Читать книгу Lernen im Sekundentakt - Kerri Milyko - Страница 7
Geleitwort zu diesem Band
ОглавлениеDieser Band unserer »Autismus-Konkret-Serie« ist ein Versuch, die Methode des Präzisionslernens (PL) in Deutschland bekannter zu machen. PL ist eine Lernstrategie, die sich besonders in amerikanischen und australischen Schulen für Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und Autismus Spektrum Störungen bewährt hat. Auch von Athleten, Musikern oder Studenten verschiedener Fachrichtungen wird sie eingesetzt.
Nach einem Sommerkurs an der hierfür bekannten Morningside Academy in Seattle fragte mein Sohn: »Mama, warum sind denn nicht alle Schulen so?« Offensichtlich fand er das einfache und schnelle »Lernen in Sekunden« und die Bewertung des eigenen Lernfortschritts auf logarithmischen Kurven sehr überzeugend.
Im Folgenden wird anhand von Fallbeispielen verschieden stark beeinträchtigter Kinder mit ASS deutlich, dass PL ein sehr präzises Lernen ist, das allerdings auch eine sehr genaue Planung voraussetzt. So sollte der Schüler mit ASS flüssig reden, schreiben, lesen und rechnen können oder auch andere soziale Verhaltensweisen oder Selbsthilfetätigkeiten »automatisch richtig machen«. Um das zu erreichen wird komplexes Verhalten analysiert und problematische Komponenten, wie Artikulation, Stifthaltung, Zahlen lesen, Grüßen, die Zähne putzen oder die Straße richtig überqueren, wiederholt im »Sekundentakt« geübt. Ziel von PL ist es, dass Teilschritte komplexer Fähigkeiten durch Wiederholungen automatisiert werden und somit den Beteiligten nicht mehr schwerfallen.
PL setzt präzise Planung voraus, was auch für andere ABA/AVT-Ansätze gilt. Allerdings diskutieren die Vertreter von PL und ABA/AVT, durch welche Lerndaten der Lernfortschritt am besten kontrolliert werden kann. Während verhaltenstherapeutische Arbeit sich meist mit einer Messung des Antwortverhaltens als Prozent richtig begnügt, betonten Präzisionslehrer, dass der Lernfortschritt auf die jeweilige Lernzeit bezogen werden muss. Nur so kann ein langsam und mühevoll sprechender, schreibender, rechnender oder arbeitender Schüler von einem Schüler unterschieden werden, der all das automatisch erledigt, dem es leichtfällt und der dieses oft auch gern macht.
Eine spannende Beobachtung zieht sich dabei durch dieses Buch: die wiederholte Erkenntnis, dass das gezielte Üben von Teilkomponenten zu einer Verbesserung des Endziels führt, ohne dass dieses selbst trainiert werden muss. Und das klingt doch vergleichbar zum wiederholten Üben des Aufschlags beim Tennis oder der endlosen Wiederholung von Akkorden, um vielleicht doch noch ein Tennisprofi oder virtuoser Pianist zu werden.
Auch wenn wir nicht alle Lernenden zu solchen Höchstleistungen bringen können und auch nicht bringen wollen, kann das Verstehen der genauen Problempunkte und das schnelle Üben kleiner Lernschritte für viele Betroffene Lernen erfreulicher und effektiver machen.
Dr. Vera Bernard-Opitz, Herausgeberin der Reihe, Irvine,
April 2021