Читать книгу Ein Leben ohne Erfolg ist keine Option - Dominik Fuchs - Страница 11
ОглавлениеKapitel 2.4: Erfolgsgeschichte mit rotem Faden
Im Großen und Ganzen betrachtet, besteht dein komplettes Leben aus einer Erfolgsgeschichte. Das ist kein Zufall. Viele verschiedene Phasen und Veränderungen ziehen sich wie ein roter Faden durch unser Leben. Jede dieser Phasen beeinflusst dein tägliches Handeln und formt deine Persönlichkeit.
Die bekanntesten Forscher, deren Methoden noch heute relevant sind und auf modifizierte Art auch noch verwendet werden, sind Sigmund Freud und Erik Homburger Erikson. Beide haben ein Stufenmodell zur Entwicklung des Menschen vorgestellt, die in ihrem Grundgerüst dasselbe aussagen, aber trotz allem unterschiedliche Sichtweisen und Ausprägungen aufzeigen.
Der große Unterschied der beiden besteht darin, dass Freud eher auf der psychosexuellen Ebene argumentiert, wohingegen Erikson eher die psychosoziale Entwicklung anspricht. Ein weiterer großer Unterschied ist, dass Freud der Meinung ist, der Mensch als Erwachsener sei voll entwickelt und eher die frühkindlichen Ereignisse eine Rolle spielen. Die Theorie von Erikson hingegen besagt, dass der Mensch sich stetig weiterentwickelt und die Phasen sich bis an sein Lebensende ziehen. Bei einer Sache sind sie sich aber einig: Alle Phasen sind wichtig für den Menschen und seine Persönlichkeitsentwicklung.
Ich werde an dieser Stelle eher auf das Modell von Erikson eingehen und das von Freud beim psychologischen Erfolg ausführlich darlegen, da ich dort das Thema der kognitiven Entwicklung anschneiden werde.
Erikson unterteilt alles in acht Phasen, welche aufeinander aufbauen und erst abgeschlossen sind, wenn ein Konflikt durchlebt und verarbeitet wurde. Jeder dieser Konflikte ist also ein Wendepunkt deiner Entwicklung.
Hierbei geht er davon aus, dass jeder Konflikt entweder eine psychologische Stärkung hervorruft oder als eine ungenutzte Chance zurückbleibt. Dein Potenzial für persönliches Wachstum liegt also genauso hoch, wie das Potenzial daran zu scheitern. Eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit den entsprechenden Konflikten baut positive Erfahrungen auf und lässt dich nachhaltig fürs Leben dazu lernen.
Ist eine erfolgreiche Auseinandersetzung jedoch nicht möglich, baust du die notwendigen Fähigkeiten nicht auf und kannst dich somit auch nicht der Herausforderung für die nachkommende Erfolgsstufe stellen. Diese erfolgreiche Vorstufe, auch Teilerfolg genannt, wird aber benötigt, um deine Motivation und dein Selbstwertgefühl zu erhalten. Ebenso wichtig sind die neu erlernten Fähigkeiten, welche dann zum Absolvieren der nächsten Stufe genutzt werden.
Am Beispiel des Marathonläufers wird klar, dass dieser den Lauf nicht ohne das Absolvieren der notwendigen Vorstufen bestreiten kann. Das Training benötigt Zeit, Übung und Willenskraft, um die Konflikte zu lösen und die entsprechenden Fähigkeiten aufzubauen. Kann er keine fünf Kilometer laufen, wird er auch keine 42 Kilometer schaffen. In diesem Fall beschreibt der Konflikt die körperliche Fitness, welche aus Ausdauer, Kraft und Technik besteht. Absolviert er den ersten Konflikt, kann er sich danach an die nächste Stufe wagen. Alles andere würde nicht funktionieren.
Auch wenn es hierbei zu dynamischen und individuellen Abweichungen in Länge und Intensivität jeder einzelnen Phase kommen kann, beschreibt das folgende Modell von Erikson den regulären und durchschnittlichen Ablauf.
Nachfolgend werde ich die acht Phasen von Erikson erläutern und die darin enthaltenen Konflikte sowie die Erfolge hervorheben. Du wirst dich wundern, welche Erfolge du schon von Anbeginn deines Lebens gemeistert hast und wozu der Mensch alles fähig ist.
