohl von Steinwind und mir – Meteor ist unverletzt.
Anschließend fällt mein Blick auf meinen Freund, der etwa zwei Armlängen von mir entfernt regungslos auf dem felsigen Boden liegt, mit dem Gesicht nach unten. Auch auf seinem Körper sammeln sich Schneeflocken wie eine Puderzuckerschicht.
»Scheiße …«, murmle ich, als ich keinerlei Lebenszeichen an ihm bemerke, und robbe – meine Schmerzen ignorierend – zu ihm, rüttle ihn an der Schulter.
»He, Großer …«
Meine gebrochenen Rippen lassen mich aufkeuchen, als ich ihn mit aller Kraft auf den Rücken drehe. Ein Kunststück, das mir erst nach mehreren Anläufen und einem Dutzend Flüchen gelingt.
Doch dann liegt er endlich auf dem Rücken und ich kann seine Verletzungen näher betrachten.
Auch in seinem Oberbauch klafft eine Wunde, die allerdings weiterhin blutet.
»Verdammt …«
Wie viel Blut er wohl verloren haben mag? Der Schnee unter uns ist voll davon, glänzt regelrecht.
Rasch überprüfe ich, ob er noch atmet, und bin erleichtert, als ich einen leichten Luftzug an seinem Mund sowie einen schwachen Puls an seinem Hals feststelle.
»Stirb jetzt nicht«, ermahne ich ihn, ehe ich mich erneut laut fluchend auf die Füße kämpfe.
Meteor hat uns nicht zurück zum Lager, sondern zu einer Anhöhe gebracht, die ich nicht kenne. Aber ich vertraue darauf, dass sie weit genug von dem Dunkelelfen-Hort weg liegt, sodass wir hier vorerst vor diesem Pack sicher sind.
Rund um uns herum gibt es nichts als schneebedeckte Felsen sowie den kleinen Bach. Er befindet sich vielleicht ein Dutzend Schritt entfernt, was jedoch verdammt weit ist, wenn man nicht einmal richtig auf den Beinen stehen kann.
Ich überlege kurz, ob ich Steinwind auf den Rücken meines Greifs hieven und ihn so zum Wasser bringen sollte, verwerfe die Idee allerdings wieder. Mein Freund ist viel zu schwer und ich bin viel zu geschwächt. Wahrscheinlich würde ich zehnmal ohnmächtig werden bei dem Versuch, und damit ist keinem von uns geholfen.
In Meteors Satteltaschen werde ich vergebens nach Heiltränken suchen. Die gesamte Ausrüstung für Wundversorgung hatte Steinwind in seinem Gepäck und das ist leider verloren.
Also packe ich ihn an den Armen und schleife ihn unter lautem Keuchen zum Bach. Seine Wunde muss ausgewaschen werden, ebenso wie meine. Und etwas zu trinken wäre auch nicht verkehrt.
Nach einer gefühlten Ewigkeit – mir gehen inzwischen die Flüche aus – gelingt es mir, Steinwind zum Ufer der Bergquelle zu bringen. Meine Seite hat durch die übermenschliche Anstrengung erneut angefangen zu bluten, doch das ist egal. Ich werde die Verletzung schon irgendwie überleben – bei Steinwind bin ich mir da nicht so sicher. Er ist zwar stark wie ein Bär und hat bereits manches Desaster überstanden, aber so viel Blut hat er noch nie verloren. Ganz zu schweigen davon, dass ihm ein Organ entrissen wurde. Ich glaube zwar zu wissen, dass man auch ohne Milz leben kann, allerdings ist die Frage, ob er die Verletzung überwindet. Immerhin sind wichtige Adern durchtrennt und der Blutverlust ist immens.
Vorsichtig schlage ich seinen Umhang zurück, öffne sein Obergewand und beginne, mit dem kalten Gebirgswasser die hässliche Wunde zu säubern. Sein breiter Brustkorb hebt sich nur leicht und er stöhnt immer wieder vor Schmerzen, während ich ihn wasche.
