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18 Die Märchen

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Petrus hat Report.

Petrus: Der Lernerfolg ist zu gering.

Gott: Aha.

Petrus: Es dauert alles so lange, weil die Menschen so viele Fehlversuche haben.

Gott: Aha. Von denen könnte man lernen? Also den Fehlversuchen.

Petrus: Natürlich, aus Fehlern kann man lernen.

Gott: Na dann sollen sie ihre Fehler machen.

Petrus: Zum Lernen müssten sie sie als Fehler erkennen.

Gott: Daher die Einführung des Schadens. Durch Schaden wird man klug.

Petrus: Das wirkt aber wie die Bestrafungsnummer. Bewirkt Trotz. Besser ist doch, sie verstünden, was falsch ist, und machten es deshalb nicht mehr.

Gott: Du kennst sie doch. Denkt doch keiner nach, wenn es ohne Folgen ist. Sie ändern sich doch kaum ohne Tritt.

Petrus: Nach deinem Bild.

Gott: Ich ändere mich nicht, weil ich mich nicht ändern darf. Ich bin der Ewige.

Petrus: Per definitionem.

Gott: Quasi. Außerdem ändere ich mich ständig, bleibe dabei derselbe. Das ist der Trick in der Schöpfung: Immer dasselbe auf immer neue Art. Es gibt immer wieder sehr viele Tomaten, aber nie war jemals eine genau wie die andere. Trotzdem alles Tomaten.

Petrus: Raffiniert.

Gott: Variation ist das Zauberwort.

Petrus: Trotzdem bremst es uns.

Gott: Muss man ihnen eben sagen, wie man es am besten macht.

Petrus: Haben wir doch. Ständig.

Gott: Und?

Petrus: Sie sind schwach. Faul.

Gott: Wollen sie es nicht wissen?

Petrus: Wenn es schlecht geht, soll eine einfache Lösung her, wenn es gut geht, bemühen sie sich nicht mehr.

Gott: Bin ich die einfache Lösung.

Petrus: Gewissermaßen.

Gott: Mit einem Gott lässt sich doch leichter umgehen, als mit einem komplizierten Konglomerat.

Petrus: Die ufern auch regelmäßig aus. Bei uns ging das auch los. Ein Gott, der für alles zuständig ist, war als Neuerung durchaus praktikabel. So ein Olymp voll Götter fordert viele Opfer. All das kostet. Man kommt leicht durcheinander. Bei den Hindu dasselbe. Man kommt dann doch immer wieder auf die zentralen Figuren zurück: Ganesha, für den geschäftlichen Erfolg, Shiva, Brahma. Am Ende werden sie zusammengefasst und sind doch eins oder es gibt einen Anführer. Göttervater.

Gott: Tja.

Petrus: War doch auch wieder nicht genug. Dann kommt ein heiliger Geist. Sohn, Mutter. Es hat Erzengel. Heilige. Menschen, die zu Engeln werden.

Gott: Soll ich das alles alleine machen?

Petrus: Per definitionem.

Gott: Erzengel sind praktisch. Was tätest du alleine im Labor?

Petrus: Zum Thema.

Gott: Sie müssen herumprobieren.

Petrus: Sie machen immer wieder dieselben Fehler.

Gott: Um die Sache abzukürzen, ist es doch geschickt, wenn der eine vom anderen lernt.

Petrus: Der Einäugige ist König unter den Blinden.

Gott: Es muss doch welche geben, die sich ernsthaft bemühen, herauszufinden, wie es geht. Man muss die Irrtümer analysieren, verstehen und Lösungsangebote machen. Das hält man fest und alle profitieren.

Petrus: Wird alles gemacht.

Gott: Vielleicht ist es für viele noch zu ... Ihr müsst es den Menschen schmackhaft machen, zu lernen.

Petrus: Es gibt jede Menge Ansätze: Philosophie, Märchen, Bücher mit schönen, klugen Geschichten.

Gott: Von Menschen, die etwas heraus gefunden haben?

Petrus: Oder sich zumindest etwas ausgedacht ...

Gott: Das wird doch gelesen.

Petrus: Viel zu wenig. Sie beschäftigen sich mit sich selbst. Sie haben zu tun. Sie sind denkfaul.

Gott: Nicht alle. Es ging am Anfang auch ohne Bücher. Man liebt doch seine Kinder.

Petrus: Das Herausfinden und Ausdenken öffnet neue Möglichkeiten und Wege. Manche scheinen voraus zu sein. Die reichen Industrienationen glauben das von sich. Dabei produzieren sie Probleme, von denen Naturvölker nicht 'mal wissen.

Gott: Und haben schon viel verloren oder setzen es auf's Spiel, was dem Naturmenschen in seiner unverstellten Wahrnehmung gegeben scheint.

Petrus: Wir fragen Jesus.

Jesus: Ich bin dafür.

Gott: Wissen wir. Wie sollen wir es machen, dass die Menschen besser lernen?

Jesus: Sex als Belohnung.

Gott: Für die Erwachsenen.

Petrus: Zumindest darin war die Kirche gut: Man muss sie lehren, wenn sie jung sind.

