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Wer vererbte dem Menschen das schlechte Genmaterial? Sind Adam und Eva schuld an seinem Schicksal?

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Schließlich haben wir einen Verstand mit in dieses Erdenleben gebracht und ein Gewissen. Sofern dieses intakt ist, wird es uns irgendwann folgende Hinweise geben, damit wir darüber nachdenken und Fragen stellen, wie z.B.: Gibt es ein „Drüben“, ein Weiterleben? Wenn ja, woher kam ich, und wohin werde ich gehen? Warum gibt es so viele Ungerechtigkeiten in dieser Welt? Warum ist der eine mit Reichtum gesegnet, der andere hingegen arm und krank? Wenn es einen gerechten Gott geben soll, wo liegt hier Seine Gerechtigkeit?

Der eine meint: „Das Hab und Gut wird meist vererbt.“ Der andere ist der Ansicht, wenn es um Krankheit und körperliche Mängel geht, habe dies mit den Erbanlagen zu tun, die in den Genen wurzeln. Und manch einer kommt zu der Schlussfolgerung: „Das Schicksal des Menschen ist in den Genen angesiedelt.“

Das hieße dann, dass wir nicht nur unsere reichen Vorfahren oder Eltern beerben – wir erben auch das, was sie uns an Genmaterial mitgegeben haben. Doch mit Sicherheit kommen in einem kürzeren oder längeren Erdenleben nicht alle Erbanlagen zum Tragen, obwohl sie in uns angelegt sind.

Die Betrachtungsweise der meisten Menschen gipfelt in dem Standpunkt: „In jedem Fall sind die anderen schuld an meinem Schicksal bzw. an meiner Krankheit. Eventuell liegt es in der frühen Jugend, in der ich als Kind benachteiligt wurde oder zu wenig Aufmerksamkeit erhielt, oder die Scheidung der Eltern oder andere Turbulenzen im persönlichen Werdegang könnten die Ursache sein.“

Man kann viele Gründe anführen, wenn ein Prügelknabe gefunden werden soll. Jeder braucht sein Feindbild, um sich selbst besser zu fühlen.

Eine weitere Möglichkeit für die Schuldzuweisung bieten z.B. die Vorfahren, die ein schlechtes Genmaterial in der Ahnenkette zurückgelassen haben. Wer seine Ahnenkette durchforstet, um bei den Vorfahren einen Schuldigen zu finden, der stößt gewiss auf einen ehemaligen Menschen in der Vergangenheit, der unter Umständen das schlechte Genmaterial geschaffen und vererbt haben könnte. Sollte allerdings – was nahliegender ist – das Los der Schuldzuweisung auf die Eltern fallen, dann könnte nach der heutigen Sichtweise ein Psychologe oder Psychiater seinem Patienten raten, sich gehörig Luft zu machen, indem er die Eltern für das verantwortlich macht, was er derzeit zu tragen hat.

Wie sieht es aber aus, wenn nicht die Eltern die Schuldigen sind, sondern ein Vorfahre, dessen Erbgut der „Geschädigte“ in sich trägt und aus dessen Gen-Erbbild nun einiges aktiv wurde? Was würde er zu dem Elternteil sagen, der ihm erklärt, dass die Erbanlagen, mit denen er derzeit kämpft, nach heutiger Erkenntnis von einem Vorfahren vererbt wurden, so dass heute der Sohn oder die Tochter damit belastet sind?

Fragen wir uns: Was nützt es, wenn wir einem unserer Vorfahren die Schuld für unser derzeitiges Erdenleben geben? Er, der Vorfahre, ist nicht mehr unter uns. Nach der irrigen Vorstellung, dass wir nur ein Erdenleben haben, ist der Vorfahre tot – es ist „aus“ mit ihm. Gemäß dieser Denkweise hat er uns seine Hinterlassenschaften, die Erbanlagen, übertragen. Dazu passt die Aussage: „Wir leben in unseren Kindern weiter.“ Demnach hat jedes Kind in dieser Welt „Erbgutscheine“, also Erbanlagen der Vorfahren, in sich. Wem aus der Ahnenkette geben wir die Schuld z.B. an unserem unter Umständen misslungenen Erdenleben?