»Entschuldige, das wird jetzt wehtun«, warne ich ihn, obwohl er mich in seiner Bewusstlosigkeit nicht hören kann.
Ich taste nach meiner Magie und bin erleichtert, als ich sie spüre. Die Dunkelelfen scheinen über nicht allzu starke Mittel zu verfügen, magische Kräfte zu unterdrücken. Zudem öffnet mein Greif seine Magie unvermittelt für mich, sodass ich den nächsten Zauber ohne große Anstrengung ausführe.
Sorgsam bilde ich eine Flamme auf meiner Hand und lasse sie bis zu meinen Fingerspitzen tanzen. Meine Haut verbrennt dabei nicht, das Feuer ist mein Freund. Als die ganze Handfläche voller Flammen ist, presse ich sie auf Steinwinds Wunde, was ihn selbst in der Bewusstlosigkeit laut aufschreien lässt.
Ich beiße die Zähne zusammen, gebe nochmals etwas mehr Magie in den Zauber, bis ich verkohltes Fleisch rieche. Steinwind verkrampft sich, ehe er regungslos vor mir liegt.
»Das war’s, mehr kann ich im Moment nicht für dich tun«, sage ich leise.
Sorgfältig hebe ich mein Obergewand hoch, um die Bisswunde zu inspizieren. Dabei verfluche ich noch einmal aufs Herzhafteste diese verdammten Scheißkerle, die uns beinahe umgebracht hätten. Und diesen Drecksassassinen, der uns an sie verriet! Sollte der mir in die Finger kommen, wird er erst mal wieder laufen lernen müssen!
Ich wasche das Blut von meiner Seite und atme gegen die Kälte an, die sich meiner bemächtigen will, als ich das eisige Wasser auf der Haut spüre. Vorsichtig betaste ich die Ränder der Wunde.
Ein Biss von einem Dunkelelfen könnte schwerwiegende Folgen haben – vermute ich. Schon der Biss eines Menschen kann zu tödlichen Infektionen führen. Was geschieht, wenn ein Angehöriger dieser Elfenbrut an einem herumknabbert, will ich lieber nicht austesten. Leider wird es mir nicht gelingen, die Wunde auszubrennen – nicht mit meiner eigenen Magie, denn die würde mich zu wenig verletzen. Ich könnte das Feuer zwar so heiß machen, dass es klappt, aber dann würde es zuerst meine Hand verbrennen, ehe ich die Wunde erreiche. Auswaschen muss also vorerst genügen, was ich mit äußerster Vorsicht tue.
»Meteor«, rufe ich den Greif, nachdem ich meine Kleidung übergestreift habe.
Trotz des Pelzmantels friere ich und kann nicht verhindern, dass meine Zähne klappernd aufeinanderschlagen.
Mein Greif kommt mit seinem raubtierhaften Gang zu mir und reibt den Adlerkopf sanft an meiner nicht verletzten Seite. Er wärmt mich mittels seiner Magie ein wenig und ich lächle unwillkürlich.
Meteor ist wirklich ein gutes Tierchen …
»Du hast uns das Leben gerettet, danke«, sage ich, während ich seinen Hals kraule.
Ich helfe dem Greif, sich vom gröbsten Blut zu reinigen, danach widme ich mich wieder Steinwind, der immer noch bewusstlos neben dem Bach im Schnee liegt.
»Lass uns von hier verschwinden.«
Aber wohin? Zurück zum Lager wage ich mich nicht. Obwohl wir dort Vorräte und Verbände hätten, die wir gebrauchen könnten, falls sie nicht von den Bastarden gestohlen worden sind. Zudem befindet sich das Lager in der Nähe des Dunkelelfen-Unterschlupfs. Noch einmal will ich diesem Gesindel nicht in die Hände fallen. Meine Waffen sind ohnehin verloren, denn uns wurde alles abgenommen. Zum Glück kann ich mich mit Magie verteidigen, sollte es notwendig sein.
