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Huntsville, Texas.

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Nachdem Jake Mullrony bestialisch eine ganze Familie ausgelöscht hatte, musste er jetzt für seine Taten gerade stehen. Nun befand er sich in der Todeszelle und wartete auf die Vollstreckung des Urteils. Tags zuvor wurde er aus Livingston, wo er Jahre lang unter unwürdigen Umständen, in völliger Isolation in der Polunsky Unit auf seine letzte Stunde gewartet hatte, hier her gebracht. Für das Backsteingebäude, in dem die Hinrichtungen vollzogen wurden, hatte er nur ein abfälliges Grunzen übrig. Dieses Gebäude war die Wall Unit.

Die Menschen in Huntsville waren ein freundliches Völkchen. Sie boten sogar in dem Schnellimbiss "Mr. Burger" gegenüber der Wall Unit, einen speziellen Killer- Burger an

Für Jake war das Urteil ungerecht. Er war noch nicht fertig mit dieser Gesellschaft. Er war der Meinung, dass man nie genug von diesen selbstgerechten Spießern aus-löschen konnte. Aber nun war es so weit. Die letzte Stunde hatte geschlagen. Man hört immer wieder von Todeszellen-Kandidaten, die Jahre oder Jahrzehnte auf ihre Hinrichtung warteten. Jake Mullrony war nicht unter diesen Glücklichen. Texas hatte ein flottes Tempo, gleich so, als befürchtete der Staat, dass eines Tages die Exekution abgeschafft werden würde, und sie auf dem Klärschlamm der menschlichen Gesellschaft sitzen blieben.

Auch spendete es Jake wenig Trost, dass er einen Grabstein mit Namen bekam. Zumindest wurden die Todeskandidaten nicht mehr auf dem elektrischen Stuhl geröstet. Old Sparky, wie der von Gefangenen selbst gebaute Todesstuhl hieß, war schon lange in Rente. Jeder, der einen Drang verspürte sich zu gruseln, konnte dieses Tod bringende Sitzmöbel im Gefängnismuseum betrachten. Und sich genüsslich einen Schauer über den Rücken jagen lassen, weil man nicht vom rechten Pfad abgekommen war und nicht so schrecklich enden musste. Old Sparky wurde durch die humanere Letale Injektion abgelöst.

Die Uhr tickte, genauer gesagt, Jakes letzten Minuten verstrichen. Es würde keinen Aufschub geben. Er würde seine letzte Henkersmahlzeit niemals verdauen. Sie würden ihm Windeln umbinden, wie man es bei einem Säugling tat. Damit verhinderten die Vollzugsbeamten, dass er auf dem weißen Laken eine Sauerei veranstaltete, wenn seine Muskeln nach Eintritt des Todes erschlafften. Und all das musste er über sich ergehen lassen, weil sich der dumme Mr. Johnnson geweigert hatte, sein Wohnmobil zu verlassen und es Jake abzutreten.

Wieso musste jeder Amerikaner der Meinung sein, mit einer Pistole sein Eigentum zu verteidigen? Und wenn das schon so sein sollte, wieso vergaßen diese Helden die Sicherung, bevor sie abdrückten?

Jake hatte seine Waffe besser im Griff gehabt. Und als Mrs. Johnnson wie eine Geisteskranke schrie, schoss Jake ihr das Hirn weg, dass es nur so spritzte. Die Tochter hatte er zuerst nicht bemerkt. Dieses Luder hatte sich im Badezimmer versteckt und nur durch ihr Wimmern wurde er auf sie aufmerksam. Sie hatte zu viel gesehen. Und das war ihr Pech. Seins jetzt auch.

Vor der Exekution würde er allen Zurückgebliebenen ins Gesicht lachen. Und seine letzten Worte würden betonen, welch ein Heidenspaß es gewesen war.

Die Zellentür öffnete sich und ein junger Priester erschien. Trotz des Zölibates und den ständig von den Kirchen abfallenden Gläubigen, schienen immer wieder Priester nachzuwachsen. Im Geiste hatte der Mörder einen Tattergreis, einen runzligen Rockträger erwartet. Mit Freuden hätte er ihn weggeschickt. Wenn ihn jemand "Mein Sohn" nannte, bekam Jake eine Hasskappe. Er hatte bei einem Angelausflug seinen voll-trunkenen Vater elegant entsorgt. Statt Strafe bekam er sogar Mitleid. In diesem Mitleid hatte er sich gesuhlt, wie eine Sau im frischen Schlamm. Hatte sich über die Heuchler und Schleimer amüsiert; und ihnen einen schlimmen Tod gewünscht. Nun war er derjenige, der einen grausamen Tod sterben würde.

Mit sanfter Stimme ergriff der Priester das Wort.

»Mein Name ist Vater Smith. Ich bin hier, um dir die schwere Bürde deines letzten Ganges zu erleichtern. Bei mir kannst du die Beichte ablegen, bevor du Buße tust und dir wird vergeben. Und gereinigt wirst du in Gottes Reich aufgenommen.«

Jake war nicht gläubig. Hatte jedoch Freude am Quälen und Schockieren.

Verschwörerisch beugte er sich zu Vater Smith.

»Ich bereue nicht eine meiner Taten, ganz im Gegenteil. Ich bereue, dass ich nicht mehr Menschen ausgelöscht habe! Ich würde meine Seele verkaufen, nur um weiter morden zu können!«

Der Priester streckte Jake die Hand hin.

»Der Deal steht. Deine Seele für deine Freiheit! Schlag ein!«

Jake zögerte nicht.

Erst wenig später, als der Vollzugsbeamte einen Blick in die Zelle warf, wurde Alarm geschlagen. Noch nie zuvor war einem Gefangenen die Flucht aus der Todeszelle gelungen.

Ungewöhnlich auch, dass er einen Priester mitnahm.

Doch die Zelle war leer...

*

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