Читать книгу Mit schwarzen Flügeln - Daimon Legion - Страница 12
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ОглавлениеAus Anfängen wurde mit etwas Zeit Routine. Und Deacon hatte keinesfalls seine Probleme damit. Es machte ihm sogar riesigen Spaß, Tag auf Tag wie ein ganz gewöhnlicher Mensch zu leben. Die Arbeit war zwar nicht so rosig, doch Nadjas Worte über Madeleine stimmten und mit ihr verstand er sich bald genauso gut wie mit den Geschwistern. In seinen Pausen raufte er mit den Kindern und wenn er abends müde bei Teds Wohnung eintraf, genoss er es, in der Runde beim Feuer zu sitzen und Geschichten zu lauschen.
Trotz dessen, dass er stets höflich und freundlich zu allen Bewohnern der Siedlung war, nie ein böses Wort sagte und für Essen wie Schlafplatz arbeitete, betrachtete man ihn anscheinend unabwendbar als Außenseiter. Hinterrücks wurde weiter getuschelt und über den Neuen gelästert.
Der Grund war die alte Tesla, die wohl beschlossen hatte, ihn bis in alle Ewigkeit nicht ausstehen zu können. Wenn sie auf seinen Namen spuckte, taten viele es ihr gleich. Ob aus Herdenzwang, Dummheit oder Antipathie, ließ sich nicht sagen.
Das außer Acht gelassen, war es hier eigentlich recht schön. Vor allem, bei Nadja zu sein, gefiel ihm.
Ihr Charme, ihr Lachen, ihr unerschütterlicher Wille und die unbezwingbare Hoffnung in ihren Augen ... Da geriet er für die junge Frau ins Schwärmen.
Wegen so einer Gefühlsduselei seine Pflicht als General und Seelenfänger zu vernachlässigen – ganz zu schweigen von dem endgültigen Befehl, sich im Höllenschloss einzufinden – würde ihn Kopf und Kragen kosten, sollte der Morgenstern tatsächlich selbst emporsteigen, um ihn zu holen. Aber er wollte es ja nicht anders. Die Suppe war bereits angebrannt, als die Engel auf den Plan traten.
Sein Bauch sagte ihm, dass das noch schlimm enden würde. Doch Wesen der Vernunft ignorierten oft solche Warnungen.
Tesla knurrte in ihr Inneres hinein.
Jedes Mal, wenn sie ihn sah, stieß ihr die Galle sauer auf und von dem scheinheiligen Grinsen wurde ihr schlecht. Der Kerl mochte das Gesicht eines Engels haben und damit andere über seine wahren Absichten hinwegtäuschen können. Sie konnte er nicht für dumm verkaufen.
Gefahren zu spüren, war ihr eine nützliche Fähigkeit. Seit Kindestagen wusste sie, welchen Schritt sie wohin setzen musste, um nicht zu stürzen. Oder welche Menschen sie meiden sollte, weil diese dunkle Gedanken hegten.
Ihre seelische Alarmglocke schellte beim ersten Anblick von diesem Deacon laut los. So hielt sie es für ihre Aufgabe, all die weniger sensiblen Menschen vor ihm zu warnen.
Gerade Frauen, die nur zu empfänglich waren für sein hübsches Antlitz. Die sich von diesem Pfau blenden ließen und den süßen Worten seiner Lippen Glauben schenkten.
Ihre größte Sorge galt dabei Nadja. Sie war ständig in unmittelbarer Nähe dieser trügerischen Kreatur.
„Ich muss mit dir reden“, hielt sie ihre Ziehtochter eines Tages auf, als diese gerade auf dem Weg zur Gemeindeküche war.
