Читать книгу JURASSIC DEAD - David Sakmyster - Страница 12
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»Ich gehe hinaus.« Marcus’ Stimme hörte sich ausdruckslos an, während er versuchte, dem undeutlichen, hektischen Geschehen auf den Bildschirmen folgen zu können.
Was zum Kuckuck geht dort unten vor sich? Ja, es musste eine gewaltsame Auseinandersetzung sein. Er bekam einen trockenen Mund und stellte fest, dass er sich nicht vom Fleck bewegen konnte. Auf so etwas war er nicht vorbereitet gewesen; er kannte die Verhaltensregeln in solchen Situationen nicht. Diese Männer, die Soldaten … DeKirk … wo sollte er nur anfangen? Was konnte er in dieser Situation überhaupt unternehmen? Augenblicke später beantwortete sich diese Frage aber von selbst, als ein anderer Instinkt das Heft übernahm. »Ich gehe raus«, entgegnete Alex, der schon zur Tür stürzte, und sich die Jacke seines Vaters von einem Haken schnappte. »Nein, du gehst nicht!«, rief Marcus, doch der Junge hatte die Tür bereits aufgeworfen. Er zog sich rasch die Kapuze über und nahm die Handschuhe aus den Taschen. »Keiner außer mir weiß, was uns hier erwartet.« »Außer dir? Willst du jetzt etwa den Soldaten im Kampfeinsatz markieren?« »Nein«, schrie er gegen den brausenden Wind an, während er auf der Metalltreppe vor der Tür verharrte. »Ich bin nur jemand, der sich ständig zur falschen Zeit am falschen Ort aufhält.« Dann war er verschwunden. Marcus zögerte kurz, lief nun aber zu einem Schrank, wo er sich anschickte, in eine seiner Ersatzjacken zu schlüpfen, und sich für den Abstecher nach draußen wappnete. Als er fertig war, steckte er sein Telefon ein und rannte seinem Sohn hinterher.
***
Unten an der Grabungsstätte hetzte Alex um einen der Schiffscontainer herum und warf einen misstrauischen Blick darauf, als rechne er damit, dass jede Sekunde irgendetwas mit ellenlangen Zähnen und fauchend aufgesperrtem Maul durch den Metalleingang brechen würde.
Schüsse fielen und hallten von den Gletscherwänden durch den pfeifenden Wind wider, was Alex augenblicklich zurück in die Gegenwart brachte. Hier war er wieder – immer noch in diesen verboten bequemen Pantoffeln – und hastete über das Packeis auf die Kante zu. Dabei schrie er und ruderte wild mit den Armen, um die Männer am Rand des Lochs, deren Umrisse sich im changierenden Scheinwerferlicht abzeichneten, auf sich aufmerksam zu machen.
Mindestens ein Dutzend Soldaten standen dort herum, zielten und bemühten sich um einen ungehinderten Schuss auf das, was sich in der Grube befand.
Dann war auf einmal Marcus da, lief neben Alex her und winkte ebenfalls mit beiden Armen. »Nicht feuern! Sie dürfen das Exponat auf keinen Fall beschädigen!«
Dad, war Alex geneigt, zu sagen, es wurde schon zur Genüge beschädigt, da machen ein paar Kugeln auch nichts mehr aus. Dann dachte er, wie es sich, falls dem so war, überhaupt noch hatte bewegen können? Solche Verletzungen hätten es getötet – wenn es nicht sowieso schon während der inzwischen vergangenen Jahrmillionen geschehen wäre.
Einer der Fußsoldaten, der einen weißen Tarnoverall trug, drehte sich um und legte mit seinem M5 darauf an, als die beiden endlich zum Stehen kamen.
