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Die Inschrift des Nonius Datus
ОглавлениеAls echter Römer begnügte sich Nonius Datus nicht damit, eine bedeutende Leistung vollbracht zu haben. Es kam ihm auch darauf an, alle Welt wissen zu lassen, was er getan hatte. Und so dokumentierte er auf einer weitschweifigen Inschrift in Lambaesis sein heroisches Rettungswerk. Jetzt konnte jeder nachlesen, wie es genau gewesen war. Nonius verschwieg nicht einmal, dass er auf dem Weg nach Saldae von Räubern überfallen worden war, dass man ihm Verwundungen zugefügt und ihn ausgeraubt hatte. Doch davon ließ er sich natürlich nicht beeindrucken. »Ich habe«, teilt er auf der Inschrift mit, »die Arbeiten genau zugeteilt, damit jeder wusste, welche Streckenlänge des Vortriebs er zu bearbeiten hatte.« Aber Nonius Datus war sich auch darüber im Klaren, dass es für die Arbeiter kein Vergnügen war, sich in den dunklen Berg hineinzubohren. Also verwandelte er sich in einen Motivationskünstler und veranstaltete einen Wettbewerb. Die Soldaten sollten das Ganze folglich sportlich sehen und versuchen, zwar sauber, aber doch möglichst schnell das Werk zu vollenden. Tatsächlich trafen sich die beiden Gruppen so ziemlich in der Mitte des Berges. »Und so kam man«, wie der Ingenieur auf der Inschrift stolz konstatiert, »zum Durchstich des Berges. Ich also«, fügt er dann hinzu, nun zu dem kommend, was er eigentlich mitteilen wollte, »der ich als erster das Niveau ermittelt, die Richtung gewiesen und die Arbeiten hatte machen lassen nach dem Plan, den ich dem Prokurator Petronius Celer gegeben hatte, habe den Bau zu Ende gebracht.« Das musste noch gesagt werden, denn, wie es auf der Inschrift abschließend heißt, hat, »als der Bau vollendet war und das Wasser floss, der Prokurator Varius Clemens die Anlage feierlich eingeweiht«. Die Politiker, sollte das wohl heißen, lassen sich erst blicken, wenn es gilt, die Lorbeeren zu ernten – da musste doch der Anteil des Ingenieurs ins rechte Licht gerückt werden. Über all dem Stress bei den Arbeiten am Tunnel ist Nonius Datus dann auch noch krank geworden. Ein Gönner, der Prokurator Porcius Vetustinus, lud ihn daraufhin zu sich ein, um ein paar Monate auszuspannen – ein Umstand, den zu verschweigen dem eitlen Ingenieur so schwergefallen ist, dass er den entsprechenden Brief des Vetustinus auch noch gleich auf seiner monumentalen Inschrift mit verewigen ließ.