Читать книгу One Memory - Katie Weber - Страница 10
Elisa
ОглавлениеMit jedem Schritt, den ich wagte zu gehen, jedem Einkauf, jedem Auftauchen in Old Creek, spürte ich die durchlöchernden Blicke auf mir. Neugierig und manchmal abfällig und urteilend. Dabei kannte ich diese Leute nicht, und ich bezweifelte, dass sie alle mich kannten.
Ganz egal, was ich in den letzten Wochen, seitdem ich in Old Creek war, tat oder welchen Laden, welches Café ich besuchte, ich wurde von den Augen der anderen verfolgt. Genauso wie alles, was ich je zu irgendwem in dieser Kleinstadt gesagt hatte, unter Garantie an andere weitergetragen wurde.
Vielleicht war es falsch gewesen, hierher zurückzukehren. Vielleicht auch nicht.
Letztendlich wusste ich nicht, was diese Menschen für ein Problem mit mir hatten. Es interessierte mich nicht einmal. Das Einzige, was ich mit Sicherheit wusste, war, dass diejenigen, die mehr über meine Rückkehr wussten, mich für den Tod an Cole Anderson verantwortlich machten. Cole Anderson, an den ich keinerlei Erinnerungen mehr besaß, auch wenn mir jeder einzureden versuchte, wir hätten uns geliebt und bereits vor sechs Jahren geheiratet.
Für die Einwohner Old Creeks war ich die mörderische Witwe, die sie in mir sahen, wenn sie mir in die Augen blickten und mir mit ihrem aufgesetzten, falschen Lächeln einen guten Morgen wünschten.
Ganz egal, was sie über mich und über den Unfall, der Cole Anderson das Leben gekostet hatte, dachten, ich würde hier nicht mehr fortgehen. Old Creek war meine Heimat und meine Zuflucht, denn nur hier fühlte ich mich zu Hause und als kleiner Teil von etwas Großem.
Auch wenn die Menschen in dieser Kleinstadt mich nicht mochten und besonders Coles Eltern mich loswerden wollten, weil sie, wie sie selbst sagten, meinen Anblick nicht ertrugen, Old Creek war mein Schicksal, und ich fühlte, dass ich genau hierhergehörte und nirgendwo anders hin.
»Elisabeth?«
Es war noch immer merkwürdig, meinen eigenen Namen aus dem Mund von anderen zu hören, denn für mich wirkte er selbst nach so vielen Wochen immer noch fremd und ungewohnt.
»Elisabeth Murphy, bist du es wirklich?«
Unsicher drehte ich mich um und sah in das freundliche Gesicht einer älteren Dame, die mich ungläubig musterte, als hätte sie einen Geist gesehen.
»Entschuldigung, kennen wir uns?«, fragte ich wie so oft in den letzten zwei Monaten und musterte die Frau vor mir genauer, in der Hoffnung, irgendeine Erinnerung würde wiederkehren. Irgendetwas, und wenn es nur ein Anhaltspunkt war, damit ich wusste, dass mein Gedächtnis mich nicht für immer verlassen hatte.
Doch auch diesmal passierte nichts. Ich erkannte weder die sanften blauen Augen der Frau noch ihre Stimme oder sonst irgendetwas an ihr, das mir hätte bekannt sein müssen.
»Du erinnerst dich nicht?«, wunderte sich die Dame enttäuscht und griff sich ans Herz. Eine Geste, die mich schwer traf. Denn bisher hatte niemand aus dieser Stadt derart auf meine Frage reagiert. Ich musste sie tatsächlich einmal gut gekannt haben.
»Bitte entschuldigen Sie, Ma’am«, bat ich aufrichtig, klärte sie jedoch nicht weiter darüber auf, weswegen ich mich nicht mehr an sie erinnerte. Aus reinem Selbstschutz, wie ich die letzten Tage und Wochen bitter hatte lernen müssen.
