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Jeanette Stone erwachte. Ihre Mundhöhle und ihr Hals waren trocken. Die Siebzehnjährige war von Finsternis umgeben. Sie hatte keine Ahnung, wie sie hierher gekommen war. Die Angst kam wie eine graue, alles verschlingende Flut. Das Herz des Mädchens übersprang einen Schlag.

Die Erinnerung stellte sich ein. Sie war mit vier Freunden und Freundinnen in dem kleinen Pilspub in Kips Bay, 27. Straße. Sie hatten dort alkoholfreie Getränke getrunken und Sandwiches verzehrt. Dann musste sie irgendwann mal auf die Toilette. Und da war plötzlich der Mann. Er drückte ihr ein Tuch auf Mund und Nase. Jeanette erinnerte sich an den scharfen, beißenden Geruch. Dann waren ihr die Sinne geschwunden. Ihr Denken war gerissen. Sie hatte nicht mal die Zeit gehabt, Angst zu verspüren.

Sie befand sich in der Hand eines Entführers. Davon war sie überzeugt …

Jeanette lag auf dem kalten Betonboden. Kälte war durch ihre Kleidung in ihren Körper gekrochen. Sie bibberte – auch vor Angst. Warum war sie entführt worden? Wollte der Kidnapper Lösegeld erpressen? Jeanettes Eltern waren nicht reich. Der Vater war Angestellter bei der Stadtverwaltung, die Mutter Hausfrau. Jeanette hatte noch zwei Geschwister; Jenny, vierzehn Jahre, und Robert, zwölf Jahre.

Sie erhob sich. Ihre Knie waren butterweich. Schwindelgefühl befiel sie; eine Woge von Benommenheit spülte über sie hinweg und ebbte dann ab. Da war eine Wand; glatt und kalt. Jeanette tastete sich daran entlang. Eine Ecke … Nirgendwo ein Möbelstück. Die Luft war irgendwie abgestanden. Es roch nach Moder und Schimmelpilz. Da war eine Tür. Sie war aus Stahlblech. Jeanette hämmerte mit beiden Fäusten dagegen, bis ihr die Fäuste schmerzten. Schluchzend hörte sie auf, kauerte nieder, und begann zu weinen. Sie fühlte sich so ohnmächtig, so hilflos, so einsam und verloren. Fragen geisterten durch ihren Kopf, Fragen, auf die sie keine Antwort fand.

Sie versuchte, ihre Angst zu überwinden, an etwas anderes zu denken. Sie hatte sich bei mehreren Modelagenturen beworben. Zweimal war sie abgelehnt worden, bei zwei Agenturen sollte sie vorsprechen. Wenn das kein gutes Omen war. Auf drei Bewerbungen hatte sie noch keine Antwort erhalten.

Dann wurde Jeanette wieder ihre Lage bewusst. Der Magen krampfte sich ihr zusammen. Siedend durchrann es sie, wie ein Fieberschauer.

Sie wusste nicht, ob es draußen Tag oder Nacht war. Jeglicher Zeitbegriff war ihr abhanden gekommen.

Sie zuckte zusammen, als sie ein Knistern hörte, ein Knacken, als würde sich in einer der Ecken etwas bewegen. Es kam aus der Dunkelheit, dann sagte eine verzerrte Stimme: »Hallo, Jeanette. Wie fühlst du dich? Ich hoffe, es geht dir gut.«

Die Stimme kam aus einem Lautsprecher über ihr. Es war nicht zu unterscheiden, ob es sich um die Stimme eines Mannes oder einer Frau handelte. Der Lautsprecher musste in irgendeiner der Ecken, dicht unter der Decke, befestigt sein.

»Wer sind Sie?«, fragte das Mädchen mit zittriger Stimme. »Warum haben Sie mich eingesperrt?«

Ihre Stimme entfernte sich von ihr und versank in der Dunkelheit. Ein leises Lachen ertönte. »Du hast dich als Model beworben. Ich habe dein Bild gesehen. Du bist hübsch. Und du passt in das Muster.«

»In welches Muster?«, fragte Jeanette zaghaft. Sie war dabei, ihre Angst zu bewältigen. Vielleicht war das alles nur ein schlechter Scherz.

»Mindestens eins-siebzig groß, schlank, dunkelhaarig, blauäugig, rassig … Ich stehe auf euch Mädels. Schönheit fasziniert mich.«

Jeanette begriff, dass das kein schlechter Scherz war. Die Angst kam zurück; kalt und stürmisch. Sie fraß sich wie schleichendes Gift in das Gemüt des Mädchens.

Die Stimme erklang wieder. »Weil du schön bist, musst du sterben. Du hast eine Bewerbung geschickt – eine Bewerbung, um zu sterben. Wahrscheinlich hast du von einer Karriere im Rampenlicht geträumt. Wer sind deine Vorbilder? Heidi Klum? Gisele Bündchen? Naomi Campbell?«

»Bitte«, flüsterte das Mädchen, »lassen Sie mich gehen. Model zu sein war mein Traum. Aber das …«

Ihre Worte verhallten ungehört.

»Du brauchst keine Angst zu haben, Jeanette. Es geht schnell. Die wirst einschlafen und nie wieder erwachen. Ich werde dich schmücken. Die wirst schön sein, schöner als alle Supermodels der Welt.«

Das Herz des Mädchen raste. Eine unsichtbare Hand schien es zu würgen. Jeanette rann eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Sie war erst siebzehn. Das Leben lag vor ihr. Sie hatte es wahrscheinlich mit einem Perversling zu tun. Einem Sadisten, jemandem, dem es Spaß machte, andere zu quälen, zu peinigen!

Ein Schauder durchrann Jeanette. Die Kälte spürte sie nicht nur mehr äußerlich. Sie kam tief aus ihrem Innern. Zur Furcht gesellte sich das Grauen. Ihr Denken wurde von der Panik verzerrt!

»Warum?«, flüsterte Jeanette. »Warum ich? Bitte …«

Plötzlich war ein leises Zischen zu vernehmen. Süßlicher Geruch verbreitete sich in dem Verlies. Gas! Jeanette erschrak bis in ihren Kern. Der Perversling wollte sie vergasen. Die zitternde Anspannung ihrer Nerven entlud sich in einem gellenden Aufschrei.

»Du solltest tief einatmen«, sagte die verzerrte Stimme. »Dann ist es leichter. Du wirst einschlafen.« Plötzlich begann die Stimme zu singen. »Schlafe mein Mädchen – schlaf ein …« Dann folgte wieder das grässliche Lachen.

Jeanette hatte sich erhoben. Der schleichende Tod griff nach ihr mit unerbittlich kalter Klaue. Die Angst raubte ihr den Verstand. Sie spürte Schwindelgefühl. Das Zischen hörte sie nur noch aus weiter Ferne. Sie lehnte sich gegen die Wand. »Nein, nein …« Immer wieder flüsterte das Girl diese vier Buchstaben. »Nein …« Es hatte keine Chance. Langsam rutschte Jeanette an der Wand zu Boden. Sie spürte eine tiefe Erschöpfung. Dann glitt sie hinüber in den Zustand der Bewusstlosigkeit. Sie kippte zur Seite, lag verkrümmt am Boden.

Unaufhörlich strömte das Gas. Der Tod kam still und lautlos. Das Zischen endete. »Schlaf gut, mein Engel«, kam es durch den Lautsprecher.

Trevellian jagt ein Phantom: Action Krimi

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