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Kapitel 8

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Wenn alle verrückt sind, ist doch alles normal

Christina war heilfroh, als sie Zuhause ankam. Nach der Doppelschicht hatte sie ihren freien Tag bitter nötig.

Noch immer musste sie an die arme Diana denken. Manche Frauen hatten es wirklich nicht leicht in ihrem Leben.

Im Grunde konnte sie sich glücklich schätzen, sie hatte Freunde, Eltern und eine Schwester, die für sie da waren, wenn sie mal Probleme hatte. Sie liebte ihren Job, in dem es immer etwas zu tun gab, manchmal sogar zu viel. Wie fast überall, herrschte auch in ihrem Krankenhaus Pflegepersonalmangel. Da sie aber weder Freund noch Kinder hatte, sondern eine alleinstehende Vierundzwanzigjährige war, waren die zusätzlichen Schichten eine willkommene Aufstockung ihres Lohnes.

Nach einer ausgiebigen Dusche machte sie sich einen ruhigen Fernsehabend und ging danach früh ins Bett, um sich richtig auszuschlafen. Sie schlief tief und fest, aber dennoch spürte sie eine Erschütterung. Ihr Unterbewusstsein ließ sie erwachen, sie fühlte instinktiv, dass ein Fremder in ihrer Wohnung war. Als ihre Lider sich öffneten, wurde sie sofort von einem Licht geblendet.

Sie stütze sich auf ihren linken Ellbogen und mit zusammengekniffenen Augen versuchte sie zu erkennen, woher das Leuchten kam. Voller Schreck sah sie, dass ihre Zimmertür geöffnet war und eine riesenhafte Gestalt vor ihr stand. Nebel beherrschten den Raum, abgesehen von dem schwachen, unwirklichen Licht, das die kleine Lampe ausstrahlte, die der Riese auf seinem Kopf trug. Zu Christinas großem Entsetzen hatte der Eindringling eine Maske auf und eine Axt bei sich. Alles wirkte wie in diesem Horrorfilme, den sie abends hinter vorgehaltenen Kissen angeschaut hatte. Benommen vor Müdigkeit wankte ihr halb-liegender Oberkörper.

Immer wieder fielen Christinas Augen vor Müdigkeit zu und ihr Verstand arbeitete im Schlummermodus. Das was sie sah, war nicht real, das passierte nicht wirklich. Sie war bestimmt noch im Schlaf und träumte.

Doch der Mann kam schnell auf sie zu und riss sie unsanft aus dem Bett, quer durchs Zimmer. Christina glaubte weiterhin an einen Traum, bis sie seine behandschuhten Finger an ihrem Arm spürte. Dann allerdings übermannte sie sofort hysterische Angst und alles in ihr sackte zehn Etagen hinab, denn der Druck und das Zerren seiner Hände fühlten sich überaus wirklich an.

Es war kein Traum, es geschah tatsächlich. Ein perverser Killer stand in ihrer Wohnung! Doch sie würde sich von dem Geistesgestörten nicht kampflos zerhacken lassen. Auf keinen Fall! Sie würde sich wehren.

Schreiend versuchte Christina sich von dem Mann loszureißen, was ihr jedoch nicht gelang, denn sein Griff war zu fest. Erst nachdem sie auf ihn einschlug, ließ er sie endlich los.

Der Wahnsinnige mit der Axt trug schon einen Plastikanzug, damit er sich nicht mit ihrem Blut bespritzen würde. Wahrscheinlich hatte er in seiner Wohnung bereits alles mit Folie ausgelegt. Oder wollte er sie womöglich in ihrem eigenen Bad in Einzelteile zerlegen?

Christina flüchtete in eine Ecke, griff zuerst nach einem Kissen und dann wahllos nach irgendwelchen Gegenständen, die auf ihrem Nachtisch standen, um sie dem Meuchelmörder entgegenzuschleudern.

Verdammt, wie sollte sie diesen Killer verletzen, wenn sie nur mit Kissen und Cremetuben nach ihm warf? Gleich Morgenfrüh würde sie ein Fleischermesser unter ihrem Bett verstecken. Falls es ein Morgen gab.

