Читать книгу Makarios - Manfred Engeli - Страница 6

Оглавление

2 Von Jesus Christus lernen

Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war (Phil 2,5).

Das Wichtigste, was wir von Jesus lernen können, ist seine Gesinnung (zum Begriff siehe Anhang). Weil aus der Gesinnung des Herzens (Hebr 4,12) unser Denken und unser Handeln entspringen, setzt Gottes Umgestaltung der Person hier an. Paulus lädt uns ein:

Lasst euch eine neue Gesinnung schenken.

Dann könnt ihr erkennen, was Gott von euch will.

Ihr wisst dann, was gut und vollkommen ist

und was Gott gefällt (Röm 12,2 | GNB).

Die Gesinnung Jesu

Was die Gesinnung Jesu charakterisiert, ist Hingabe. Sein Verzicht ist unvorstellbar groß: Er verließ die tiefe Liebesgemeinschaft mit dem Vater, er verzichtete auf die göttlichen Eigenschaften der Allgegenwart, des Allwissens und der Allmacht und stieg hinab in die Enge des menschlichen Lebens, ins Gefängnis von Raum, Zeit und Körperlichkeit und in die Not der durch Lieblosigkeit geprägten menschlichen Beziehungen.

Weshalb hat Jesus das getan? Aus Liebe zum Vater und damit sein Plan der Erlösung verwirklicht würde. Aus Liebe zu den geknechteten Menschen, ganz aus freien Stücken. Das ist Hingabe.

Ebenso beeindruckend ist zu sehen, wie Jesus aus dieser Gesinnung heraus gelebt hat. Er hat als erster die göttliche Berufung des Menschen verwirklicht, allein und ganz zur Ehre Gottes zu leben (vgl. Eph 1,12). Er hat den Vater nie betrübt oder ihn im Stich gelassen. Er suchte nie das Seine, es ging ihm nie um sein Recht, er war frei von jedem Egoismus. Weil er nie außerhalb der Liebe gehandelt hat, wurde er auch nie schuldig (siehe hierzu auch im Anhang unter »Sünde«). Um so leben zu können, musste er das Gesetz der Perpetuierung durchbrechen, durch welches das Ungute in der Welt von Generation zu Generation weitergegeben wird. (Als Perpetuierung wird die Aufrechterhaltung und Fortdauer einer Situation oder eines Zustands bezeichnet.) Dieses Gesetz ist vom Sündenfall an bis heute wirksam. Es gehorcht dem Prinzip von Saat und Ernte: Wo ich verletzt worden bin, verletze ich auch wieder andere; wo ich Defizite habe, kann ich nichts geben; vom Opfer werde ich zum Täter; gerade dort, wo ich selber gelitten habe, werde ich wieder an anderen schuldig. Jesus hat dieses Gesetz überwunden, damit es auch in unserem Leben außer Kraft gesetzt werden kann.

Als Sohn Gottes besaß er auch in menschlicher Gestalt das beeindruckendste Potenzial an Einsicht, Verständnis, Entscheidungskraft und vielerlei Fähigkeiten. Doch wie hat er sein Potenzial eingesetzt? Er hat nicht darauf vertraut (vgl. Spr 3,5–7; Jer 17,5). Stattdessen hat er sich in allem ganz dem Vater unterordnet und auf jede Eigenmächtigkeit verzichtet. In Johannes 5,19–20 bezeugt er:

Der Sohn kann nichts von sich selbst tun,

außer was er den Vater tun sieht;

denn was der tut, das tut ebenso auch der Sohn.

Denn der Vater hat den Sohn lieb

und zeigt ihm alles, was er selbst tut.

Diese frei gewählte, völlige Unterordnung Jesu unter den Vater machte ihn frei von jeder Menschenfurcht und aller Abhängigkeit von den Menschen; so wurde er unmanipulierbar. Dies machte ihn zugleich stark und demütig. Demut könnte man beschreiben als »Gottesfurcht ohne Menschenfurcht«. Aus seiner Demut erwuchs ihm ein unerschrockener Mut gegenüber den Menschen und dem, was sie uns antun können. In den Verhören vor seiner Kreuzigung verzichtete er auf jede Rechtfertigung und Verteidigung und sagte kein einziges Wort (Mt 27,14). Zur Freiheit, die er durch die kompromisslose Abhängigkeit vom Vater gewann, gehörte aber auch die Bereitschaft, die Menschen freizulassen, statt sie an sich zu binden, und Unverstandensein und Einsamkeit auszuhalten.

