Читать книгу Giri - Michael T. Köhler - Страница 10

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Langsam passierten sie mit dem Wagen das Haus der beiden Kunststudenten, die den kleinen Jonathan mit sich genommen hatten. Dann bog Mick nach rechts in die Seitenstraße ab. Auf Höhe des Kindergartens hielten sie.

„Nicht schlecht“, äußerte Miko, als sie auf der Wand neben dem Eingang zum Kindergarten ein Bild mit einer lustig dargestellten Tiergruppe entdeckte.

„Und da, schau Dir das an. Die haben die Highlands neben die Tür gezaubert.“

Mick wies zur anderen Seite, wo sich das Altersheim befand.

„Die zwei haben ja richtig Talent. Was meinst Du, kann ich die anheuern, die Wände in meinem Dojo zu gestalten?“

Nachdenklich schob Mick die Unterlippe vor.

„Warum nicht. Aber wir werden sie anständig bezahlen.“

„Das ist nur fair. Ihre Schuld haben sie beglichen. Ich wette, innen haben sie auch einiges verziert. Die Farbe war bestimmt teuer. Wir sollten ihnen das auf jeden Fall ausgleichen. Ich meine, sie haben wirklich Wort gehalten.“

Mick war durchaus etwas überrascht über die Anerkennung, die Miko äußerte. Schließlich war sie mit den beiden zuvor nicht gerade zimperlich umgegangen.

„Ich werte das als nachträgliches Gutheißen meiner Idee, die beiden nicht der Polizei preiszugeben.“

„Ich war zwar etwas skeptisch, aber Du hast sie richtig eingeschätzt. Du darfst stolz sein, Tintenklecks.“

Er startete den Wagen und fuhr zurück, bis vor das Haus der beiden.

„Ich werde mich zurückhalten. Es ist Dein Dojo. Aber mach ihnen nicht zu viel Angst.“

„Ich?“, sie tat empört.

„Du hast eine gewisse Tendenz, bei der ersten Begegnung auf Leute, sagen wir, einschüchternd zu wirken.“

„Das ist die zweite Begegnung, oder?“, mit diesem spitzfindigen Hinweis sprang sie aus dem Wagen und Mick folgte ihr.

Auf ihr Klingeln wurde schnell geöffnet. Als der junge Mann Miko erblickte, schrie er auf und wich sofort zurück.

„Wir haben ganz viele Gemälde…“, er stolperte und stürzte rücklinks in den Flur.

„Davon haben wir uns schon überzeugt, Pinselchen“, entgegnete Miko und beugte sich über ihn.

„Was wollt Ihr dann noch. Oh bitte nicht wehtun!“, winselte der Mann am Boden.

In der Küchentür erschien sein Mitbewohner und wurde sofort leichenblaß.

Miko hielt dem unter ihr liegenden Mann die Hand entgegen.

„Jetzt steh auf, ich will mit Euch reden.“

„Oh nein, bitte nicht“, er umklammerte schützend seinen Brustkorb.

„Sie sagte reden, nicht ausfragen“, kommentierte Mick nun.

„Du tust mir nicht weh?“

„Nur wenn Du es ausdrücklich wünschst.“

„Oh sicher nicht.“

Zögernd richtete sich der Mann auf und wich vor ihr zurück in die Küche.

Deutlich Abstand haltend sahen beide verängstigt zu Miko.

Diese setzte sich an den Küchentisch, zog einen zweiten Stuhl heran und stellte ihren Fuß darauf ab.

„Mir gefällt, was Ihr da gemalt habt.“

Die Männer waren erkennbar verunsichert und wagten es nicht zu antworten.

„Ich meinte das ernst.“

Sie starrten sie weiter voller Angst an.

„Wißt Ihr, was ein Dojo ist?“

Sie schüttelten synchron die Köpfe. Es wirkte wie in einem alten Stummfilm, dachte Mick.

„Es ist ein Übungsraum für japanischen Kampfsport. So ein Dojo wird gerade für mich gebaut. Und er hat ringsum viel Holzverkleidung, aber auch kahle Wandabschnitte. Ich fände es sehr attraktiv, wenn jemand darauf Szenen mit japanischen Landschaften gestalten könnte.“

Nach ihrer Erklärung sah sie die beiden prüfend an.

Sie blickten sie nur versteinert an.

Miko atmete tief aus.

„Würdet Ihr Euch das zutrauen?“

Sie stammelten nur Wortfetzen.

Miko schüttelte den Kopf und sah sich im Raum um.

„Ist bestimmt nicht billig, die Hütte hier, oder?“

„Nein.“

Zu mehr waren die beiden noch nicht fähig.

„Ich würde mein Geld lieber Euch geben, als einem Künstler, von dem ich nicht weiß, wie gut er ist.“

„Geld?“

„Sie meint, daß wir Euch natürlich dafür bezahlen werden. Das Thema Entführung ist abgeschlossen und vergessen. Wir sind nicht hier, um Euch zu erpressen, sondern um Euch einen Job anzubieten.“

„Einen Job? Sie wollen uns dafür bezahlen, daß wir die Wände gestalten?“

„So ist es“, bestätigte Mick, „und das Material geht natürlich auch auf unsere Kosten.“

Die beiden Männer blickten sich an.

Miko sprang auf.

„Also hört zu. Denkt darüber nach. Aber mal so eben ein paar Monatsmieten zu verdienen, würde ich mir nicht entgehen lassen.“

Langsam ging sie zu Mick. Und dieser konnte ihr ansehen, daß sie in Gedanken rückwärts zählte.

„Halt warte!“, rief der eine der beiden.

Sie lächelte und drehte sich herum.

„Sagtest Du, mehrere Mieten?“

„So ist es.“

„Also, wir müßten uns ein wenig vorbereiten, aber japanische Motive sollten kein Problem sein.“

„Na fein. Das Dojo wird gerade aufgebaut. Ihr habt also genügend Zeit.“

Nachdem Mick sich noch ihre Telefonnummer notierte, verließen sie das Haus.

Auf der Rückfahrt kommentierte Miko ihren Besuch: „Das sind vielleicht zwei Schisser.“

„Nun, hast Du schon einmal etwas von der Wirkung des ersten Eindrucks gehört?“

„Ja und?“

„Den ersten Eindruck, den sie von Dir erhalten haben, würde ich mit dem Wort Furie beschreiben.“

Er grinste sie an.

„Schließ diese Nacht besser Deine Tür ab, Tintenklecks.“

„Ich denke, ich werde den Kleiderschrank auch noch davorschieben, kleine Furie.“

Sie funkelte ihn mit gespieltem Zorn an.

Giri

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