Читать книгу PRIM - Dietrich Enss - Страница 8
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ОглавлениеAlice Lormant ging systematisch an die neue Aufgabe heran. Am Beginn stand ein Anruf bei ihrer besten Freundin.
»Ann-Louise Norwood.«
»Hallo Ann!«
»Alice! Ich sehe keine Nummer.«
»Vergiss es! Ruf mich unter der alten Nummer an! Oder noch besser, schicke mir eine sichere Mail! Ich bin wieder auf dem Kriegspfad. Kann ich für zwei bis drei Wochen noch einmal Ann-Louise Norwood sein?«
»Ja, sicher.« Ann-Louise dehnte die beiden Worte.
»Gibt es ein Problem dabei?«
»Nein. Ich habe nur überlegt, ob eine Regatta ansteht, nach der ich hoffentlich als Siegerin in allen Zeitungen stehe. Wenn ich dann gleichzeitig auf deinem Kriegspfad bin, ist das vielleicht nicht so gut. Die nächste Regatta ist aber erst in sechs Wochen. Und nach Maryland komme ich auch nicht.«
»New York. Bitte sag, dass du auch nicht nach New York kommst!«
»Höchstens wenn die MILKY WAY bei vierzig Knoten Nordoststurm vertrieben wird und ich das Kaff als Nothafen anlaufen muss.«
Alice lachte. »Okay, was muss ich sonst noch wissen?«
»Alles wie gehabt, denke ich. Verheiratet bin auch noch nicht.«
Nun lachten beide. »Und noch etwas, Alice. Du musst endlich einmal das Segelkompendium durchlesen, das ich dir gegeben habe. Wenn du als Ann-Louise Norwood herumläufst, wird dich früher oder später jemand über das Segeln ausfragen, möglicherweise sogar über bestimmte Regattaerfolge. Mit geht es jedenfalls ständig so. Es genügt nicht, wenn du dann sagst, dass du immer seekrank wirst, selbst wenn es stimmt. Es gibt Regattasegler, denen das auch passiert. Aber trotzdem kennen sie sich mit dem Segeln aus.«
»Ich finde jedes Mal, dass der Boden schwankt, wenn ich das Buch zur Hand nehme«, scherzte Alice. »Aber im Ernst, ich werde es mir wieder vornehmen. Immerhin kann ich schon vier Segel unterscheiden: Groß, Fock, Genua und Spinnaker.«
»Na super! Und kannst du auch eine Slup von einer Ketsch unterscheiden?«
»Das war die mit dem Ruder vor dem Besanmast, oder?«
»Richtig! Im Gegensatz zur Yawl. Was muss denn ich noch wissen?«
»Du bist verreist, Ann. Nach New York oder in die Umgebung von New York. Keiner weiß so richtig wo genau und wann du wiederkommst. Du nimmst keine Anrufe an, bei denen die Anrufer dir unbekannt sind oder die sich nicht zu erkennen geben. Also anders als vorhin. Und wenn wir telefonieren, ist das Stichwort bei möglichen Mithörern schwatzen, wie früher. Das sollte genügen.«
»Beim letzten Mal sollte ich ja am besten mit der MILKY WAY auf und davon oder auf Pilgertour in Europa sein. Oder mit dem Fahrrad in der Mongolei.«
»Nein, nein, diesmal nicht«, sagte Alice und lachte. »Du bist in Richtung New York entschwunden. Es hat irgendetwas mit deinen Arbeiten an der Uni zu tun. Und, ach, informiere deinen Vater! Wie geht es ihm?«
»Gut. Er fragt immer nach dir. Aber glaube nicht, dass es wegen des Dienstes ist! Er ist in dich verliebt.«
»Er ist nicht mein ältester Liebhaber. Mach’s gut, Ann!«
»Sail ho!«
Alice schmunzelte. Der alte Norwood hatte wahrscheinlich eine CIA-Vergangenheit, möglicherweise auch eine NSA-Vergangenheit. In der Zeit, in der Alice und Ann-Louise zusammen im College waren und sie in dem Anwesen der Norwoods in Newport ein- und ausging, hatte er sich nie dazu geäußert. Alice hatte einmal gesagt, dass ihr die chinesischen Kalligrafien, die an den Wänden in Norwoods Bibliothek hingen, wie eine Geheimschrift vorkämen. Das sei fast richtig, hatte er geantwortet und dann einige der Zeichen in ungewohntem Sing-Sang vorgelesen und anschließend übersetzt. Alice hatte das Gefühl, dass sie ihn beleidigen würde, wenn sie ihn jetzt fragte, ob er chinesisch spräche. Später hatte Ann-Louise ihr erzählt, dass ihr Vater lange vor ihrer Zeit »für unsere Regierung« in China gearbeitet hatte und die chinesische Sprache perfekt beherrschte. Das Mandarin.