Jesus: Es muss Spaß machen. Es braucht gute Lehrer. Die selbst viel wissen und verstehen.

Petrus: Tja.

Jesus: Geduld, es wird sich entwickeln. Man muss das fördern und Widerstände abbauen.

Gott: Je mehr gute Lehrer, desto mehr gute Schüler. Es wird sich exponential verbreiten.

Jesus: Das Wissen ist groß, vielfältig, verwirrend, unübersichtlich, nicht immer leicht zu verstehen. Vor allem ist es riesig. Die antiken Philosophen, die alten Mystiker, die sich offenbar gut halten. Die Humanisten. Die Chinesischen, Indischen und anderen fernöstlichen Lehren. Die moderne Literatur. Es braucht schon einen Enthusiasmus, sich damit zu beschäftigen.

Gott: Deshalb diese vereinfachten Bilder von uns und den Mächten.

Petrus: Sie würden schon mehr verstehen, wenn sie sich damit beschäftigen würden.

Jesus: Nicht jeder ist ein Forscher.

Gott: Die Sanftmütigen sollen doch das Land erben.

Petrus: Schiefgelaufen. Bisher herrschten eher die Grausamen.

Gott: Es ist sicher nicht leicht, angesichts der Übel der Welt nicht grausam zu werden, wenn man die Herrschaft hat.

Jesus: Das bessert sich.

Petrus: Es war schon schlimmer. Insgesamt gesehen.

Gott: Also weitermachen.

Petrus geht ab in's Labor.

Petrus: Weitermachen.

Die Praktikantin: Es wird lange dauern?

Petrus: Zeit spielt doch bei ihm keine Rolle.

Die Praktikantin: Ich habe ein Buch.

Petrus: Du hast gelauscht. Du weißt, es ist verboten.

Die Praktikantin: Wenn es der Vogel schon macht.

Petrus: Es ist gefährlich für Menschen.

Die Praktikantin: Sag' mir nicht sowas. Da werde ich neugierig. Das Buch ist aus den Sechziger Jahren.

Petrus: Welches Jahrhundert?

Die Praktikantin: Sinclair Lewis, das war 'mal ein Nobelpreis.

Petrus: Was es alles gibt.

Die Praktikantin: Es handelt von der Liebe einer Kurtisane in einem Stadtteil von HongKong, Wanchai.

Petrus: Aha.

Die Praktikantin: Es wurde mehrmals verfilmt. Sehr berühmt, aber den meisten Menschen vollkommen unbekannt. Vielleicht wird es bald vergessen sein.

Petrus: Wie vieles.

Die Praktikantin: Aber es ist ein sehr schönes Buch. Man kann viel lernen. Über die Liebe und was wirklich wichtig ist. Auch wenn sonst vieles schrecklich ist.

Petrus: Du meinst es könnte den Schülern Spaß machen.

Die Praktikantin: Sicher.

Petrus: Wie heißt das Buch?

Die Praktikantin: Suzie Wong.

Petrus: Es gibt so viele Bücher. Warum das?

Die Praktikantin: Weil es aus einer Welt ist, in der eine andere Art Glauben herrscht. Wir kommen bei denen nicht vor.

Petrus: Der Sinclair ist doch kein Asiate.

Die Praktikantin: Stimmt. Vielleicht könnten wir es sonst gar nicht verstehen. Er versucht es für uns zu beschreiben, als er glaubt, es zu verstehen. Dadurch öffnet sich uns der Einblick.

Petrus: Worein?

Die Praktikantin: In die Liebe. Dass sie überall ist. Dass sie überall entsteht. Dass sie passieren kann, wann und wo sie will.

Petrus: Das ist klar. Es ist nur eine Geschichte von so vielen.

Die Praktikantin: Sie zeigt uns die Liebe ohne unser Glaubenskorsett.

Petrus: Glaubenskorsett? Wir sind nicht die Kirche.

Die Praktikantin: Diese Liebe wächst nicht umgeben von göttlichem Vertrauen und Geborgenheitswünschen an Jesus oder Schutz von Maria. Ein guter Schreiberling macht es nur besser. Es kann Wahrnehmungstereotypen durchbrechen und die Sicht erhellen.

Petrus: Die Filme sind schnulzig.

Die Praktikantin: Sind sie doch immer. Und bedienen Wahrnehmungsstereotypen. Das ist Unterhaltung. Es geht um das Buch.

Petrus: Um dir einen Gefallen zu tun. Wir lesen es ein. Du darfst nicht nachfragen. Wir geben dir Bescheid.

Die Praktikantin: Warum darf man nicht nachfragen?

Petrus: Weil das nervt.

Die Praktikantin: Aber man wird doch ungeduldig.

Petrus: Dann ruf Jesus an.

Die Praktikantin: Jesus.

Jesus: Komm mir nicht mit Kleinigkeiten.

Die Praktikantin: Kannst du die Aufnahme von Suzie Wong befürworten?

Jesus: Nur das?

Die Praktikantin: Bitte.

Jesus: Klar. Tolles Buch.

Die Praktikantin: Danke.

Gottes wundersame Faktorei - Zweiter Teil: Auferstehung

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