Читать книгу Flow-Jäger - Michele Ufer - Страница 17

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Vor ein paar Jahren habe ich einen Zeitungsartikel über dieses Rennen gelesen und war fasziniert. 250 km in der Wüste laufen? Das war für mich unvorstellbar. Was müssen das für Supermänner sein, ging mir durch den Kopf. Hinzu kommt, dass ich die Atacama von einigen Abenteuerreisen kenne, die ich während meines Studiums organisiert habe. Diese Wüste ist für mich eine der schönsten Gegenden überhaupt. Dann ist das alles aber in Vergessenheit geraten, war zu weit für mich weg, insbesondere diese Lauferei. Ein paar Jahre später poppte es aber wieder auf und nahm Formen an.

Ich wollte in einem Selbsttest erleben und auch aufzeigen, zu welchen Leistungen oder Leistungssteigerungen der Mensch mit dem Einsatz von mentalem Training und Sporthypnose in der Lage ist. Ich wollte am eigenen Leib erfahren, ob das, was ich anderen beibringe, auch tatsächlich funktioniert, auch an mir selbst funktioniert. Das gezielte Versetzen in einen Trance- bzw. Flow-Zustand war dabei eine tragende Säule.

Letztlich fiel der Termin auch noch perfekt, denn das Ende des Laufes fällt quasi mit meinem Geburtstag zusammen – und das wäre doch ein tolles Geschenk!

Mein Flow-Labor:

das Atacama Crossing

Wer jetzt an die Rallye Dakar denkt, liegt schon ganz richtig, nur, dass wir nicht im Auto sitzen und umherfahren, sondern selbst durch die Wüste laufen müssen. Das 250 km lange Rennen findet über sechs Tagesetappen in Höhen von 2.500–3.500 m statt. Es geht auf und ab in bisweilen schwierigstem Terrain. Die Temperaturen variieren zwischen 40°C tagsüber und bis zu –10°C in der Nacht. Die komplette persönliche Ausrüstung, wie z.B. Isomatte, Schlafsack, Wechselbekleidung, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Stirnlampen etc., aber auch die Verpflegung für die gesamte Renndauer müssen während des Laufens im Rucksack transportiert werden. Rund 2.000 kcal pro Tag müssen reichen. Das ist die Mindestmenge, die jeder Läufer dabei haben muss. Wer größeren Hunger hat, muss mehr schleppen, aber verbraucht dadurch auch mehr Energie. Alles ist hier Kompromiss: Gewicht vs. Komfort. Die Etappen erstrecken sich über Distanzen von bis zu 75 km pro Tag. Abends, zum Ende der jeweiligen Etappe, locken Gruppenzelte für zwölf Personen, 4,5 l Frischwasser, ein Lagerfeuer und drei Dixi-Klos. Die Teilnehmerzahl ist überschaubar, die Nationalitäten, aus denen die Läufer und Helfer stammen weniger. Ein sympathisches Sprachengewirr ist allgegenwärtig. Von den etwa 110 Startern aus über 40 Ländern rund um den Globus sollten nur gut 80 ins Ziel kommen.

Der trockenste Ort der Welt

Der Ort meines Selbsttests ist extrem. In der Atacama-Wüste fällt 50-mal weniger Regen als im berühmten Tal des Todes, dem Death Valley in den USA. Es gibt sogar Orte, an denen es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen kein einziges Mal geregnet hat. Kaum verwunderlich, dass hier amerikanische und europäische Forscher den Griff nach den Sternen wagen. Für den Betrieb der Riesenteleskope sind die Bedingungen aufgrund der extrem trockenen Luft und geringen Luftströmung nahezu ideal. Gleichwohl ist diese Hochgebirgswüste unglaublich vielfältig: Riesige Sanddünen wechseln mit zerklüfteten und in unzähligen Farbtönen schimmernde Mondlandschaften, blendend weißen Salzseen, endlosen Weiten, in tiefen Schluchten versteckte immergrüne Oasendörfern, die vom Schmelzwasser der Anden gespeist werden. Es gibt eine überraschend vielfältige Tierund Pflanzenwelt. Und über all dem ragen bis zu 7.000 m hohe Vulkane in den Himmel. Ganz egal, wann man sich wo befindet, die Ausblicke sind immer spektakulär.