»Claire, Claire Foster. Weißt du denn nicht mehr, Liebes?«
Etwas in meiner Brust zog sich bei ihrem Namen schmerzhaft zusammen. Trotzdem schüttelte ich entschuldigend den Kopf. »Tut mir leid.«
Die Frau musterte mich einige Sekunden lang und lächelte plötzlich. »Würdest du vielleicht trotzdem einen Kaffee oder Tee mit mir trinken gehen, Liebes? Gleich nebenan ist ein hübsches altes Café, wo wir hingehen könnten.«
Überrascht hob ich beide Augenbrauen, nickte aber bestätigend. »Gerne.«
Warum ich ausgerechnet ihr vertraute, dafür hatte ich keinerlei plausible Erklärung. Es war lediglich ein Bauchgefühl und die winzige Hoffnung, sie könnte mir mehr von meinem früheren Leben erzählen.
Zusammen betraten wir nur wenige Minuten später das von ihr genannte Café und setzten uns an einen kleinen Tisch, der direkt am großen Fenster stand und viel Sonne und Wärme ins Innere hineinfließen ließ.
Nachdem Claire sich einen Tee und ich mir einen schwarzen Kaffee bestellt hatten, wurde ich von der mir noch immer fremden Frau erneut abschätzend und nachdenklich gemustert.
Sorgenvoll legte sich ihre Stirn in Falten. »Du erinnerst dich tatsächlich an nichts mehr, oder, Liebes? An nichts und niemanden von früher.«
Hart schluckend schüttelte ich den Kopf. »Nein, tut mir leid.«
»Amnesie?«, wollte sie ehrlich interessiert und mit Mitleid in ihrem Blick wissen.
Ich nickte stumm.
Claire atmete tief aus, ließ die Luft aus ihren Lungen und sah mich mitfühlend an. »Wie lange schon?«
»Seit einem Unfall vor etwa zwei Monaten«, gab ich wortkarg von mir und nippte an meinem Kaffee, der gerade von der Kellnerin gebracht worden war, die mich auf die mir inzwischen allzu bekannte irritierte und ungläubige Art und Weise beäugt hatte.
Claire wartete kurz, bis die neugierige Kellnerin wieder hinter ihrem Tresen verschwand, und lehnte sich dann über den Tisch weiter zu mir vor. »War es derselbe Unfall, bei dem Cole Anderson starb?«
Sie wirkte nicht sonderlich überrascht über diese Schlussfolgerung, also nickte ich wieder nur stumm. Schließlich wusste ich nicht, was ich sonst hätte dazu sagen sollen. Allerdings wollte ich mich auch gar nicht weiter dazu äußern müssen und hoffte, Claire könnte es richtig deuten und verstehen.
Und das schien sie tatsächlich.
Seufzend lehnte sie sich in ihrem Stuhl wieder zurück und trank von ihrem Tee, während sie nachdenklich aus dem Fenster schaute und ich mich fragte, wie gut sie mich wohl kannte – mich, die frühere Elisabeth Murphy.
»Haben dich Coles Eltern wenigstens wieder bei sich aufgenommen? Bist du bei ihnen und deswegen wieder zurück in Old Creek?«, fragte Claire unerwartet und ließ mich angespannt und nervös mit dem kleinen Kaffeelöffel spielen, der auf meinem Unterteller lag.
Weil meine Kehle drohte auszutrocknen, schluckte ich ein paarmal mühevoll. »Cole Andersons Eltern geben mir die Schuld am Unfall und wollen daher nichts mehr mit mir zu tun haben«, antwortete ich ehrlich, so schwer es mir auch fiel. Es war nun mal die bittere Wahrheit und Claire, der ich wagte zu vertrauen, sollte es als Einzige in dieser Stadt erfahren.
Als ich jedoch wieder aufsah, direkt in ihr Gesicht, wusste ich, es war ein Fehler gewesen. Denn die aufrichtige Betroffenheit, die Fassungslosigkeit und der Unglaube in ihrem Blick schmerzten in meiner Brust. Aus dem einfachen Grund, weil diese Gefühle echt waren.
