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Paschik hatte mir versprochen, mich zur Verhandlung zu fahren, und wir trafen uns zum Frühstück. Beim Anblick des großen Kuverts nickte er mit dem beifälligen Lächeln eines freundlichen Schulmeisters.

»Ah, Mr. Foster, Sie haben es gelesen?«

»Ja. Ziemlich viel Material. Haben Sie es selbst gesammelt?«

Er betastete einen Augenblick verlegen sein Kinn; er war rasiert. »Warum fragen Sie, Mr. Foster?«

»Weil ein gut Teil dieses unveröffentlichten Materials offenbar von jemandem geschrieben worden ist, der Deltschev sehr gut kannte und schätzte. Sie?«

»Ach so – der Bericht.« Er sah verwirrt aus. »Nein, den hat Petlarow im Auftrag einer meiner Zeitungen geschrieben.«

»Wer ist das?«

»Es war Deltschevs Sekretär und Freund. Bis zu den Wahlen. Dann hatten sie Streit. Der Bericht wurde ihm zwar bezahlt, ist aber nicht verwendet worden. Es war nicht der richtige Augenblick dafür.«

»Wo ist Petlarow jetzt? Ist er hier?«

»Vielleicht.«

»Ich würde gern mit ihm sprechen.«

»Er wird nichts über den Prozess wissen, Mr. Foster.«

»Trotzdem – ich würde ihn gern sprechen.«

»Vielleicht möchte er aber Sie nicht sehen.«

»Dann wird er es sagen. Sie sagten doch, Sie würden mir gern behilflich sein, Paschik. Nun, hier haben Sie gleich Gelegenheit dazu.«

Er wand sich vor Unbehagen. »Bitte, Mr. Foster! Ich sehe schon, ich muss es Ihnen erklären.« Er senkte die Stimme. »Sie verstehen mich nicht. Nach Deltschevs Verhaftung wurde natürlich auch Petlarow verhaftet. Er ist jetzt zwar wieder frei, aber immer noch verdächtig. Es wäre höchst unvorsichtig, Verbindung mit ihm aufzunehmen. Ich kann es nicht riskieren.«

»Das brauchen Sie auch gar nicht. Sie sollen ihm nur eine Nachricht von mir schicken. Er spricht doch sicher Deutsch?«

»Ich weiß nicht. Vielleicht nicht.«

»Sagen Sie ihm in meinem Namen, dass er mich heute Abend im Hotel anrufen soll.«

Er seufzte. »Nun gut, Mr. Foster. Aber es wird nichts nützen.«

Ich hielt den Umschlag mit den Akten hoch. »Das wollen wir lieber nicht mitnehmen – oder? Wir können es im Vorbeifahren in Ihr Büro bringen und gleich ein paar Worte an Petlarow schreiben, die Ihr Bürojunge bei ihm abgeben kann.«

Nun kniff er die Lippen zusammen. »Ich sehe schon, Sie trauen mir immer noch nicht, Mr. Foster«, sagte er.

»Was meinen Sie damit?«

Er sah die Gefahr einer Erklärung gerade noch. »Es ist nicht wichtig«, sagte er würdevoll.

Er nahm mir das Kuvert ab. Dabei fiel mir das Blatt wieder ein, an das hinten der Hinweis auf Aleko geheftet war.

Er sah es einen Augenblick völlig ausdruckslos an. »Ach das, Mr. Foster«, sagte er, nahm mir den Zettel ab und steckte ihn in die Tasche, »das ist weiter nichts. Etwas aus einer anderen Akte.«

Wenn man einmal weiß, wie einer lügt, merkt man’s gleich. Paschik hatte einen besonderen Tonfall bei blanken Lügen, der ihn verriet – einen kalten, allzu nüchternen Tonfall. In diesem Tonfall hatte er mir die unwahre Geschichte von dem amerikanischen Journalisten erzählt, der es mit dem Wochenende in Griechenland versucht hatte.

Ich maß auch dieser Lüge keine weitere Bedeutung bei.

Man hatte den großen Saal im Justizministerium für einen politischen Prozess von solcher Bedeutung zu klein gefunden. Deshalb inszenierte man ihn in der Aula der Fliegerschule, einem modernen Gebäude am Stadtrand.