Als Alice dann bei der NSA anfing, erstaunte er die beiden jungen Frauen, und besonders natürlich Alice, mit sehr speziellen Kenntnissen über Aktivitäten und Methoden der Geheimdienste. Allein die Fragen, die er Alice stellte, zeigten ihr, dass er Insider-Wissen haben musste. Als er während ihrer Agentenausbildung von Alices Übung erfuhr, für die sie sich eine fremde Identität aussuchen sollte, hatte er Ann-Louise vorgeschlagen. Weil sie Ann-Louise seit Jahren kenne, mit ihr zusammen studiert hätte und alles über sie wisse, ganz abgesehen von dem gleichen Alter und den Ähnlichkeiten im Aussehen, hatte er argumentiert.
Im nächsten Schritt nahm Alice Kontakt zu den Leuten auf, die in Tessenbergs Dossier standen, um die neuen Papiere zu bekommen. Sie würden ihre Identität als Ann-Louise Norwood untermauern. Damit konnte sie sich sicher fühlen, zumal sie Ann-Louise so gut kannte. Und schließlich war der frühere Identitätswechsel ohne jede Nachfrage über die Bühne gegangen. Die Sachen würden in ihr Büro geliefert.
Dann rief sie Peter Cornwell zu sich und stimmte die weitere Arbeit mit ihm ab. Sie vereinbarten, wie sie in der nächsten Zeit Kontakt miteinander halten würden. Außerdem nannte sie ihm zwei Termine für Arbeitsbesprechungen, an denen er für sie teilnehmen sollte.
»Eine Sache noch zum Schluss, Peter. Falls irgendwelche Dateien von Ferrets eintreffen, sage mir Bescheid, wenn du den Eindruck hast, dass es wichtig sein könnte. Obwohl du ja nur die von deinen Ferrets geschickten Dateien lesen kannst. Es bleibt bis auf weiteres dabei, dass jeder von uns beiden die von seinen Ferrets gefundenen Dateien mit seinem eigenen Schlüssel verschlüsselt. Sag bei den Besprechungen nichts über den Eingang von Dateien, die meine Ferrets gefunden haben, bevor du das nicht mit mir besprochen hast! Abgemacht?«
Peter Cornwell war sehr loyal. Sie wusste das zu schätzen. Ein anderer hätte vielleicht um eine schriftliche Anweisung gebeten. Zumindest wenn es um Ferrets ging, die nicht nur zu Testzwecken ausgesetzt wurden.
Bevor sie Cornwell verließ, fragte sie ihn: »Hast du schon mal etwas von anderen Ferrets gehört, anderen als unseren?«
»Du meinst die draußen in der Wildnis?«
»Nein, als Codename, wie bei uns, vermute ich.«
»Nö. Gibt’s da ein Problem?«
»Nö.«
Die längste Zeit der Vorbereitungen für den Außeneinsatz benötigte sie für ihre Nachforschungen über DATA TODAY. Sie hatten bereits eine Akte über DATA TODAY auf dem Server, aber nach ihren Anfragen bei anderen Diensten konnte sie jetzt weitere Details hinzufügen. Die CIA konnte lediglich beisteuern, dass sie ausländische Geheimdienste dabei beobachtet hatte, wie sie - nach Ansicht der CIA vergeblich - versucht hatten, die Datenspeicher von DATA TODAY auszuspähen. Aber das FBI hatte vierzig Seiten herübergeschickt. Zusammen mit dem, was sie selbst darüber hinaus mit sehr gezielten Recherchen gefunden hatte, ergab das aus ihrer Sicht ein ziemlich vollkommenes Bild.
