Читать книгу Die Mulgacamper Romane - Sequel - Band 11 und 12 - Elda Drake - Страница 7
ОглавлениеKapitel 4
Hashimoto lehnte sich grinsend zurück. »Ich habe das Gerücht vernommen, dass du in Sydney die Frau deines Lebens kennengelernt hast!«
Nat sah seinen alten Militärkameraden wütend an und verzog dann den Mund zu einem sarkastischen Lächeln. »Das geht dir runter wie Öl, gibs doch zu.«
Der Japaner bemühte sich nicht im Geringsten, es Nat etwas leichter zu machen. Und der wusste genau, dass er damit nur seine wohlverdiente Strafe bekam. Schließlich hatte er früher auch keine Rücksicht auf die Gefühle anderer genommen und Hashimoto hatte des Öfteren den Kürzeren gezogen, wenn es darum ging, wer den Abend nicht alleine im Bett verbringen musste.
Nat zuckte mit den Schultern. »Man kann nicht immer gewinnen und du solltest dir nicht das Maul zerreißen. Sei mir dankbar, dass ich dafür gesorgt habe, dass du lange genug ledig geblieben bist, um mit Susi den Fang deines Lebens zu machen.«
Wie Hashimoto es geschafft hatte, diese Überfrau zu bekommen, würde ihm ewig ein Rätsel sein. Susi war identisch mit dem, was man sich unter dem Begriff Sexbombe vorstellte. Wallendes, rotes, langes Haar, eine Taille, die man mit zwei Händen umfassen konnte, darüber und darunter Kurven, die wahrlich perfekt waren. Und dazu war sie noch furchtbar nett, hochintelligent und überhaupt nicht eingebildet.
Der Japaner runzelte die Stirn, überlegte kurz und nickte dann zustimmend. »Ich muss zugeben, dieses Argument hat sehr viel für sich. Allerdings wäre ich trotzdem zu gerne dabei gewesen, als du erfahren hast, dass deine Conny in Wirklichkeit Kais Hetty ist!«
Nat trank sein Glas aus und schenkte sich nach. »Mein Gesichtsausdruck war sicher sehenswert. Aber ehrlich gesagt, habe ich zuerst überhaupt nicht kapiert was los war. Dann hat mir Kai eine seiner üblichen knappen Kurzerklärungen geliefert und danach wusste ich Bescheid.«
Er sah Hashimoto an. »Das Schlimmere war dann eigentlich das Gespräch mit Hetty. Die hat mir dabei nämlich sehr eindeutig klar gemacht, dass sie in Sydney nur überlegt hat, ob sie mit mir ins Bett gehen soll oder nicht, aber tiefergehende Gefühle wären bei ihr nicht dagewesen.«
Hashimoto senkte die Augenlider. Das hätte ihn auch gewundert. Hetty erkannte einen Windhund auf den ersten Blick. Und wie Kai immer sagte, sie schubste nur ungern hübsche Kerlchen vom Bettrand. Aber mehr wollte sie auch nicht von ihnen. Vermutlich hatte sie auch während ihrer Amnesie nicht das Bedürfnis nach einer festen Beziehung gehabt. Und wenn Nat auch ein netter Kerl war und viele positive Eigenschaften hatte, er war und blieb ein unverbesserlicher Schürzenjäger, der jedem Rockzipfel hinterher schaute. Hashimoto verzog den Mund. Na ja, Kai verhielt sich auch nicht immer ganz korrekt, aber zumindest ging der so diskret vor, dass niemand mitbekam, was er sich ab und an für Eskapaden leistete. Und solange Hetty anwesend war, lebte er auch absolut monogam.
Als wenn Nat seine Gedanken gelesen hätte, stellte der jetzt die Frage. »Was ist eigentlich aus den ganzen Freundinnen von Kai geworden? Hat er die wirklich alle zu den Akten gelegt?«
Hashimoto zuckte mit den Schultern. »Kann ich dir nicht sagen, aber soviel ich mitbekommen habe, hält ihn Hetty so auf Trab, dass er auf keine krummen Gedanken kommen kann.«
Nat brauchte schließlich nicht alles wissen. Denn auch wenn er einer ihrer Vierergruppe war, er selbst war mit Sicherheit der Einzige, der gewisse Dinge von Kai erfuhr, die niemand anderer sonst wissen durfte. Schließlich war er dessen bester Freund und Kai hatte zu ihm das absolute Vertrauen. Er wusste genau, dass er ohne seine Einwilligung noch nicht mal seiner Frau etwas erzählen würde, was er von ihm unter dem Siegel der Verschwiegenheit erfahren hatte. Und Hashimoto war noch nie der Typ gewesen, der mit Geheimwissen prahlte. Abgesehen davon war er, genauso wie Kai, bei den Marines als Geheimnisträger vergattert worden und hatte da bei Aufträgen mitgewirkt, von denen nie im Leben jemand außer ihnen beiden erfahren würde. Wenn jemand schweigen konnte, dann er.