Die Wände, sonst mit Kriegstrophäen behängt, trugen jetzt Fahnenschmuck – Fahnen der Republik und der Sowjetunion und auch Fahnen jener Länder Osteuropas, die der Regierung nahestanden. Über die Richtertribüne waren zwei Sowjetfahnen drapiert, die fast (aber taktloserweise nicht ganz) eine andere Trophäe zudeckten – die Höhenflosse eines russischen Flugzeugs, ein Geschenk einer deutschen Flakeinheit während des Kriegs. An einige Fahnen waren Zettel geheftet, die in vier Sprachen verkündeten, dass Rauchen verboten sei. Auf dem Balkon stand eine Reihe schalldichter Zellen, aus denen Dolmetscher ihre Übersetzung der Verhandlungen an die Kopfhörer fremder Diplomaten und Pressevertreter unten im Saal weitergaben. Große Scheinwerfer an der Brüstung des Balkons oder auf schweren Ständern waren so montiert, dass sie für die Filmkameras des Propagandaministeriums den Saal beleuchten konnten. Neben der Richtertribüne, zu beiden Seiten der Anklagebank, in jeder Ecke des Saals, auf dem Balkon, an den Türen und unter jeder Fahne an der Wand waren Posten aufgestellt, nur Offiziere und Unteroffiziere, mit Maschinenpistolen, die sie aber nicht umgehängt, sondern schussbereit in den Händen trugen. Das Propagandaministerium befürchtete, dass, wenn die Beweise gegen den Verräter Deltschev allgemein bekannt wurden, das Volk ihn lynchen würde, bevor die Gerechtigkeit ihren Lauf nahm.

Der Saal war überfüllt. Paschik und ich saßen in der Abteilung für die ausländische Presse, seitlich unter der Ecke des Balkons. In der Mitte waren die Plätze für die Diplomaten. Bei ihnen wie bei uns befanden sich auf der Leiste vor jedem Platz ein Paar Kopfhörer und vier Steckdosen mit den Anfangsbuchstaben für die russische, französische, englische und deutsche Leitung der Simultanübersetzung. Eine vervielfältigte französische Übersetzung der Anklageschrift lag ebenfalls auf der Leiste. Für das Publikum ohne Eintrittskarten gab es keine Sitzplätze, aber hinter uns waren mehrere Stuhlreihen deutlich mit Buchstaben gekennzeichnet – Paschik zufolge waren es die Abkürzungen der wichtigsten Gewerkschaften. Die Inhaber dieser Plätze trugen ihre besten Kleider und ihr bestes Benehmen zur Schau. Sie alle hatten Abzeichen, und in einer Reihe saß eine Gruppe von Bauern in Nationaltracht. Sie sahen aus, als wohnten sie einer Preisverteilung bei. Die vorderen Reihen wirkten ganz anders. Sie waren für die prominenten Parteigenossen und Funktionäre reserviert, die ordentliche dunkle Anzüge trugen und entweder mit verlegenem, nachdenklichem Stirnrunzeln auf ihren Plätzen saßen oder geschäftig mit ihren Nachbarn flüsterten. Sie waren sich voll bewusst, im Lichte der Öffentlichkeit zu stehen, und sie bemühten sich zu zeigen, dass sie offiziell hier waren, nicht nur als begünstigte Zuschauer. Es war warm, und fast alle Frauen und auch viele Männer hatten grellbunte Papierfächer.

Gegen zehn Uhr wurden die Scheinwerfer am Balkon eingeschaltet, und die Filmkameras begannen zu surren. Ein erwartungsvolles Gemurmel ging durch den Gerichtssaal. Als dann die drei Richter in ihren schwarzen Roben langsam hereinschritten, erhob sich alles. Die Richter gingen zu ihren Plätzen auf der Tribüne, blieben aber stehen, bis die Nationalhymne aus dem Lautsprecher verklungen war. Es war genau so, wie wenn ein König die Oper besucht. Selbst das allgemeine Gemurmel, als wir uns wieder setzten, war mir vertraut. Der einzige Unterschied war, dass die Lichter nicht verlöschten und kein Vorhang aufging, sondern dass jemand aufstand und den Namen Jordan Deltschev aufrief und alle Augen sich auf die Glastür neben der Tribüne richteten. Dann trat Stille ein, in der man nur das Surren der Kameras und das leise Ticken des Generators hörte, welcher die Scheinwerfer mit Strom versorgte.

