Читать книгу Noah, Darwin und KI - David R. Parsons - Страница 10
TEIL EINS
NOAH UND DIE SINTFLUT 1 DAS WESEN GOTTES
ОглавлениеGott ist der einzige Trost, und er ist zugleich auch der größte Schrecken: das Wesen, das wir am meisten brauchen und vor dem wir uns am meisten verbergen möchten.
C.S. Lewis, Pardon, ich bin Christ1
Alles hat der HERR zu seinem Zweck gemacht, so auch den Gottlosen für den Tag des Unglücks. Sprüche 16,4 E
Da ich auf den „Outer Banks“, einer Inselkette vor der Küste North Carolinas, aufgewachsen bin, habe ich schon viele Wirbelstürme durchlebt. Manche von ihnen trafen mit voller Wucht auf unsere zerbrechliche Inselbarriere; dabei richteten sie verheerende Schäden an, ließen neue Buchten entstehen und schlugen die Sommertouristen in die Flucht. Andere prallten harmlos am Kap Hatteras ab und nahmen dann Kurs auf den offenen Atlantik; uns Surfern hinterließen sie dabei epische Riesenwellen. Die stärksten Stürme fühlten sich wie Güterzüge an, die stundenlang direkt über meinen Kopf hinwegratterten. Gleichzeitig verursachte die vorübergehende Ruhe im Auge des Sturms „Schmetterlinge im Bauch“ – aufgrund des extrem niedrigen Luftdrucks. Daher entwickelte ich eine wirkliche Hassliebe auf diese tropischen Monster.
Hurrikane waren nicht die einzigen Stürme, die wir erlebten; viele Jahre lang waren sie nicht einmal die schlimmsten. Diese Auszeichnung war den Nordostwinden vorbehalten, mächtigen Winterstürmen, die tagelang auf die gesamte östliche Atlantikküste einhämmerten. Weil ihre Winde über einen langen Zeitraum in einer derart breiten Wucht auf die Küste treffen, produzieren sie massive Wellen, die die Küstenlinie während mehrerer Tidehochwasser abschwemmen und so direkt am Strand umfangreiche Schäden verursachen. Doch auch diese Stürme hatten ihre guten Seiten; so gingen wir nach ihrem Abebben Strandgut sammeln und fanden dabei viele interessante Dinge, die das Meer an den Strand gespült hatte. Einmal stießen wir auf ein Schiffswrack, das zuvor bedeckt, durch die hämmernde Meeresbrandung aber nun freigelegt worden war.
Meine früheste Kindheitserinnerung betrifft einen derartigen Sturm – den „Aschermittwoch-Sturm“ vom 7. März 1962. Meine Familie wohnte direkt am Atlantik, an der Anlegestelle meines Großvaters, der von dort aus fischen ging, in Nags Head. Mein Opa erwachte am frühen Morgen durch das Geräusch riesiger Wellen, die über sein Haus hereinbrachen. Die eiskalten Winde erreichten Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometern pro Stunde und bombardierten uns mit Schnee und Sand, als wir uns in mehrere Fahrzeuge zwängten, um dem Unwetter zu entfliehen. Doch unsere Autos versackten, als die wuchtigen Atlantikwellen durch die Küstendünen brachen und die Strandstraße überschwemmten – unsere einzige Fluchtroute.
Ich war damals noch ziemlich klein, doch ich erinnere mich, wie ich mich am Autofenster abstützte und auf das Meer hinausblickte. Dort draußen in der Dunkelheit rollte eine Wasserwand nach der anderen heran, wie hochaufgetürmte Stufen, die erbarmungslos auf uns zumarschierten. Dank eines mutigen Nachbarn, der ein geländegängiges Fahrzeug hatte, wurden wir vor den tosenden Fluten gerettet. Doch das Haus und der Steg meines Großvaters wurden völlig zerstört. Bereits am nächsten Tag war er auf einem Bildtelegramm der Associated Press im ganzen Land zu sehen: ein grimmig dreinblickender Ire mit Tränen in den Augen, der dort stand, wo einst sein Haus gewesen war. Doch mein Großvater baute seine Anlegestelle wieder auf, so wie er es schon immer getan hatte. In den acht Jahren, die er diese Pier sein eigen nannte, wurde sie sechsmal durch Hurrikane oder Nordostwinde schwer beschädigt – dennoch errichtete er sie immer wieder neu.
