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achtzehn

Peter Brock hielt die Aachener Zeitung in der Hand, wonach, entsprechend eines Berichts, in der Teverener Heide eine Leiche gesucht wurde. Der Artikel stach sofort ins Auge und zeigte eine Kraterlandschaft, die wahrscheinlich der abgebildete Bagger hergestellt hatte:

Kriminalpolizei sucht weiter in der Teverener Heide.

Von: Georg Schmitz, letzte Aktualisierung: 24. Oktober 2013, 13:10 Uhr

Gangelt/Geilenkirchen. Die Suche nach einer Leiche in der Teverener Heide geht weiter. Über ein Jahr dauerten die Ermittlungen, die zu der bisher größten Suchaktion nach einer Leiche im Kreis Heinsberg führten. Mitte August pumpten rund 200 Kräfte verschiedener Ortsverbände des Technischen Hilfswerkes aus ganz Nordrhein-Westfalen einen 600 Millionen Liter fassenden See leer.

Seine Unruhe wuchs, weil er von einem Mord las, der vor siebzehn Jahren geschah und der mutmaßliche Tote in einer Tonne verbuddelt worden sei. Peter überlegte: Wie hieß dieser Typ damals noch? Ja. Bastian. Aber nach so langer Zeit? Wo lag die undichte Stelle?

Er suchte den Internetauftritt der Zeitung und las die Berichte, die schon seit Wochen regelmäßig erschienen und über den Fortgang der Arbeiten berichteten, bis zum 30. Oktober 2013, wonach die Suche eingestellt wurde.

Anstatt beruhigt zu sein, kreisten seine Gedanken fortwährend um die Zeitungsartikel. Er gehörte mittlerweile zu lange zur Organisation, um nicht misstrauisch zu werden. Irgendjemand wollte ihm ans Leder. Aber wer? Trotz seiner herausragenden Funktion und seines siebenstelligen Kontos blieb er eine Randfigur. Da gab es noch einige, er wusste nicht wie viele, die in der Hierarchie über ihm rangierten. Peter Brock war nicht so blauäugig, als dass er nicht wusste, wie schnell er ersetzt werden konnte. Im Grunde arbeitete er als Edelhandlanger, der, getreu seiner Konditionierung, jeden Auftrag erfüllte.

Seit der Oberstufe der Gesamtschule führte er Wochenberichte. Sie gehörten auch heute zu seinem beruflichen Alltag. Nach dem Mord an Bastian sammelte er zusätzlich alles, was nur im entferntesten mit der Burschenschaft in Verbindung stand. Doch sichtete er das Material nie unter dem Aspekt, dass er ein Bauernopfer werden könnte, aus welchem Grund auch immer.

Aus den Zeitungsartikeln ging hervor, dass die Polizei einem Hinweis nachging. Unerheblich für Peter, dass die niederländische Polizei ermittelte und die deutschen Behörden lediglich zur Unterstützung herangezogen wurden. Auch, wenn die Suche nach der Tonne zurzeit eingestellt wurde, blieb es nur noch eine Frage der Zeit, bis er im Fokus stand. Verwertbare Spuren hatte er sicherlich genug hinterlassen. Einer der Nachteile seines Jobs bestand im zwangsläufigen Kontakt zur Kriminalpolizei. Und heutzutage wurde gleich ein umfangreiches Genprofil angelegt.

Gut, dachte er. Sie wollten es nicht anders. Sollte der kleinste Hinweis auf die Organisation deuten, würde er sie aufrollen und zum gegebenen Zeitpunkt bloß stellen. Die Schweine schlachteten sich untereinander ab und er sollte wohl ebenfalls über die Klinge springen. Nicht mit ihm.

Die Geldsummen, die er wusch, gehörten ausschließlich zu den illegalen Zweigen. Der Bund der Wissenden verließ sich schon lange nicht mehr allein auf die Produkte des Geistes seiner Mitglieder. Auf die Duplizität des Aufbaus der Organisation stieß er erst vor wenigen Wochen. Ein mittelständischer Firmenverbund, namens WOLKE, wurde direkt aus den Ressourcen der Burschenschaft bedient. Davon abgelöst agierte der Bund der Wissenden, zu dem er gehörte. Der Bund existierte tatsächlich so geheim, dass außer wenigen haltlosen Gerüchten, nichts an die Öffentlichkeit drang. Peter betrieb Geldwäsche aus Prostitution, Menschenhandel, Drogen, Immobilien und einigen anderen kleineren Zweigen, ohne, dass er jemals selbst damit in Berührung kam. Das Geld floss bar oder auf sichere Konten. Es wusch das Geld über Restaurants, mittelständische Betriebe, dem Kauf ganzer Straßenzüge und, in einem zu vernachlässigenden Teil an der Börse, legal, zu versteuernden Einnahmen. Hier schwor Peter auf die sichere Geldanlage, denn schließlich ging es darum, schmutziges Geld zu säubern. Teile, der erwirtschafteten Summen, die er nicht unterbringen konnte, liefen über viele Umwege auf Konten außerhalb Europas. Die Schweizer Konten, die zu Beginn seiner Tätigkeit noch sicher erschienen, bediente er nicht mehr. Der Bruchteil eines Prozents, den er für seine Tätigkeiten abzweigen durfte, reichte, um ihn zu einem reichen Mann zu machen.

Er überlegte, ob er seinen Kontaktmann in die Organisation kontaktieren sollte. Der kleine ältere Herr gehörte genauso zu den Befehlsempfängern, wie er. Zumindest lag die Vermutung nahe. Deshalb sah er davon ab. Peter nannte sich mittlerweile auch alter Herr. Zog ihn die Burschenschaft anfangs noch heran, die jungen Füchse zu prüfen, so behelligten sie ihn in den letzten Jahren nicht mehr. Auch bei sogenannten Säuberungsaktionen klammerte man ihn mittlerweile aus, wodurch die direkten Kontakte in die Burschenschaft sehr selten geschahen. Doch irgendwie musste er, ohne Aufsehen zu erregen, tiefer in das komplexe Gebilde eindringen.

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