Ein Hauch des Zweifels

Wenige Stunden vor dem ersten Athleten-Briefing sitze ich nachts im Oasendorf San Pedro am Pool unseres Eventhotels und frage mich, ob die kurze Vorbereitung von 3,5 Monaten nicht doch etwas zu ehrgeizig war, wo sich doch andere Läufer ein bis zwei Jahre akribisch vorbereitet haben oder über langjährige Erfahrung verfügen. Inmitten erfahrener Ultramarathon-Läufer, Triathleten und sonstiger Spitzensportler überkommt mich eine gewisse Skepsis, ob ich nicht doch vielleicht einen Tick zu blauäugig, zu entspannt in dieses Projekt eingestiegen bin. Manch erfahrener Wüstenläufer empfiehlt, dass man rund 150 km pro Woche trainieren sollte, um gut vorbereitet zu sein. Aber was bedeutet schon »gut«? Bei mir ging es nie über 50 km pro Woche hinaus. Ich wollte mich in der Kürze der Zeit so gut wie möglich fit machen, aber es nicht übertreiben, wollte nicht, dass mir schon am Start die Puste ausgeht.

Manche Läufer schlafen zur Vorbereitung daheim in Rennkluft auf ihren Isomatten. Nicht mein Ding. Manche machen eine ganze Wissenschaft daraus, was sie wann wie essen und testen das alles natürlich auch ausgiebig in der Vorbereitung. Man will ja nichts dem Zufall überlassen. Ich hingegen bin bei meinen wenigen längeren Läufen, die nie mehr als 29 km lang waren, meistens mit Butterbroten, zwei Äpfeln und Bananen unterwegs gewesen. Einen Tipp aber habe ich beherzigt und auf dem Weg zum Flughafen noch ein paar Laufschuhe eingekauft. Das gleiche Modell wie mein Trainingsschuh, aber zwei Nummern größer. Das wird dringend empfohlen, weil die Füße bei der Wüstenhitze und Belastung ziemlich stark anschwellen können. Schien mir logisch, da nochmal nachzulegen. Nun sitze ich in der Atacama-Wüste, genieße die Ruhe, mein kaltes Bier und denke schließlich: »Wird schon alles gut. Du bist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Genieße den Trip.«

Irgendwo am Rio Grande

Am nächsten Morgen werden im Rahmen des Athleten-Check-ins alle Teilnehmer registriert und deren Ausrüstung kontrolliert. Zwei bis drei Stunden später sitzen wir in mehreren Bussen auf dem Weg zum ersten Camp. Schon komisch, da sind wir nun irgendwo in der trockensten Wüste der Welt zu unserem morgigen Startplatz auf über 3.000 m Höhe gebracht worden und der Ort liegt … am Fluss, am »Rio Grande«. Zugegeben, es ist ein eher kleines Rinnsal, das allerdings je nach Wetterlage in den Bolivianischen Anden auch richtig wuchtig werden kann. Die Landschaft ist spektakulär. Bizarre Lehm- und Gesteinsformationen leuchten in rot, weiß und grün wie Speerspitzen in den Himmel, konkurrieren mit grau-schwarzen Sandhängen und dem Himmelsblau. Dazwischen eine quirlige Menge von Läufern und 30 Helfern aus aller Herren Länder. Sie rascheln mit ihren Tütensuppen, Energieriegeln und gefriergetrockneten Outdoor-Mahlzeiten herum, feiern Wiedersehen, tauschen sich aus über bisherige Rennerlebnisse. Hier und da ein dezenter Blick auf die Sponsorenlogos und das Equipment der Mitläufer.

Die Stimmung ist ausgelassen, ausgesprochen fröhlich. Überall wird gelacht. Bisher ist von Ziel-Verbissenheit und Konkurrenz keine Spur (aber das wird noch kommen). Alle freuen sich auf den morgigen Start. Relativ zügig ziehen sich die Teilnehmer jedoch in ihre Gruppenzelte und Schlafsäcke zurück, denn es wird sehr schnell kalt. Die Nacht ist kurz, von Schlaf wegen der Kälte und Schnarcher kaum eine Spur.