Der Japaner unterdrückte ein Lächeln. Und dafür gab es dann immer wieder äußerst interessante Neuigkeiten von der Farm und Co., die ihm von Kai berichtet wurden. Er wusste als Einziger, dass Patrick mit Hetty eine Affäre gehabt hatte und kannte die Einstellung seines Freundes dazu. Wobei Kai momentan nur froh und glücklich darüber war, seine Freundin wieder bei sich zu haben und keine Sekunde Lust hatte, irgendwo das berühmte Haar in der Suppe zu suchen. Hashimoto hatte zu den ersten Menschen gehört, die er angerufen hatte, als sie zurückgekommen war, aber er hatte ihn seitdem noch nicht gesehen. Aber soviel er bisher mitbekommen hatte, lief das Zusammenleben auf der Farm besser, als gedacht und Patrick hatte sich mit den Tatsachen abgefunden.
Inwieweit Hetty darüber informiert war, dass ihr Freund in ihrer Abwesenheit alles andere als abstinent gelebt hatte, wusste er nicht, aber eigentlich konnte sie es sich ja denken. Dafür hatte Kai eine zu große Auswahl an willigen Kandidatinnen, die sich auch gerne nur für eine Nacht zur Verfügung stellten. Und sein Plan, diese Verbindungen alle zu kappen, war dann durch das Verschwinden von Hetty, nicht mehr vollständig ausgeführt worden. Wenn einer über ein Pendant zu dem berühmten schwarzen Buch verfügte, dann Kai.
Hashimoto sah Nat grinsend an. »Du kannst ihn ja mal fragen, ob er nicht ein paar Adressen rausrückt, damit du übernehmen kannst.«
Sein Freund lachte laut auf. »Gute Idee, ich werde ihm heute gleich mal einen ganzen Block in die Hand drücken. Hoffentlich kriegt er keinen Muskelkater vom Schreiben!«
Einige Tage später sah man Nat nicht mehr an, dass noch irgendwelcher Kummer an ihm nagte. Seine normale Fröhlichkeit war wieder hergestellt und er machte sich daran, eine Wohnung zu suchen. Hashimoto hatte mit Kai vereinbart, am Abend wieder einmal eine Trainingsrunde mit ihm einzulegen und traf mit Nat in der Halle ein, als sich soeben die letzten aus Kais Mannschaft verabschiedeten.
Kai deutete auf George. »Er hat ein Appartement für dich gefunden, wenn du willst, kannst du gleich mit ihm mitfahren und es dir ansehen.«
Nat nickte und meinte. »Super, ich komme dann später auf die Farm nach.«
In der Halle war nur noch eine Person zugange und das war Patrick, der am Sandsack trainierte.
Auf den fragenden Blick von Hashimoto erklärte Kai. »Für Patrick ist es praktischer, hier bei mir in der Halle zu trainieren. Bis zu seinem ehemaligen Fitnessstudio in Brisbane ist es zu weit und hier kann er rein, wann er will. Bei seinen Arbeitszeiten hat er sonst überhaupt keine Chance mehr, außer Schwimmen, noch einen anderen Ausgleichssport zu betreiben.«
Er fügte nicht hinzu, dass er dem Mann seiner Ziehschwester schon vor Monaten mit Absicht und einem gewissen Hintergedanken diese Möglichkeit angeboten hatte. Zu der Zeit, als Hetty verschwunden war, hatte er bemerkt, wie sehr Patrick unter dem Verlust litt und dass der Junge sich andauernd verstellen musste, damit seine Frau und sein Schwiegervater auf keine falschen Gedanken kamen.
Kai hatte konstatiert, dass er diese Selbstkontrolle auf die Dauer nicht durchhalten konnte, wenn er nicht die Möglichkeit bekam, auf irgendeine Art die aufgestauten Emotionen loszuwerden. Da George und Patrick sowieso befreundet waren, war die Lösung, ihn in der Halle trainieren zu lassen, optimal. Nachdenklich sah er zu, wie Patrick am Sandsack arbeitete.
