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Das verlorene Wort Gottes, zweiter Teil

Bei den ersten Christen in Antiochia

Da sahen sie, wie immer mehr Menschen in ein Gebäude gingen, das an der Außenmauer einen Davidstern trug. »Wort Gottes« und Synagoge, dachten alle gleichzeitig, das passt doch zusammen. So betraten sie mit einigen Männern und Frauen den Gottesdienstraum und beobachteten vom Eingang her das Geschehen. Es herrschte eine freudige Erwartung, denn der Apostel Paulus sollte an diesem Tag kommen. Viele waren neugierig und wollten ihm zuhören. Juden hatten sich dort versammelt und Heiden. Zwei Gruppen, die sich nicht immer gut verstanden. Die Kinder mit ihrer Mutter wunderten sich, dass sie jedes Wort verstehen konnten.

Mit Applaus hießen die Anwesenden den berühmten Apostel willkommen. Paulus setzte sich auf einem Hocker. Die Juden saßen im Halbkreis um ihn. Die Heiden standen etwas weiter von ihm entfernt und schauten ängstlich und besorgt drein.

Paulus begann mit seiner Predigt: „Jesus ist der Sohn Gottes, er ist gekommen, um alle Menschen zu befreien. Keiner braucht mehr Angst zu haben. Er ist von den Toten auferstanden und lebt mitten unter uns.“

Die Juden im Halbkreis nickten zur Bestätigung. In einigen Gesichtern las man großes Staunen! Da meldete sich zaghaft einer von den fremden Heiden: „Alle Menschen, hast du gesagt? Dürfen wir auch dazugehören?“ Und ein Danebenstehender ergänzte: „Ja, wir wollen ebenfalls Gottes Wort hören!“

Paulus freute sich über diesen Wunsch und lud die Interessierten in der Synagoge ein, näher zu kommen. „Ja, kommt nur und setzt euch dazu, hört gut zu. Gott spricht zu jedem von euch. Wer an ihn glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet.“

So kamen die Heiden einen Schritt näher, doch sie hatten nicht mit dem Ärger der anderen Anwesenden gerechnete. Es gab lautstarken Protest: „Was, die sollen dazukommen? Das gab es ja noch nie! Die wollen wir nicht! Die kennen ja nicht einmal die Gesetze!“ Das waren die noch eher harmloseren Misstöne. Paulus ließ sich jedoch nicht beirren. „Haltet ein, ihr Frommen! Gott liebt doch jeden Menschen, euch und diese Fremden dort auch. Wir dürfen sie nicht abweisen.“ Einer von den Juden stand auf. „Dann müssen sie sich erst beschneiden lassen!“ Ein weiterer stand auf: „Und sie müssen die Gebote auswendig lernen!“ Und ein Dritter ergänzte: „Sie dürfen kein Blut von Opfertieren mehr trinken!“

Doch Paulus erwiderte ihnen: „Kennt ihr denn alle Gesetze; sind das nicht viel zu große Lasten?“ „Für Gott ist keine Last zu groß!“ sagte da der erste Sprecher und verschränkte zur Bestätigung seine Arme. Die anwesenden Heiden wollten sich das nicht gefallen lassen. Ein Mutiger trat vor und entgegnete: „Wir verstehen euch nicht! Was für Gesetze? „Was für Beschneidungen? Wir dachten es ist bei euch durch die Botschaft von Jesus viel einfacher!“

Nun gingen die Worte hin und her. „Bitte geht, wir müssen uns jetzt erst beraten.“ - „Paulus hat gesagt, wir dürfen bleiben, also bleiben wir.“ – „Raus hier!“

Die Heiden jedoch schüttelten den Kopf und bewegten sich keinen Zentimeter. Da ertönte ein lautes Rufen vom Eingang der Synagoge her. Das waren doch tatsächlich die Zeitreisenden, die sich zu Wort meldeten. „Haltet ein, hört auf euch zu streiten! Wisst ihr, was ihr dort tut? Ihr vertreibt das Wort Gottes. Wo der Hass sich ausbreitet, verschwindet es einfach! Vielleicht kommt es nicht mehr wieder!“ Das begriffen die Juden und Heiden, schauten sich gegenseitig an und nickten mit dem Kopf. Auch Paulus bestätigte: „Wer immer ihr seid, ja, ihr habt Recht, so geht es nicht. Gottes Wort ist kostbar. Nur wenn wir Frieden stiften, kann es wirken. Halten wir Stille und überlegen, was Gott von uns will.“ So kehrte Ruhe ein und die Versammelten senkten ihre Häupter.

