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Die Unruhe des Herzens – Auf der Suche nach dem Sinn und Zweck des Erdenlebens
ОглавлениеLiebe Leser, ist es nicht so oder ähnlich? Unruhig ist unser Herz; es ist unterwegs, auf der Suche. Gerade in der Mitte unseres Erdenlebens stellt so mancher die Frage: Soll das das ganze Erdenleben so weitergehen, immer wieder die Suche nach Liebe, Glück und Geborgenheit?
So mancher glaubt, Familie, Heim und Heimat wären Sicherheiten, die das Gemüt zur Ruhe kommen lassen. Meint der eine oder andere, dies gefunden zu haben, und preist sich darob glücklich, so ziehen doch irgendwann aus dem Gemüt des Menschen die Sorge und die Angst herauf, das, was für ihn Sicherheit bedeutet, könnte eventuell nicht von Dauer sein. Gerade jene Menschen stellen solche und ähnliche Fragen, die nach höheren Werten und Idealen streben. Warum? Weil ihre Seele schon mehr oder weniger erwacht ist und ihrem Menschen sinngemäß signalisiert: Alles Irdisch-Menschliche ist vergänglich; finde das wahre Leben, die Sicherheit, die Heimat in dir!
Auf der Suche nach dem Sinn und Zweck seines Erdenlebens kommen so manchem auch Gedanken wie: Ist das das Leben, dass der Mensch auf der letzten Wegstrecke seiner Erdenwanderung alt, verbittert und weiterhin ruhelos auf seine Vergangenheit zurückblickt, um am Ende seiner Tage schließlich sagen zu müssen: War das alles? Ich habe gearbeitet und nach Frieden, Sicherheit und Geborgenheit gesucht. Was halte ich nun in meinen Händen?
Solange sich das Herz des Menschen an Menschen bindet, findet der Gebundene keine Ruhe. Manch einer beginnt, sein bisheriges Erdenleben unter die Lupe zu nehmen, in der Frage: Warum die Tage, warum die Nächte? Warum ist plötzlich ein Tag der letzte Tag? – Er denkt weiter über seine unsteten und weitgehend fruchtlos verflossenen Tage nach: War es die viele Arbeit, die mich belastete und beschwerte? Nein, die viele Arbeit war es sicher nicht, was mich innerlich immer wieder bedrückte und nicht zur Ruhe kommen ließ. – Der Mensch beginnt, tiefer zu forschen: Waren es die anderen, denen ich schuld gab an meinen Problemen, Sorgen und Ängsten? Waren es immer die anderen, dann, wenn mir etwas misslang? Oder sind es vielmehr die vielen nutzlosen Gedanken gewesen, die dem Frieden in mir selbst im Wege standen? Das Gewissen schlägt an, und der Denkende stellt sich selbst die Frage: War es wirklich immer der andere, der mein unruhiges Erdenschiff in das so klippenreiche Wildwasser lenkte? Oder war nicht ich selbst der Steuermann, eventuell gleichzeitig der Kapitän meines Schiffes? Was war verkehrt an meinem Denken und Leben, an meinem Verhalten oder gar an meiner Grundhaltung, dass so vieles immer wieder schief lief?
Mit vielen Fragen an sich selbst, die man sich selbst – unter Zuhilfenahme seines Gewissens – ehrlich beantwortet, kommt man unter Umständen der Wahrheit näher. Und so erfasst nun der Fragende: „Mir scheint, dass es so ist: Einzig ich selbst war und bin verantwortlich für mein Denken und Leben. Und infolgedessen habe ich mich mit Schuld belastet und bin darüber hinaus mit verantwortlich für all jene, denen ich so lange Jahre die Schuld an meiner Misere zuwies, statt mich selbst zu erkennen und meinen Anteil zu bereinigen. – Und was“, denkt der jetzt um Klarheit und Durchblick Bemühte weiter, „ergibt sich daraus? Wenn das so ist, was steht dann am Ende meiner Erdenreise? Sollte es ein Leben nach diesem Leben geben, was bringe ich dann mit in das Jenseits, wenn meine Seele meinen Körper verlässt?“
Die Fragen werden tiefer: „Habe ich mich überhaupt schon mit meiner Seele vertraut gemacht, oder ist sie mir fremd? Wenn es ein Leben nach diesem Leben gibt, dann stellt sich die Frage, ob ich mich auf meiner Erdenreise gefunden habe. – Und wenn es ein ewiges Leben nach diesem Leben gibt, wo sind dann meine ewigen Wurzeln? Gibt es ein Leben nach diesem Leben“, so denkt der Suchende weiter, „dann müsste eigentlich gelten: Wahres Leben heißt angstlos leben.“
Wer sich über die vielen Nutzlosigkeiten und Belanglosigkeiten im Alltag Gedanken macht, wer erkennt, wie viel von dem, was ihn bewegt, aufwühlt und gefangennimmt, nur auf eigener Ichbezogenheit beruht, der kommt der Wahrheit immer näher.