Der Junge war äußerst sportlich. Kein Wunder, bei einem Vater, der einst Footballspieler in der Nationalmannschaft gewesen war und einer Mutter, die bei den Paralympics im Schwimmen einige Silbermedaillen eingeheimst hatte. Doch statt eine Sportlerkarriere anzustreben, hatte er es vorgezogen Betriebswirtschaft und Informatik zu studieren, was dann auch sein Vater notgedrungen akzeptieren musste. Allerdings sah man dem Bewegungsablauf von Patrick an, dass er sich nach wie vor in einem äußerst guten Trainingszustand befand. Es wäre mal interessant zu erfahren, wie er sich im Kampf schlug.
Kai sah seinen Freund fragend an. »Hast du etwas dagegen, wenn ich zuerst eine Runde mit Patrick einlege?«
Hashimoto grinste. »Nur zu, dann machst du mich hinterher wenigstens nicht mehr völlig fertig!«
Patrick blickte auf, als Kai die Trainingsfläche betrat und ihn prüfend ansah. »Na, hast du Lust, mal gegen mich anzutreten?«
Wenn der große Meister meinte. Er hatte keine Angst davor, sich mit ihm zu duellieren. Im Gegenteil, das war genau das, was er brauchte. »Gerne.«
Kai sah das Aufblitzen in den blauen Augen und wusste, hier würde es nicht nur um ein Messen der Kräfte gehen. Auch gut, das würde einige Dinge klären.
Hashimoto beobachtete interessiert den Kampf, der sich vor ihm in der Halle abspielte. Dieser Patrick war, wider Erwarten, tatsächlich ein ebenbürtiger Gegner für Kai. Den Nachteil, den er durch seine geringere Größe hatte, kompensierte er mit Kraft und Schnelligkeit. Einige Male hatte er es sogar schon geschafft, Kai einen Schlag zu versetzen, der die meiste Zeit durch seine größere Reichweite im Vorteil war.
Doch je länger der Kampf dauerte, desto ernster und härter wurde das Geschehen auf der Matte. Hashimoto runzelte die Stirn, als er sah, dass die zwei Männer begonnen hatten, miteinander zu reden. Und so wie es aussah, ging es hierbei um ein Thema, das beiden am Herzen lag, denn die Mienen, mit denen sie sich ansahen, verhießen nichts Gutes. Er seufzte tief auf. Wahrscheinlich sprachen sie über Hetty. Womit er natürlich vollkommen richtig lag.
Kai, der soeben gerade noch einen Angriff pariert hatte, den er beim besten Willen nicht mehr als harmlos bezeichnen konnte, warf Patrick einen scharfen Blick zu. »Du willst dich also tatsächlich mit mir anlegen? Da musst du aber früher aufstehen!«
Geschickt erwiderte er eine erneute Finte.
Patrick kniff die Augen zusammen. »Das denke ich nicht. Dazu müsstest du besser auf deine Freundin aufpassen.«
Kai versetzte ihm einen heftigen Schlag auf den Oberkörper und lächelte süffisant. »Glaubst du wirklich, dass ich nicht alles weiß, was Hetty macht?«
Patrick hatte den Hieb ohne Zucken weggesteckt und drang nun selber auf Kai ein. »Da bin ich mir sogar ziemlich sicher, denn anscheinend ist es dir ja gleichgültig, was hinter deinem Rücken passiert, sonst hättest du sie nicht mit Nat alleine gelassen.«
Die nächste Minute hatte Kai damit zu tun, ihn abzuwehren, erst dann konnte er antworten. »Das gibt dir noch lange nicht das Recht, dich einzumischen.«
Patrick umkreiste ihn und suchte eine Angriffsmöglichkeit. »Da täuscht du dich gewaltig.«
Er sah Kai provozierend an. »Ich bedeute Hetty viel mehr, als du glaubst! Und sie hört auf mich.«
Kai erinnerte sich an das belauschte Gespräch und wurde urplötzlich wütend. Denn Patricks Bemerkung traf ihn dort, wo es richtig weh tat. Und momentan wollte er es ihm nur noch heimzahlen.
Sarkastisch lächelnd sah er ihn an und verzog den Mund. »Vielleicht ist mir auch nur eine bekannte Gefahr lieber, als eine unbekannte. Und wenn du glaubst, weil Hetty dich geküsst hat, das würde mich berühren, dann befindest du dich gewaltig im Irrtum. Das sind nur Krümel von einem Kuchen, der mir gehört. Die kannst du ruhig vom Boden aufpicken!«
Damit war er zu weit gegangen. Das merkte er im nächsten Moment, denn Patrick griff jetzt ernsthaft an.