Aufgrund dieser Kindheitserinnerungen reagiere ich etwas ungehalten, wenn jemand behauptet, Gott würde eine Stadt oder ein Land durch einen bestimmten Sturm oder eine Naturkatastrophe für ihre Sünden bestrafen. Tatsächlich sind Wirbelstürme natürliche Phänomene, die sowohl Gerechte als auch Ungerechte heimsuchen. Daher bin ich immer zurückhaltend, wenn es darum geht, Gott die Ehre oder die Schuld für Tragödien zu geben, die durch die Natur verursacht werden. Derartige Behauptungen gehen mir einfach zu nah. Als junger Rechtsanwalt wehrte ich mich sogar dagegen, Klauseln in Geschäftsverträge aufzunehmen, die eine Partei aufgrund höherer Gewalt, was im Englischen acts of God, „Taten Gottes“ heißt, von ihren Verpflichtungen entbanden.
Doch manche Menschen neigen dazu, recht schnell einen Kausalzusammenhang zwischen Naturkatastrophen und bestimmten Sünden herzustellen, von denen sie glauben, sie hätten den Allmächtigen verärgert. Und in letzter Zeit gibt es für diese Art des „Kombinierens“ merkwürdigerweise immer neue Anlässe. Im Jahr 2010 überzog beispielsweise ein isländischer Vulkan ganz Europa mit einer Aschewolke und hinderte alle Flugzeuge auf dem Kontinent vorübergehend am Abheben. Gleichzeitig ließen apokalyptische Fluten große Landstriche Australiens versinken, während bizarre Flächenbrände den Bewohnern Moskaus wochenlang den Atem nahmen. Zirka 15 000 Menschen starben. Im darauffolgenden Jahr brach Wirbelsturm Sandy über New York City herein und Japan wurde von einem massiven Erdbeben samt Tsunami heimgesucht. Derartige Erschütterungen werfen bei uns allen Fragen auf: Was ist der Grund für dieses exzentrische Verhalten der Natur? Liegt es an der Erderwärmung? Oder an El Niño? Und was ist mit den Sonneneruptionen? Oder ist Gott wirklich wütend? Sind diese Katastrophen Zeichen der Endzeit?
Unter Christen scheint es heutzutage zwei Extrempositionen zu diesen Fragen zu geben. Eine Gruppe ist zutiefst davon überzeugt, dass Gott Gericht übt. Aufgrund unserer wachsenden Unmoral gieße er seinen Zorn über uns aus, hier ein wenig und dort ein wenig. Diese Gruppe schließt viele christliche Zionisten2 mit ein, die ich grundsätzlich zu meinen Gesinnungsgenossen zähle. Sie betrachten diese Dinge als göttliches Strafgericht, das Gott über die Nationen verhängt, die Israel schikanieren. Manche ziehen als Anschauungsbeispiel Hurrikan Katrina vom August 2005 heran. Sie behaupten, Gott habe Amerika dafür bestraft, dass es Israel im selben Sommer gezwungen hatte, den Gazastreifen zu verlassen. Doch nur zwei Jahre später war die Stadt New Orleans wiederaufgebaut und kehrte zu ihrem gewohnt sündhaften Lebensstil zurück. Nach einem wahrhaftigen Gericht Gottes erholt sich eine Stadt nicht so schnell. Tatsächlich suchen wir immer noch nach den Überresten von Sodom und Gomorra!
Das andere Extrem sind Christen, die dem entgegenhalten, sie dienten einem Gott der Liebe, der so etwas niemals tun würde. Auf mich wirkt ihre Botschaft wie eine Art „schlampige Agape-Liebe“: Sie behaupten, dass aufgrund des Kreuzestodes Jesu keinerlei ernst zu nehmendes Strafgericht Gottes an der Menschheit mehr zu erwarten sei. Es handelt sich um ein Evangelium der Super-Gnade, das Gott wie einen rührseligen Alten erscheinen lässt und in dem es für die Sünde keinerlei Konsequenzen mehr gibt.
Der Apostel Paulus stand direkt zwischen diesen beiden Lagern, als er ausrief: „Darum sieh die Güte und die Strenge Gottes“ (Römer 11,22 L). Paulus hatte verstanden, dass sich diese zwei vermeintlichen Gegenpole im Charakter Gottes die Waage halten. Er erkannte, dass Gott tatsächlich ein Gott der Liebe und des Erbarmens ist. Gleichzeitig ist er aber auch ein heiliger Gott, der Sünde nicht tolerieren kann. Und Paulus wusste, dass sich diese widersprüchlichen Eigenschaften Gottes in seinem gerechten Wesen miteinander vereinen. Das bedeutet, dass Gott niemals ungerecht richtet; seine Gerichte sind „wahrhaftig und gerecht“ (Offenbarung 19,2 L) und er kündigt sie immer rechtzeitig vorher an.