Nach ein paar Sekunden ging die Glastür auf, und drei Männer betraten den Gerichtssaal. Sie blieben einen Augenblick im Türrahmen stehen und blinzelten in das Licht, das sich auf sie ergoss. Zwei von ihnen waren uniformierte Posten, große, schneidige junge Burschen. Zwischen ihnen stand ein ältlicher abgezehrter Mann mit grauem Gesicht, tiefliegenden Augen und weißem Haar. Er wirkte klein und war früher bestimmt stämmig gewesen, aber jetzt ließ er die Schultern hängen und ging gebeugt. Er hatte die Hände tief in den Taschen seines Jacketts vergraben und sah sich unsicher um. Einer der Posten berührte seinen Arm, und nun ging er hinüber zur Tribüne und stieg hinauf. Es stand ein Stuhl für ihn bereit, aber er blieb noch einen Augenblick stehen und betrachtete die Fahnen ringsum an den Wänden; er lächelte dabei ein wenig. Die Hände nahm er nicht aus den Taschen. Dann nickte er jedem der drei Richter kurz zu, setzte sich hin und schloss die Augen. Das war Jordan Deltschev.

Die Anklageschrift wurde verlesen. Sie enthielt 23 Punkte und beschuldigte Deltschev (vor allem in Punkt 8, aber mit verändertem Wortlaut auch noch in zwei anderen Punkten), »terroristische Verschwörungen gegen den Staat vorbereitet und mit reaktionären Organisationen, einschließlich der verbrecherischen Bruderschaft des Offizierskorps, um finanzieller und anderer persönlicher Vorteile willen die Besetzung des Vaterlandes durch Truppen einer fremden Macht geplant zu haben«. Andere Anklagepunkte betrafen Terrorismus, Waffenschmuggel und Mordverschwörungen gegen Mitglieder der Regierung, »allen voran gegen P. I. Vukaschin«. Die ganze Anklageschrift war gespickt mit dunklen Anspielungen auf »verschiedene Mitverschworene«, »berüchtigte ausländische Agenten«, »gedungene Saboteure und Mörder«, »reaktionäre Gangster« und so weiter, und der Name der »Bruderschaft des Offizierskorps« kehrte mit der Regelmäßigkeit des Klingelzeichens an der Schreibmaschine wieder. Man erkannte schnell, dass die Anklageschrift ein Propagandadokument und für das Ausland bestimmt war. Was sie ausdrückte oder ausdrücken wollte, war: »Er gehört zu jenen Männern, gegen die im Ernst solche Anklagen erhoben werden können«, und: »Wenn man ihm überhaupt so viel vorwerfen kann, dann muss er etwas davon sicher getan haben.«

Der Staatsanwalt vertrat den Fall persönlich. Er hieß Dr. Prochaska und war einer der wenigen Juristen, die in die Volkspartei eingetreten waren, ehe sie an die Macht kam. Er war eine Autorität in Fragen des Grundbesitzes und hatte bisher hauptsächlich Fälle dieser Art vertreten. Dagegen besaß er wenig Erfahrung in Gerichtsverhandlungen und gar keine in Strafverfahren. Er war ein stämmiger Mann, der wie ein Boxer aussah, mit raschen, ruckartigen Bewegungen und der Gewohnheit, sich alle paar Minuten die Lippen zu lecken, und er schien mehr bemüht, sich selbst gegen jeden Verdacht von Nachsicht zu verteidigen, als den Fall eindrücklich darzulegen. Er griff aus der offiziellen Anklageschrift nur zwei Punkte heraus; wenn er für diese Beweise oder auch nur Scheinbeweise erbringen konnte, war Deltschev aller andern Punkte mit überführt. Auf jeden Fall war das der Eindruck, den ich bekam. Schon der Beginn der langen Anklagerede war von einem unglaubwürdigen bombastischen Ton, der auch die plausiblen Stellen unplausibel klingen ließ. Trotz meiner Kopfhörer und der Stimme des Dolmetschers, der die Rede ruhig übersetzte, war ich ständig abgelenkt durch das Gesicht und den undeutlich vernehmbaren Vortrag des Redners.