»Zurücktreten, Zivilisten. Dies ist nun ein Militäreinsatz!«
»Ein Scheißdreck ist es«, blaffte Marcus und zeigte in die Grube. »DeKirk hat mir Anweisungen gegeben, und dieses Ding – seine Investition – ist hoffentlich noch intakt, wenn er eintrifft, um es mitzunehmen.«
Der Soldat verzog missmutig sein Gesicht und blickte wieder hinab in die Tiefe, wo Alex, der sich über die Kante beugte, kaum irgendetwas erkannte. Weil sich die Strahlen der Scheinwerfer ständig kreuzten, nicht zu vergessen die verschlungenen Leitungen und Hebebühnen, das behelfsmäßige Metallgerüst und das schattenhafte Ding auf der hochfahrenden Plattform, konnte er überhaupt nichts sehen, weder scharf noch verschwommen; jedenfalls nichts, was einen Sinn ergab.
Waren das auf dem Rücken des Dinosauriers Menschen, die kletterten und sich gegeneinander zur Wehr setzten? Ab und zu erhellte Mündungsfeuer die durchdringende Dunkelheit, und während sich die Plattform weiter hob, fiel Alex Blick auf etwas, das sein Herz aussetzen ließ.
Zwei schwarz gekleidete Gestalten mit Schuppen in den Gesichtern und leuchtend gelben Augen … ein Kontrast zu dem kräftig roten Blut, das von ihren gefletschten Zähnen tropfte, während sie die Jacke eines Amerikaners zerrissen und sich an seinen Innereien weideten.
***
»Hören Sie mich, Sir?«, bellte der Soldat in sein Funkgerät.
Marcus packte Alex’ Schulter und versuchte, ihn von der Kante wegzuziehen.
»Nein, Dad. Alle zuhören: Bergung abbrechen!«
»Das können wir nicht tun«, hielt Marcus dagegen.
»Werden wir auch nicht«, bekräftigte der befehlshabende Soldat.
Die Plattform kam immer näher, und jetzt erkannte Marcus, was bisher nicht eindeutig klar gewesen war. Es standen Soldaten darauf – Männer in Schwarz, die gegen welche in Weiß kämpften –, und da war Blut … Blut überall. Weniger infolge der Schusswechsel als …
»Himmel, die fressen unsere Männer …«
»Gott steh uns bei«, stöhnte der Soldat neben ihm. Er zielte durch das Visier seiner Waffe. »Scheiß drauf! Team Alpha? Feuer!«
»Nein!«, brüllte Marcus und langte nach dem Gewehr, doch der Soldat holte schwungvoll damit aus und rammte es ihm ins Kreuz. Dann legte er auf Alex an.
»Wollen Sie mir etwa auch Schwierigkeiten machen?«
Alex verneinte mit erhobenen Händen. »Aber die werden es tun, außer Sie töten sie alle.«
Der Mann nickte und zielte wieder nach unten. »Wir kriegen sie.« Damit eröffnete er das Feuer.
Alex konnte das Ganze bloß tatenlos mit ansehen, genauso wie Marcus, der auf seine blutende Lippe drückte, nachdem er sich aufgerafft hatte, und untröstlich in die Grube schaute. Er zuckte bei jedem Schuss zusammen.
»Das führt zu nichts«, sah der Soldat ein, während die schwarzen Monturen wieder und wieder durchlöchert wurden. Nichts hielt die Russen in ihrem gefräßigen Ansturm auf die Amerikaner zurück, die nach Kräften versuchten, rings um den Körper des T-Rex in Deckung zu gehen, wobei sie über die Plattform krochen und sich mit ihren Pistolen verteidigten.
»Kugelsichere Westen?«
Der Soldat nickte und sprach wieder in sein Funkgerät. »Scharfschützenmunition und die Köpfe treffen. Auf meinen Befehl, los!«
Danach ging das Blutbad erst richtig los.
Die Plattform befand sich nur noch fünfzig Fuß unter der Oberfläche, da verschoss das Dutzend Soldaten seine restlichen Patronen und steckte neue Magazine auf. Anlegen – Feuer. Anlegen – Feuer. Marcus fuhr zusammen, während er beobachtete, wie Köpfe platzten, und sich Hirnmasse und Blut über den Dinosaurier ergossen. In der irrigen Hoffnung, keiner der Schüsse verfehle, stellte er sich vor, wie er wochenlang Kugeln aus dem Untersuchungsobjekt ziehen würde.
