Читать книгу Der Schmuggelhund - Carmen Sternetseder-Ghazzali - Страница 7

Rotbart tobt

Оглавление

Killa lag zusammengerollt unter Ilias' Bettdecke, Ilias war im Badezimmer, die Eltern saßen im Wohnzimmer, Lilie hatte es sich gerade mit einem Buch in ihrem Bett gemütlich gemacht. Da klapperte die Wohnzimmerjalousie. Ein lautes, hungriges Maunzen ertönte. Lilie stockte das Herz. „Rotbart kommt“, rief die Mutter entsetzt durch die Wohnung. „Ilias, mach die Kinderzimmertür zu!“

„Bin auf dem Klo“, rief Ilias vom Bad zurück.

„Lilie, mach die Tür bei Ilias zu“, rief die Mutter. Lilie sprang aus dem Bett. Sie hatten das schon tausendmal durchgesprochen. Rotbart und Killa durfte man nicht so einfach aufeinander loslassen. Keiner wusste, wie sie reagieren würden. Es gab bloß Vermutungen. Killa könnte sich sofort auf Rotbart stürzen, um ihn mit ihren spitzen Zähnen zu traktieren. Oder Rotbart könnte dem Welpen mit seinen Krallen die Augen auskratzen. Wer wollte schon einen blinden Hund? Der Plan war, dass die beiden Tiere erst einmal die Gerüche des anderen kennenlernen sollten, bis sie sich begegneten.

Lilie flitzte über den Flur in Ilias' Kinderzimmer.

Ilias stürzte aus dem Bad. Die Jogginghose hing ihm noch in den Kniekehlen. Er riss sie eilig hoch und stolperte dabei fast. Doch es war zu spät.

Rotbart stand schon mitten im Kinderzimmer. Seine weiße Schwanzspitze schwang wie ein Federbüschel hin und her, seine Augen waren auf das Bett gerichtet und fixierten es, wie eine leckere Maus. Er ahnte es. Da war etwas, das da nicht hingehörte. Dass es ein Hund war, konnte er nicht sehen. Killa lag dösend unter der Bettdecke.

Lilie und Ilias stürzten herbei und setzten sich mit Unschuldsmienen auf die Bettkante. Als könnte man einen alten Jäger wie Rotbart täuschen. Rotbart war ein Freigänger. Er durfte raus und rein, wie er wollte. Er kannte sich aus in der Welt. Er wusste, hier stimmte etwas nicht, und er sprang mitten aufs Bett. Genau vor Killas Schnauze. Schlagartig hob die Hündin ihren Kopf und schaute mit der Schnauze unter der Decke hervor.

Rotbart erstarrte. Seine Augen, orangefarbene Vollmonde, wurden groß und größer. Lilie ahnte, was in ihm vorging. Ein Hund! Das war das Letzte, das wirklich Allerletzte, was er hier erwartet hätte. Hunde waren seine Feinde. Draußen wurde er von ihnen gejagt. Immer wieder rettete er sich vor ihnen auf Bäume. Seit der Husky ihn gebissen hatte, sah Rotbart bei Hunden rot. Oder braun. Manchmal kehrte Rotbart mit übelriechenden Pfoten von seinen Streifzügen nach Hause zurück. Wenn Lilie dann nachguckte, was da so stank, erkannte sie zwischen den Ballen seiner Pfoten braune Soße. Hundekacke! Pfui! Und jetzt war da ein Hund! Aus Rotbarts Augen sprühte der blanke Hass. Ganz anders Killa. Die Hündin wedelte freundlich mit dem Schwanz. Er klopfte kräftig unter der Decke auf die Matratze. Hallo, liebe Katze!

Rotbart fauchte. Geifer spritzte aus seinem Maul. Blitzschnell fuhr er seine Krallen aus und gab Killa einen gezielten Hieb auf die Schnauze. Ihr entfuhr ein entsetzliches Jaulen und sie zittere am ganzen Leib. Die Bettdecke und das Bett vibrierten nur so.

„Hey, hör auf!“, rief Ilias erschrocken und tröstete Killa.

Rotbart genoss den Triumph. Genüsslich leckte er sich die Pfote, die gerade ausgeteilt hatte. Dabei sah er zu Killa. Fast gütig jetzt. Er schien zu merken, wie der kleine Hund zitterte. Genüsslich leckte er nun auch noch seine drei anderen Pfoten, dann kehrte er Killa den Rücken und legte sich hin.

Was er damit wohl sagen wollte? Lilie überlegte. Vielleicht wollte er sich auf diese Weise einfach entspannen nach seinem Schock? Oder wollte er dem Hund signalisieren, dass alles okay ist? Zu gern hätte Lilie jemanden gefragt, was das zu bedeuten hatte. Aber sie kannte niemanden, der gleichzeitig eine Katze und einen Hund besaß. Schon gar nicht in einer winzigen Stadtwohnung. Sie mussten ihre Erfahrungen selber machen.

Nach einer Weile sprang Rotbart vom Bett und stolzierte aus dem Kinderzimmer. Auf der Schwelle blieb er kurz stehen, offenbarte ihnen den hochgereckten Hintern und wetzte die Vorderkrallen auf dem Teppich. Ritsch! Ratsch! Dieses Zeichen konnte Lilie deuten. Ich bin hier der Boss, hieß das.

Der Schmuggelhund

Подняться наверх