Während er auf ihn eindrang, begleitete er jeden seiner Schläge mit Worten. »Ich bin kein Niemand, merk dir das. Nur weil du Geld hast, bist du noch lange nichts Besseres. Ich bin kein Niemand!«
Das letzte Wort hallte noch durch den Raum, als Kai bereits am Boden lag und Patrick erneut zu einem Schlag ausholte.
Hashimoto hatte entsetzt bemerkt, dass der Kampf der beiden außer Kontrolle geriet und war zur Matte gerannt. Doch sein Einschreiten war nicht mehr nötig. Trotz seiner Wut konnte Patrick nicht auf jemanden einschlagen, der sich nicht wehrte. Und Kai hatte der letzte Hieb von ihm so unglücklich getroffen, dass er momentan halb bewusstlos war.
Patrick warf seinem Gegner einen prüfenden Blick zu und ließ die immer noch geballten Fäuste sinken. Er streckte den Rücken durch und sah Hashimoto an. »Ich glaube, das reicht jetzt.«
Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte er sich um und ging er zu den Duschräumen.
Hashimoto kniete sich neben Kai auf den Boden und musterte besorgt das Gesicht seines Freundes. Der rappelte sich stöhnend hoch und schüttelte den Kopf, um wieder klar sehen zu können. »Geht schon.«
Als er sah, dass Hashimoto eine Erklärung haben wollte, sagte er. »Wir reden später darüber, ich muss erst noch etwas erledigen.«
Besorgt sah Hashimoto, dass er Patrick nachging. Aber jetzt war hoffentlich bei beiden der Verstand wieder vorhanden.
Patrick hatte eine Menge kaltes Wasser gebraucht, doch inzwischen war er wieder auf einem normalen Adrenalinpegel. Er bemerkte Kai erst, als er sich umdrehte. Der lehnte, mit einer aufreizenden Lässigkeit, an einer Wand des Duschraumes und musterte ihn ganz unverhohlen von oben bis unten.
Dabei musste sich Kai eingestehen, dass er Patrick damit nicht im Geringsten aus der Ruhe bringen konnte. Was vermutlich daran lag, dass der Junge genau wusste, dass an seinem durchtrainierten Körper nichts zu finden war, an dem man rummäkeln konnte. Unwillkürlich musste man an die Statuen von griechischen oder römischen Männern denken, für die er problemlos Modell hätte stehen können. Unter seinen legeren Kleidern, die er meistens trug, verbarg sich ein äußerst gutgebauter Mann. Kai erlaubte sich kurz den Gedanken, dass Hetty das schon vor allen anderen gewusst hatte und man ihr vieles nachsagen konnte, aber sicher keinen schlechten Geschmack.
Er richtete seinen Blick auf Patricks blaue Augen, die wieder diesen neutralen Ausdruck angenommen hatten, bei dem er immer wusste, dass der Junge etwas verbarg. Nämlich alle seine wahren Emotionen und wie viele er davon in seinem Inneren versteckte, hatte er zuvor gerade verraten. Wie er es schaffte, diese überschäumenden Gefühle im normalen Alltag so perfekt unter Kontrolle zu halten, war Kai ein Rätsel. Von dem Jungen konnte sogar er noch Selbstbeherrschung lernen. Doch dieser Vorfall verlangte noch eine abschließende Klärung, denn so einfach ließ er den Kerl jetzt nicht davonkommen. Er hatte lange genug die Augen zugedrückt und weggesehen, wenn Patrick aus der Rolle fiel.
»Ich weiß genau, dass du kein Niemand bist. Abgesehen davon, dass ich Menschen nicht nach ihren finanziellen Verhältnissen beurteile. Aber das brauche ich dir wohl nicht zu erklären, du kennst mich lange genug.«
Patricks Augen waren, nach wie vor, ohne jede Aussage, und seine Miene zeigte keinerlei Anzeichen von Zustimmung. Doch Kai wusste, dass er ganz genau zuhörte und sein Desinteresse nur vorgetäuscht war. Jeder andere wäre jetzt mit Entschuldigungen herausgeplatzt und hätte versucht, sich mit ihm gut zu stellen. Der Junge dagegen bot ihm die Stirn und war eindeutig nicht gewillt, auch nur einen Millimeter Zugeständnis zu machen. Dafür zollte er ihm im tiefsten Inneren Anerkennung, aber trotzdem gehörte die Sache geklärt.
