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Elf
ОглавлениеSusanne grübelte über den Notizen, die sie, seit Tagen ergänzte.
Ein Kinderspielplatz für Jungen und solche, die nicht alt werden konnten. Aber auch Machtoptionen für solche, die Kontakte richtig kanalisierten oder nutzten. Im Grunde harmlos, wenn nicht die Auswüchse, wie bei Germanicus auftraten.
Abiturienten und junge Studenten kamen als sogenannte Füchse in eine Burschenschaft. Ein Fuchs übernahm eingeschränkte Rechte und Pflichten. Er besaß kein Stimmrecht und übte keine Ämter aus. Doch jeder Fuchs durfte sich auf den Veranstaltungen, die Konvent genannt wurden, vertreten lassen, indem er ein Leibverhältnis einging. Das bedeutete, er suchte einen ›Burschen‹, der ihn vertrat, den sogenannten Leibburschen.
Susanne sah hoch. Was für ein Schwachsinn. Und bei Studentinnen gab es das auch. Unvorstellbar. Die Angelegenheit kotzte sie an. Sie wusste, dass sie ungerecht urteilte und alle über einen Kamm scherte. Aber das waren doch wirklich Spasmatiker.
Susanne bekam diesen Quasifreundschaftskram nicht in den Kopf, vor allem weil er nach wahrlich mittelalterlichen Strukturen stattfand. Menschen, die ihre Körper verstümmelten, hatten nicht mehr alle Tassen im Schrank. Aber jeder musste selbst wissen, ob er sich eine Mensur schlagen ließ oder Piercing beziehungsweise Tattoos trug. Für sie war das eine so beknackt wie das andere. Kein Wunder, dass manche, bei solchem Machogehabe, austickten. Aber sie suchte keine Entschuldigung.
Die einen schlugen also Mensur, die anderen bumsten unter Aufsicht gefesselte Frauen. Sie lachte bitter. Die Typen, die Selbsterniedrigung zu ihrem Inhalt machten, denn etwas anderes war die Fuchsenzeit nicht, erniedrigten andere Personen. Sie führten den Beweis ihrer Erniedrigung, das Abhandenkommen des eigenen Willens.
Susanne fühlte sich schmutzig, wie nie zuvor. Die Professionalität, die sie bei ihren Ermittlungen an den Tag legen wollte, fiel ab, wie ein Kittel, den sie nicht mehr brauchte. Gleichzeitig erfüllte sie maßlose Wut. Wut auf sich, dass sie das Verbrechen damals geschehen ließ und Wut auf die Perverslinge, die sie als lebende Puppe, ohne Gefühl, missbrauchten. Einhundert Stöße und dann Orgasmus. Die Pommes, die sie vor einiger Zeit gegessen hatte, würgten hoch. Mit knapper Not schaffte sie den Weg zur Toilette, wo sie kotzte. Danach kniete sie auf dem Boden und weinte.
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