Urvertrauen versus Urmisstrauen (0-18 Monate)
Hierbei handelt es sich um deine erste Persönlichkeitsentwicklung, nämlich das Lernen von Vertrauen und Beziehungsmanagement. In dieser frühkindlichen Phase bezieht sich dieses Urvertrauen allen voran auf die Eltern, die eine ausreichende Geborgenheit und Versorgung des Kindes gewährleisten können.
Der Konflikt dieser Phase besteht darin, die oben genannten Werte auch zu vermitteln und das Urvertrauen tatsächlich aufzubauen. Die frühkindlichen Prägungen sind jedoch maßgeblich für den weiteren Persönlichkeitsverlauf. Wird diese Phase erfolgreich absolviert, wirst du im Alter mit höherer Wahrscheinlichkeit weniger Probleme damit haben, emotionale Bindungen mit Mitmenschen und Partnern einzugehen. Ebenso ist die Entwicklung von positiven Selbstwertgefühlen und der eigenen Liebesfähigkeit eher gegeben.
Wird diese jedoch nicht erfolgreich absolviert, kann es zu Misstrauen und Zurückhaltung auf diesen Ebenen kommen.
Autonomie versus Scham (18 Monate-3 Jahre)
In dieser Stufe lernst du eine gewisse Kontrolle über deinen eigenen Körper zu erlangen. Wahrscheinlich hast du in dieser Zeit schon lange damit begonnen, das Laufen zu erlernen. Dabei bestand jeder Schritt aus einem Teilerfolg, der dazu motivierte, einen erneuten Schritt zu tätigen, bis es irgendwann problemlos möglich war, dich selbstständig fortzubewegen.
Der Hauptkonflikt in dieser Zeit ist das erfolgreiche Absolvieren von Aufgaben. Wird dieser Konflikt erfolgreich gelöst, ist eine Stärkung des Selbstwertgefühls und der Selbstständigkeit die Folge.
Wurdest du jedoch übermäßig kritisiert und in deiner Neugier eingeschränkt, kommt es zu Scham und Zweifel. Ein Gleichgewicht zwischen Autonomie, Scham und Zweifel ist hierbei aber notwendig, um Vernunft und Grenzen zu erlernen. Wird an dieser Stelle jedoch kein ausreichender Erfolg verzeichnet, kann es dazu führen, dass dein Selbstwertgefühl sehr klein ausfällt und dir ein selbstständiges Leben oft Probleme bereiten wird.
Initiative versus Schuldgefühl (3–5 Jahre)
In der dritten Phase des Lebens lernst du erstmalig Macht und Kontrolle über die Welt zu erlangen. Eigeninitiative und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit entwickeln sich zeitgleich und fördern die sozialen Interaktionen.
Warst du in dieser Stufe erfolgreich, wirst du wahrscheinlich das Gefühl haben, in der Lage zu sein, andere Personen erfolgreich zu führen. Entstehen jedoch Schuldgefühle, weil eine Aufgabe nicht erfolgreich absolviert wurde, resultiert daraus eine Angst vor bevorstehenden Herausforderungen. Das Ergebnis ist ein geschwächtes Ego, welches dafür sorgt, dauerhaft Aufgaben abzulehnen, die einen eventuellen Fehlschlag vorhersagen.
Werksinn versus Minderwertigkeitsgefühl (5–13 Jahre)
An diesem Punkt beginnst du erstmalig komplizierte Aufgaben zu erledigen und förderst dein Gehirn durch die Abstraktion. Das Erkennen deiner eigenen Fähigkeiten und die deiner Mitmenschen stehen hierbei im Mittelpunkt. Zudem wird an dieser Stelle auch das Vertrauen in das Lösen schwieriger Aufgaben und der Realismus entwickelt. Es wird also erstmalig erkannt, wenn Aufgaben zu schwierig gestaltet sind, um sie alleine zu lösen.
Bestehen die Aufgaben in dieser Phase überwiegend aus welchen, die für dich nicht zu lösen sind, entsteht ein Minderwertigkeitsgefühl. Dieses sorgt wieder dafür, dass du zukünftig alle schweren Aufgaben ablehnst und dich nicht an neue Herausforderungen heranwagst.