Es wird ernst:

Race Day

Diverse Wecker klingeln. Ich brauche keinen Wecker, denn ab 6 Uhr in der Früh beginnt in den Zelten das große Geraschel. Kleidung und sonstiges Equipment wird in Millimeterarbeit zurück in den Rucksack gepackt, die Essensrationen für den Tag werden vorbereitet und in kleinere Tüten umgepackt. Ein Prozedere, dass sich in der folgenden Woche täglich wiederholen wird. Zur Routine gesellt sich die reizvolle Vorstellung, dass der knapp 10 kg schwere Rucksack von Tag zu Tag immer leichter wird. Gar nicht schlecht, denn die Etappe 5 hat es in sich: Nach einem Auftakt von etwa 35 km in 3.500 m Höhe folgen drei über 40 km lange Läufe und dann der »lange« Lauf von etwa 73,6 km durch schwieriges Terrain, bevor es in der 6. Etappe nach 16 km durch den Zieleinlauf in San Pedro geht.

Ein halbe Stunde vor dem Start werden wir mit Live-Musik einer Indioband aufgewärmt. Die Stimmung und Vorfreude ist riesig. Ich kann es kaum erwarten. Mein »Selbsttest der extremen Art« sollte endlich beginnen. Allein jetzt hier zu stehen ist schon Belohnung für mich.

Und GO!

Auf Umwegen ins Ziel

Der erste Tag lief sehr erfolgreich für mich. Ich kam ins Ziel und habe dabei gleich einen persönlichen Rekord aufgestellt, denn ich war zuvor noch nie in meinem Leben mehr als 29 Kilometer gelaufen. Und das auch noch mit Gepäck in der Wüste, bei einem echten Rennen. Darauf bin ich stolz. Auch darüber, dass ich völlig unerwartet auf dem 37. Platz gelandet bin. Schließlich war meine Zielsetzung als absoluter Neuling völlig klar: einfach nur ankommen. Auf den letzten Kilometern habe ich auch gleich Lehrgeld bezahlt, indem ich einem Vordermann hinterhergelaufen bin, ohne selbst genau auf die Wegmarkierungen zu achten. Der permanente Routencheck während des Laufens strengt doch ganz schön an, und warum nicht etwas Energie sparen? Es sollte sich rächen. Der Vordermann wurde plötzlich immer langsamer und langsamer, bis er sich irgendwann umdrehte und fragend die Hände hob. Ich ahnte es bereits. Er wusste nicht mehr, wo er eigentlich hinlief. Wir mussten zurück zur letzten Markierung und haben viel Zeit verloren, aber ich war um eine wichtige Erfahrung reicher. Das würde mir nie wieder passieren.

Wo geht’s zum Start?

Am zweiten Tag hätte mein Einstieg ins Rennen blöder kaum sein können. Während das Teilnehmerfeld pünktlich um 8 Uhr ins Rennen startet, bastele ich noch im Zelt an einer kaputten Gamasche herum, improvisiere mit Panik in den Augen, weil alle Läufer bereits am Horizont verschwunden sind. Ein paar Minuten später laufe auch ich los und denke mir: »Scheißegal, die Letzten werden die Ersten sein.« Naja, so ernst gemeint war das natürlich nicht, aber etwas Humor hilft ja in vielen Lebenslagen.

Der Lauf startet landschaftlich extrem reizvoll. Es geht in einen Canyon hinein. Mehrere Male muss ein Fluss überquert werden, etwas Kletterei ist auch dabei, und eine längere Passage im Fluss selbst. Klirrend kaltes Wasser umspült die Füße. Die Schuhe sind vollgesogen mit Schmelzwasser und dadurch deutlich schwerer. Danach atemberaubende Panoramen auf schneebedeckte Andenvulkane, viel Sand, Gesteinspisten, oh Wunder, eine riesige Sanddüne und Salzseen. Absolute Superlative. Wohl dem, der das auch genießen kann. Ich kann, denn mein Ziel ist nicht nur zu finishen, sondern jeden einzelnen Schritt zu genießen und in die Landschaft einzutauchen.