Lucja zu suchen, erscheint mir im Moment ebenfalls nicht klug. Wenn sie noch lebt, ist sie den Dunkelelfen ziemlich sicher entkommen und wird sich wohl zur nächsten Menschensiedlung durchkämpfen. Vielleicht nach Fayl. Dort könnte ich sie womöglich wiedertreffen, sollte es mir gelingen, Steinwind und mich in Sicherheit und zu einem Heiler zu bringen.
Ich blicke zum grauen Himmel hinauf, aus dem stetig kleine Schneeflocken auf uns herunterrieseln. Es ist ungefähr Mittag, wir haben also einen halben Tag, um einen Unterschlupf für die Nacht zu finden. Hier auf dem offenen Gelände zu bleiben, wäre zu gefährlich. Wer weiß, wer oder was sich in der Nähe noch so rumtreibt?
Wichtig ist an erster Stelle, dass wir ein Lager haben und uns gegen die Kälte und den Schnee schützen können. Wenn das erledigt ist, muss ich dafür sorgen, dass mein Freund nicht stirbt.
Die nächste menschliche Siedlung ist wahrscheinlich mehrere Tagesritte entfernt. Selbst mit Meteor wäre es weit und ich bin mir nicht sicher, ob Steinwind einen so langen Flug überleben würde. Es wird uns allerdings nicht viel anderes übrig bleiben, als es zu probieren.
»Eines nach dem anderen«, murmle ich.
Die Anstrengung, Steinwind nun doch auf Meteors Rücken zu hieven, bringt mich an den Rand meiner Kräfte, obschon mein Greif mir beherzt dabei hilft und sich sogar hinlegt. Er scheint zu spüren, dass wir uns noch nie so nahe an der Todesschwelle aufgehalten haben wie jetzt.
Schweiß strömt mir trotz der Kälte über das Gesicht und meine Wunde beginnt schon wieder zu bluten. Aber ich beiße die Zähne zusammen und lasse erst locker, als Steinwind quer über dem Greifenrücken liegt. Die gebrochenen Rippen pochen und ich verziehe vor Schmerz das Gesicht.
Es nützt nichts … da muss ich durch.
Noch einmal wasche ich mir das Blut vom Oberkörper, ziehe meine Kleider an und schwinge mich dann ebenfalls auf Meteor, der inzwischen auf allen vieren steht.
Ich versuche, mich zu orientieren. Wir sind aus dem Süden gekommen, demzufolge müssen wir dahin zurück. Denn dort liegt die nächste mir bekannte Siedlung.
Rasch gebe ich Meteor mit einem Bild der Sonne zu verstehen, in welche Richtung er fliegen soll, ehe er sich auch schon in die Luft hebt.
Erst als wir uns ein paar Dutzend Schritt über dem Boden befinden, entspanne ich mich ein wenig. Hier oben sind wir vorerst sicher, solange wir nicht das Pech haben, einem Drachen oder anderen fliegenden Wesen zu begegnen.
Wir sind etwa eine Stunde geflogen, da entdecke ich unter uns ein kleines Tal, das sowohl einen Wald als auch einen Fluss besitzt. Steinwind ist immer noch ohnmächtig und röchelt stärker als zuvor beim Atmen.
Da ich keine Ahnung habe, wie weit die nächste Siedlung tatsächlich noch entfernt ist, und kaum glaube, dass mein Freund weitere Flugstunden durchhält, gebe ich Meteor das Zeichen, dass er landen soll. Natürlich erst, nachdem ich mich vergewissert habe, dass uns unten keine böse Überraschung erwarten wird. Doch das Tal scheint unbewohnt zu sein – und vor allem frei von Dunkelelfen. Zumindest kann ich weder Spuren von Menschen noch von anderen Lebewesen ausmachen. Außerdem liegt hier ein bisschen weniger Schnee als in den höheren Lagen, was bedeutet, dass wir in der Nacht nicht so rasch frieren werden.
