Читать книгу Giri - Michael T. Köhler - Страница 9

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Er wurde von lautem Hämmern und dem Geräusch einer elektrischen Kreissäge geweckt.

„Verdammt, was ist das?“, schimpfte er, während er sich im Bett aufrichtete.

Als sein Blick langsam schärfer wurde, erkannte er Miko, die in der offenen Tür lehnte.

Sie sagte nichts, grinste ihn nur an.

„Wie lange stehst Du da schon?“

„Nur ein paar Minuten, seit die Handwerker die Kreissäge angeworfen haben. Ich wollte mir Dein Gesicht nicht entgehen lassen.“

Sie duckte sich, als ihr sein Kissen entgegenflog.

"Jetzt hör auf rumzuspielen und steh auf! Ich habe das Frühstück fertig."

Mit einer eleganten Fußbewegung angelte sie das Kissen aus dem Gang und beförderte es zurück ins Bett.

Mick hatte diese Aktion nicht kommen sehen und so war es ein Volltreffer.

Er schnaufte und sah ihr hinterher, als sie im Gang verschwand.

Während er sich am Frühstückstisch Tee eingoß, blinzelte er zu Miko hinüber.

"Ist Dir eigentlich klar, welches Opfer ich für Deinen friedlichen Schlaf diese Nacht erbracht habe?"

Sie sah ihn einen Augenblick groß an, dann antwortete sie: "Du mußtest das zweite Kissen hergeben?"

"Nein. Aber ich habe den dringenden Verdacht, daß ich Dir Rotznase den Unterschied zwischen Kissen und meinem Arm noch einmal detailliert erläutern muß."

"Deinem Arm?"

Er schwenkte seinen Arm durch die Luft.

"Das Ding hier. Nennt sich allgemein Arm und ist definitiv nicht dafür geschaffen, daß sich kleine Rotznasen nachts daran festklammern und ihn als Kopfkissen nutzen."

"Das habe ich getan?", fragte sie ungläubig.

"Oh ja."

"Ich habe gar nicht bemerkt, wie Du ihn wieder weggezogen hast."

"Das liegt vielleicht daran, daß ich es nicht getan habe und eine Stunde reglos im Bett saß, mit eingeschlafenem Arm, damit die Dame friedlich ruhen kann."

Mick sah sie äußerst vorwurfsvoll an.

"Oh."

"Mehr fällt Dir zu meiner Aufopferung nicht ein?"

"Okay, Du bist ein richtiger Gentleman, Tintenklecks. Und Du bekommst heute Abend das größere Stück Schokolade."

Ein skeptischer Blick traf sie.

"Ich fühle mich irgendwie nicht ernst genommen.“

„Das sollte ja nun kein neues Gefühl für Dich sein“, kommentierte sie lapidar.

„Rotznase“, erwiderte er betont, „ich mach Dir gleich einen Knoten ins Ohr!“

Sie kicherte.

„Komm doch!“

Er täuschte einen Angriff vor. Allein, Miko war schneller. Ihre Hand schnellte vor, griff Micks Nase zwischen Zeige- und Mittelfinger und zog ihn zu sich heran.

„Leg Dich nicht mit einer Ninjagöre an, Tintenklecks!“, sie grinste ihn an und gab seine Nase wieder frei.

Mißmutig über seine kleine Niederlage rieb sich Mick die Nase.

In diesem Moment erinnerte er sich an etwas und ein verschmitztes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Rache ist süß.

„Ach, Deine Schuluniform ist gekommen“, er wies auf einen Karton auf dem Küchenschrank und genoß ihren verdrießlichen Gesichtsausdruck.

Ja, Rache war süß.

„Habe ich schon gesehen.“

„Ausgezeichnet. Dann wirst Du sie am besten gleich nach dem Frühstück anprobieren, damit wir sicher sind, daß sie auch paßt.“

„Das ist ein ganz gemeiner Schachzug von Dir, Tintenklecks.“

„Ja und bei Nichtausführung werde ich Dich gnadenlos mattsetzen“, ein Grinsen auf seinem Gesicht.

Sie zog eine Grimasse und stand auf. Dann räumte sie ihr Geschirr in die Spülmaschine und verschwand mit dem Karton unter dem Arm in ihr Zimmer. Nicht jedoch ohne Mick im Vorbeigehen noch einen Hieb in die Seite zu verpassen.

Zehn Minuten später stand sie mit grimmiger Miene in der Schuluniform vor ihm.

Er betrachtete sie eingehend.

Schwarze Hose, schwarzes Jackett mit dem Schullogo auf der Brusttasche, darunter eine weiße Bluse und ein blauer Schlips.

Bedächtig nickte Mick.

„Sehr schick.“

„Sehr furchtbar.“

Sein Blick wanderte zu den violetten Hausschuhen.

„Daran müssen wir aber noch arbeiten“, er wies mit dem Kopf nach unten.

„Da hast Du vollkommen recht, Tintenklecks. Ich werde noch rosa Bommeln drannähen.“

Sie zeigte ihm einen Schmollmund und drehte sich zum Gehen, hielt jedoch inne.

„Solltest Du heute noch mit Deinem Frühstück fertig werden, schlage ich vor, wir statten unseren beiden Kunststudenten einen Besuch ab.“

„In der Tat eine gute Idee.“

Giri

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