Claire heuchelte mir nichts vor. Das Wissen darüber, dass jemand mir die Schuld an Coles Tod gab, verletzte sie innerlich, und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte.
»Heißt das, du bist ganz allein hier? Denn wenn das so ist, Kind, kannst du selbstverständlich zu mir kommen. Ich habe ein freies Gästezimmer, das ich für dich herrichten könnte. Das wäre absolut kein Problem für mich.«
Unweigerlich begann ich zu lächeln und unterdrückte die Tränen, die gerade tief in mir aufsteigen und den Weg ins Freie suchen wollten. »Danke, Claire. Du weißt nicht, wie viel mir das bedeutet. Aber ich habe bereits ein Zuhause gefunden.« Und so war es schließlich auch. Ich hatte meine ganz eigene kleine Welt am Rande des Waldes von Old Creek gefunden. Verlassen und gerade deswegen wunderschön, ruhig und friedlich.
Claire nickte verstehend und bohrte nicht weiter nach. Sie hatte ein gutes Gespür dafür, zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen und dann zu schweigen, wenn es nötig war. Das mochte ich auf Anhieb.
»Wissen die Ärzte denn, ob es eine anhaltende Amnesie ist oder ob die Erinnerungen irgendwann wiederkehren?«, fragte Claire, nachdem sie ihren Tee getrunken und ihre Tasse vorsichtig auf dem Unterteller abgestellt hatte.
»Es besteht die Möglichkeit, dass sie zurückkommen. Garantieren kann es mir jedoch niemand«, gab ich zurück, ohne ihr dabei große Hoffnungen zu machen. Es war besser, nichts zu erwarten. Vor allem keine Wunder. So würde niemand enttäuscht.
»Vermutlich braucht es gewisse Auslöser dafür«, überlegte Claire dennoch laut und sah erneut nachdenklich aus dem Fenster.
Mir schien, als wüsste die Frau vor mir mehr über mich, als ich bisher glaubte. Deswegen schob ich entschlossen meine Tasse Kaffee beiseite und lehnte mich ein wenig über den kleinen Tisch, um nicht so laut reden zu müssen.
Flehend sah ich Claire in die Augen und griff nach ihrer Hand. »Können Sie mir etwas über mich, über mein früheres Leben hier in Old Creek erzählen? Woher ... kennen wir beide uns?«
Claire begann zu lächeln. »Durch meinen Sohn. Ihr wart damals ... gemeinsam auf der Old Creek High.«
Ich nickte verstehend, fragte aber nicht weiter nach. Denn ich wusste, ich würde mich ohnehin nicht mehr an ihren Sohn erinnern können. Stattdessen interessierte mich etwas anderes, von dem ich hoffte, sie würde es wissen und mir erzählen können ...
»Habe ich damals wirklich bei den Andersons gelebt, so wie mir von den Ärzten gesagt wurde? Hatten sie mich bei sich aufgenommen?«
Angespannt hielt ich den Atem an, als Claire tief und schwer seufzte. »Das hatten sie, ja. Als du zwölf warst, glaube ich. Da hatten sie dich zu sich und Cole nach Hause geholt.«
»Aus einem Waisenhaus?«, stolperte es holprig und mit starkem Herzklopfen aus mir heraus.
Claire überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. »Soweit ich weiß, warst du vorher bei einer anderen Familie untergebracht, die sich nicht sonderlich gut um dich gekümmert hatte. Mrs. Anderson war damals Krankenschwester im Saint John’s und wurde auf dich aufmerksam, als du einmal mit mehreren Knochenbrüchen eingeliefert wurdest. Von da an hatte sie dafür gekämpft, dich aus dieser Familie zu holen, und hatte sich dann gemeinsam mit Mr. Anderson dazu entschlossen, dich bei sich aufzunehmen. Als Pflegekind.«
Gänsehaut bildete sich auf meinem ganzen Körper und ich begann zu zittern. »Ich erinnere mich an nichts von alldem«, flüsterte ich gedankenverloren und blickte dann in die warmen blauen Augen der Frau, deren Hand ich noch immer hielt. »Wie kann das bloß sein?«
Claire lächelte mich mitfühlend an, schwieg aber. Was hätte sie auch sagen sollen? Niemand konnte mir diese Frage schließlich beantworten.
