Читать книгу JURASSIC DEAD - David Sakmyster - Страница 11
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Antarktis, amerikanische Bohranlage Montgomery-Alpha
Alex war wieder bei Kräften, wenn auch nicht gründlich ausgeruht, und fand das Sweatshirt seines Vaters viel zu eng, wohingegen ihm die legere Jogginghose genau richtig vorkam. Seine Finger und Zehen kitzelten, während sich die gefütterten Pantoffeln anfühlten wie kleine Geschenke des Himmels. Als er Marcus’ Kommandozentrale wieder betrat, bekam er plötzlich ein erdrückend schlechtes Gewissen. Tony. Der Körper seines Freundes – gebrochen und zerfetzt – lag noch immer dort draußen, ein paar Meilen weiter östlich, und dass sie ihn nicht bergen würden, stand mit hoher Wahrscheinlichkeit fest, also würde diese Eiswüste auf ewig sein Grab bleiben.
Die Stimme seines Vaters riss ihn aus seinen trostlosen Gedanken: »Alex, nimm Platz und bring dir einen Kaffee mit, wenn du willst, er steht gleich dort in der Ecke.«
Alex trottete darauf zu, blieb aber auf halbem Weg wieder stehen. Das Fenster und die Betriebsamkeit draußen zogen seinen Blick an – gleißende Scheinwerfer, die Kräne auf Hochtouren, Männer, die hin- und herliefen, um Kisten zu sichern und zwei schwere Schneefahrzeuge mit einem Flachbettauflieger zu verkuppeln, der mit dicken Ketten und Geschirren ausgestattet war.
»Ist darauf denn genug Platz?«, fragte Alex.
»Soviel man mir gesagt hat, ja.« Marcus stand auf, kam hinter seinem Schreibtisch hervor und ging ebenfalls zum Fenster. Er trug nun etwas weniger förmliche Kleidung. Eine Sportjacke aus dunklem Tweed und einen weißen Rollkragenpullover, dazu eine Kakihose und ein Paar Stiefel aus Krokodilleder. Alex konnte sich nicht daran erinnern, sie je an ihm gesehen zu haben, aber natürlich war es lange her, seit er zuletzt Zeit mit seinem Vater verbracht, geschweige denn bemerkt hatte, welche Schuhe der Mann bevorzugte. Wenn Marcus Ramirez seinen Sohn und seine Frau nicht bewusst ignorierte, erging er sich darin, wissenschaftliche Essays zu verfassen, zu forschen und langweilige Lesungen bei Treffen ebenso langweiliger Gelehrter abzuhalten, die Theorien zu allem außer dem aufstellten, was vor ihren Augen geschah.
Alex beschloss, das Gespräch auf ein Thema zu lenken, in dem er eine Chance hatte: »Sag mal, hast du in letzter Zeit etwas von Mom gehört?«
Marcus verkrampfte und – Alex konnte sein Spiegelbild in der Scheibe sehen – zuckte zusammen. »Ironischerweise ja. Erst gestern.«
»Oh, wie steht es um ihre Gesundheit?«
»Du kennst doch deine Mutter, sie spricht über die Probleme aller anderen Leute, aber nicht über ihre eigenen.«
»Na gut, dann kann ich dir die Antwort ja geben: Ihr geht es nicht gut!«
Marcus nickte. »Das dachte ich mir schon, aber woher weißt du das? Alle Fragen, die sie mir stellte, zielten auf dich ab. Anscheinend hat sie seit mindestens einem Jahr nichts von dir gehört.« Er betrachtete Alex mit einem düsteren Blick. »Folglich sparst du dir deine Gleichgültigkeit nicht nur für deinen treulosen Vater auf, was?«
»Die Unterstellung ist ungerecht.«
Marcus zuckte mit den Achseln. »Egal, ich lasse mich nicht auf diese Konversation ein, nicht jetzt. Ich habe ihr erzählt, du würdest dich voraussichtlich irgendwo in Haft befinden und dann entweder einen oder beide Elternteile brauchen, um dich auszulösen; ich hätte allerdings nie gedacht, dass es hier sein würde.« Er seufzte. »Was in Gottes Namen hast du dir dabei nur gedacht?«
