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Interview mit Jörg Dittwar
ОглавлениеJörg Dittwar spielte von 1987 bis 1994 für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga. In den Spielzeiten 1988/89 und 1989/90 war der Verteidiger dort Mannschaftskollege von Souleyman Sané. Nach dem vorzeitigen Ende seiner aktiven Laufbahn infolge einer schweren Knieverletzung arbeitete er als Trainer im Jugendbereich des Clubs und bei mehreren Amateurvereinen. Von 2009 bis 2017 war er Bundestrainer für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Im Interview spricht er über Souleyman Sané.
Herr Dittwar, welche Erinnerungen haben Sie an Souleyman Sané?
Jörg Dittwar: »Ich erinnere mich an einen sehr angenehmen Menschen und Top-Mannschaftskameraden. Wir waren damals öfter gemeinsam nach dem Training oder nach den Spielen unterwegs. Auf dem Fußballplatz war Samy eine Granate. Mit ihm und Dieter Eckstein beziehungsweise später Christian Hausmann hatten wir in Nürnberg den schnellsten Sturm der Bundesliga. Samy hat mich aber auch so manche Nerven gekostet: ob als Gegenspieler in der Zweiten Bundesliga, als er noch beim SC Freiburg war und ich bei der Spielvereinigung Bayreuth, oder später im Training beim Club. Zum einen musste man immer aufpassen, dass er einen mit seinen Tricks nicht vernascht. Zum anderen war er oft schneller als der Ball und hat deswegen so manche Torchance ausgelassen.«
Welches Spiel ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?
Jörg Dittwar: »Ganz klar das legendäre Spiel im UEFA-Cup 1988 bei AS Rom, noch heute ein Highlight für viele Club-Fans. Im Vergleich zu den Römern waren wir eine No-Name-Truppe. Samy ist ein paar Konter gelaufen, hat uns in Führung geköpft und den Siegtreffer vorbereitet.«
Wenn Sie Leroy Sané heute spielen sehen: Was erinnert Sie an den Vater?
Jörg Dittwar: »In erster Linie seine Schnelligkeit. Samy war meines Erachtens aber noch schneller als Leroy. Der ist wiederum am Ball besser, technisch begnadeter. Leroy ist einer, der sich von hinten die Bälle holt und dann durchdribbelt.«
Nicht nur Leroys Vater Souleyman war Leistungssportler, sondern auch dessen Mutter Regina Weber-Sané. Wie sehr haben ihm seine Eltern in der Entwicklung geholfen?
Jörg Dittwar: »Wenn man in einer sportlichen Familie aufwächst, dann kriegt man ganz andere Werte vermittelt, was Ernährung, Disziplin oder soziale Kompetenz betrifft. Die Eltern sorgen dafür, dass ihre Kinder im richtigen Umfeld aufwachsen. Aber Leroy hatte sicherlich auch mit dem Namen Sané zu kämpfen. Das ist nicht so einfach. Wegen des bekannten Vaters schauen die Leute da genauer hin und ziehen Vergleiche.«
Wie erklären Sie sich die steile Entwicklung, die Leroy Sané zwischen 2012 und 2015 genommen hat von der Ersatzbank des Schalker U17-Teams bis in die deutsche A-Nationalmannschaft?
Jörg Dittwar: »Das Talent und den Ehrgeiz hatte er wohl schon immer, dazu das passende familiäre Umfeld. Das I-Tüpfelchen war dann in der U19 mit Norbert Elgert der richtige Trainer. Wenn man jemanden hat, der einem erzählt hat, wie es abläuft, wenn man wissbegierig ist und gut zuhört, dann kann aus einem was werden.«
Als Sie im Frühjahr 2016 von den Millionensummen hörten, die für einen Wechsel im Raum standen: Was haben Sie sich damals gedacht?
Jörg Dittwar: »Dass ich 20 Jahre zu früh gespielt habe. Ich bin überzeugt: Auch Samy würde mit seinem Können heutzutage in der Premier League spielen.«
Kam der Wechsel 2016 zu Manchester City Ihrer Meinung nach zu früh, hätte Leroy Sané vielleicht nicht noch das eine oder andere Jahr bei Schalke oder zumindest in der Bundesliga verbringen sollen?
Jörg Dittwar: »Er hat alles richtig gemacht. In England hat er sich einen Namen gemacht und sich zum Weltstar entwickelt. Schade, dass wir ihn bei der WM in Russland nicht sehen konnten. Ich habe nicht verstanden, dass er nicht nominiert wurde.«