Es läuft nach anfänglichen Schwierigkeiten überraschend gut. Hier oder da überhole ich Läufer, es gibt immer eine Runde Smalltalk oder zumindest ein unterstützendes und wertschätzendes »Good job!«. Es läuft und läuft und läuft. Am letzten Checkpoint frage ich einfach mal nach, wie viele Läufer schon vorbeigekommen sind. Ich sei der 17., wird mir gesagt, während ich meine Wasserflaschen auffülle. »Was?« Ich gehe davon aus, dass ich etwas falsch verstanden habe oder die Helfer sich vertan haben und frage vorsichtshalber noch zweimal nach. »Ja, Michele, der 17.« Plötzlich überkommt mich so ein Hochgefühl und Stolz. Der reine Wahnsinn! Ich trabe wieder an, merke, dass ich sogar noch etwas schneller laufen kann, bin voller Energie, voll im Flow. Und plötzlich bin ich da. Das zweite Camp ist erreicht: 42,8 km. Mein nächster persönlicher Rekord. Denn so weit bin ich bisher noch nie in meinem Leben gelaufen. Und das Beste kommt zum Schluss: Ich habe vom letzten Checkpoint bis zur Ziellinie noch ein paar Leute getroffen – und überholt. Angekommen bin ich schließlich als Zehnter. Für mich ein unbeschreiblicher Wahnsinnserfolg.

Der Wüstenwahnsinn geht weiter

Mein Hauptziel für den dritten Tag war natürlich wieder nur eines: ankommen. Aber ich habe mir noch ein weiteres Ziel formuliert: Nachdem ich am Tag zuvor den Start verpasst habe, wollte ich diesmal zumindest wieder pünktlich mit dem Feld starten. Und ich wollte den Lauf richtig genießen und dabei locker, frisch und leicht laufen. Um es kurz zu machen: Ich habe meine Ziele erreicht. Und wie! Es wird immer seltsamer, ich komme in Erklärungsnöte. Keiner der Läufer und Helfer kann sich vorstellen, dass ich keinerlei Vorerfahrung mitbringe. Ich beende diese Etappe auf dem 4. Platz. Den Nachmittag verbringe ich wie immer damit, mich zu dehnen, zu dehnen und nochmals zu dehnen. Und ich grinse in mich hinein. Spätestens jetzt spüre ich die Gewissheit, dass der intelligente Einsatz von Mentaltraining und Sporthypnose während der Vorbereitung – aber auch meine Übungen während des Laufens – voll aufgehen.

Auf den letzten einsamen Kilometern zum Ziel habe ich mir heute unter anderem vorgestellt, wie Carlos Santana mitsamt seiner Band auf einem Karnevalswagen neben mir her fährt, live mein Motivationssong-Nummer-Eins für dieses Race – Try a little harder – spielt und einige seiner Kollegen direkt vor mir frischen saftigen Rollrasen für mich auslegen. Man könnte natürlich geneigt sein anzunehmen, dass das wirre Gedanken eines verstrahlten, dehydrierten und in den Weiten der Wüste verlorengegangenen Extremsportlers sind? Nein! Auch wenn es jetzt für Außenstehende schwer nachvollziehbar ist. Es handelt sich hier um das systematische Abrufen von zuvor programmierten leistungsförderlichen Ressourcen. Ergebnis bei der heutigen Etappe: Platz 5. Und noch viel wichtiger: bisher nicht eine einzige Blase an den Füßen, wo andere Läufer bereits völlig zerschundene Füße haben, Tabletten schlucken, Blasen stechen und nähen. Ich weiß nicht, was ich denken soll über den bisherigen Verlauf. Vielleicht braucht es das gerade auch gar nicht, meine Gefühle sind so intensiv. Das Leben ist schön, und mein Mut wurde bisher belohnt.

Wolke sieben

Der nächste Tag wird für mich knallhart. Sanddünen, Salzseen, messerscharfe Lehm- und Salzkrusten, die sich im Nu durch die Schuhe (und Füße) bohren können, und das auch leider bei einigen getan haben. Jeder Schritt muss mit Bedacht gewählt werden. Mir wird bewusst, dass das hier mehr ist als ein Ultralauf, es ist ein echtes Abenteuer und zählt nicht umsonst zu den herausragenden Events weltweit. Ich komme überglücklich als Sechster ins Ziel, fliege auf Wolke sieben, kann einfach selbst kaum fassen, was ich leiste. Und zum Abschluss dieser 4. Etappe belohne ich mich mal wieder mit einer leckeren Instant-Suppe sowie einer wenig spektakulären Tüte gefriergetrockneter Trekkingnahrung.