Die Anklage war gefährlich einfach.

Es war allgemein bekannt, dass Deltschev, der sowohl mit den Russen wie mit den Westmächten in geheimer Verbindung gestanden hatte, sich sehr darum bemüht hatte, dass sein Land nach dem deutschen Rückzug 1944 von anglo-amerikanischen und nicht von sowjetischen Truppen besetzt wurde. Obgleich die Mehrheit des Komitees der Nationalen Einheit nicht damit einverstanden war, hatte er den Westmächten sogar angeboten, den Russen im Norden so lange Widerstand zu leisten, bis die Engländer und Amerikaner in den Mittel-Ost-Basen eine Luftlandeinvasion vorbereitet hätten.

Nun hatte die Anklage diese Tatsache so verdreht, als hätten die Westmächte selbst den Vorschlag gemacht und sich Deltschevs Zustimmung durch das Versprechen erkauft, die Neuverteilung der deutschen Ölkonzessionen ihm zu übertragen. Mit anderen Worten: dass er versucht hätte, sich Geld und Macht mit dem Leben und Blut seiner Mitbürger zu erkaufen.

Der andere gefährliche Anklagepunkt hatte meinen Londoner Freund, den Volkswirtschaftler, sehr amüsiert. In ihm wurde Deltschev beschuldigt, Mitglied der Bruderschaft des Offizierskorps zu sein und die Ermordung von Regierungschef Vukaschin, dem Führer der Volkspartei, geplant zu haben. Wenn das glaubhaft bewiesen werden konnte, so würde Deltschev legal und mit allgemeiner öffentlicher Billigung zum Tode verurteilt werden. Die Anklage war darauf angelegt, Deltschev und mit ihm die agrar-sozialistische Partei, in der er groß geworden war, zu vernichten.

Ich verließ an jenem Tag den Gerichtshof in einer wunderlichen Gemütsverfassung. Ich hatte das Gefühl, der Premiere eines miserablen Theaterstückes beigewohnt zu haben, das allen andern aber sehr gut gefallen hatte. Im Raum neben dem Verhandlungssaal hatte das Propagandaministerium ein Büro, und im Hinausgehen holte sich Paschik den amtlichen Bericht über den ersten Verhandlungstag. Das Büro war überfüllt, und ich wartete beim Eingang. Es standen dort mehrere Tische, und an jedem war eine der offiziellen Sprachen angeschrieben. Während ich dort stand, verließ ein kahler junger Mann, der mir bekannt vorkam, den englischen Tisch. Ich hatte ihn schon früher am Tag bemerkt und nicht recht unterbringen können. Als er sich jetzt seinen Weg aus dem Zimmer bahnte, standen wir uns plötzlich gegenüber. Er nickte.

»Sie sind doch Foster, nicht wahr?«

»Ja. Ich glaube, wir kennen uns.«

»Sibley, Incorporated Press.«

»O ja.« Ich erinnerte mich jetzt auch, dass er mir unsympathisch gewesen war.

»Und was tun Sie hier?«, fragte er. »Suchen Sie Lokalkolorit für ein neues Stück?«

Ich erklärte ihm, weshalb ich da war. Er zog die Augenbrauen hoch.

»Auch ganz nett. Immerhin – vermutlich werden Sie eines Tages ein Theaterstück daraus machen, meinen Sie nicht?«

»Ich weiß nicht.«

»Hier gibt’s doch sicher haufenweise Material für Sie. Man könnte übrigens aus Ihrer Anwesenheit einen netten kleinen Artikel machen. Würden Sie ihn mir übel nehmen?«

»Allerdings würde ich das.« Ich verzog mein Gesicht zu einem Lächeln.

