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Heinrich und Ludwig

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„Bei allen Früchten, die in unserem Garten oder dem Acker wachsen, Ludwig, nehmen wir doch immer das, was über dem Boden wächst, seien es die Bohnen oder die Erbsen“, meinte Heinrich. „Ja, da habt Ihr recht. Lasst uns also das Grüne erst einmal versuchen“, sagte Ludwig. Bei hereinbrechender Dunkelheit saßen die Männer am Abend vorher in Heinrichs Hütte und beobachteten die Soldaten. Eine dunkelgraue Decke zog sich über das Land, als sich die Wachtposten zum Schlaf ausstreckten. Es dauerte nicht lange, als Heinrich und Ludwig Schnarchgeräusche vernahmen. Auf leisen Sohlen schlichen sie sich heran, jeder einen Sack über der Schulter. Mit ihren Händen tasteten sie jeden einzelnen Zentimeter des Feldes ab, beobachteten die schlafenden Männer und gruben mit ihren Händen leise das Erdreich auf. Die grünen Pflanzen wie auch die Früchte landeten behutsam in ihren Säcken. Schwer beladen schlichen sie wieder zurück nach Hause. „Morgen werden wir uns daran machen, herauszufinden, was sich damit machen lässt“, raunte Ludwig. Ja. Ich komme zu Euch und dann machen wir uns ans Werk. Bis dahin wünsche ich Euch eine gute Nacht.“ Heinrich winkte zum Abschied. „Kommt Ludwig, leeren wir erst einmal die Säcke und trennen das Grüne von der Knolle.“ Heinrich nahm einen der Säcke und leerte ihn auf dem lehmigen Boden der Küche, Ludwig machte es genauso mit dem anderen Sack. Die Kartoffeln selbst legten sie sachte in eine hölzerne Schüssel. „Wie bereiten wir denn jetzt aus dem Grünzeug ein Gemüse zu? Habt Ihr vielleicht eine Zwiebel und ein wenig Schmalz oder Speck?“ Ludwig dachte angestrengt nach. „Oder ein kleines Stück Schwarte zum Auslassen des Fettes?“ „Ja, ein winziges Stück Schwarte liegt hier.“ Heinrich zeigte auf ein Regalbrett, über dem getrocknete Kräuter von der Decke hingen. Nun wandte er sich in eine Ecke der Küche, holte kleine Holzscheite und stapelte einige davon unter dem Kessel aus Eisen. Von seinen zerlumpten Beinlingen riss er sich einen Fetzen Leinen ab und rieb zwei Steine so lange aneinander, bis sie Funken sprühten. Ludwig hielt das Leinen an die Steine und als es brannte, warf er es ins Holz. Heinrich eilte mit einem hölzernen Eimer zum nahen Brunnen und schöpfte Wasser. Er kam ins Haus und goss das Wasser in den Kessel, unter dem vorsichtig die ersten Flammen loderten und am Kessel leckten. Die Männer rupften die grünen Blätter von den Stielen und warfen sie in das Wasser. „Bin mal darauf gespannt, wie das schmeckt. Wenn wir nach dem Kochen Fett auslassen, eine Zwiebel klein schneiden und etwas anbraten, etwas von dem kochenden Sud nehmen und das alles mit Euren Kräutern abschmecken, müsste das doch köstlich schmecken. Was meint Ihr?“ Heinrich wartete auf eine Antwort. „Ich lass mich überraschen“, zuckte Ludwig mit der Schulter. „Wir kennen das ja alles nicht.“ Nach getaner Arbeit setzten sich die Bauern an den Tisch und aßen. „Dreckszeug! Schmeckt alles sehr bitter“, kam es wie aus einem Munde. Trotzdem aßen sie weiter, denn der Hunger nagte in ihren leeren Mägen. Plötzlich sprang Ludwig auf. „Mir ist so schlecht!“ Er lief vor die Türe seiner Hütte und erbrach. Heinrich fegte an ihm vorbei und setzte sich mit herunter gelassener Hose an eine Grube. Er hielt sich den Bauch. Krämpfe plagten ihn, während er den Darm leerte. Mit letzter Kraft hauchte er: „Werfen wir dieses Kraut weg. Nicht einmal den Schweinen des Waldes oder des Fürsten könnte man das Zeug zum Fraß anbieten!“ „Wenn es uns besser geht, versuchen wir es mit der braunen Knolle und was ist das überhaupt für ein Getier, was da aus den Säcken krabbelt?“ Ludwig brach der Schweiß aus. „Welch ein Getier meint Ihr überhaupt? Darauf habe ich gar nicht so geachtet.“ Heinrich sah zu Ludwig auf.„So ein Tier habe ich vorher noch nie gesehen. Es sieht aus wie ein Marienkäfer, läuft rasend schnell auf vielen dünnen Beinchen und ist gelb mit schwarzen Streifen. Schwarze Flecken sah ich am Teil des Kopfes. Schaut mal, Heinrich, da läuft noch einer!“ Ludwig zeigte auf die Schüssel mit Kartoffeln.

Friedrich Wilhelm Utsch

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