Identität versus Identitätsdiffusion (13–21 Jahre)
In Phase fünf entwickelt sich die grundlegende Sexualität und die Fähigkeit, ein Bild seines eigenen zukünftigen Ichs zu entwerfen. Nun wird auch erstmalig versucht, die eigenen Ziele und Rollen in der Gesellschaft festzulegen.
Die vorangegangenen Stufen sind dafür ausschlaggebend, wie sich die Persönlichkeit in dieser Phase entwickelt. Das Vertrauen gegenüber anderen Menschen, die Autonomie und erlernte Grenzen sind hierbei die wichtigsten Elemente.
Eine erfolgreiche Absolvierung dieser Phase schafft eine solide Grundlage für das Erwachsenenalter und baut ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen auf. Scheiterst du jedoch an diesem Konflikt, wirkt sich das durch Identitätsunsicherheit und ein nicht Vorhandensein der eigenen Meinung aus. Dies wiederum sorgt für eine nicht klar definierte Zielsetzung, da ein Entwerfen und Formen des zukünftigen Ichs nicht erfolgen kann.
Intimität versus Isolation (21–39 Jahre)
Auch wenn es sehr spät erscheint, entwickelt sich der Jugendliche erst in dieser Stufe zum Erwachsenen. Die Rolle in der Gesellschaft nimmt nun weniger Relevanz ein und wird eindeutig von der Identität getrennt.
Du passt dich also nicht mehr voll und ganz an, sondern vertrittst deine eigenen Glaubenssätze und Meinungen. Fällst du dabei vollkommen aus dem Rahmen und stellst dein komplettes Leben auf den Kopf, wird oft von einer sogenannten Midlife-Crisis gesprochen.
Dieser Konflikt entscheidet über deinen zukünftigen Erfolg im Leben. Wird dieser erfolgreich absolviert, steht deiner Individualität und der Vertretung deiner eigenen Ziele nichts im Weg. Falls die Absolvierung nicht erfolgreich sein sollte, passt du dich immer an, um nicht in Erklärungsnot zu geraten. Du isolierst deine Überzeugung und Fähigkeiten.
Generativität versus Stagnation (40–65 Jahre)
Die vorletzte Stufe bildet die Generativität. Diese beschreibt das Bedürfnis, einen Nährboden für die nächste Generation zu schaffen oder sich um Mitmenschen kümmern zu wollen, die nicht das nähere Umfeld bilden.
An dieser Stelle möchtest du dich sozial engagieren und deinen Beitrag in die Gesellschaft einbringen.
Ein erfolgreiches Abschließen dieser Phase lässt dich die Fähigkeit erlernen, Fürsorge zu tragen, ohne dich selbst zu vernachlässigen. Wird dieser Konflikt nicht erfolgreich gelöst, tritt die Stagnation, also eine vollkommene Ablehnung anderer Mitmenschen und dir selbst, ein.
Integrität versus Verzweiflung (65 Jahre und älter)
In der letzten Phase beginnst du dich vermehrt mit der Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Meist wird dies durch äußere Einflüsse, wie das Eintreten in den Ruhestand oder Verluste von Freunden, dem Partner und Bekannten ausgelöst. Zeitgleich wird mit Gegenwartsgefühlen gekämpft, die entweder eine Erfüllung oder Verzweiflung hervorbringen.
Die erfolgreiche Überwindung des letzten Konflikts setzt ein Gefühl von Zufriedenheit über das erreichte Leben frei und entwickelt die sogenannte Ego-Integrität. Diese Integrität beschreibt die Fähigkeit, sich aus schwierigen Situationen zu erholen und wird durch die Zufriedenheit bestärkt.
Wird dieser Konflikt jedoch nicht erfolgreich überwunden, schwebst du in Verzweiflung und Nostalgie. Gefühle der Reue und das eines verschwendeten Lebens bleiben zurück. Das ist der Auslöser, der die Akzeptanz der Sterblichkeit erschwert und die Unzufriedenheit über das Gelebte obsiegen lässt. Wenn wir ehrlich sind, ist das nicht das Ende, das man einem Menschen wünscht oder selbst erleben möchte.