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4. Reisevorbereitungen

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»Ich komme natürlich mit!«, rief Harika in einem Tonfall, der keinerlei Widerspruch duldete. Wulfhelm hatte nichts anderes erwartet. Schließlich waren sie nicht nur ein Paar, sondern auch Kampfgefährten. Die Kriegerin hatte Wulfs Nachforschungen nicht ungenutzt verstreichen lassen und bereits die Ausrüstung zusammengepackt.

»Alandra und Darius werden wohl nicht mitkommen können, mit Lianna und ihrem Museum an den Hacken. Aber ich werde ihnen vor unserer Abreise einen weiteren Besuch abstatten. Dieser Zwerg will uns jedoch begleiten.«

»Na wunderbar«, knurrte Harika mit loderndem Blick, »Dann habe ich wenigstens noch jemanden, den ich verantwortlich machen kann, sollte mir zwischendurch mal langweilig werden.«

Das war Harika, wie Wulfhelm sie kennengelernt hatte. Freundlich, bezaubernd schön, zuvorkommend und mit unheimlich schnell steigendem Blutdruck. Nicht dass sich daran in all den Jahren ihrer Ehe viel geändert hätte, nur trat es nicht mehr so oft in Erscheinung.

»Dieser Falgrim scheint mir ein sympathischer, freundlicher Kerl zu sein, der dazu noch eine Menge Grips im Kopf haben muss. Er kann gewiss nichts für dieses Unglück, also sei bitte nett zu ihm, ja?«, begann Wulf und beobachtete Harika dabei, wie sie in einer großen Truhe herumwühlte. Lächelnd holte sie ein schweres, in weißes Wachstuch gehülltes, Bündel heraus und legte es auf den Boden.

»Ganz wie Du möchtest, Liebling. Dann wirst Du halt der Einzige in der Nähe sein, an dem ich gelegentlich aufkommende Verstimmungen auslassen kann«, sagte sie mit honigsüßer Stimme und öffnete das Bündel. Fühlte Wulfhelm sich jetzt besser? Nein, irgendwie nicht.

Im Inneren des Tuchs befanden sich mehrere metallene Gegenstände. Harikas altes Kettenhemd, der schimmernde Brustpanzer und das Schwert Belanwils von Graustein, die die Kriegerin in einem Turnier gegen den berühmten - bereits vor langer Zeit verschiedenen - Ardaviler Helden gewonnen hatte.

Skeptisch betrachtete der Zauberer die schwere Rüstung und fragte: »Dir ist schon bewusst, dass wir in ein verflixt warmes Land mit Wüsten und Dschungeln reisen wollen? Wäre etwas luftigere Kleidung da nicht besser geeignet?«

Die Unterlippe schmollend nach oben gezogen, starrte Harika eine Weile auf die Ausrüstung. »Aber das Schwert kommt mit!«

Wulfhelm beobachtete seinen Freund Darius dabei, wie er rastlos in dem kleinen Lagerraum auf und ab ging. Die Schatulle war wieder mit dem Gurt gesichert und nun zusätzlich in einer Truhe verschlossen. Hier war sie am Sichersten aufgehoben.

»Mann Wulf, Du glaubst gar nicht, wie gerne ich mitkommen würde und Alandra natürlich auch. Das Museum könnten meine Leute eine Weile ohne mich führen, aber wo sollen wir mit Lianna bleiben? Sie bei ihrem Großvater lassen? Na, das dürfte was geben …«

Wulf erinnerte sich noch gut an Alandras Aufbruch aus den behüteten Fittichen ihres Daseins als Elfenprinzessin. Ihr Vater, der Elfenkönig, war gar nicht angetan von ihren Gefühlen zu Darius und hatte seinen Sohn Tanrion ausgeschickt, die Elfe zurückzubringen. Mit mäßigem Erfolg. Wo die Liebe hinfällt …

»Wart ihr Mal wieder dort? Ich meine abgesehen von dem Versuch, nach der Hochzeit Kontakt aufzunehmen.«

»Gelegentlich, aber es ist wirklich nicht leicht für Alandra. Immerhin haben wir den Alten mittlerweile so weit, dass er sie nicht mehr im tiefsten, hohlen Baum einsperren möchte.«

»Ich schätze, das kann man auf der Haben-Seite verbuchen«, murmelte der Zauberer, »Doch ich habe schon damit gerechnet, dass ihr zurückbleiben müsst. Ich hoffe, wir kommen ohne euch zurecht. Es ist wohl auch besser, Du achtest hier gut auf die Schatulle.«

»Ich weiß nicht, ob er noch lebt, aber frag in Hachnasim nach einem Schattentänzer namens Üzümü, falls Du einen geschickten Burschen brauchst. Du weißt ja, dass ich für einen Erfahrungsaustausch dort war, bevor wir uns trafen. Schattentänzer nennen sich die örtlichen Diebe und Du solltest nicht gerade die Stadtwache nach ihm fragen, wir verstehen uns?« Darius zwinkerte verschwörerisch.

