Читать книгу Sukiya oder Die große Liebe zum Tee - Hans Leip - Страница 4
Vorbemerkung
ОглавлениеEin so nobel anregendes Getränk wie der Aufguß aus den Blättern des Teestrauches hat seit je viel Lob erfahren. Sein zarter Duft schwebt über mancher Erinnerung und hat sich früh bis zur Legende verdichtet. Wo immer das Feinere gepflegt wurde und wird, das leichtere Gespräch, der sublime Anreiz, das Unverbindliche gesitteter Gemeinschaft, da wird Tee getrunken. Denn seiner Wirkung ist das Unlaute, das Beschauliche, das gelassen Aufmerkende zugeeignet, der »small talk«, der das Geistreiche nicht ausschließt, die verhaltene Anekdote, die entdornte Betrachtung, die versöhnliche Haltung, das Gelöste ohne Lärm, die unbetont sich enthüllende Klarheit. Nicht wenig, fürwahr. Es ist eine seltsame Aura, die den Begriff Tee umhüllt und in Jahrhunderten von Fernost gen Westen ausgestrahlt ist. (Echter schwarzer Tee aus Indien und Ceylon.) »Die große Liebe zum Tee« aber spannt einen bunten Regenbogen aus Historie und Histörchen, Begegnungen, Aussagen und Anmerkungen um den sanften Zaubertrank.
Allen, die sich tagtäglich mit Tee beschäftigen, ist der echte Tee Indiens und Ceylons mehr als ein Handelsobjekt. Er, der leichter wiegt als andere Güter aus fernen Ländern, ist mehr als eine Ware, ist ein liebenswertes Geschenk der Natur, von Kennern kultiviert, ein Getränk, daran sich auch andere Gedanken entfachen können als die über Gewinn und Verlust.
Das Wort Sukiya stammt aus dem Japanischen, und obwohl Japan heute auf weltweiter Teebörse nur eine sehr geringe Rolle spielt, ist dort wohl das innigste aller Verhältnisse zum Tee entstanden. Und so bedeutet Sukiya nicht nur den Raum des Teegenusses in schlichter Gepflegtheit und behaglicher Sammlung, sondern auch den unbeschränkten Raum der Phantasie und des heiteren Geistes, darin das irdisch Unvollkommene sich leise zur Vollkommenheit zu entfalten vermag.