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ANTRAG AUF RENTE

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Mein Ehemann Bernd, Jahrgang 1923, bezog eine Kriegsbeschädigten-Rente. Er war als Jagdflieger von einem Amerikaner abgeschossen worden und beim Ausstieg aus seiner Maschine hatte sich Bernd schlimme Gesichtsverbrennungen zugezogen.

Wenn wir auf den 2. Weltkrieg zu sprechen kamen, bewunderte er die damalige Haltung meines Vaters, der 3 Jahre älter war als er. Als mein Vater an die Ostfront geschickt werden sollte, täuschte er den Ärzten eine Reizung des Blinddarms vor, den er sich dann entfernen ließ und danach wurde er an die Westfront versetzt. Wahrscheinlich hat er dadurch sein Leben gerettet.

Es ist hilfreich, sich einen realistischen Blick über sein Gefühlsleben zu verschaffen. Hatte ich Charaktereigenschaften von meinem Vater und wollte Sicherheit?

Ich merkte, wie ich öfters stressbedingte körperliche Beschwerden bekam und ging am 27.9. 2000 zum Arzt. Der Internist untersuchte mich und im Gespräch erzählte er so nebenbei, dass er Gutachten für Erwerbsminderungsrentner erstellt. Er würde mich bei einem Rentenantrag unterstützen, ich sollte aber überlegen, ob mir meine 33 Dienstjahre als Lehrerin für eine Rente genügen würden. Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben!

Natürlich verfolgte ich nun diesen Gedanken.

Meine Überlegungen waren folgende: Ulrike, meine Tochter, hatte im August 2000 gerade ihr Studium als Diplomfinanzwirt erfolgreich bestanden und war von ihrem Amt übernommen worden. Meine beiden erwachsenen Kinder konnten nun finanziell unabhängig von mir leben.

Bereits ab Juni 1996 hatte ich eine monatliche Lebensversicherung für 12 Jahre abgeschlossen, die dann als Rente ausgezahlt werden sollte.

Ebenfalls bei einer anderen Versicherung würde ein größerer Betrag am 1.4. 2009 zur Rentenzahlung dazu kommen.

Ich stellte also bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Einige ungewisse Monate zur Bearbeitung und Überprüfung des Rentenantrages vergingen. Am 1.4.2001 erhielt ich den Bescheid, dass ich eine Rente wegen voller Erwerbsminderung in Anspruch nehmen kann.

Ein neuer Lebensabschnitt begann: ich war eine Rentnerin!

Die Wiedervereinigung von Ost und West vollzog sich im Zeichen des Konsums. Es genügte mir für meine Zukunft, eine zwar geminderte, aber sichere Rente zu erhalten. Das alltägliche Leben in unserer Ehe konnten wir nun ganz anders gestalten, immerhin war mein Ehemann 25 Jahre älter als ich. Wir konnten jetzt unseren Alltag ohne mein tägliches Berufsleben als Sonderschullehrerin besser planen. Das ging schon frühmorgens damit los, dass ich nicht mehr um 6.45 Uhr abfahrbereit im Auto sitzen musste und wir uns Zeit nehmen konnten, für ein gemütliches Frühstück mit Müsli und Zeitungslesen.

Hatte ich mich jetzt in dem angenehmen Empfinden eingenistet, angekommen zu sein? Doch wer ein Lebenskapitel abschließt, fragt sich gelegentlich: Und was kommt dann? Kann es so weitergehen, oder sollte man so vermessen sein, dass es noch besser würde, oder geht es vielleicht schon gnadenlos bergab?

Wende mit 60

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