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Ich sehe Dich
ОглавлениеErinnern Sie sich an den 3D-Kino-Kassenschlager „Avatar“? In diesem Science-Fiction Film treffen die Kunstwesen „Na’vi“ und Menschen aufeinander, zwei völlig fremde Welten begegnen sich auf einem anderen Planeten. Wegen der Andersartigkeit dauert es eine ganze Weile, bis die Na’vi und speziell Neytiri, die Häuptlingstochter, Vertrauen zu den Menschen und im Besonderen zum menschlichen Entsandten Jake Sully aufbauen. Abgesehen von den vielen beeindruckenden Effekten hat mich – wie viele andere auch – der Moment, da Neytiri zu Jake die Worte „Ich sehe Dich“ sagt, zutiefst berührt. In dem Kinosaal, in dem ich saß, war es mucksmäuschenstill, als die Zuschauer die aufkeimende Herzensverbindung spürten und intuitiv, auch ohne ein besonders ausgeprägtes spirituelles Verständnis zu haben, die eigentliche Botschaft erfassten: In diesem Moment hatte die Liebe das Misstrauen und die Angst abgelöst.
Gesehen, verstanden und angenommen zu werden, wer wünscht sich das nicht? Und wie schwer ist es zugleich im Alltag, das zu erhalten und zu geben? Wie leicht fällt es hingegen wegzuschauen, wenn etwas stört, und die Augen und Ohren vor dem zu verschließen, was nicht gefällt, und das abzulehnen, was da ist.
Wir ärgern uns, weil andere sich anders verhalten, als wir es tun würden. Wir verstehen nicht, dass der andere uns nicht versteht, dass er uns nicht „sieht“. Wir wollen, dass der andere die Welt so sieht wie wir und damit so wird wie wir. Er soll sich ändern, damit es uns gut geht. Wir hingegen wollen so bleiben, wie wir sind. Lieber gehen wir dem anderen aus dem Weg, als dass wir ihn als Spiegel und Einladung sehen, an uns zu arbeiten.
Im Privaten gelingt das meist ganz gut. Man meidet einfach unangenehme Begegnungen und umgibt sich mit Menschen, die ähnlich denken und fühlen und die nicht den Anspruch haben, einen verändern zu wollen. Doch wie soll das im Berufsleben, bei der Arbeit gehen? Was tun, wenn der Kollege, Mitarbeiter, Chef „anders“ ist, wenn er einen eben nicht sieht? Wie kann man in der beruflichen Gemeinschaft, trotz und gerade wegen der Andersartigkeit und Vielfalt, wertschätzend miteinander umgehen und, bei aller aufgabenorientierten, funktionalen Zusammenarbeit, dennoch eine beziehungsorientierte, emotionale Basis schaffen und aufrechterhalten? Wie zu einem intakten Betriebsklima beitragen, in dem sich unterschiedliche Kollegen miteinander verbunden fühlen, statt sich nur in einer Zweckgemeinschaft aufzuhalten?
Das Wissen aus dem Enneagramm-Persönlichkeitsmodell ermöglicht dies. Mit diesem Buch möchte ich Ihnen den Einstieg in das Enneagramm im Business erleichtern und Ihnen helfen, es zu nutzen, um besser zusammenzuarbeiten. Das Modell zeigt, wie grundlegend unterschiedlich Menschen die Welt wahrnehmen. Es basiert auf einer Neuner-Typologie und beschreibt, was Menschen bewegt, wie sie denken, fühlen und handeln. Dabei bewertet das Enneagramm nicht, es stellt dar und erklärt. Das Modell hilft, zu erkennen und zu verstehen, wie wir selbst und andere Menschen die Welt sehen. Es gibt Hinweise und stimmt nachdenklich, weshalb wir so sind und wie wir sein können, sobald wir unser Typenmuster lockern. Es regt an, unbewusste Muster und Mechanismen aufzudecken, und zeigt uns darüber hinaus Wege auf, Blockaden zu überwinden und Entwicklungsbarrieren zu durchbrechen.