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10. Wenn alles schief geht

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Wenn alles schief geht, so ist der Mann immer noch besser dran, der dazu lachen kann, als der andre, der dann allen Mut verliert. Wer in trüben und schweren Stunden noch lachen kann, der muss aus gutem Holz geschnitzt sein.

Viele Menschen haben nur deshalb keinen ihren Fähigkeiten entsprechenden Erfolg, weil sie die willenlosen Sklaven ihrer Stimmungen sind und in solchen Stimmungen sich die Menschen entfremden und das Geschäft verderben. Aber in unsrer heutigen Gesellschaft ist nirgends mehr Raum für einen trübsinnigen, mürrischen und mutlosen Menschen. Mit einem solchen mag niemand leben, er wirkt auf alle andern lähmend und bedrückend und so weicht ihm jeder aus, wo er kann, wie man ein unangenehmes Bild nicht ansieht, sondern sich von ihm abwendet.

Wir finden bei andern genau so viel Zuneigung und Vertrauen, wie wir durch angenehmes und hilfsbereites Wesen verdienen. Krankhaft düsterer Sinn dagegen ist meist auch mit falschem und verkehrtem Urteil verbunden und erweckt deshalb mit Recht überall Misstrauen.

Es liegt ebenso wenig im Plan der Schöpfung, dass der Mensch ein Sklave seiner Leidenschaften sei, wie dass er ein Opfer seiner Stimmungen werde; ebenso wenig darf er erst bei seiner Stimmung anfragen, ob er seine Pflicht tun, ob er seine Aufgabe erfüllen soll. Er ist bestimmt, ebenso gut Herr über sich selber wie über seine Umstände zu sein.

Wir sind meistens selber unsre schlimmsten Feinde. Wir verderben uns das Spiel unsres Lebens so oft durch unsre eigenen herabziehenden Gedanken und verdüsternden Stimmungen, während doch alles darauf ankommt, dass wir Mut und Glauben an uns selber haben und froh und hoffnungsvoll in die Zukunft sehen. Wenn es dann aber einmal schief geht, bei der ersten widerwärtigen Erfahrung, in der ersten Stunde der Entmutigung, da lassen wir alle zerstörenden Gedanken, Zweifel, Furcht, Mutlosigkeit in unsrem Geist hausen wie den Stier im Glasladen, und was wir vielleicht in Jahren aufgebaut haben, das zerstört ein Tag und wir müssen wieder von vorn anfangen. Wir machen es wie der Frosch im Brunnen: wir klettern empor, bloß um wieder hinunter zu fallen.

Es ist die wichtigste Kunst, die wir Menschen zu lernen haben, unsern Geist frei zu halten von den Feinden unsrer Ruhe, unsres Glückes und unsres Erfolges. Wir müssen lernen, alle unsre Geisteskräfte auf das Schöne zu sammeln statt auf das Hässliche, auf das Wahre statt auf das Falsche, auf Einklang statt auf Missklang, auf Leben statt auf Tod, auf Gesundheit statt auf Krankheit. Das ist nicht immer leicht, aber es ist immer und für jeden möglich. Wir brauchen dazu nichts als geschicktes Denken, nichts als die Fähigkeit, rechte Denkgewohnheiten zu bilden. Wir werden diese Feinde los, sowie wir unbedingt entschlossen sind, ihnen nicht länger Gastrecht zu gewähren, vielmehr sie auszuschließen und nie mehr einzulassen, denn sie sind nur so weit wirklich, als wir sie wirklich werden lassen.

Wenn du nicht von Natur froh und hoffnungsvoll bist, so kannst du dir diese Eigenschaften zunächst gewissermaßen künstlich und absichtlich zulegen. Ein Nervenarzt schlägt folgendes Mittel gegen trübe Stimmungen vor. Man soll lachen oder lächeln, auch wenn’s einem ganz und gar nicht so zumute ist, ja es genügt schon die äußere Gebärde des Lächelns, das Hinaufziehen der Mundwinkel, um die Nervenbahnen zu öffnen, auf denen sonst der Strom der Heiterkeit fließt.

Für einen einigermaßen geschulten Geist ist es ohne weiteres möglich, den schlimmsten Anfall von trüber Stimmung in wenigen Minuten zu überwinden. Wir machen aber meist einen großen Fehler. Statt einfach die Fenster des Geistes weit aufzumachen und die Sonne des Frohsinns und der Hoffnungsfreudigkeit hereinscheinen zu lassen, halten wir die Läden geschlossen und versuchen die Dunkelheit unmittelbar zu bekämpfen, während ein einziger Sonnenstrahl seelischer Heiterkeit alle Gespenster verjagt, die nur im Dunkeln spuken.

Wenn du trübe Stimmungen hast oder entmutigt bist, so versetze dich für eine Zeit in vollständig andre Umgebung. Brüte nicht über den schwierigen Fragen, die dich bedrängen, sondern versuche, an angenehme und frohe Dinge zu denken. Hege freundliche und wohlwollende Gedanken gegen andre Menschen und rede nur gütige oder heitere Worte. Du wirst dann bald empfinden, dass es wieder aufwärts geht: die Schatten fliehen, die deinen Geist umdüsterten, und der Sonnenschein der Freude wird dich wieder erwärmen.

Gewöhne dir an, alles Denken an unangenehme Dinge oder an traurige Erinnerungen zu unterdrücken. Suche unterhaltende Gesellschaft oder ein harmloses Vergnügen auf, wo du lachen musst. Manche finden das zu Hause beim Spiel mit ihren Kindern, andre im Theater, wieder andre in einem guten Buch; oft genügt schon ein tüchtiger langer Schlaf. Ebenso ist Landaufenthalt oder auch nur ein Spaziergang in guter freier Luft ein treffliches Mittel, den geistigen Zustand zu ändern.

Du musst eben das Mittel zu finden suchen, das dir dazu die besten Dienste tut: dann wird, oft in überraschend kurzer Zeit, die Niedergeschlagenheit verschwinden, die Entmutigung weichen und du fühlst dich wie neugeboren.

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