»Verstehe. Hast Du sonst noch nützliche Hinweise? Mir fällt ein, dass ich die Sprache gar nicht beherrsche.«

»Nur gut, dass Dir das nicht erst einfällt, wenn Du in den Südlanden von Bord gehst. Was ist mit dem Zwerg?«

»Auch nicht. Ansonsten wäre er wohl schon auf eigene Faust losgezogen.« Wulfhelm seufzte niedergeschlagen.

»Dann solltet ihr einen Dolmetscher mitnehmen, oder Du schaust mal in Deinen Zauberbüchern nach.«

»Mensch Darius, das ist es! Martor hatte so viele magische Ringe und Amulette. Ich glaube da waren irgendwo welche bei, um Sprachen zu verstehen. Ich hab den ganzen Ramsch auf den Dachboden gebracht.«

Als Wulfhelm wieder im heimischen Turm war, stürmte er die Wendeltreppe hinauf. Verdutzt sah Harika ihrem Mann nach, wie er die Luke zum Speicher aufstieß und darin verschwand. Seit sie das Gemäuer nach ihren Abenteuern und dem Aufenthalt in Palmenhain bezogen und allen überflüssigen Plunder dort verstaut hatten, waren sie nicht oben gewesen.

Nach einigem Nachdenken war Wulfhelm eingefallen, wonach er suchen musste: einen flachen hölzernen Koffer, in dem mehrere Amulette an kleinen Nägeln hingen. Unter ihnen war in kunstvoller Schrift die Sprache eingraviert, die sie übersetzten. Der Zauberer mochte fast nicht glauben, dass ihm das entfallen war.

Damals konnte man sich kaum in Martors Arbeitszimmer bewegen, weil jeder freie Platz mit Stapeln von Büchern und Schachteln vollgestellt war. Wulf hatte angefangen die Haufen von einer Ecke in die andere zu schieben, bis Harika etwas von »wohnlich machen« murmelte und das Fenster öffnete, um die Sachen dort »einzusortieren«. Wulfhelm blutete das Herz, als er die vielen Kleinodien und Literaturperlen im Vorgarten liegen sah und beschloss, sie in seinem ehemaligen Lehrlingsgemach unter dem Dach zu lagern. Als Avion alt genug war, um ein eigenes Zimmer zu beanspruchen, erweiterten sie lieber den Anbau, anstatt ihn in der Dachkammer einzuquartieren. Wulfhelm hatte nicht die allerbesten Erinnerungen an den finsteren, muffigen Raum. Es gab nur ein kleines Erkerfenster, durch das wenig Licht hereindrang. Er stand vor dem Berg zauberischer Arbeitsutensilien und wartete, bis seine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt hatten, dann begann er, den Haufen abzutragen.

»Ein weiser Magier hat immer einen Plan B bereit, falls etwas schiefläuft«, pflegte Martor angesichts der Amulette und Stäbe zu sagen, die er gerne mit sich führte. »Sowie einen Sublimationszauber, sollte doch einmal unerwartet ein Steuereintreiber aufkreuzen.«

Dieser Zauber war sehr einfach zu sprechen, bedurfte nur minimale magische Energie und erfreute sich bereits bei Praktikanten und Lehrlingen der größten Beliebtheit. Die Sublimation bezeichnete den Wechsel vom feststofflichen Zustand in den gasförmigen, unter Auslassung des flüssigen. War doch einmal Flüssigkeit im Spiel, handelte es sich meist um Angstschweiß, dennoch wurde dieser Zauber bei Insidern gern: »Duft-wie-Luft« oder »Verduftix« genannt. Sehr zu seinem Verdruss hatte Wulf diesen Spruch in seiner Ausbildung nicht gelernt. Martor wusste vermutlich ganz genau, warum.

Nun war Wulfhelm ein Angestellter der Kaiserin und bezog seine Einkünfte aus dem Staatshaushalt. Daher waren die steten Bemühungen des selbstständigen Unternehmers Martor, dem Fiskus zu entrinnen, für den jungen Zauberer allerhöchstens als kreislaufschädigend anzusehen.