»Ich wollte das auffälligste Zeichen setzen, für den lautesten Knall sorgen … unter den gegebenen Umständen. Dich bloßstellen …«
»Ja, ist gut, ich verstehe schon: All der Kommerz und die weltweite Heuchelei, aber musste es gerade hier sein? Jetzt? Ihr hattet doch keine Ahnung, wer der Finanzgeber dieser Operation ist.«
Alex verschränkte seine Arme vor der Brust. »Oh, wir waren wir uns recht deutlich bewusst, wie du mit jemandem angebandelt hast, der zu den schlimmsten Unmenschen überhaupt gehört und dabei sogar noch den Wohltäter mimt.«
»DeKirk kommt für die Rechnungen auf, und dies hier … dies hier ist redliche Arbeit, verdammt – wichtige Arbeit.«
»Im Gegensatz zu dem, was ich tue, nicht wahr?«
Marcus schloss die Augen und schüttelte den Kopf. »Ich habe keine Ahnung, was du gerade tust, mein Sohn – abgesehen davon, dass du ständig in Schwierigkeiten gerätst und dein persönliches Umfeld dabei mit ins Elend reißt.«
Diese Kritik tat weh, vor allem weil sie Alex’ Schuldgefühle, Tony zurückgelassen zu haben, noch mehr steigerte, weshalb er nicht konterte. Stattdessen entschied er sich dazu, wieder auf unbekanntes Terrain umzuschwenken, bei dem er wenigstens nicht im Kreuzfeuer stand. »Verrätst du mir, wo die anderen sind? Die Cryos oder wie er sie genannt hat.«
Marcus zeigte auf ein paar gewöhnlich aussehende Schiffscontainer, die am Rand der Grube standen. »Schon verpackt und reisefertig gemacht.«
Nun stieß Alex einen Pfiff aus. »Befanden sie sich im gleichen Zustand? Waren sie genauso gut erhalten?«
»Ja, das sind sie – Fleisch auf Knochen. Sie steckten in denselben Schichten, wobei ich eine Theorie bezüglich der Bissspuren und Risse habe, die du an dem T-Rex gesehen hast. Sie könnten von diesen kleinen Rackern stammen.«
»Du meinst, sie seien noch nicht geschlechtsreif gewesen?«
»Richtig, davon gehen wir anhand ihrer Knochenstruktur und generellen Eigenheiten aus. Sie waren nur zwanzig Fuß lang und eine Tonne schwer; frühe Jura … die einzigen fleischfressenden Dinosaurier, die aus jener Zeit entdeckt worden sind, bis auf … na ja, unseren anderen Freund dort unten. Cryos, wie du gerade gesagt hast, haben einen Knochenkamm auf ihren Nasenbeinen und waren vermutlich in der Lage, ihre Farbe zu Paarungs- oder Kampfzwecken zu verändern. Das sind ausgesprochen spannende Anschauungsexemplare und ich kann kaum erwarten, sie eingehend zu untersuchen, falls mir DeKirk diese Ehre weiterhin zuteilwerden lassen möchte.«
Alex zog seine Schultern hoch. »Tut mir leid, dich fast daran gehindert zu haben, dir die Zeit mit deinen Spielsachen zu vertreiben.«
»Alex …«
»Nein, hör mir zu, ich … Moment mal, was ist denn da los?« Er zeigte auf die Kräne, die ins Stocken geraten waren und ruckartig erst in die eine und dann in die entgegengesetzte Richtung schnellten. Die Scheinwerfer wurden gedreht und ihre Kegel nach unten gelenkt, wo sie schließlich schnell hin und her huschten.
»Oh, scheiße«, fluchte Marcus und eilte hinter seinen Schreibtisch, wo er die Monitore betrachtete, um die Situation einschätzen zu können – ein Gewirr aus Bildern und Gesichtern. Die Trossen an den Winden spannten sich, und der Leib auf der Plattform trudelte haltlos, wobei Männer hinuntergerissen wurden, sich aber zum Glück noch teilweise festhalten konnten.
»Das sieht nach einer Auseinandersetzung aus«, sagte er und griff zu seinem Mikrofon.
»Nein«, widersprach Alex, »hol deine Leute da raus. Das sind … die Anderen.«
»Wer?«
»Diese … ich weiß nicht; die Russen.«