Читать книгу Alle Zeitfenster auf Kippe - Fritz Eckenga - Страница 8

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Der schönste Platz ist immer an der Theke

Werner (W) und Bernd (B)

W: Prost.

B: Prost.

W: Was macht die Frau?

B: Die will unbedingt mal weg. Sie sagt, sie braucht mal Tapetenwechsel.

W: Tja, alle wollen immer weg. Und wenn sie dann weg waren, dann kommen sie wieder und sagen, zuhause wär’s am schönsten.

B: Das kann meine doch gar nicht beurteilen. Die war ja noch nie weg.

W: Glaub’s mir. Meine Frau, die war schon oft weg. Und immer, wenn sie wieder gekommen ist, hat sie gesagt, zuhause isses doch am schönsten.

B: Glaub’ ich nicht, dass meine das sagen würde. Ich glaub’, wenn die einmal das Meer sehen würde, die würd’ gar nicht wiederkommen.

W: Meine Frau war oft am Meer. Sie sagt immer, »am Meer isses schön. Aber nach zwei Wochen kann ich den Fisch nicht mehr riechen.«

B: Prost.

W: Prost.

B: Freitags kocht meine Frau immer Fisch. Immer Fisch. Seit 20 Jahren, jeden Freitag. Und Senfsoße. Ich glaub’, meine Frau würd’ sich am Meer sauwohl fühlen.

W: Und du?

B: Ich mag keinen Fisch. Fisch hat keine Seele.

W: Woher willst du das denn wissen?

B: Da hab’ ich ’n Gespür für. Du musst so’m Tier ja nur mal in die Augen kucken. Wenn dich ’n Fisch ankuckt, der kuckt wie tot.

W: Du hast doch noch nie ’n toten Fisch gesehen. War ja immer dick Senfsoße drauf.

B: Das spielt keine Rolle. So’n Stück Roastbeef ist auch tot. Aber das siehst du noch, wenn du das anschneidest und der Saft läuft raus, dass das Tier ’ne Seele hat. Ich hab das jetzt im Fernsehen gesehen. Die Buddhisten, die essen kein Fleisch. Die essen nur Fisch, weil Fisch keine Seele hat. Die essen nix, wo ’ne Seele drin ist.

W: Und du machst das umgekehrt.

B: Ich bin ja auch nicht Buddhist. Ich bin ja Christ.

W: Dann erklär’ mir mal, wieso Jesus Christus die Speisung der Zehntausend mit Fisch gemacht hat.

B: Das waren andere Zeiten. Damals waren Rindviecher noch knapper als Fische. Heute wär das kein Problem. Heute würde Jesus Roastbeef nehmen. Oder Pferd. Die machen ja heute Pferdefleischtransporte von Polen bis nach Palästina. Da kennen die nix.

W: Das kannst du aber höchstens als Sauerbraten essen. Das Pferd ist doch schon gammelig, wenn das da ankommt. Da muss ordentlich Essig dran, sonst gehst du kaputt davon. Egal, ob du Christ bist oder Buddhist.

B: In Palästina gibt’s keine Buddhisten.

W: Kein Wunder, bei dem vielen Pferdefleisch aus Polen.

B: Prost.

W: Prost.

B: Ich weiß nicht, ich weiß nicht.

W: Was?

B: Ob ich meine Frau ans Meer fahren lass’. Ich glaub’, die kommt dann nicht wieder.

W: Die kommt wieder. Zuhause isses doch am schönsten.

B: Ja, vielleicht sollte ich sie mal zwei Wochen weg lassen. Dann könnte ich freitags auch mal Fleisch essen.

W: Prost.

B: Prost.

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