„Eigentlich“, so meint der Wahrheitssuchende, „liegt die Würde des Menschen nicht im Auskosten des Erdenlebens, in der ständigen Suche nach Glück, Geborgenheit, in der ständigen Verwirklichung dessen, was die Welt bietet – sie liegt in der Selbsterkenntnis über das falsche Denken und Handeln.“
Wir lasen soeben: Wahres Leben heißt angstlos leben. – Was bedeutet das? Die Menschen sind, besonders in dieser Zeit, voller Ängste. Man hat Angst vor dem Tod, man hat in mannigfacher Hinsicht Angst vor dem Leben. Wer weiß, dass sich das Leben nach dem Leibestode fortsetzt, fürchtet sich natürlich nicht mehr vor einer schwarzen Leere, vor dem großen „Aus“. Doch angesichts der Tatsache, dass die moralisch-ethische Qualität unseres Erdenlebens darüber entscheidet, wie unsere Situation im Jenseits sein wird, kann so manchem, der nicht immer seinem Gewissen folgte oder dieses gar zum Verstummen brachte, durchaus angst werden.
Doch wovor haben wir, bei Licht besehen, Angst? Doch nur vor unseren eigenen Schattenseiten – vor dem also, was in uns selbst liegt, sei es aus diesem Leben oder aus einer früheren Inkarnation. Hat der Mensch z.B. Angst, von seinen Mitmenschen nicht angenommen zu werden, so kann er sich selbst erforschen, wie viele und welche seiner Mitmenschen er seinerseits nicht annimmt; fürchtet er, dass andere über ihn reden und ihn schlechtmachen, so kann er sein eigenes Denken und Reden über seine Mitmenschen überprüfen. Erst wenn er seine eigenen Fehlhaltungen ändert, löst sich die Angst. Einzig durch Abbau unserer „Erdenschwere“, durch Bereinigung unseres erkannten Allzumenschlichen, unserer „Schatten“, und die daraus erwachsende Tat im Geiste des Ewigen können wir an Licht und göttlicher Kraft zunehmen, also uns geistig entwickeln, wachsen und reifen.
Jeder Erdentag kann ein Reifetag sein. So könnte gesagt werden: Schaffe dir ein angstfreies Leben. Denn richtig, gleich weise, leben heißt angstlos leben.
Der eine oder andere könnte nun sagen: Was nützen die vielen Gewissensfragen? Man kann sich diese nicht selbst beantworten. Ich habe mein Leben ausgekostet, was für mich bedeutet, ich habe gelebt. Außerdem lebt man nur einmal! Ob es ein Jenseits gibt, ob es überhaupt weitergeht, weiß niemand; es ist noch keiner zurückgekommen.
Wer an der Oberfläche seines Daseins dahintreibt, der will es letztlich so. Er ist geistig träge, denn die Gründe des Lebens auszuloten, zumal seine eigenen Abgründe und Untiefen, kostet zunächst einmal den Mut, sich sich selbst zu stellen. Es kostet die Mühe – immer wieder mit Hilfe der Frage „Warum?“ –, sich selbst auf die Schliche zu kommen. Vor allem aber ist für ein bewusstes Leben unerlässlich, nichts unbesehen hinzunehmen, Anstößen, Impulsen aus der Tagesenergie nachzugehen und – besonders sich selbst – Fragen zu stellen. Der ewige Geist lässt keines Seiner Menschenkinder, das nach der Wahrheit und nach tieferer Erkenntnis strebt, im Stich. In Seiner All-Weisheit und Güte, gleich Fürsorge, weiß Er einen jeden so zu führen, dass dieser mehr und mehr sich selbst findet und Ihm näherkommt – sofern er das möchte.