Triumphierend zog Wulfhelm das gesuchte Kästchen unter einem Bündel ellenlanger Zauberstäbe hervor, die mit einem Bindfaden verschnürt waren. Er klappte die Holzdeckel im rechten Winkel auf, stellte den Kasten auf den Stirnflächen der Deckel auf einer Kiste ab und sein Blick schweifte über die säuberlich aufgereihten Amulette im Inneren.

Es ließ sich immer nur ein Anhänger zur gleichen Zeit verwenden, da es zu magischen Rückkopplungen kam, wenn sich zwei Talismane zu nahe kamen, was sich äußerst unharmonisch auf die Gedanken des Trägers auswirkte. Die Übersetzung der fremden Sprache fand nämlich nur im Kopf des Benutzers statt. Dummerweise reichte es aus, solch ein Amulett am Körper mit sich zu führen, also war es nicht ratsam, andere Sprachversionen in der Tasche aufzubewahren. Wenn der Träger etwas in der Fremdsprache sagen wollte, kam eine Stimme aus dem Anhänger und dolmetschte. Wulfhelm drehte den Kasten ins Licht des Fensters und überflog die Gravuren: elfisch, zwergisch, trollisch, Südlande - antik sihir, Südlande – Achlaman …

Zufrieden streckte der Zauberer die Hand nach der Achlaman-Medaille aus, als ein dunkler Schemen von oben in sein Blickfeld geriet. Erschrocken schlug Wulfhelm nach der Spinne vor seinem Gesicht und ließ dabei das ergriffene Amulett fallen. Die Schnur blieb an einem Nagel hängen und zog den Kasten mit sich in die Tiefe.

»Verdammnis …«, grollte Wulf missvergnügt und beobachtete, wie das Tierchen hinter einem Bücherstapel verschwand. Der Medaillenkasten lag mit seinen Deckeln auf seinem Inhalt. Ein Amulett lag etwas abseits und Wulfhelm nahm es an sich, überzeugt davon, dass dies der Achlaman-Übersetzer war.

»Das kann auch nur mir passieren«, klagte er und hob vorsichtig den Kasten an, in der Hoffnung wenigstens ein Teil der Schmuckstücke würde noch an seinem Platz hängen. Es bedarf sicherlich keiner weiteren Schilderung, dass dem nicht so war.

Zwei Tage später standen Harika und Wulfhelm mit ihrer Marschausrüstung, sowie zwei kleinen Koffern vor der Haustür der Birkenallee 26. Wulf hatte in der Akademie einen mehrwöchigen Urlaub angetreten. Die näheren Umstände stießen auf allgemeines Verständnis seitens der Akademieleitung und die Zusage des Zauberers, einen Reisebericht über die Südlande zu verfassen, gaben dem Unternehmen zusätzlich einen »halboffiziellen« Anstrich.

»Beeilt Euch, Falgrim. Der Dampfwagen fährt in zwanzig Minuten ab.« Besorgt sah Wulfhelm zum entfernten Uhrenturm der Akademie.

Das Schiff, mit dem sie in die Südlande reisen wollten, lag im Hafen von Kaisersruh vor Anker. Da die Hauptstadt aber gute sechzig Meilen von der Küste entfernt lag, entwickelte sich das Dorf um den ersten Leuchtturm Ardavils im Osten immer mehr zum Hafen der Hauptstadt. Um die recht große Distanz zu überbrücken, schickte die Kaiserin nach den besten Ingenieuren der Gnome und Zwerge. In einer Gemeinschaftsleistung wurde der Dampfwagen gebaut, der auf Schienen zwischen dem Hafen von Heimleuchtung und Kaisersruh pendelte. Dabei zog er aus eigener Kraft Waggons mit Handelsgütern und Sitzen für Passagiere, nur angetrieben von einem Feuer, das einen Wassertank erhitzte. Der Dampfwagen schaffte die Strecke in unter zwei Stunden, aber wenn sie ihn jetzt verpassten, müssten sie fast 4 Stunden warten, bis er wieder da war. Es gab nämlich erst einen Wagen und auch nur ein Gleis. Wegen des enormen Erfolges wurde jedoch schon der Ausbau der Strecke geplant.

Der Schatzsucher schloss die Haustür und verschloss sie sorgfältig. Er trug abgetragene, schwarzgraue Lederkleidung und einen Hut mit breiter Krempe in derselben Farbe. An einem schmalen Gurt, der wie eine Schärpe über seine Brust lief, hing eine überaus kurzstielige Axt mit kreisförmigem Doppelblatt. An der Seite eines viel zu groß wirkenden Rucksacks baumelte ein kurzer Spaten und Kochgeschirr herunter.