Er lachte. »Nun gut. Ich will Sie verschonen. Aber es wäre nett, wenn man etwas nach Hause schicken könnte, das ein bisschen interessanter ist als diese Presseerklärungen da.« Er schwenkte den amtlichen Bericht in der Hand. »Eigentlich arbeite ich in unserer Pariser Redaktion. Ich bin für den Prozess hierher ausgeliehen worden. Keine Ahnung, warum. Diesen Mist könnte ein Laufjunge für uns alle besorgen.« Er wandte den Kopf, als Paschik auftauchte. »Hallo, Georghi! Wir haben gerade von Ihnen gesprochen.«

»Guten Abend, Mr. Sibley. Wir müssen gehen, Mr. Foster. Ich muss ins Büro.«

»Ja, ja – so ist unser Georghi – immer auf dem Posten.« Sibley grinste. »Wo wohnen Sie, Foster?«

Ich sagte es ihm.

»Wir müssen unser Wiedersehen begießen«, sagte er.

Im Wagen gab mir Paschik den zusammengestoppelten Bericht. Ich überflog ihn. Es waren zum größten Teil Sätze aus Dr. Prochaskas Rede, und sie lasen sich noch idiotischer, als sie sich angehört hatten. Ich legte die Blätter weg. Die Straßen, die ins Stadtzentrum führten, waren schmal und überfüllt, und Paschik war ein Fahrer, der am Steuer herumzerrte, statt zu lenken. Nicht übermäßig geschickt drängte er sich zwischen zwei Karren durch.

»Mr. Foster«, sagte er, »ich muss Ihnen einen Rat geben.« Er sah sich mit seelenvollem Blick nach mir um. »Ich hoffe, es wird Sie nicht kränken.«

»Bestimmt nicht – Achtung!«

Er wich gerade noch rechtzeitig einem Radfahrer aus. Der Mann brüllte etwas. Paschik hupte unnötigerweise und beschleunigte.

»Es ist nur eine Kleinigkeit«, sagte er. Der Wagen holperte beängstigend über ein paar hervorstehende Straßenbahnschienen. »Aber ich an Ihrer Stelle wäre – nun, ich würde mich mit Mr. Sibley hier nicht allzu oft sehen lassen.«

»Nicht? Was ist denn los mit ihm?«

»Nichts Persönliches – bitte missverstehen Sie mich nicht.«

»Was also?«

»Er trinkt zu viel und wird dann unvorsichtig.«

»Ich sehe nicht recht, was das mit mir zu tun hat.«

»Wer sich mit ihm einlässt, macht sich verdächtig.«

Ich dachte einen Augenblick nach. »Herr Paschik«, sagte ich dann, »meinen Sie nicht, Sie seien wegen der Zensur, des Propagandaministeriums, der Polizei und allem Drum und Dran ein bisschen zu vorsichtig für einen Pressemann?«

Eine Frau entging nur um Haaresbreite dem Tod. Paschik hupte geistesabwesend und schüttelte den Kopf. »O nein. Das glaube ich nicht. Es ist schwer zu erklären.«

»Was ist denn daran so schwer?«

»Sie sind fremd hier, Mr. Foster. Sie sehen unser Leben von außen. Sie interessieren sich für den Prozess eines Mannes, den Sie kaum dem Namen nach kennen, weil seine Lage scheinbar geistigen Konfliktstoff enthält. Das ist ganz natürlich. Sie sind Theaterschriftsteller und schaffen die Welt nach Ihrem Bilde. Aber seien Sie vorsichtig. Gehen Sie nicht selbst auf die Bühne. Sie könnten die Erfahrung machen, dass die Mitspieler nicht das sind, was sie spielen.«

»Ist Sibley einer der Mitspieler?«

»Ich sprach nur ganz allgemein, Mr. Foster.«

»Ich bedaure – aber dann weiß ich nicht, wovon wir reden.«

Er seufzte. »Das habe ich befürchtet. Aber vielleicht kommt es gar nicht darauf an.«

Ich ging nicht auf diesen Stoßseufzer ein. Wenig später hielt Paschik vor meinem Hotel. Ich stieg aus.

»Wollen wir uns zum Abendessen treffen, Mr. Foster?«

Ich zögerte. Die Luft außerhalb des Wagens roch gut … Ich schüttelte den Kopf. »Ich möchte heute Abend früh zu Bett gehen«, sagte ich.

Der Fall Deltschev

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