Wir landen an dem Fluss, der etwa zwei Schritt breit ist. Aus der Luft habe ich die perfekte Stelle für uns gefunden: einen Felsvorsprung, dessen Unterseite sich mit ein paar Ästen in eine Höhle umwandeln lässt und sich nur wenige Schritt vom Gewässer entfernt befindet.
Meteor trägt Steinwind unter den Vorsprung und ich zerre meinen Freund vom Greifenrücken, lasse ihn so vorsichtig wie möglich in den Schnee gleiten, der etwa einen Fingerbreit hoch ist. Als ich in Steinwinds Gesicht blicke, schaudere ich. Er ist aschfahl, seine Stirn schweißnass und seine Lippen sind bleich.
»Durchhalten, mein Freund«, brumme ich. »Wir haben schon Schlimmeres überstanden.«
Was eine Lüge ist, aber er hört mich ja ohnehin nicht.
Meine Seite bringt mich fast um, als ich Meteor die Satteltaschen abnehme und beginne, Brennholz zu sammeln, von dem es glücklicherweise genug in der näheren Umgebung zu finden gibt. Mit einer einzigen Handbewegung entzünde ich ein Lagerfeuer, nachdem ich die Holzstücke so gestapelt habe, dass sie eine Weile brennen.
Derweil hat Meteor meinen Befehl ausgeführt und ein Dutzend dicke lange Äste zusammengetragen. Für ihn als Greif ein Kinderspiel, er kann mit seinem Adlerschnabel und den Löwenpranken problemlos einen jungen Baum fällen.
Geschickt bilde ich mit den Zweigen eine schützende Wand um den Felsvorsprung herum, indem ich sie ein wenig in den Boden ramme und oben an den Stein anlehne. Meteor hat indes noch einige Tannenäste gebracht, die ich dazwischen flechte. Somit kann ich uns noch besser vor Wind und Regen schützen.
Als ich fertig bin, mustere ich zufrieden das Ergebnis.
»Meteor, geh auf die Jagd, ich bleibe hier«, sage ich zu meinem Greif und schicke ihm in Gedanken ein Bild von einem Hasen.
Er versteht und ich sehe ihm dankbar nach, als er sich in die Luft erhebt.
Einen Greif zu haben, ist schon eine prima Sache …
Wenn wir dieses Abenteuer heil überstehen, werde ich ihm einen ganzen Berg Fleisch zur Belohnung schenken.
Seufzend lasse ich mich vor dem Lagerfeuer nieder, nachdem ich mich vergewissert habe, dass Steinwinds Zustand stabil geblieben ist. Kurz durchwühle ich Meteors Satteltaschen, jedoch habe ich darin bloß ein paar Gewürze sowie Utensilien für die Pflege des Greifs verstaut. Ein Striegel, Wurzelbürste, Kardätsche oder Kamm helfen mir in meiner Lage leider nicht weiter. Nicht einmal ein Messer oder einen Dolch finde ich in den Taschen.
So ein Mist …
Die gesamte Ausrüstung, die ich für mich selbst benötigte, hatte ich in meinem Gepäck, das jetzt bei den Dunkelelfen ist. Das einzig Nützliche, das mir neben einem Stück Seil in die Hände fällt, ist ein zweiter Satz Dietriche, doch die bringen mir im Moment wenig.
Mit einem tiefen Atemzug lege ich die Sachen in die Satteltaschen zurück, hebe mein Obergewand hoch und starre in die Flammen.
»Na dann heißt es jetzt Zähne zusammenbeißen«, sage ich zu mir selbst, ehe ich einen der dickeren Äste aus dem Feuer hole. »Verdammt … das wird scheiße wehtun …«
Ohne zu zögern, presse ich den glühenden Ast auf meine Wunde. Zunächst spüre ich nur den Schmerz der Verletzung, was mir allerdings bereits Sterne vor den Augen beschert.