Hätten wir die Möglichkeit, einen unserer Vorfahren zu sprechen, um ihm die Schuld an unserem Lebensgeschick zuzuweisen, die Schuld also an unserem Schicksal, an all dem, was das Leben an Beschwerlichem mit sich bringt – was würde wohl dieser Vorfahre sagen? Eventuell würde er – ähnlich wie unsere Eltern – wiederum auf seine Eltern oder auf seine Vorfahren hinweisen, die ihm ihrerseits das schlechte Genmaterial vererbt haben. Nach seinem Dafürhalten kann er nicht für das die Schuld bekommen, was uns heute widerfährt, denn unsere derzeitige missliche Lage trug auch er schon in seinen Genen. Er hat sie wohl vererbt, aber dafür kann und will er nicht als „Sündenbock“ gelten. Er führt an, am Aufbau und Ausbau seines Genmaterials nicht beteiligt gewesen zu sein, denn dieses wurde auch ihm gleichsam in die Wiege gelegt. Folglich müssen es die Vorfahren der Vorfahren gewesen sein – oder von diesen wiederum die Eltern und von jenen Eltern wieder die Vorfahren.

Eine Generation würde also immer auf die jeweils zurückliegenden verweisen – eine schier endlose Kette. Zuletzt käme man mit den Schuldzuweisungen bei Adam und Eva an. Das Fazit hieße dann: Hätte Eva, „die Sündige“, dem Adam, dem Verführten, nicht den Apfel gereicht, so wäre heute alles anders.

Würden wir alle genetischen Defekte aller Generationen auf Adam und Eva beziehen, dann befänden sich z.B. Psychiater und Psychologen auf einer falschen Fährte, die vielfach die Eltern für das misslungene Erdenleben ihres Sohnes oder ihrer Tochter als schuldig oder mitschuldig ansehen. Soll also für den ganzen fatalen Werdegang der Menschheit Eva in die Opferrolle schlüpfen? Kann man Eva den ungeheuren Berg an Schuld aus menschlicher Ignoranz, Intoleranz und bestialischen Niedrigkeiten anlasten?

Wenn wir nun Eva für die unmenschlichen Ausschreitungen in dieser Welt verantwortlich machen würden, so wäre auch folgende Frage gerecht: Warum hat Adam den Apfel genommen? Warum hat er sich von Eva verführen lassen? Hatte das damalige männliche Prinzip, Adam, einen sogenannten angeborenen „Tunnelblick“, der ihm die Weitsicht und Umsicht versperrte und auch den Einblick verwehrte in das, was rechts und links von ihm geschah? Oder ist die Apfelgeschichte lediglich symbolisch zu sehen, ein Bild für den Fall des weiblichen und männlichen Prinzips aus dem Paradies, die Abkehr von Gottes Liebe, Weisheit und Größe?

Mit den misslichen Erbanlagen sind wir jetzt bei Adam und Eva angelangt, ohne aus dieser Analyse Erhellendes für die Hintergründe unseres Erdenschicksals ableiten zu können. Wie sieht es nun mit den guten Erbanlagen aus, wie z.B. mit positiven Eignungen, mit schöpferischen, wertvollen Talenten, die dem Menschen gleichsam in den Schoß fallen? Wem hätten wir diese zu verdanken? Eventuell auch den Vorfahren? Dann wären diese hervorragenden Merkmale und Besonderheiten also gar nicht unser Verdienst. Wer hat uns diese Anlagen in die Wiege gelegt? Sonderbarerweise werden gute Vererbungen selten detailliert betrachtet und dem Ahnen als Verdienst zugesprochen. Die positiven Attribute, die dem Menschen eventuell zu Ansehen und Vermögen verhelfen, schreibt er allzugern seiner eigenen Strebsamkeit, seinem persönlichen Einsatz, seiner hohen Ethik und Moral, seiner Charakterstärke oder schlicht seiner „Intelligenz“ zu.