Das Mädchen ahnte schon, worum es gehen würde, fragte aber dessen ungeachtet: „Weshalb?“
„Über diesen Burschen, der dir den Kopf verdrehen will.“
Zu einer solchen Anschuldigung fiel Nadja nur hohles Gelächter ein. „Mir den Kopf verdrehen? Bitte, Tantchen, das ist doch Unsinn. Wir sind nur Freunde und er -“
Die Alte unterbrach sie: „Er wird dich mit Haut und Haaren verschlingen und in die Dunkelheit stürzen! Dieser Mann ist wie ein Dämon, der dir nur Unglück bringt! Er tut dir nicht gut. Besser wäre es, du würdest ihm nicht so leichtgläubig gegenübertreten. Sei gefälligst vorsichtiger!“
„Ich weiß wirklich nicht, warum du Deacon so verabscheust.“
„An ihm klebt der Gestank des Todes, Mädchen. Er riecht nach Gewalt und seine Augen kennen den Anblick von Krieg und Leid. Darum wirken sie auch leer wie die schwarzen Augen eines Hais. Halte dich fern von ihm, Nadja, oder du wirst es bereuen.“
Sie hatte keine Lust mehr, auf die Worte einer paranoiden Greisin zu hören. Derart wütend war sie auf diese gebeugte Frau nie gewesen, dennoch verbot es ihr der Respekt, ihrer Wut frei Luft zu machen.
Stattdessen wandte sich Nadja von ihr ab und meinte nur beiläufig über die Schulter: „Du solltest ihn besser kennenlernen, Tante Tess, bevor du ihn verurteilst. Für dich ist er ein Niemand von nirgendwo, doch mir ist er ein Freund.“
„Und was weißt du Wahres über diesen Freund?“, schallte es zurück.
Das musste sie zugeben. Deacon hatte niemals etwas Persönliches verraten, außer seinem Namen. Und den noch nicht einmal ganz. Selbst in ihrer Gegenwart war es ausgeschlossen, dass er von sich erzählte. Kein Wort, was vorher gewesen war.
Sie ahnte zwar, dass er ihre Gegenwart genauso genoss, wie sie die seine, bloß vertraute er ihr kein Krümchen seines Lebens an.
Aber da war etwas an ihm. Und es gab ihr Gewissheit. Sie konnte ihm vertrauen und brauchte keine Angst zu haben. Ihr Kopf hätte sie vielleicht gewarnt, jedoch glaubte sie dem Herzen.
„Ich weiß, dass er ein guter Mensch ist. Und das zählt.“
Ihre Tante schwieg einige Zeit lang. Als sie wieder sprach, war ihre sonst so boshafte Stimme erstaunlich ruhig und umsorgend: „Nadja. Du bist wie eine Tochter für mich. Versteh meine Bedenken. Ich will dich nicht an diesen Unhold verlieren. Ich will nicht, dass er deine Gutmütigkeit ausnutzt und dir das Herz bricht.“
Diese Art Gefühle irritierten das Mädchen, hatte Tesla es ja oft vermieden, ihrer Mutterrolle gerecht zu werden. Fast wäre sie weich geworden, trotzdem sagte sie schließlich trocken: „Ich habe ihm mein Herz nicht gegeben. Wie soll er es da brechen? Auch ein Hai ist kein Monster, Tante. Es gibt keinen Grund, dass ich ihn meiden sollte.“
Deacon war überrascht, als Nadja den Raum betrat, in dem er von Madeleine zurückgelassen worden war – zusammen mit unzähligen Tellern und Tassen, die gespült werden wollten. Bis zum Abendessen war noch genug Zeit, also sprach nichts gegen einen kleinen Plausch unter Freunden.
Eben nur unter Freunden.
Auch wenn er zugeben musste, dass er sie mochte, war er froh darüber, wie sie ihn mit derselben neutralen Herzlichkeit behandelte, gleich allen anderen. Musste er dann gehen, würde sie ihm nicht nachtrauern. Ihr weinendes Gesicht könnte er wohl nicht ertragen.
Sie erzählte ihm Seltsames. Die alte Tesla nannte ihn einen Dämon des Unglücks. Erstaunlich, wie nah das kam. Vielleicht hatte die Hexe wirklich die Veranlagung einer Seherin?
Überraschend kam diese Unterstellung ohnehin nicht.
Es reizte ihn, zu wissen, was sie davon hielt.
„Denkst du auch, ich bin der Teufel?“
„Unsinn“, lachte sie, „du hast einfach nur eine andere Art an dir. Das finden die mit alten Werten halt komisch.“
Schelmisch grinste er sie an. „Also bin ich?“
„Vielleicht ein richtig süßer Engel.“
Er konnte es kaum glauben, doch sie beugte sich vor, um ihn auf die Wange zu küssen. Es war nur eine kleine Geste der Verbundenheit, gleichwohl schoss ihm das Blut in den Kopf vor Verlegenheit.