Die Russen fielen – und einen Moment lang dachte Marcus, er sehe etwas Unmögliches. Eines der Gesichter kurz vor einem Treffer: Verschwommen, aber unleugbar mit dicken Schuppen bedeckt, gelblich blass, blutbesudelt – und diese Augen … dann explodierte der Schädel, und der zuckende Leib kippte über den Rand der Plattform.
Die Amerikaner formierten sich neu. Mehrere standen tapfer ihren Mann, scharten sich gegen die verbliebenen Russen zusammen und warfen mehrere von ihnen hinunter.
Immer noch krachten Schüsse, während sie die wenigen übrigen Feinde beseitigten.
Marcus stieß einen erleichterten Seufzer aus – gemeinsam mit den amerikanischen Soldaten. Dann hielt der Befehlshaber inne, um zu hören, was ihm über den Funkhörer im Helm aufgetragen wurde.
»Wie bitte? Aber … jawohl, Sir. Ich verstehe, wird gemacht.«
Daraufhin hob er seine Waffe wieder und schaute ins Visier.
»Was tun Sie da?«, fragte Marcus, als er seinen Schatz, den T-Rex in seiner blutbefleckten Riesengröße, fast auf gleicher Höhe sehen konnte. »Sie haben sie alle erwischt, also können Sie jetzt wegtreten.«
Und mir die Befehlsgewalt zurückgeben, hätte er gerne hinzugefügt.
Aber der Soldat feuerte erneut. Ein Amerikaner fiel, als es ihm die Schädeldecke wegriss.
Nun schrie Alex auf und wollte sich auf den Schützen stürzen, doch Marcus hielt ihn zurück. Sie drehten sich beide um. »Was zur Hölle soll das?«
Dann knatterten weitere Schüsse, und zwar von allen Seiten. Fast enthauptete Leiber brachen auf dem wie siegreich hochgefahrenen T-Rex zusammen. Einige rutschten erschlafft unter den Erschütterungen der Plattform herunter und fielen über den Rand.
»Werfen Sie den Rest zurück in die Grube«, knurrte ein Soldat in sein Sprechteil, »und fahren Sie mit der Extraktion fort.« Nachdem er sein Gewehr geschultert hatte, wandte er sich wieder Marcus zu.
»Sie übernehmen, Doktor.«
»Wieso?«, wisperte Alex, der immer noch mit weit aufgerissenen Augen dastand, während die Leichen ohne viel Aufhebens von der Plattform gestoßen wurden.
»Ist ein Befehl«, antwortete der Soldat.
Nur ganz kurz drängte sich Alex Tonys Gesicht auf, dessen Haut sich verändert hatte; die klaffende Wunde an seinem Arm …
Er schluckte schwer, als Marcus seine Stimme wiederfand und gerade eine Diskussion anfangen wollte.
»Dad«, sagte Alex. »Lass es bleiben. Ich glaube, sie haben das Richtige getan, das einzig Mögliche.«
Marcus wandte sich seinem Sohn zu. »Bist du verrückt geworden?«
Der Junge hatte sich abgewandt und ging jetzt auf die Plattform zu, um sich den Schädel und das Auge des Riesen – es war nun geschlossen – aus unmittelbarer Nähe anzusehen. Alex erschauderte und überlegte kurz. »Sie haben keine kugelsicheren Westen getragen, Dad; das konnte ich sehen, dort unten auf der anderen Seite.«
»Unmöglich«, behauptete der Soldat.
»Aber wahr«, beharrte Alex, »und falls sie mit dem infiziert wurden, was auch immer in dem See gewesen ist, dann …«
Er starrte den T-Rex an, die enormen Kiefer und die Ahnung von Zähnen; die übereinanderliegenden Schuppen und die dicke Oberhaut … die Einkerbungen durch Kugeln, die sie nicht durchschlagen hatte.
»Du würdest gut daran tun, einen sehr kalten Schiffscontainer zu benutzen, und musst hoffen, dass dieses Ding niemals auftaut …«