Читать книгу Lernen im Sekundentakt - Kerri Milyko - Страница 10
2.1 Ergebnisse flüssigen Verhaltens
ОглавлениеStabilität, oder wie man früher auch in Veröffentlichungen gesagt hat: »Merkfähigkeit« ist ein Ergebnis von Flüssigkeitsübungen. Es misst die Leistung in einem Zeitraum ohne Übungen oder Trainingseinheiten (Johnson & Street, 2013). Damit ein Verhalten stabil ist, zeigt der Lernende auch bei späteren Tests ein ähnliches Leistungsniveau wie am Ende des ursprünglichen Trainings.
Ein klassisches Beispiel für stabile Fähigkeiten sind Tests nach den Sommerferien. Die Schüler üben möglicherweise ihre mathematischen Fähigkeiten nicht während der Ferien, werden jedoch zu Beginn des neuen Schuljahres erneut darin getestet. Wenn sie ein ähnliches Leistungsniveau haben wie vor Beginn der Ferien, so gilt die Fähigkeit als stabil.
Ein weiteres Ergebnis flüssigen Lernens ist die Ausdauer. Ähnlich wie die körperliche Leistung bei einem Sportler wird bei Lernenden auf ausdauernde schulische Fähigkeiten abgezielt. Beim PL müssen dabei Fähigkeiten über einen längeren Zeitraum mit den gleichen Leistungsniveaus gezeigt werden wie beim ursprünglichen Training (Binder, 1996). In der Regel wird ein Ausdauer-Training 4x so lang durchgeführt wie das Übungsintervall. Wenn also ein Schüler 30 Sekunden lang Buchstaben vorliest, würde seine Fähigkeit durch Ausdauertraining zwei Minuten lang überprüft.
Tatsächlich gibt es eine Menge natürlicher »Ausdauertests« im Leben eines Schülers. Diese Tests dauern in der Regel sehr viel länger als die Übungssituation. Wenn man zum Beispiel in der Übungssituation lernt, sich bei einem Gespräch abzuwechseln, kann ein Gespräch mit einer anderen Person als dem Therapeuten als Beweis für eine anhaltende, generalisierte Fähigkeit gelten. Man kann das mit Läufern vergleichen, die an Ausdauertests teilnehmen: Sie trainieren nicht für einen Marathon, indem sie die volle Marathonstrecke laufen. Stattdessen trainieren sie, indem sie kürzere Strecken laufen und sich so auf den Langstreckenlauf vorbereiten.
Gelerntes Verhalten muss auch bei Ablenkung und Schwankungen stabil sein. Wenn der Schüler eine Leistung auch bei Ablenkung auf einem ähnlichen Niveau wie beim ursprünglichen Training bewältigt, gilt das Verhalten als stabil (Johnson & Street, 2013). Auch hier gibt es im Alltag viele natürliche »Stabilitätstests«. Wenn zum Beispiel ein Elternteil durch den Raum geht und der Lernende dennoch aufmerksam bleibt, ist sein Verhalten stabil.
Das Verhalten eines Lernenden kann auch als stabil bezeichnet werden, wenn er seine Hausaufgaben schnell und präzise erledigt während der Fernseher läuft. Stabilität kann auch auf Grund einer geringen Variabilität der Daten erörtert werden.
Verhalten muss auch im Alltag angewandt werden können, wobei dieses Flüssigkeitskriterium weniger direkt ist als die oben erwähnten Kriterien. »Anwendung« gilt als eine Voraussetzung für die Bewältigung von höheren Fähigkeiten (Binder, 1996). So muss man zunächst den Namen »Melissa« aussprechen können, um dann auf die Frage »Wie heißt Du?« antworten zu können? Auch sollte man die Zahlen »zwei« und »vier« kennen, um »2+4« addieren zu können.
Geübtes Verhalten, wie »Melissa« zu sagen oder die Zahlen »2« und »4« zu kennen, generalisiert, wenn sich Verbesserungen im Alltag einstellen. Man kann das mit Schwimmern vergleichen, die ein Trittbrett verwenden, um verschiedene Tritte zu verstärken und ihr Schwimmen zu perfektionieren. Zum Trainieren des Oberkörpers wird ein Schaumstoffkeil zwischen die Beine geklemmt und man bewegt sich nur durch Armbewegung vorwärts. Ohne die sonst übliche Unterstützung durch die Beinbewegung werden die Arme gestärkt. Die zwei Komponenten – Arme und Beine – werden also vereinzelt trainiert, so dass sich die Zeit beim nächsten Wettkampf verbessert. Auch hier wird das Endziel des schnelleren Schwimmens durch gezieltes Training der einzelnen Komponenten verbessert.
Zum Schluss gilt »Generativität« als ultimatives Kriterium für flüssiges Verhalten. Wenn gelernte Fähigkeiten zum ersten Mal auf neuartige Weise kombiniert werden, wird von Generativität gesprochen (Johnson & Street, 2013). So lernen Kinder oft Farben und Formen durch entsprechende Spielsteine. Wenn nun das Kind eines Tages einen blauen Luftballon, der wie ein Stern aussieht, als »blauen Stern« benennt, ist Generativität eingetreten. Offensichtlich werden hier zwei zuvor gelernte Konzepte erstmals miteinander kombiniert und damit ein neuartiges Objekt – der blaue Sternballon – benannt. Jedes nachfolgende Auftreten der Bezeichnung »blauer Stern« stellt keine Generativität mehr dar.