Seine kleine Freundin fand das witzig.
Es ist nichts, versuchte sein Verstand ihm weiszumachen. Warum also fühlte er sich dann so ... beflügelt? Eine komische Wortwahl für einen Engel, aber er konnte keinen besseren Ausdruck finden.
Auch Madeleine fiel auf, dass Deacon geistig abwesend wie ein Träumer wirkte und fragte, was los sei. Ob ihm schlecht wäre oder seine Wunde ihm zu schaffen machte.
Ihm ginge es blendend, versicherte er ihr und stolperte mehr als einmal noch über seine eigenen Füße, bis die Köchin ihn schließlich entließ. Er sollte seine Verletzung ausruhen, war ihr Befehl.
Nun gut.
Am Himmel dämmerte der Sonnenuntergang in Flammentönen. Nicht wie am Morgen in Rosa und Weiß, sondern heißes Rot und Orange mit kräftigem Gelb. Wenn er so in den Himmel aufsah, wurde er melancholisch.
Ein durchaus romantisches, nichtsdestoweniger unmögliches Empfinden war da, wenn er an dieses Mädchen dachte. Illusion. Ein Trugbild, was er für die Zukunft wünschte. Ein Dasein als Mensch mit ihr. Falls auch sie das wollte. Was für ein Unsinn. Jemand wie er konnte nicht normal leben.
Noch nicht einmal naiv hoffen.
Wenn Menschen ihre Blicke auf das Firmament richteten, sahen sie Wolken und bestenfalls Sterne. Dachten an eine große, überirdische Macht und wussten doch, wie sie nur auf einem Staubkörnchen in den Weiten des Universums herumflogen. Dass die Sonne nicht Gott war, sondern lediglich eine Feuer spuckende Gaskugel. Planeten, Meteoriten, Äonendunst. Sie wussten, unter ihren Füßen war Erde und kein Inferno für die Verdammten. Und wenn sie eines Tages vergingen, war da keine Seele, die in den Urstrom einfloss.
Wie schön es war, unwissend zu sein.
Um die schlichte Freiheit zu glauben, was man wollte, konnten Wesen wie er die Menschen wirklich beneiden.
Deacon hing seinen Gedanken nach. Gefangen in tiefer Versunkenheit registrierte er kaum seinen Weg und die Füße trugen ihn wie von allein auf die Strecke, welche ab von der Siedlung führte, statt zu Teds Haus zu laufen. Als er aufsah, befand er sich schon weit ab vom Platz. Vielleicht war das gar nicht übel. Er sollte gehen, bevor seine Romantik ihm die Schlinge um den Hals enger zog. Nur wollte er nicht.
„Ja, verschwinde endlich von hier, Dämon!“
Dieses Geschrei machte ihn hellwach.
In seinem Schatten stand Tesla, grau und gebeugt in ihren verfilzten Lumpen. Das Abendlicht ließ ihre Falten tiefer wirken als gewöhnlich und sie erinnerte wieder an die grimmige Bulldogge, die jeden unerwünschten Gast in die Waden biss. Ihr Auftauchen verhieß nichts Gutes und ihre Beschimpfungen sagten: „Geh weg und komm nie wieder! Ich werde nicht zulassen, dass du auch nur ein Herz rauben kannst! Also hau ab! Kein weiteres Mal sollst du willkommen sein!“
Sie hustete stark und spuckte ihren Auswurf vor seine Füße, dass er angeekelt noch einen Schritt nach draußen tat.
Deacon hatte ihr laufendes Gekreische aber satt.
„Was habe ich dir getan, alte Ziege?“, fragte er mit Unverständnis in der Stimme. „Warum greifst du mich an und meckerst, ich sei ein Dämon? Kennst du keinen anderen, den du hassen kannst?“
Wenn Blicke töten könnten ...