Aber war Jesus glücklich? Wenn wir »Glück« im Sinne der heutigen Gesellschaft verstehen, passt dieses Wort wohl nicht zu Jesu Leben. Aber im Sinne von makarios war Jesus glücklich. In den Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5,1–12), wo makarios jeweils mit »selig« übersetzt wird, spricht Jesus eigentlich über das, was er selbst erlebt. Dadurch macht er den Jüngern klar, dass allen, die ihm nachfolgen, die Makarios-Erfahrung offen steht, wenn auch durch Not und Leiden hindurch. Das zeigt sich auch im durch viel Verfolgung und Sorgen geprägten Leben von Paulus. Paulus war makarios:

Ich bin mit Trost erfüllt,

ich bin überreich an Freude bei all unserer Bedrängnis (2Kor 7,4; vgl. 11,23ff).

Um makarios zu sein, brauchen wir die Fähigkeit, in der Not und im Leiden in der Freude und im Frieden zu bleiben. Wie ist das möglich? In den Abschiedsreden (Joh 15,9–14) gibt Jesus den Jüngern sein Geheimnis preis. Es heißt: In allem und immer in der Liebe bleiben. Jesus ist in der Liebe des Vaters geblieben, hat sie nie infrage gestellt. Er hat sich entschieden, alles aus Liebe zum Vater zu tun. Aus Liebe zu den Menschen hat er sein Leben für sie hingegeben. Jesus fordert seine Jünger dazu auf, auch so zu leben. Wer in, aus und für die Liebe lebt, bleibt im Frieden. Wenn Gott unser Makarios-Glück will, dann muss er uns also dazu befähigen, in der Liebe zu bleiben und aus der Liebe zu leben.

Von Jesus lernen

Am meisten lernen Menschen von Vorbildern. Jesus weiß das; deshalb lädt er uns dazu ein (Mt 11,29). Wie können wir von Modellen lernen? Durch Beobachtung. Wenn wir bei einem Vorbild ein Verhalten sehen, das positive Auswirkungen hat, möchten wir es übernehmen und versuchen, uns auch so zu verhalten. Wie lässt sich das nun übertragen auf unser Zusammensein mit Jesus unter dem gemeinsamen Joch?

Wir müssen lernen, Jesus zu beobachten: Wie geht er mit uns um und welche Auswirkungen hat das auf uns? Dies ist ein spannender Prozess. Mir ist beispielsweise aufgefallen, dass Jesus sehr direkt und ehrlich mit mir umgeht; doch alles, was er mir sagt, bewirkt Hoffnung und Ermutigung. So ist es auch, wenn ich meinem Meister einen erledigten Auftrag zurückgebe: Sein Urteil ist jedes Mal wahrhaftig und zugleich entlastend. In seiner Gegenwart komme ich in den Frieden; er macht nie Druck und schafft keinen Stress – bei ihm haben alle Dinge ihre Zeit. Der liebenswürdige Humor, mit dem er mir immer wieder begegnet, schafft eine entlastende Distanz und rückt die Proportionen wieder zurecht; so kann ich manchmal auch über mich lachen. Ich bin so dankbar, dass das Leben mit Jesus so fröhlich, ermutigend, aber auch wachstumsfördernd und herausfordernd ist.

Für diesen Lernprozess ist der innere Austausch mit Jesus von großer Bedeutung. Wir können uns das Ziel setzen, im Alltag und im Berufsleben alles mit Jesus oder dem Vater zu besprechen. Vielleicht geht es Paulus um dieses Zwiegespräch mit Gott, wenn er schreibt: Freut euch alle Zeit! Betet unablässig! Sagt in allem Dank! (1Thess 5,16–18). In meiner seelsorgerlichen Arbeit hat sich immer wieder bestätigt, dass diese Möglichkeit allen Menschen offensteht, die sich nach einer engen Beziehung mit Jesus oder dem Vater sehnen. Es wird auch durch folgende Aussage Jesu bekräftigt:

Meine Schafe hören meine Stimme,

und ich kenne sie,

und sie folgen mir (Joh 10,27).

Das Ziel dieses Lernprozesses ist nicht, Jesus in den äußeren Formen seines Lebens ähnlich zu werden, sondern in seiner Beziehung zum Vater und in seiner Gesinnung. Wie wir oben gesehen haben, war diese geprägt durch seine Liebesfähigkeit. Wenn wir von ihm als Vorbild lernen wollen, müssen wir bereit sein, Schritte der Veränderung zu gehen. Die Beziehung zu Jesus kann für uns wie ein Spiegel werden, in dem wir sehen, wie Gott uns eigentlich gemeint hat. Und dann kommt es darauf an, dass wir auch handeln und das Erkannte umsetzen; nur so werden wir makarios (siehe dazu im Anhang »Die Kunst der kleinen Schritte«, S. 126). Was Jakobus über Gottes Wort als Spiegel sagt, gilt auch für unsere Begegnungen mit Jesus:

Wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der gleicht einem Mann,

der sein natürliches Gesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen,

und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war.

Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit

hineingeschaut hat und dabei geblieben ist,

indem er nicht ein vergesslicher Hörer,

sondern ein Täter des Werkes ist,

der wird in seinem Tun glückselig [makarios] sein

(Jak 1,23–25).

Makarios

Подняться наверх