Es dauert eine Weile, bis meine Haut vom Feuer verbrannt wird – viel länger, als es bei Steinwind der Fall war. Doch ein paar Sekunden später rieche ich wieder verkohltes Fleisch und würge, während der Schmerz wie ein Raubtier durch meinen Körper tobt.
Obschon ich halb ohnmächtig werde vor Qual und mir ein lauter Schrei entfährt, halte ich durch, bis auch der letzte Fingerbreit verkohlt ist. Erst danach werfe ich den Ast keuchend zurück ins Feuer und lasse mich auf den Rücken fallen. Ich beiße in meine Faust, da die Schmerzen kaum auszuhalten sind.
Gerade würde ich für eine Flasche Schnaps töten!
Ich muss kurzfristig das Bewusstsein verloren haben, denn als ich die Lider öffne, ist Meteor bei mir und stupst mich mit dem Adlerschnabel an.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht richte ich mich auf und schaue mich hektisch um, doch außer zwei toten Hasen kann ich nichts entdecken. Keine Gefahr also.
Innerlich schelte ich mich, dass ich mit dem Ausbrennen der Wunde nicht gewartet habe, bis Meteor wieder da war.
Ziemlich dämlich von mir, aber meine Entscheidungen sind in letzter Zeit ohnehin nicht die besten …
Mein Blick gleitet zu der Wunde an meinem Bauch, die hässlich stinkt und noch hässlicher aussieht. Rasch ziehe ich das Obergewand runter und vergewissere mich, dass Steinwind immer noch lebt. Sein Gesicht ist bleich wie ein Bettlaken und sein Atem geht rasselnd, aber er atmet wenigstens.
Kurz wäge ich ab, ob ich es wagen soll, weiterzufliegen, verwerfe allerdings den Gedanken gleich wieder. Selbst wenn es mir gut ginge, wäre es ein anstrengender Flug, und Steinwind würde ihn nicht überstehen, bevor er nicht einigermaßen stabil ist.
Also erhebe ich mich wankend und gehe durch den Schnee zum Fluss, stille meinen Durst mit dem eiskalten Wasser, ehe ich das lederne Wams ausziehe und als Schale verwende, damit ich auch meinem Freund etwas zu trinken bringen kann.
Zurück beim Felsen öffne ich vorsichtig Steinwinds Mund und lasse das kalte Nass zwischen seine Lippen tropfen. Er schluckt reflexartig, ohne die Augen aufzumachen. Ich wasche seine heiße Stirn und überlege, was ich sonst noch für ihn tun kann. Zwar habe ich in meiner Zeit als Schurke einiges über Erstversorgung gelernt, ein Heiler ist jedoch nie aus mir geworden. Allein schon, weil ich kein Erdelement in mir trage. Zudem habe ich keine Ahnung, welche Kräuter in diesen Bergen wachsen, die uns nützlich sein könnten.
Seufzend widme ich mich den beiden Hasen, ziehe ihnen mithilfe eines scharfen Steins das Fell über die Ohren und nehme sie notdürftig aus.
Mit einem Dolch würde das alles schneller gehen, aber wir haben heute ja nichts mehr vor …
Als die Hasen in der Glut des Feuers braten, lehne ich mich gegen die Felswand und überlasse es Meteor, über den Braten sowie unser Wohl zu wachen.
Müde schließe ich die Lider, horche auf den abgehackten Atem meines Freundes und döse ein wenig vor mich hin.
Erst als Meteor ein leises Krächzen von sich gibt, erhebe ich mich, um unser Essen zu zerteilen. Mein Greif hat anscheinend schon selbst etwas gegessen, zumindest bettelt er nicht. Ich versuche, auch Steinwind ein wenig Hasenbraten zu geben, scheitere jedoch. Mehr als etwas Wasser bekomme ich nicht in seinen Mund.
Danach lege ich ein paar weitere Äste ins Feuer und ziehe mich in die provisorische Höhle zurück, um mich auszuruhen. Meine Augen fallen mir zu, ehe ich mich richtig hingelegt habe.