Einer der Juden meldete sich schließlich: „Paulus, geh du nach Jerusalem zu Petrus und frag ihn. Er ist ein kluger Mann. Was er uns sagt, wollen wir tun.“ Alle Anwesenden fanden den Vorschlag gut und befürworteten ihn. Sie dankten den Kindern für ihr mutiges Eingreifen und planten friedlich die nächsten Schritte.

Auch die zeitreisenden Kinder freuten sich: „Gott sei Dank, fürs Erste ist das Wort Gottes gerettet und bekommt noch eine Chance.“ – „Ja, dass das Wort Gottes so gefährdet ist, hätte ich nicht gedacht.“ – „Kommt, wir haben hier unsere Aufgabe erledigt und können nun weiterreisen.“ – „Wo soll es jetzt hingehen?“

Die Mutter hatte eine Idee. „Es gab in Rom eine Zeit, da war das Wort Gottes besonderen Gefahren ausgesetzt. Die Christen wurden sogar dafür verfolgt.“ Schnell einigten sie sich auf Rom. Sie stellten die Uhr, erhoben die Arme, drehten sich und sagten gemeinsam:

‚Zeit verschwinde, Zeit verschwinde,

dass ich das Vergangene finde!

Dort wo unser Zeiger hält,

betreten wir die neue Welt.’

Die verfolgten Christen in Rom

Ich, das Wort Gottes, fand, dass es wieder eine gute Idee war, nach Rom zu reisen. Zu der Zeit traf man sich nicht mehr in den Synagogen, sondern in den Häusern. Paulus und die Apostel waren schon lange tot. Keiner dort kannte sie mehr persönlich, doch ihre Schriften, die sie hinterlassen hatten, wurden eifrig gelesen. Die Evangelien von Markus und Matthäus, Lukas und Johannes; und vor allem die Briefe von Paulus. Ihr denkt, das tut ihr auch! Ihr geht sonntags in die Kirche und hört dort das Wort Gottes? Das war damals in Rom irrsinnig gefährlich. Viele Römer bekannten sich heimlich zum Christentum. Doch sie kannten sich gegenseitig und besaßen aufgrund der Gefahren besondere Geheimzeichen. Ein Fisch im Mauerwerk eingeritzt zeigte an: Hier wohnt ein Christ, diesen Menschen kannst du vertrauen. War es ein Zufall oder war es gottgegeben? Unsere Zeitreisenden standen direkt vor einem christlichen Haus. Die Zeitmaschine konnte inzwischen erspüren, worauf es die Kinder abgesehen hatten bei ihren Reisen. Gerade zum Zeitpunkt ihrer Ankunft fing dort eine christliche Versammlung an.

Im Haus saß eine Familie erwartungsvoll und wartete. Die versammelten Christen schauten sich fragend an. „Hoffentlich kommen alle heil an,“ dachten sie bei sich. Der Ehemann teilte die Sorgen seiner Frau. „Ja, wir wollen zuversichtlich sein.“ Der erwachsene Sohn erinnerte sich. „Ich habe Angst. Auf der Straße patrouillieren römische Soldaten. Die Nachbarin meinte, sie sind verstärkt auf Streife unterwegs wegen der Christen. Diese sollen erneut einen Palast angezündet haben. Sein Vater kannte diese Gerüchte und ärgerte sich stets, wenn er etwas davon hörte. „Als ob wir Häuser anzünden. Das sind Märchen und Lügen. Warum ist der Kaiser so misstrauisch uns gegenüber. Wir sind doch harmlos.“ Die Mutter war skeptisch: „Ich weiß nicht, ob wir so harmlos sind. Die Kraft von Gott ist stärker als der Kaiser. Das Wort Gottes wird alles verändern, auch hier bei uns in Rom.“ Da hörte der Sohn draußen Schritte. „Ich glaube, ich habe etwas gehört. Schnell löschen wir das Licht aus.“

Eine Patrouille römischer Soldaten ging durch die Straßen und klopfte an die Haustüren. Bis in ihren Wohnraum hinein konnten sie die Stimmen der Soldaten hören. „Im Namen des Kaisers öffnet die Tür! Wohnen bei euch diese schrecklichen Christen?“

Schon hörten sie das Pochen am eigenen Tor. „Im Namen des Kaisers! Im Haus blieb alles still. Sie taten so, als sei keiner da. Noch einmal rief der Soldat: „Im Namen des Kaisers, öffnet die Tür!“ Doch der andere Soldat schien genug zu haben von den Befragungen. „Hier ist niemand, kein Licht zu sehen. Für heute machen wir Schluss.“ Die Schritte der der beiden Männer entfernten sich und der Familie in ihrer Angst fiel ein dicker Stein vom Herzen. Zugleich hofften sie, dass die Gäste, die sie erwarteten, unbehelligt ihr Haus erreichen konnten.