Es gab vor allem zwei Personen bei DATA TODAY, auf die sie sich offensichtlich konzentrieren musste. Auf einen gewissen Ronald G. Limpes und auf den Leiter, Robert F. Talburn, gleichzeitig ein Mitglied des Direktoriums von TODAY Inc. Limpes hatte unter dem Verdacht der Behinderung einer Strafverfolgung gestanden, als DATA TODAY vor zwei Jahren vom FBI gefilzt worden war. Er hatte vermutlich Festplatten gelöscht und die Fahnder auf falsche Fährten gewiesen, aber sie konnten ihm letztlich nichts nachweisen. In einem der FBI Protokolle standen die Sätze: »Limpes umgibt sich mit der Aura eines zerstreuten Professors. Er kann sich erinnern und im nächsten Moment abstreiten, sich erinnern zu können. Seine Einlassungen sind widersprüchlich, ohne dass man ihm ohne weiteres Absicht unterstellen kann. Er weicht ständig vom Gesprächsthema ab und spricht dann völlig zusammenhanglos über alles Mögliche, vom Jodgehalt in japanischen Speisen bis zu Marilyn Monroes Memoiren. Seine Antworten sind wortreich und abschweifend. Seine Stellung in der Firma lässt eine Kompetenz vermuten, die bei Gesprächen mit ihm nicht erkennbar ist. Die Mitarbeiter und sein unmittelbar Vorgesetzter, Robert F. Talburn (siehe dort), halten große Stücke auf ihn.«
Limpes’ privater Hintergrund wurde von den FBI-Leuten gleich mit durchleuchtet, entsprechend der Standardprozedur bei jedem, der ihnen ins Visier gerät. Zwei Seiten lang wurden Limpes Geschäfte mit Flaschen seltenen Whiskys aus limitierten Abfüllungen renommierter Brennereien beschrieben, die er sozusagen im Nebenberuf betrieb, vermutlich ohne Kenntnis seines Arbeitgebers oder der Kollegen, und nach den Recherchen des FBI am Finanzamt vorbei. Ein humorvoller Bearbeiter hatte den Teil des Dossiers mit »Hochprozenzige Geschäfte« überschrieben. Den jährlichen Umsatz bezifferte das FBI auf zirka 75.000, den Gewinn auf zirka 18.000 Dollar. Limpes handelte nicht bei Auktionen, wo Umsatzsteuern und Gebühren anfielen, sondern an mehreren einschlägigen Kauf- und Tauschbörsen über das Internet, die im Gegensatz zu den meisten Organisationen besonderen Wert darauf legten, in den Suchmaschinen gar nicht oder erst weit hinten zu erscheinen. Das FBI nannte vier solcher Handelsplätze und zählte beispielhaft drei seiner Geschäfte auf, ganze drei einzelne Flaschen - LAPHROIG Vintage Reserve Single Islay Malt Whisky, MACALLAN 1959 Pure Highland Malt Whisky und MACALLAN 1951 Single Highland Malt Scotch Whisky -, bei denen Limpes mit einem Einsatz von 2.100 Dollar nach sechs Jahren fast 5.000 Dollar Gewinn erzielt hatte. Als ob diese Zahlen nicht genug aussagten, wurde zusätzlich die jährliche Rendite mit über 22 Prozent angegeben.
Die Erkenntnisse über Talburn waren viel umfangreicher als die über Limpes. Es waren sogar zwei Bilder von Talburn in dem FBI-Dossier mitgekommen. Alice betrachte lange das Porträt. Es war zwei Jahre alt. Das zweite Bild gehörte zu einem kopierten, etwa zehn Jahre alten Zeitungsausschnitt. Alice hatte diesen Ausschnitt schon einmal beim Googeln mit Talburns Namen gefunden, ihm aber keinerlei Wichtigkeit beigemessen. Talburn stand mit einem Schiffsmodell in den Händen an einem Becken oder Brunnen. Er hatte einen Modellbaupreis gewonnen. Das FBI brachte die Kenntnisse Talburns über elektronische Steuerungen, die er in innovativer Weise bei dem Schiffsmodell angewandt hatte, in Verbindung zu seinen Hackeraktivitäten. Damit war er mehrmals während seines Parallelstudiums der Informatik an der New York University und der Computerwissenschaft an der Columbia University auffällig geworden. Er hatte einige illegale Angriffe, darunter auf die New York State Police und auf Livermore, zugeben müssen, war auch einmal zu einer Geldstrafe von sechshundert Dollar und zwölf Tagen Sozialarbeit in Philadelphia verurteilt worden. Zweimal hatte er - jedenfalls nach den Erkenntnissen des FBI - von sich aus Lücken in Sicherheitssystemen aufgezeigt. Die Firma eBay hatte ihm für den Hinweis und für seine Arbeit, die auch gleich die Beseitigung der Lücke einschloss, ein fünfstelliges Erfolgshonorar gezahlt. Im Bericht des FBI wurde mit auffälliger Betonung darauf hingewiesen, dass Talburn damit Einblicke in die gut geschützten eBay-Programme gewonnen haben musste. Vermutlich waren sie dem FBI nicht zugänglich.