Christina dachte gerade darüber nach, an ihm vorbeizurennen, als er flink wie ein Kaninchen, sie mit einer eisernen Ganzkörperumarmung bewegungsunfähig machte. Sie schrie aus voller Kehle, denn sie befürchtete, dass er sie bald mit seiner Axt bearbeiten würde, die er mittlerweile an seinem Gürtel verstaut hatte. Sie hoffte inständig, dass das Ding nicht stumpf war.

Ohne größere Kraftanstrengung, schaffte der potentielle Serienkiller sie aus ihrem Schlafzimmer. Während er sie weiter in Richtung Treppe schleppte, verging Christina allerdings das Schreien.

Völlig perplex hatte sie bemerkt, wie ihr Sofa lichterloh vor sich hin brannte und die Flammen sich weiter in ihrer Wohnung verbreiteten. Kriechend kam ihr Verstand vollends auf die Beine und erkannte in Zeitlupen-Tempo, dass es sich ganz anders verhielt, als sie im Halbschlaf gedacht hatte.

„Es brennt?! Großer Gott, es brennt!“, begriff Christina letztendlich.

Der vermeintliche geisteskranke Axtmörder war ein Feuerwehrmann?! Ein Feuerwehrmann, der sie vor dem Flammentod rettete.

Gebannt starrte sie in das Gesicht des Mannes, der sie in seinen Armen trug. Durch die Atemmaske war der Großteil seines Gesichtes verdeckt, außer dem Augenpaar, das sie ab und zu musterte, während er das Treppenhaus hinabstieg.

Es waren beunruhigende Augen, die eine Farbe hatten, wie sie sie noch nie in ihrem Leben gesehen hatte. Seine Iriden waren golden, fast gelb. Das konnte nur von den ungewöhnlichen Lichtverhältnissen herrühren. Kein Mensch hatte eine gelbe Iris.

An seinen mächtigen Brustkorb gedrückt, brachte der Feuerwehrmann sie sicher aus dem Haus. Ihr Husten, den sie zuvor wegen ihrer Panik nicht wahrgenommen hatte, wurde immer stärker.

Ihr Retter setzte sie vorsichtig auf einer Liege ab und beobachtete sie eingehend. Mit erhobenem Daumen stellte er ihr eine stumme Frage, die Christina nur mit einem geschockten Nicken beantworten konnte.

Dann, ohne ein Wort, ließ er sie einfach sitzen und ging zu einem Sanitäter. Enttäuscht fragte sich Christina, warum er nicht bei ihr blieb, obwohl sie wusste, dass er seiner Arbeit nachgehen musste, dass sie nur ein Job war, den er soeben erledigt hatte. Ohne ihn fühlte sie sich nicht mehr behütet. Seine wärmende Umarmung war dahin, wie auch das Gefühl der Geborgenheit, das ihr nun umso mehr fehlte. ‚Reiß dich zusammen, Christina‘, ermahnte sie sich vergebens.

Der Sanitäter kam auf sie zu und sein Mund bewegte sich, als spräche er, aber sie konnte keinen Ton hören. Überhaupt war alles um sie herum lautlos. Es herrschte trotz dem regen Treiben absolute Stille. Linkisch sah Christina sich um und nach kurzem Überlegen, zog sie peinlich berührt ihre beiden Ohrstöpsel heraus.

„Ach, Sie sind gar nicht taub!“, lachte der Sani, bevor er weiter sprach. „Haben Sie Verbrennungen?“

Gedankenverloren schüttelte Christina ihren Kopf, so dass ihre blonden Haare hin und her flogen.

Verdammt, wie hatte sie die Stöpsel in den Ohren vergessen können? Wegen der lauten Musik von ihrem Nachbarn und dem Krach auf der Straße hatte sie die Dinger vorm Schlafen-gehen rein gemacht und dann vor lauter Schreck und Angst total vergessen. Hatte der gelbäugige Feuerwehrmann mit ihr gesprochen? Was würde er jetzt von ihr bloß denken? Tja, nach ihrem Benehmen zu urteilen wahrscheinlich, dass sie eine Irre war. Taub, aber irre, ganz sicher!


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