Kurze Zeit später traf der erste Gast ein und brachte ein Brot mit. Alle umarmten sich und begrüßten sich mit: „Willkommen Bruder, willkommen Schwester“. „Es freut mich, dass du an das Brot gedacht hast, damit wir Abendmahl feiern können. Sind dir die Soldaten begegnet?“ - „Nein, Gott sei Dank nicht.“ Auch der nächste Gast, der mit einem Krug Wein kam, konnte von den Schergen des Kaisers unbemerkt ins Haus gelangen, weil der Weinhändler einen verborgenen Hinterausgang besaß. Die ungefähr zwanzig Personen begannen mit ihrer Feier. Da klopfte es erneut unerwartet. Die Menschen in dem Wohnraum schauten sich gegenseitig an. Es fehlte doch niemand. Wer konnte das wohl sein? Waren es die Soldaten, die es sich noch einmal neu überlegt hatten? Vorsichtig öffnete der Hausherr die Tür. Vor ihm stand ein Ehepaar. Die Angst war in ihrem Gesicht eingebrannt. „Lasst uns schnell herein. Wir sind eure Brüder. Wir sind auch Christen, wir sind den Soldaten um Haaresbreite entwischt. Wir haben das Geheimzeichen, den Fisch an euerer Tür gesehen. Helft uns! Dürfen wir eintreten?“ Doch der Hausherr war auf der Hut. „Man muss in diesen Tagen vorsichtig sein. Wir kennen euch nicht. Vielleicht seid ihr nur Spione des Kaisers. Sucht lieber woanders.“ Schon wollte er die Türe zuschließen, da traten unsere Zeitreisenden hinzu. Von der Straßenecke aus konnten sie alles hören und sehen. Eines der Kinder rief: „Halt Stopp! Mach die Tür nicht zu! Wir sind Christen wie ihr! Wir kommen aus der Zukunft. Aber wir brauchen euch. Wir wollen das Wort Gottes suchen und kennen lernen.“ Und ein anderes Kind ergänzte: „Ja, wenn ihr die Tür voreinander verschließt, gebt ihr dem Wort Gottes keine Chance. Es könnte verschwinden. Nur, wenn ihr euch gegenseitig vertraut, bleibt das es bei euch. Ihr dürft uns glauben.“

Da machte der Herr des Hauses ein nachdenkliches Gesicht. „Ich vermute, ihr habt Recht. Dennoch ist die Angst einfach zu mächtig. Kommt schnell herein. Danke, für eure mutigen Worte.“ Doch die Kinder entgegneten: „Wir danken für die Einladung; aber wir haben einen weiten Weg vor uns. Leider müssen wir schon wieder aufbrechen.“ Sie bekamen zum Abschied ein Stück von dem herrlich duftenden Brot und machten sich erneut auf den Weg. Dabei unterhielten sie sich über das Geschehene. „Schade, ich wäre gerne einige Zeit dageblieben.“ - „Ja, was die jetzt wohl so miteinander tun?“ – „Machen die es genauso wie wir in der Kirche?“ – „Die haben ja gar keinen Pastor!“

Also erklärte die Erstkommunionmutter: „Das war damals noch nicht so wichtig. Sie haben einfach das Wort Gottes gehört, Brot geteilt und an Jesus gedacht. Aber wir müssen jetzt weiterreisen und mir kommt da eine wunderbare Idee. Wir gehen zu den alten Sachsen. Das sind unsere Vorfahren. Wir könnten schauen, wie das Wort Gottes vor langer Zeit zu uns nach Deutschland kam.“

Alle Kinder fanden den Vorschlag prima und waren wiederum gespannt auf den nächsten Abschnitt ihrer Zeitreise. Schnell vollzogen sie das Reiseritual.

‚Zeit verschwinde, Zeit verschwinde,

dass ich das Vergangene finde!

Dort wo unser Zeiger hält,

betreten wir die neue Welt.’

Freitag, erste Woche

Ich klopfe an mein Herz und frage:

Ist jemand zu Hause?

Da ruft es von innen:

Es ist gut, dass du kommst.

Dein Herz hat tausend Fenster

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