Paulus sprach auch davon, dass die Schöpfung selbst wie eine Frau in Wehen liege und auf die Vollendung der Welt sowie auf die Offenbarung der Söhne Gottes warte (siehe Römer 8,18–22). Daher glaube ich, dass die Sünde zunimmt, während wir dem Ende unserer Zeit immer näher kommen. Gleichzeitig spürt die Natur die wachsende Rebellion der Menschheit gegen ihren Schöpfer und spielt daher ein wenig verrückt. Das erklärt, mehr als alles andere, all die merkwürdigen Wetterphänomene und Naturkatastrophen der letzten Zeit.
Auch Jesus erörterte die um sich greifenden Naturkatastrophen unserer Tage. Er sagte „Hungersnöte und Erdbeben … hier und dort“ (siehe Matthäus 24,7) voraus. Die meisten Christen kennen diese Bibelstelle und betrachten die aktuellen Erschütterungen richtigerweise als Zeichen der Endzeit. Allerdings schrieb Jesus diese Unglücke nicht direkt Gott zu, sondern erklärte stattdessen, sie fänden willkürlich statt. Darüber hinaus laute die Botschaft dieser Desaster immer: „Tut Buße!“ So sprach er beispielsweise einmal über den Einsturz eines Turmes, der 18 Menschen getötet hatte: „Erinnert euch an die achtzehn Leute, die starben, als der Turm am Teich Siloah einstürzte. Glaubt ihr wirklich, dass ihre Schuld größer war als die aller anderen Leute in Jerusalem? Nein! Wenn ihr nicht zu Gott umkehrt, wird es euch ebenso ergehen“ (Lukas 13,4.5 Hfa). Mit anderen Worten: Ein solcher Unglücksfall kann jedermann zu jeder Zeit treffen. Bringt daher euer Leben in Ordnung und führt es so, wie es Gottes Willen entspricht!
Doch Jesus warnte seine Jünger auch sehr deutlich davor, dass die Erde eines Tages von einer schweren göttlichen Strafe heimgesucht würde, und zwar wenn er selbst sich bereitmachen würde, endlich zurückzukehren. Er äußerte diese Warnung in seiner Rede auf dem Ölberg, in der er seinen Jüngern seine Eschatologie, d. h. seine Lehre über die Endzeit, vermittelte:
„Und doch weiß niemand, wann das Ende kommen wird, auch die Engel im Himmel nicht, ja, noch nicht einmal der Sohn. Den Tag und die Stunde kennt nur der Vater. Wenn der Menschensohn kommt, wird es sein wie zur Zeit Noahs. Damals vor der großen Flut aßen, tranken und heirateten die Menschen, wie sie es immer taten. So ging es, bis Noah in die Arche stieg. Die Leute merkten nichts von dem Unheil, das ihnen bevorstand, bis die Flut sie alle mit sich riss. So wird es auch beim Kommen des Menschensohnes sein.“
(Matthäus 24,36–39 Hfa)
Bei einer anderen Gelegenheit, in einem Gespräch mit einigen Pharisäern, warnte Jesus erneut sehr spezifisch vor „der Zeit Noahs“. In dieser Warnung stellte er einen Zusammenhang zu einer weiteren Episode her, die durch strenges göttliches Gerichtshandeln gekennzeichnet war: die Zerstörung von Sodom und Gomorra.
„Wenn der Menschensohn kommt, wird es sein wie zur Zeit von Noah. Die Menschen aßen, tranken und heirateten, wie sie es immer taten.
So ging es, bis Noah in die Arche stieg. Dann kam die große Flut, und keiner von ihnen überlebte. Es wird genauso sein wie zu Lots Zeiten. Auch damals ging alles seinen gewohnten Gang: Die Menschen aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. So ging es bis zu dem Tag, an dem Lot die Stadt Sodom verließ. Da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. Genauso wird es sein, wenn der Menschensohn erscheint.“
(Lukas 17,26–30 Hfa)
Zweimal äußerte Jesus eine sehr ernste Warnung, einmal gegenüber seinen Nachfolgern, das andere Mal gegenüber den Pharisäern. Er warnte sie vor einer verheerenden endzeitlichen Strafe, die die gesamte Erde treffen würde. Daher sollte jeder Christ diese Warnungen ernst nehmen, ja sogar Nichtchristen sollten dies tun. Wenn sich etwas Derartiges künftig wiederholen wird, müssen wir verstehen, was zur Zeit Noahs passiert war. Womit hatte die Welt dieses Schicksal verdient? Die Bibel macht ausführliche Angaben zu diesem Thema.