»Ich gebe zu, mein Kommentar zuvor, war daneben. Der ging unter die Gürtellinie. Dazu hatte ich nicht das Recht.«
Patrick blieb nach wie vor stumm und sparte sich jeglichen Beitrag zu dieser Aussage. Doch Kai merkte, dass er kurz die Wangenmuskeln anspannte, was ihm verriet, dass er nach wie vor alle realen Reaktionen unterdrückte. Und scheinbar ahnte Patrick, dass noch mehr kommen würde, denn er machte auch keinen Versuch, sich von der Stelle, an der er stand, fortzubewegen.
Kais Augen wechselten den Ausdruck und jetzt war keinerlei Nachsicht mehr darin zu sehen. »Doch Hetty ist meine Freundin und du bist mit Chrissie verheiratet. Also gebe ich dir einen guten Rat, den du ganz schnell beherzigen solltest.«
Sein Blick wurde steinhart und seine Stimme bekam einen Unterton, der nur als eisig bezeichnet werden konnte. »Fang endlich an, dich in den Griff zu kriegen, denn meine Geduld ist nicht endlos.«
Damit drehte er sich um und ließ Patrick alleine im Raum zurück.
Der starrte auf die Türe, die sich hinter Kai geschlossen hatte. Er schüttelte den Kopf und atmete tief durch. Das war sehr deutlich gewesen und hatte auch gezeigt, dass Kai sehr wohl wusste, was vorging. Allerdings konnte er beim besten Willen nicht verstehen, warum Kai ihn nicht einfach fertigmachte. Ein kurzes Gespräch mit Fritz oder seiner Frau und er war arbeitslos und geschieden. Doch er hatte ihm bisher noch alles durchgehen lassen und in seinen Augen war eine Andeutung von Mitgefühl zu erkennen gewesen, als er gesagt hatte, dass sein Kommentar daneben war. Dieser verfluchte Eisklotz von Mann wusste ganz genau, was er fühlte und verstand ihn sogar. Patrick schlug mit der Faust gegen die Wand und stöhnte laut auf. Es wäre alles viel einfacher, wenn er Kai hassen könnte.
Der stand in der Zwischenzeit bereits wieder auf der Matte und forderte Hashimoto auf. »Jetzt zeig mal, ob du es noch draufhast.«
Sein Freund grinste ihn an. »Nun, da ich gesehen habe, dass du nicht unbesiegbar bist, kannst du mich überhaupt nicht mehr meinen!«
Eine halbe Stunde später hob er die Hand und meinte mit einem Stöhnen. »Ok, ok! Ich gebe auf. Und du hast recht, ich sollte wieder mehr trainieren.«
Als sie unter der Dusche standen, kniff Hashimoto die Augen zusammen und sah Kai nachdenklich an. »Wie hast du es eigentlich geschafft, dass Patrick so ausgerastet ist? Der Junge hat sich ja meistens fast noch besser unter Kontrolle, als du.«
Kai seufzte. Er wusste, sein Freund würde nicht locker lassen. Hashimoto war in der Hinsicht schlimmer als jede Frau. Er liebte nichts mehr, als Geheimnisse zu erfahren. Nachdenklich sah er ihn an. Allerdings konnte er sich auch hundertprozentig darauf verlassen, dass es unter ihnen bleiben würde. Und eigentlich war es ganz gut, wenn er über den Problemfall Patrick mit jemandem reden konnte. Und hier stand sein Mentor Fritz sicher nicht als Gesprächspartner zur Auswahl. Kai runzelte die Stirn. Schließlich war er Chrissies Vater und damit Patricks Schwiegervater und Arbeitgeber.