Wieder keuchte die Greisin schwer, bevor sie wetterte: „Du bist ein Monster! Streite es nicht ab! Ich spüre es doch! Die Verdorbenheit umhüllt dich. Der Tod und die Not. Du bist ein schändliches Wesen, das nicht auf der Erde wandeln sollte. Bevor du hier unschuldige Seelen verdirbst, sollte man dich bannen und zurück in die Feuer werfen, aus denen du kamst.“
„Es ist völlig idiotisch, was du redest, Alte ...“
„Nadja überlasse ich dir nicht! Ich werde sie von dir fernzuhalten wissen! Nie wieder soll sie dir zu nahe kommen und du wirst sie niemals wiedersehen! Verschwinde und bleib dort, wo der Pfeffer wächst!“
In Deacon kochte Wut hoch. Was wollte diese alte Vettel eigentlich von ihm? Warum konnte sie ihn nicht in Ruhe lassen? Er hatte nicht vor, diesen Leuten hier Ärger zu machen und die Seelen zu stehlen. Erst recht nicht die von Nadja oder ihrem Bruder. Woher also diese Missachtung?
Statt zu gehen, stellte sich Deacon kampfbereit ihr entgegen. Seine gefasste Haltung ließ Tesla etwas zurückweichen. Seine kalten Augen jagten ihr ein ungutes Frösteln über den krummen Rücken.
Seine schwarze Gestalt überragte sie und schien immer bedrohlicher zu werden.
„Bösartiges Weib!“, fuhr er sie an. Im gleichen harten Ton, den er sonst mit Soldaten sprach, drehte er den Spieß um. Jetzt lag es an der Alten, vor ihm zu erzittern. „Dummes Menschenkind, wie kannst du es wagen? Dein Gekeife ertrage ich nicht mehr! Was bildest du dir ein? Du sprichst hier nicht mit deinesgleichen! Und du wagst es, mir zu drohen? Mich zu verbannen? Wir beugen uns nicht simplem Menschenwort!“
Tesla war wie zu Eis gefroren. Ihre weit aufgerissenen Augen starrten ihn an und sie hielt sich die Ohren zu von seinem Gebrüll. Eine verbotene Stimme, die kein Erdenbürger je hören durfte. Durch ihre Finger sickerte bereits dünnes Blut. Trotz allem drang kein Laut über ihre Lippen.
Deacon dagegen wäre in einen wahren Redeschwall ausgebrochen, wenn es etwas gebracht hätte. Anstatt weiter zu schreien, fuhr er seinen Zorn hinunter und sprach leiser, jedoch nicht weniger ernst: „Ich wollte keinem was tun. Nicht einmal dir, obwohl du alle gegen mich aufhetzt. Ich bin euch dankbar gewesen, weil ihr mich gerettet und aufgenommen habt. Ich wollte doch nur noch etwas normal leben.
Kannst du nicht verstehen?“
Tesla gaffte ihn hohl an, die Hände weiterhin auf die Ohren gedrückt. Zögerlich begann ihr Mund leise Worte zu formen, die Deacon zu spät verstand: „... Ich sehe deine Flügel ...“
Wie das? Erschrocken sah er über die eigene Schulter, nur war dort nichts.
„Ein Engel ...“, hauchte die Großmutter. Da kippte ihr Körper auch schon zur Seite. Mit verdrehten Gliedern blieb der Mensch am Boden liegen.
Für eine kurze Zeit war alles still.
„Tesla?“, versuchte Deacon es vorsichtig. Keine Reaktion.
„Tantchen?“ Das Wort allein hätte sie wütend gemacht, aber sie lag weiter reglos zu seinen Füßen. So langsam wurde er nervös. Scheu trat er näher an den Leib heran und hockte sich hinunter. Kein Puls und auch das Herz hörte er nicht schlagen. Die Ohren verrieten ein gerissenes Trommelfell, weil sie seine überirdische Stimmlage nicht ertragen hatte. Doch das tötete niemanden ... Oder?
„So ein Mist!“, fluchte er derb und schlug sich selbst gegen die Stirn.
Ein echter Infarkt. In ihrem Alter von Methusalem war das durchaus denkbar und sein Zutun hatte ihr einen guten Schock versetzt. Seine Flügel sah sie an der Schwelle des Todes und erkannte seine wahre Form.
Sie nannte ihn Dämon und fand einen Engel. Wie witzig.
In anderer Situation hätte er gelacht.
Jetzt war er wieder der Mörder. An einem Ort, den er eigentlich lieb gewonnen hatte. Und selbst wenn man den Infarkt als bedauerlichen Unfall abtäte – Teslas Wille würde erfüllt sein. Einige würden sicher ihn als Täter in Betracht ziehen und ihn davonjagen.