Der zweite Fall war gleichzeitig mit der eBay-Sache registriert worden, aber der gesamte Absatz war bis auf das Datum geschwärzt worden. Während Alice sich hierüber einen Reim zu machen versuchte, betrachtete sie erneut das Porträt. Sie wippte es zwischen zwei Fingern, und ihre Gedanken schweiften ab auf die Zeit, die sie mit Ann-Louise im MIT verbracht hatte. Auch sie wären beinahe erwischt worden.
Am nächsten Morgen nahm sie den Regionalzug nach Manhattan, der pünktlich um 8:13 Uhr an der Penn Station ankam. Mit dem Bus - Linie 34 auf der 34. Straße, ganz Manhattan war mit diesen leicht zu merkenden Ost-West-Verbindungen durchsetzt - fuhr sie das kurze Stück zur Park Avenue. Die Weiterfahrt in der zu dieser Zeit überfüllten U-Bahn der Linie 6 in die Bronx dauerte fast eine Stunde, weil die Express Variante zu dieser Zeit nur in die andere Richtung betrieben wurde, hinunter nach Manhattan. Erst auf dem letzten Teilstück, zwischen der 138. Straße und der Parkchester Station, fand sie einen freien Sitzplatz. Sie stieg die steilen Stufen vom aufgeständerten Bahnhof hinab auf das Straßenniveau, stellte ihren Koffer auf die Rollen und legte die wenigen hundert Meter bis zur Leland Avenue zu Fuß zurück.
Es war eine ruhige Gegend, obwohl der Cross Bronx Expressway mit der Interstate 95 nur dreihundert Meter entfernt war. Die Leland Avenue war eine Einbahnstraße, in der die Autos auf beiden Straßenseiten parkten. In größeren und unregelmäßigen Abständen standen ein paar Bäume am Straßenrand. Die Bebauung war gemischt. Neben schmutzig-braunen Wohnblocks gab es mit der Schmalseite zur Straße stehende, zwei- und dreistöckige Einzelhäuser, etliche darunter aus Holz. Sehr oft führten Außentreppen zu den Räumen im ersten Stock. Und es gab viele betonierte Stellplätze vor den Häusern und Garagen in den Vorgärten.
Das Haus der NSA passte sich seiner tristen Umgebung perfekt an. Dem Steinhaus aus ehemals rotbraunem und inzwischen von Abgasen angegrautem Klinker, eingeklemmt mit nur zwei Meter Abstand zwischen den Nachbarhäusern, war ein hölzerner Vorbau bis zur Höhe der Traufe angefügt worden. Sein farblich schwer zu bestimmender Anstrich hatte stark unter der Stadtluft gelitten, war fleckig und blätterte. Die Fenster, auch die im Giebel im zweiten Stock oberhalb des Vorbaus, hatten keine Gardinen, aber man konnte nichts dahinter erkennen. Eine Treppe zum ersten Stock begann direkt hinter dem Metallzaun, der das Grundstück zum Gehweg hin abgrenzte. Über der Tür am oberen Ende der Treppe war eine Kamera montiert. Die Zufahrt zur Garage im Haus befand sich an der rechten Seite. Der Platz zwischen dem offenbar ferngesteuerten Garagenrolltor im Vorbau und dem Zaun war nicht groß genug, um dort ein Fahrzeug abzustellen. Auch die Torflügel im Zaun konnten per Funk- oder Infrarotsteuerung bedient werden. Neben der Tür im Zaun an der Treppe war ein Stahlpfahl mit einem Briefkasten aufgestellt, an dessen Vorderseite zwei unter fortgeschrittener Oxidation leidende Metallschilder befestigt waren. Das obere enthielt die Inschrift Holborn Trade, das untere den Namen Debra Ohanian.