Nach reiflicher und ernsthafter Überlegung wäre es ungerecht, alle Schicksale, Nöte, Krankheiten und Leiden aller Generationen Adam und Eva anzulasten. Dank unseres Verstandes sind wir in der Lage, zu denken und zu wägen. Und wir sind mit Gefühlen und Empfindungen ausgestattet, in denen unser Gewissen schlägt.

Viele Menschen sind sehr stolz auf ihr Verstandesdenken, das sie als Intellekt oder gar als Intelligenz bezeichnen. Dem Intellekt, dem Verstandeswissen, könnte allerdings dann die Bedeutung nicht abgesprochen werden, wenn der Mensch die wahre Intelligenz, gleich Weisheit, zu Rate zöge – ein im Göttlichen begründetes Attribut, das gerecht zu denken, zu wägen und zu messen vermag. Wer hingegen nur mit dem Verstand, ohne Weisheit, agiert und reagiert, bleibt in seiner Beurteilung einseitig. Er bezieht sich immer auf das Recht, auf die Einseitigkeit, die, global betrachtet, aus der Rechthaberei abgeleitet ist, als deren Wurzel das Herrschenwollen, das Gegen-den-Nächsten – also das Gegenteil von Friedfertigkeit – angesehen werden muss.

Hatte auch Adam diese einseitige Denkweise? Wenn ja, so wäre er es also gewesen, der sie unter Umständen ursächlich vererbt hätte. Daraus wäre dann ein weitreichender Defekt entstanden, der sich über Milliarden von Jahren fortpflanzte. Gehen wir dieser Hypothese nach, so hätte sich aus diesem Makel, dieser Fehlbildung, diesem Charaktermangel – von dem in Vergangenheit und Gegenwart ein Großteil der Menschheit betroffen war und ist – möglicherweise ein rechtsgelehrter Tunnelblick entwickeln können, wie er noch heute weit verbreitet ist, der einseitige Intellekt, ohne die Waagschale wahrer Intelligenz, in der die Gerechtigkeit wägt und misst. Dieser eventuell vererbte Jahrmilliardendefekt hätte somit zur Folge gehabt, dass in dieser Welt heute das Ego pur herrscht, das immer recht haben möchte, das auf vielfältige und gekonnte Art und Weise immer dem anderen die Schuld und das Unvermögen anlastet.

Da die Menschen seit eh und je gekennzeichnet sind durch ein egoistisches Verhalten, das gegen den Nächsten gerichtet ist, so müssten wir nach dem Gesagten Adam und Eva die Schuld geben an der Misere, die auch die heutige Menschheit prägt, denn im Großen und im Kleinen ist jeder gegen jeden, und jeder reicht den sündigen Apfel immer dem anderen; dieser sei schuld. Wären also Adam und Eva die Parasitenträger, die Wurzel allen Übels, so ergäbe sich daraus die Schlussfolgerung: Wir bräuchten dann eigentlich kein Gehirn, keinen Verstand, sondern nur die Beurteilung der genetischen Erbanlagen, die uns allesamt steuern und die jedem die entsprechende „Apfelscheibe“ zuteilen, ohne dass der Einzelne etwas dafürkönnte.

Wäre das so angelegt, dann wäre die gesamte Menschheit aller Generationen unschuldig, außer Adam und Eva. Dann wären wir sozusagen nur Marionetten durch das Jahrmilliardenerbe von Adam und Eva. Für solche Steuerungsmechanismen bräuchten wir aber keinen Verstand, auf den doch viele Menschen so stolz sind.

Was nun? Um über den Fall aus dem Paradies detailliert nachzudenken, müssten wir uns von dem Schablonendenken lösen, das zu einem Schubladendenken geworden ist, das besagt: Im Zweifelsfall ist immer der andere der Schuldige. Schließen wir also unsere Schubladen mit dem Inhalt, dass der andere an unserem Schicksal schuld sei, und wenden wir uns noch einmal Adam und Eva zu.

Allein in Partnerschaft und Ehe?

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