»Ah, Ihr müsst die Frau Gemahlin sein. Ich habe die Ehre, Falgrim ist mein Name«, stellte er sich vor, verbeugte sich leicht und reichte der Kriegerin die Hand.

»Äh, ja … Harika«, entgegnete sie unsicher. Der Zwerg trat mit mehr Energie und Freundlichkeit auf, als sie erwartet hatte.

»Wir haben Später noch genug Zeit uns näher kennenzulernen, Freunde. Der Dampfwagen wartet nicht.« Falgrim griff in die Riemen seines Rucksacks und schritt beherzt aus.

Ein wenig unbehaglich, aber mit der Neugierde des Wissbegierigen sah Wulfhelm sich interessiert in dem Waggon um und blickte den langsam vorbeiziehenden Häusern nach. Ganz anders Harika, die kreidebleich und stocksteif auf ihrer Bank saß, die Hände krampfhaft in die hölzerne Armlehne gekrallt. Die Fingerknöchel stachen noch etwas weißer aus dem Fleisch und kalter Schweiß rollte ihr über die Stirn. Das Rumpeln und Stampfen, das die Maschine begleitete, behagte ihr gar nicht, und als der Wagen laut tutend die Station verließ, fuhr sie in Todesangst zusammen.

»Entspannt Euch, Harika. Wir sind ja noch keine 50 Schritte weit gefahren«, lächelte Falgrim aufmunternd und hielt der Kriegerin ein Stück Dörrfleisch entgegen. Der Zwerg war ganz gelassen, denn er hatte diese Fahrt bereits einige Male unternommen.

»Das ist so ähnlich, wie mit der Kutsche zu fahren, nur dass dieses Pferd aus Stahl ist. Es gibt wirklich nichts, worüber Ihr euch Sorgen machen müsstet.«

Nach einigen Minuten Fahrt durch die sanfte Gras- und Hügellandschaft beruhigte sich die Kriegerin tatsächlich etwas.

»Seid Ihr schon einmal mit dem Schiff gefahren?«, fragte Wulfhelm interessiert.

»Ja, aber nicht besonders weit. Nur entlang der Küsten Ardavils nach Silberbucht und Palmenhain.«

»Das ist unsere erste Schiffsreise. Ist es wirklich so schlimm, wie erzählt wird?«

»Angenehm ist es nicht gerade. So ein Schiff schaukelt manchmal ganz schön. Wenn einem dann noch der Alkohol zu Kopf steigt, kann es den trinkfestesten Zwerg aus den Schuhen hauen.« Falgrim lachte dröhnend.

Kundige Gelehrte der Geschichte der Scherbenländer wissen vermutlich schon von deren Entstehung. Vom Wettstreit der Götter, eine Welt innerhalb von sechs Tagen zu erschaffen - mit eingeplanter Siegerehrung und anschließendem Gelage am siebten Tag.

Und von Tornak dem Erdgiganten, der vom Wettbewerb ausgeschlossen wurde, weil er nur ein Halbgott war. Trotz Verbots machte er sich daran seinen geliebten Whiskykrug zu dekorieren und schuf die Scherbenländer, die zu jenem Zeitpunkt noch intakt waren. Doch Neid und Missgunst gab es zu jeder Zeit und im Pantheon der Götter hatte man sogar zwei Damen, die die entsprechenden Stellen bekleideten: die Zwillinge Rina und Wala. Im ersten niedergeschriebenen Akt des Mobbings schubsten sie den Krug von seinem Platz auf dem Regal, als Tornak gerade unterwegs war, einen Zauber zu besorgen, um eben solche Missetaten zu unterbinden. Ja, schon die Götter kannten die Arschkarte.

Die Scherben des Gefäßes lagen nun in einer Pfütze erlesensten Whiskys und begannen sich nach diesem »Urknall« von dem gravitativen Schock zu erholen. Als Tornak dies sah, stellte er den Besen wieder weg und beschloss die Welt so zu belassen.

Auch wenn schon ein guter Teil des Alkohols verdunstet war, gestalteten sich Seefahrten bei widriger Witterung wie ein Kampftrinker-Ausflug und die Fischer fingen nur so etwas wie: »Forelle blau«.

In einer künstlich angelegten Bucht lag die kaiserliche Flotte vor Anker, deren Wald aus Masten schon von Weitem sichtbar war. Zum Meer hin führte der Zugang vom Hafen inmitten der hoch aufragenden Steilküste hindurch. Auf der südlichen Klippe stand der Leuchtturm, der den Schiffen die Navigation um die Landzunge erleichtern sollte.