Morgen wird es allerdings kritisch. 74 km durch die Wüste in extrem schwierigem Gelände. Das ist für jemanden, der zuvor nie mehr als 29 km gelaufen ist, schon eine Hausnummer. Mein Ziel lautet weiterhin: gesund ankommen.

Die lange Etappe

Zunächst die schlechte Nachricht. Ich sollte es wieder nicht schaffen, rechtzeitig an der Startlinie zu stehen. Shit happens? Wieder was kaputt gegangen? Nein, es hat zwar was mit »Shit« zu tun, war aber kein Schicksal, sondern eine strategische Entscheidung. Wie du dir vorstellen kannst, ist der morgendliche Ansturm auf die drei Dixi-Klos riesig. Auch ich wollte vor einem so langen Lauftag nicht auf diese Möglichkeit verzichten. Nur leider waren die hübschen Plastikkabuffs immer besetzt, wenn ich dort vorbeigeschaut habe. Je näher der Start kam, desto unruhiger wurde ich. Aber dann hat es »Klick« gemacht in meinem Köpfchen. Wann gibt es keine Schlangen mehr vor den Klos? Richtig: unmittelbar vor oder direkt beim Start. Wäre es denn sehr schlimm, wenn ich ein paar Sekunden später starte? Nein, die Erfahrung hatte ich ja kürzlich erst gemacht. Also sitze ich auf dem Klo, während die anderen schon fleißig loslaufen. Aber dann …

Ich schultere meinen Rucksack, trabe unter Gelächter der Organisatoren an und genieße die Ausblicke auf den schneebedeckten Vulkan Licancabur, der sich 6.000 m in den Himmel schraubt. Der Anblick erinnert mich daran, wie ich diesen Vulkan einige Jahre zuvor einmal bestiegen hatte. Damals war das ein Geburtstagsgeschenk an mich selbst und ein unvergessliches Erlebnis. Heute ist die Erinnerung an dieses Gipfelglück eine Kraftquelle für mich. Eine Möglichkeit, Energien und ein Gefühl der Stärke zu aktivieren, wann immer ich an den Vulkan denke oder ihn einfach nur sehe. Meine Taktik für heute ist übrigens folgende: relativ flott unterwegs sein. Nein, ich schiele nicht auf Platzierungen. Der Grund ist ein anderer. Die Etappe erstreckt sich über zwei Tage. Wer es schafft, am ersten Tag das Ziel zu erreichen, muss nicht viele Stunden durch die Dunkelheit, kann früh schlafen und am Folgetag eine Pause einlegen. Ein reizvoller Gedanke, der mich antreibt.

Nach etwa 35 km sage ich mir: »Prima, jetzt stell den Tacho wieder auf Null und tu’ so, als ob die Etappe genau jetzt beginnt. Ein paar Marathons hast du hier ja schon gemacht, das kannst du ja.« Die Rechnung geht auf, ich komme überglücklich als Sechster ins Ziel. Es wird mittlerweile fast unheimlich und übertrifft meine kühnsten Träume. Wahnsinn, was der Mensch zu leisten in der Lage ist, wenn er an den richtigen Stellschrauben dreht. Aber mir tut nun doch auch alles höllisch weh. Wie ich schlafen oder zum Dixiklo kommen soll, weiß ich noch nicht. Ich bin da aber nicht allein. Man sieht viele humpelnde Gestalten, kaputte Füße, sonnenverbrannte Haut, dicke Knie und Sprunggelenke. Für die Füße ist so eine Distanz sowieso schon eine Extrembelastung, dann noch die Temperaturen und permanent der Sand und die Steinchen in den Schuhen … Ich habe weiterhin nicht eine Blase an den Füßen. Gut, dass ich im Rahmen meines Mentaltrainings die Aufmerksamkeit auch auf meine Füße gerichtet habe. Jetzt kann ich sagen: Mein Fuß-Protektions-Mentaltraining hat funktioniert.

Flow-Jäger

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