»Du und Cole, ihr habt geheiratet?«, hörte ich Claire stattdessen plötzlich fragen und folgte ihrem bedrückten Blick, der auf dem hübschen Ring ruhte, der an meinem Finger steckte.
Obwohl er mir ebenso fremd war wie der Mann, den ich anscheinend geheiratet und vor einigen Wochen verloren hatte, konnte ich ihn bisher nicht abnehmen. Ich schämte mich schrecklich dafür, nichts mehr von meiner Ehe zu wissen, fühlte mich schuldig und hoffte gleichzeitig, dieser Ring würde mir irgendwann ein paar meiner Erinnerungen wiederbringen können.
Bis jetzt vergebens.
Hart schluckend nickte ich. »So zumindest steht es auf dem Papier, schwarz auf weiß. Cole und ich waren verheiratet, ja.«
Claire schien einen Moment lang sprachlos, obwohl sie auch diesmal nicht wirklich überrascht wirkte. Dennoch fiel es ihr sichtlich schwer, etwas dazu zu sagen.
»Mein aufrichtigstes Beileid, Elisabeth. Deinen eigenen Ehemann zu Grabe zu tragen, und das in deinem Alter ... Ich weiß nicht, ob ich das geschafft hätte«, kam es der Frau mir gegenüber dann aber doch kurz darauf über die Lippen, während sie meine Hand einmal fest drückte, um mir ihr Mitgefühl auszudrücken.
»Ich erinnere mich nicht mehr an ihn. Das macht es auf erschreckende Weise leicht für mich«, gab ich leise zurück und trank den letzten Schluck meines mittlerweile kalten Kaffees, während ich Claires Blick mied und lieber durch das große Fenster hinaus auf die Straße vor dem Café starrte.
Eine Weile herrschte Stille zwischen uns und ich war mir nicht sicher, ob Claire nun schlecht von mir dachte oder ob sie wie zuvor einfach nicht wusste, was sie dazu sagen sollte.
Doch als die warmherzige Frau auf ihre Armbanduhr sah, schrak sie auf und suchte etwas Kleingeld für ihren Tee und meinen Kaffee zusammen.
Ich wollte gerade ablehnen und anbieten, selbst die beiden Getränke zu bezahlen, da kam sie mir zuvor. »Lass gut sein, Liebes. Ich hab dich schließlich eingeladen, also zahle natürlich ich dafür.« Sie lächelte mild und stand von ihrem Platz auf. »Leider muss ich jetzt los. Aber ich hoffe sehr, wir sehen uns schon bald wieder.«
Ihr Lächeln erwidernd stand ich ebenfalls von meinem Platz auf. »Das würde mich sehr freuen.«
Claire zögerte einen kurzen Augenblick, zog mich dann aber in eine unerwartete und feste Umarmung. »Lass dir bloß nicht einreden, du hättest Schuld, Elisa. Unfälle passieren. Niemand kann daran etwas ändern, niemand kann das Schicksal umgehen, das für uns bestimmt ist. Lass nicht zu, dass andere, nur weil sie mit dem Schmerz nicht klarkommen oder es nicht verstehen wollen, dich mit ihrer Ablehnung brechen. Versprich mir das.«
Tränen verschleierten mir die Sicht, als ich mich wie eine Ertrinkende an die Frau klammerte, die ich doch erst soeben kennengelernt hatte.
»Ich verspreche es.«
Es war das erste Mal, seit ich nach dem Unfall in der Klinik aufgewacht war, dass mir jemand glaubte und darauf vertraute, dass ich nichts Unrechtes getan hatte. Dass es nicht mein Fehler gewesen war, nicht meine Schuld, ganz egal, was andere sagten.