Alice drückte den Klingelknopf am Zaun. Die Tür sprang auf. Am Eingang zum Vorbau im Obergeschoss empfing sie die Frau, die in der nächsten Zeit ihre Tante sein würde.
»Guten Morgen, Miss Norwood.« Debra Ohanian strahlte Alice aus dunklen Augen an und zeigte ein freundliches Lächeln. Sie war etwa fünfzig Jahre alt, trug ihr schwarzes Haar eng am Kopf anliegend und wirkte in ihrem eleganten, perfekt sitzenden Hosenanzug reichlich fremd vor dem heruntergekommenen Haus.
»Guten Morgen, Tante Debra.«
»Das ist nur für Außenstehende, Miss Norwood«, sagte Ohanian zur Überraschung von Alice und führte sie ins Haus.
»Es war auch nur im Scherz gesagt«, versicherte Alice schnell.
Der Vorbau war hier oben völlig leer. Sie gingen zur sehr stabil wirkenden Tür, die in den Steinbau führte, und Ohanian öffnete sie mit einem Nummerncode, den sie auf einem Tableau neben der Tür eintippte. Sie betraten ein großes, über die ganze Breite des Hauses reichendes Büro. Fahles Licht kam durch zwei Fenster an den Seiten, durch die man die Wände der nahen Nachbarhäuser sah, und ein Fenster vom Vorraum herein. Auf zwei der vier Schreibtische im Raum brannten Leuchten. Einer der Tische war offensichtlich Ohanians Arbeitsplatz, am anderen war ein etwa vierzig Jahre alter Mann mit einer Glatze aufgestanden. Sie stand in krassem Gegensatz zu seinen buschigen Augenbrauen.
»Richard Players«, begrüßte er Alice, »Ostasien Gewürze.«
»Mr. Players ist vorübergehend hier, genau wie Sie, Miss Norwood«, schaltete sich Ohanian ein. »Er nimmt keine Anrufe für Sie an, Sie nehmen keine Anrufe für ihn an. Kommen Sie! Ich zeige Ihnen Ihr Zimmer.«
Während Richard Players und Alice sich mit Blicken zu verstehen gaben, dass sie Ohanians Vorsicht für übertrieben hielten, sagte Alice: »Ich telefoniere nur mit dem Smartphone.«
»Aber nicht hier, Miss Norwood! Sie finden unsere Hausregeln oben.«
Sie stiegen über eine Treppe im hinteren Teil des Hauses, die offensichtlich auch bis in die Garage hinab führte, in das darüber liegende Dachgeschoss. Das Zimmer lag vorne hinter dem Giebel. Es war wie ein Hotelzimmer mit einer Nasszelle, einem Klimagerät, einem Fernseher und einem Telefon ausgestattet. Sie schaute durch das Fenster, das sie bereits von der Straße aus gesehen hatte. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich eine nur leicht versetzte Baulücke. Sie diente als Parkplatz. Vorhänge würde sie also eigentlich nicht benötigen, aber es gab wenigstens ein Stoffrollo, das am Fenster befestigt war.
»Sie benötigen keinen Garagen-Beeper, oder?«, fragte Ohanian.
»Nein. Ich nehme die U-Bahn nach Manhattan.«
»Gut. In der Mappe finden Sie Wegbeschreibungen zu einigen Restaurants in der Nähe. Zwei sind rund um die Uhr geöffnet. Packen Sie Ihre Sachen aus, dann kommen Sie bitte herunter, und ich werde Ihnen Ihren Arbeitsplatz zeigen.«
»Ich werde gleich nach Manhattan fahren und heute noch dort anfangen.«
Damit hatte Ohanian wohl nicht gerechnet. »Okay.« Sie legte eine kleine Pause ein. »Ich gebe Ihnen dann im Büro die Schlüssel und Ihren Türcode. Bis gleich, also.«