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Kapitel 5
ОглавлениеNach zwei Wochen ist Marianne nicht glücklicher. Franzi ist eine ganze Woche zu Hause in Immenstadt, da die Firma Einsätze in der näheren Umgebung eingeplant hat. Die Tatsache, Franzi jeden Abend um sich zu haben, bessert Mariannes Laune nicht. Bei ihrer Arbeit in der Bank geht ihr nichts von der Hand. Jeden Abend, wenn sie alleine mit dem Hund spazieren geht, hofft sie, Gerd wartet an einer Ecke auf sie. Aber es bleibt nur ein Wunschdenken. Ihn anzurufen kommt überhaupt nicht in Frage. Das hat sie sich fest vorgenommen.
Da endlich erfährt Marianne, sie kann eine Zwei-Zimmer-Wohnung besichtigen. Die Wohnung befindet sich in der Nähe ihres Arbeitsplatzes. Die Miete ist nicht billig, aber sie kommt mit dem was sie verdient über die Runden. Einmal muss sie den Sprung wagen.
Vom Büro aus ruft sie Franzi an um mitzuteilen, dass sie an diesem Abend später nach Hause kommt.
„Und wo gehst du hin?“, will diese neugierige Person sofort wissen und, „kann ich nicht mitkommen?“
Was soll das denn? fragt sich Marianne. Darf sie denn gar nichts mehr alleine unternehmen? Schrecklich! Immer will Franzi alles unter Kontrolle haben. Nie kann Marianne spontan alleine etwas unternehmen. Um Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, lügt sie einmal mehr. Übung hat sie inzwischen in Sachen Lügen. Bei Gerd hat das gut geklappt.
„Nein, Franzi“ erwidert sie daher bestimmt, „wir gehen unter Kollegen aus. Da kannst du wirklich nicht mit. Außerdem, du nimmst mich auch nie mit, wenn du dich mit Kollegen triffst.“
„Aber das ist doch etwas anderes. Es geht, wenn ich mich mit Kollegen treffe, immer um Geschäftliches“, ist die wütende Antwort.
„Bei uns ist das nicht anders“, gibt Marianne ärgerlich zurück. „Auf jeden Fall kannst du heute nicht mitgehen.“
„Und wann gedenkst du nach Hause zu kommen?“, will Franzi nun etwas ruhiger, aber bestimmt wissen.
„Rechtzeitig um mit Mäxchen Gassi zu gehen“, erklärt Marianne trocken, „mach dir keine Gedanken. Du brauchst dich wie üblich nicht um den Hund zu kümmern.“
„Gut“, ist die eingeschnappte Antwort und dann folgt die lächerliche Drohung: „Vielleicht bin ich ja auch ausgegangen, wenn du nach Hause kommst. Könnte doch sein, dass ich eine nette Person kennen lerne.“
„Ach, mach doch was du willst“, kontert Marianne kopfschüttelnd. Kindergarten!
Ohne auf eine weitere Antwort zu warten, legt sie den Hörer auf. So ist es in letzter Zeit immer. Eine Trennung ist unvermeidlich, will sie wieder in Ruhe leben und aufatmen.
Gerds Visitenkarte hat sie inzwischen in den Geldbeutel gesteckt. Die wird Franzi schon nicht in die Hände fallen und wenn? Dann ist es auch egal! Es muss zu einer Entscheidung kommen.
Mariannes Drama ist nur, sie kann nicht bei Gerd anrufen, nach all den Lügenmärchen, die sie ihm aufgetischt hat. Es gibt kein Zurück. Eigentlich schade, aber das lässt sich nicht mehr ändern. Sie ganz alleine hat die Geschichte verdorben.
Die Wohnung, die Marianne besichtigt gefällt ihr gut. Hundehaltung ist kein Problem. Ein wichtiger Punkt. Gleich in den nächsten Tagen wird sie den Mietvertrag unterschreiben. Ab 1. des Monats wird die Wohnung frei. Bis dahin muss sie sehen, dass sie bei Franzi gut Wetter macht. Ein Rausschmiss zum jetzigen Zeitpunkt ist äußerst ungünstig.
Zu früh darf sie nicht nach Hause gehen. Marianne beschließt die zukünftige Wohnung mit einem Abendessen im Restaurant zu feiern. Sie will ganz alleine wie eine Große hier in Immenstadt essen gehen.
Zögernd betritt sie den Gasthof Hirsch. Den Hirsch hat sie ausgewählt, weil die Chance dort Franzi in die Arme zu laufen, äußerst gering ist. Marianne sucht sich einen Platz aus. Kein Tisch ist frei, deshalb setzt sie sich zu einem älteren Ehepaar.
Marianne versucht ihr Abendessen zu genießen, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund fällt ihr der verkorkste Abend mit Gerd ein, dabei hat er sich so viel Mühe gegeben. Der Arme! Das Essen schmeckt ihr nicht mehr, aber nun ist sie da. Sie möchte das Essen nicht zurückgehen lassen. Außerdem bezahlen muss sie die Bestellung ohnehin.
Gegen 20:30 Uhr schlendert sie langsam nach Hause und holt Mäxchen zum Gassi gehen ab. Wie vorausgesagt ist Franzi auch ausgegangen. Umso besser! So gibt es wenigstens keine Diskussionen. Marianne braucht keine Erklärungen in Form von weiteren Lügenmärchen abzugeben.
Um in Ruhe nachzudenken beschließt Marianne eine große Runde mit Mäxchen zu gehen. Wieder zu Hause bereitet sie sich schnell fürs Bett vor. So kann sie sich schlafend stellen, wenn Franzi eintrudelt.
Morgens frühstückt sie die meiste Zeit alleine, denn Franzi liebt es auszuschlafen.
Was soll sie nur mit Gerd machen? Das sind ihre letzten Gedanken, als sie in einen, wieder einmal, unruhigen Schlaf verfällt.
Nur im Halbschlaf vernimmt sie wie Franzi sich leise ins Bett nebenan legt.
*
Auch Gerd muss immerzu an Marianne denken. Des Öfteren überlegt er sich, wie er es anstellen soll um sie zu einem weiteren Treffen zu überreden, doch es fällt ihm kein geeigneter Schlachtplan ein. Er ist traurig. Besonders dann, wenn er abends in sein verlassenes Heim zurückkehrt. Wie schön wäre es doch von Frau, Kindern und Hund empfangen zu werden. Marianne erfüllt all diese Kriterien. Nur, sie hat ihm eine Abfuhr erteilt.
Das Schlimmste ist, dass niemand auf ihn wartet. Auf der einen Seite hat er gar keine Lust mehr nach Hause zu gehen, auf der anderen Seite, was soll er draußen anstellen? Er würde nur alleine durch die Straßen tingeln. Es ist besser, er fährt direkt nach Hause und versucht den Abend totzuschlagen bis es an der Zeit ist ins Bett zu gehen.
Aber auch hier holt ihn der Gedanke an Marianne ein. Er schläft nicht mehr gut. Morgens war er unausgeschlafen, um nicht zu sagen gerädert und oft übelgelaunt. Selbst seine Mitarbeiter in der Apotheke beginnen sich Fragen über seinen Gemütszustand zu stellen. So kennen sie ihren Chef bislang nicht.
Sein Freund Manfred hat ihn bereits direkt darauf angesprochen, doch Gerd hat missmutig abgewinkt und jede weitere Auskunft verweigert. Er ist einfach nicht mehr er selbst. Es muss etwas geschehen. So viel steht fest.