Claire vertraute mir. Und das war ein Gefühl, das ich seit meiner Rückkehr nach Old Creek schmerzlich vermisst hatte.
Einige Tage später saß ich wie jeden Abend vor dem weißen, kaum beschriebenen Blatt Papier, das mich seit dem Aufenthalt im Saint John’s Memorial vor über zwei Monaten begleitete. Es waren Notizen, Informationen, die ich zu meiner Person und meinem früheren Leben aufgesammelt und mühsam zusammengeschrieben hatte.
Viel war es trotzdem noch immer nicht.
Lediglich mein vollständiger Name, mein Geburtstag und Alter sowie die Tatsache, dass ich zwar in Irland geboren, jedoch seit meinem zweiten Lebensjahr Vollwaise war und in Kanada lebte. Alles andere schien relativ unklar.
Vor allem die Frage, warum Cole und ich anscheinend seit Jahren nicht mehr in Old Creek gewesen waren und wo wir stattdessen sonst gelebt hatten. Ich hatte keinerlei Anhaltspunkte, nichts in den Systemen der Ämter und Behörden gab mir bisher dazu Aufschluss. Genauso wenig wie darüber, was wir in der Nacht vor knapp neun Wochen am alten Leuchtturm von Mainefield gesucht hatten.
Warum hatte ich Coles Namen nach unserer Hochzeit nicht angenommen? Wieso besaßen wir ein gemeinschaftliches Bankkonto, aber keine tatsächlich existierende gemeldete Adresse, unter der ich etwas hätte finden können? Wo waren all unsere Sachen und unser Zuhause? Wo war mein verdammtes Leben abgeblieben?
Das laute Knacksen von Ästen auf Waldboden ließ mich zusammenzucken und riss mich unweigerlich aus meinen Gedanken.
Erschrocken sah ich mich in meinem kleinen Holzblockhaus um, während sich mein Puls automatisch beschleunigte und das Adrenalin durch meine Venen floss.
Ohne lange darüber nachzudenken, griff ich zu dem alten Jagdgewehr, das ich mir erst vor einer Woche zugelegt hatte, um mich so alleine hier draußen am Rande des Waldes sicherer zu fühlen.
Aus reinem Instinkt heraus wusste ich bereits im Laden, als ich die Flinte das erste Mal in meinen Händen hielt, dass ich damit umgehen konnte. Womöglich war ich in der Vergangenheit, in meinem Leben vor dem Unfall, schon das ein oder andere Mal jagen gewesen.
Woher auch immer ich wusste, wie ich mit diesem Ding umzugehen hatte, das Gewehr lag jetzt sicher und stabil in meinen Händen, während ich beinahe geräuschlos zur offenen Tür schlich, die zur Veranda führte.
Mein Herz raste unkontrolliert, als ich mit bis auf den letzten Muskel angespanntem Körper fokussiert durch den Sucher des Gewehrs sah, einen letzten Schritt hinaus auf die knarzende Holzveranda wagte und bereits im nächsten Moment den Lauf geradewegs in das Gesicht eines Mannes hielt.
»Wer zur Hölle sind Sie und was zum Teufel suchen Sie auf meinem Grundstück?«, stolperte es ungehalten aus mir heraus, während ich mühevoll einen panischen Schrei unterdrückte.
Bloß keine Angst zeigen, sagte ich zu mir selbst und versuchte mich zu beruhigen und meinen Herzschlag zu verlangsamen. Doch als ich im nächsten Moment vom Sucher des Gewehrs aufsah und direkt in die Augen meines Gegenübers blickte, blieb es plötzlich für eine Millisekunde stehen. Gerade einmal so kurz, dass ich es überhaupt spüren konnte.
Ich wusste sofort, wer in diesem Moment vor mir stand. Ich wusste es, weil mein Herz es mir sagte. Weil es sich erinnerte, auch wenn mein Gedächtnis sich dagegen sträubte.