Der Dampfwagen hielt am nördlichen Ende der Bucht, zwischen den Lagerhäusern am Kai und einer kleinen Ansiedlung. Die Reisenden verließen den Passagierwagen und strebten dem Pier entgegen. Mit hölzernen Kränen wurde die Ladung von den Waggons oder aus den Kontoren auf die Schiffe gehoben.

Das Schiff, auf dem sie die Passage gebucht hatten, war eine Karavelle mit zwei Masten. Ein typischer Handelssegler mit einem bauchigen Rumpf und einem Vorder- sowie einem Achterkastell. Am Bug war ein hölzernes Namenschild angebracht, auf dem die Lettern Gerridae in goldener Farbe prangten. Matrosen trugen Säcke die Planke hinauf und wurden dabei von einem Mann beobachtet, der einige Papiere in den Händen hielt. Als er die Gruppe entdeckte, die am Kai stand und sich die Reihe der vertäuten Schiffe ansah, beugte der Mann sich über das Schanzkleid und rief: »Ihr müsst die Passagiere sein! Kommt an Bord.«

Der Einladung folgend, reihten sie sich zwischen den Matrosen ein und betraten das Schiff.

»Willkommen auf der Gerridae. Ich bin der Kapitän, Torben. Wartet eine Sekunde, ich werde Euch gleich eure Kabinen zeigen.« Der Kapitän zählte die Männer, die noch mit Säcken beladen vom Lagerhaus herüberkamen, und notierte etwas auf den Papieren. Anschließend geleitete er die Freunde mit einer einladenden Geste zum Heck des Schiffes und durch eine Tür ins Achterkastell. Dahinter lag ein großer Raum mit Tischen und Bänken. Eine Treppe führte in den Bauch der Karavelle.

»Dies ist die Messe. Hier könnt ihr essen und beieinandersitzen.« Torben ging die Stufen hinunter und blieb vor einer Reihe Türen stehen, die auf der linken Seite des Schiffes dicht an dicht in der Wand des Korridors waren. Wulfhelm zählte fünf Türen und wartete, bis der Kapitän eine öffnete. Dahinter lag ein Verschlag von etwa zwei Schritten Tiefe und einem Schritt Breite. Er enthielt nur eine doppelstöckige Koje und einen schmalen Zugang an der Seite.

»Die Kabinen sind etwas eng und dienen nur zum Schlafen«, erläuterte der Kapitän die skeptischen Blicke. »Aufhalten könnt Ihr euch an Deck oder in der Messe.«

»Du schläfst oben!« Harika setzte sich auf das untere Bett und steckte damit ihr Revier ab. Falgrim bekam die Kajüte nebenan, und da er allein war, musste die obere Koje für das Gepäck der Reisenden herhalten.

»Auf der anderen Seite befindet sich die Kombüse.« Torben deutete auf eine einzelne Tür in der gegenüberliegenden Wand des Korridors. »Falls Ihr zwischen den Mahlzeiten Hunger haben solltet, könnt Ihr Ulfried, unseren Smutje, um einen Happen bitten. Gegessen wird ansonsten in der Messe: Morgens und Abends um sieben Uhr, Mittags ein Uhr. Alles klar soweit?« Der Kapitän suchte nach Fragezeichen in den Gesichtern der Passagiere, fand aber keine. »Gut, folgt mir bitte.« An der Treppe nach oben blieb er stehen und deutete auf den Korridor auf der anderen Schiffsseite. »Dort befinden sich die Mannschaftsquartiere und vorne ist der Laderaum. Da habt Ihr nichts zu suchen, bleibt also bitte in Eurem Bereich. Zu Eurer eigenen Sicherheit, verstanden?«

Wieder nickten die Reisenden und folgten dem Kapitän schließlich zurück an Deck. Die Verladearbeiten waren mittlerweile abgeschlossen und ein Mann salutierte vor Torben und erstattete Meldung: »Ladung verstaut. Die Gerridae ist bereit zum Auslaufen, Kapitän!«

»Vom Vorderkastell aus habt Ihr einen guten Ausblick und steht nicht im Weg.« Mit diesen Worten verabschiedete sich der Kapitän und erklomm das Achterkastell.

»Für ein Handelsschiff herrscht hier aber ein schnittiger Tonfall«, brummte Falgrim und folgte seinen Gefährten an den Bug.

Die Kiste der Krise

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