Zwar gab es keine Zeugen, so weit ab in den Müllbergen, aber Deacon rechnete damit, dass jemand verfolgt hatte, wie die Alte den Platz verließ, um ihm nachzugehen.
Und was war mit dem Totenreich? Registrierte man dort bereits ihren Lebensabbruch?
So eine dreimal verfluchte ... Nein, das bringt auch nichts.
Die Leiche wegzutragen, war zu gefährlich. Sie liegen zu lassen nicht weniger verdächtig. Hin- und hergerissen entschied er sich trotzdem für Letzteres. Bei den Menschen hoffte Deacon auf die Unfalltheorie, um Hades machte er sich später Gedanken ...
Er brauchte rasch für beide Fälle ein Alibi, sonst würde es bald sehr brenzlig werden. Warum ritt er sich nur immer in verzwickte Situationen?
Positiv sehen. Es war der beste Grund zu gehen, sollten diese Bauern ihm auf die Schliche kommen.
Als wäre nichts vorgefallen, ließ er die Tote im Dreck zurück und hastete schnell einen Umweg, dass er sicher nach Hause kam.
Ted und Nadja begrüßten ihn herzlich wie eh und je. Von seiner inneren Anspannung merkten die Geschwister keine Spur und gemeinsam verbrachten sie den Abend, als sei alles wie gehabt. Woher sollten sie wissen, dass sie einen Gesuchten beherbergten, der gerade ihre Ziehmutter ermordet hatte?
Die Nacht ließ ihn kaum schlafen. Noch nie hatte er wegen seiner Arbeit Schuld verspürt.
Deacon richtete die Sünder und befreite gequälte Seelen von ihrem Leid. In seiner ganzen Zeit als Häscher hatte er keinen Unbeteiligten aus Versehen getötet. Mit Tesla als Erster, die diesen Kodex brach, hätte er niemals gerechnet.
Es graute ihm davor, sich beim Morgenstern erklären müssen.
Er fürchtete den neuen Tag.
Wieso eigentlich?
Wollten einfache Menschen ihn erschlagen?
Teslas kalter Leichnam wurde mit der aufgehenden Sonne gefunden. Ted und Nadja waren sofort losgerannt. Deacon folgte ihnen langsamer.
Keiner in der Siedlung warf einen Verdacht auf ihn. Niemand tuschelte verschwörerisch, als sie sich alle am Zielort versammelten. Die Menschen waren zu traurig. Zu erschüttert. Überall um die Tote herum standen weinende Gesichter.
Deacon verstand nicht ganz, warum sie so beliebt gewesen war.
Nadja weinte und hielt sich an ihrem Bruder fest. Dessen Gesicht war hart, wie in Stein gemeißelt. Ted war so wutentbrannt, dass Deacon es nicht wagte, auch nur ein Wort an ihn zu richten, aus Sorge, er könnte vor Zorn explodieren.
„Oh, mein Gott“, schluchzte das Mädchen und rieb über die roten Augen. „Wie ist das passiert? Gestern war sie doch noch in Ordnung und jetzt?“
Er betrachtete sie mit Sorge. Den Tod der alten Frau verschuldet zu haben und den damit verbundenen Kummer ... Sein Gewissen schlug Alarm. Trauer überfiel ihn wie ein nächtlicher Räuber. Nicht um Tesla, aber darum, mit Tränen Nadjas Augen zu füllen. Ihre Schmerzen fühlte er, als wären es die seinen.
Diese elende Empfindsamkeit. Für einen Geflügelten war er wirklich viel zu nah am Wasser gebaut. Er sollte sich wirklich mehr ein Beispiel an seinen älteren Kollegen nehmen. Die hätte dieses kleine Missgeschick kalt gelassen.
„So ist halt das Leben. Es entsteht und vergeht. Der Tod gehört dazu, Nadja“, sagte er leise.
„Nicht dieser Tod“, kam es von Ted. Er wusste es. Das angsterfüllte Gesicht Teslas konnte er lesen wie ein offenes Buch. „Ich schwöre, bei allem, was mir heilig ist, dass ich denjenigen, der das hier zu verantworten hat, finden werde. Ich werde ihn dafür bezahlen lassen.“
Deacon zweifelte nicht an seinen Worten.