Hashimoto sah, dass sein Freund einen Entschluss gefasst hatte. Wunderbar! Er legte den Kopf schief, während das Wasser auf seinen Rücken herunter prasselte und nickte ihm zu. »Was hast du gesagt?«
Verwundert hörte er zu, als Kai ihm gestand, womit er Patrick gereizt hatte. »Seit wann teilst du in der Richtung aus? Da brauchst du dich nicht wundern, da hast du ihn genau an seinem wunden Punkt erwischt!«
Er runzelte die Stirn. »Nur deswegen, weil er Hetty einen Kuss gegeben hat? Da steckt doch mehr dahinter.«
Kai verzog den Mund. Das war der Nachteil von Hashimoto. Der kannte ihn viel zu gut und wusste ziemlich genau, wie er tickte. »Tja, ich habe dir wohl noch nicht erzählt, wo Hetty in der Nacht vor ihrer Rückkehr zu mir war.«
Zumindest hatte er nun die Genugtuung seinen Freund mit offenem Mund und völlig konsterniert vor sich stehen zu sehen. Der brauchte mehrere Anläufe, um etwas zu sagen und stellte schließlich die für ihn einzige logische Frage. »Warum machst du ihn nicht fertig?«
Kai zuckte mit den Schultern. »Er hat diese Nacht nicht von sich aus eingefädelt. Das war Hetty. Natürlich nur, um mit ihm zu reden und ihn wieder auf die Spur zu bringen. Sie neigt nach wie vor dazu, den Jungen zu unterschätzen.«
Dann fügte er, mit dem Anflug eines Lächelns, hinzu. »Patrick hat mir ja, als Hetty spurlos verschwunden war, diese eine Nacht nach dem Trainingstag in der Firma gestanden. Und damals kopfschüttelnd gesagt „Wie konnte sie nur auf die Idee kommen, dass ich nach einem Kuss aufhöre?“«
Er zuckte mit den Schultern. »Dass er die Gelegenheit ergriffen hat, ist verständlich. Schließlich war die Frau, die er liebte und so sehr vermisst hatte, endlich wieder zurück und stand zur Verfügung. Aber Hetty hätte einfach Nein sagen können.«
Hashimoto sah ihn an. »Ich gehe davon aus, du wirst ihr unter die Nase gerieben haben, dass du selbst auch nicht untätig warst. Und zwangsgedrungen musste sie dir dann, aufgrund ihres eigenen Fehltritts, Generalpardon erteilen. Da bist aber wirklich großzügig gewesen. Wenn man bedenkt, dass du einen Ausrutscher von ihr mit dem aufwiegst, was du getrieben hast, seitdem sie weg war. Wie viel hast du denn gebeichtet?«
Kai zog den Mundwinkel nach oben. »Sicherheitshalber bin ich zahlenmäßig nicht ins Detail gegangen.«
Dann wurde er wieder ernst. »Aber du vergisst dabei eines. Bei mir waren da keinerlei Gefühle vorhanden, da ging es nur um Sex. Ich nahm unserer Beziehung damit nichts weg. Aber zwischen ihr und Patrick gibt es auch emotionale Bindungen.«
Kais Wangenmuskeln spannten sich an. »Der Kerl ist für sie so wichtig, dass sie mich noch einen Tag länger warten ließ. Und du weißt, durch welche Hölle ich gegangen bin, als ich dachte, ich hätte sie verloren.«
Hashimoto sah ein kurzes Aufflackern in den Augen seines Freundes und verstand. Kai hatte sich diesen Vorfall sehr wohl gemerkt und auch seine Rückschlüsse daraus gezogen. Und obwohl er Patrick keine Schuld dafür gab, war der erneute Kuss zwischen den beiden, der Auslöser dafür gewesen, dass er seine übliche Contenance verloren hatte.
Aber, so wie es aussah, war die Sache inzwischen bereinigt. »Nochmal, warum machst du ihn nicht fertig?«
Kai seufzte. »Er tut mir leid. Und seltsamerweise verstehe ich seine Gefühle. Der braucht momentan nur Zeit, um wieder in die Spur zu kommen. Eigentlich ist alles ganz gut gelaufen, aber dann ist Nat aufgetaucht. Und wenn Patrick auch die Situation mit mir und Hetty akzeptiert, dass noch jemand da sein könnte, für den sie Gefühle hat, das hat in ihm die Eifersucht geweckt. Und das hat dann alles, was eigentlich schon überstanden war, wieder neu hochgespült.«
Kai fuhr sich durch die Haare. »Abgesehen davon würde mir Hetty es wohl niemals verzeihen, wenn ich Patrick verraten würde. Sie kümmert sich wie eine Glucke um den Jungen.«
Hashimoto nickte. Was sein Freund nicht sagte, war, dass er den Jungen selber gern hatte. Und das war wohl der Hauptgrund, dass er ihm so viele Freiheiten ließ. Nur gut, dass Patrick nicht wusste, dass er bei Kai zu der kleinen Handvoll Leute gehörte, die ihm wichtig waren. Er verzog den Mund zu einem leisen Lächeln. Das würde der Junge, so wie er seinen Freund kannte, wohl auch nie erfahren, denn in Punkto Verschwiegenheit und Geheimnisse war Kai ihm um Jahrhunderte voraus.