Читать книгу Autoimmunerkrankungen erfolgreich behandeln - Susan Blum - Страница 68
Nahrung ist Information
ОглавлениеWas meine ich damit, wenn ich sage, Nahrung sei Information? Wie bereits erwähnt, steuern die Nahrungsmittel, die Sie zu sich nehmen, das Verhalten Ihrer Zellen, indem sie die Art und Weise der Enzymtätigkeit in den Zellen verändern. Zucker zum Beispiel macht eine ganze Menge mehr als nur Kalorien zu liefern – und zwar leere Kalorien ohne jegliche Nährstoffe. Er lässt den Blutzuckerspiegel (die Blutglukose oder einfach nur Glukose), nach oben schießen. Das führt zu einem spürbaren Energiehoch – auf das aber ein heftiger Energieabfall folgt. Außerdem bindet sich der Zucker an die Körperzellen und leitet Veränderungen ein, die tief innen in diesen Zellen, im Zellkern, ihren Anfang nehmen. Dort werden nämlich die Gene zur Bildung von mehr entzündungsfördernden Enzymen aktiviert.
Ganz tief in jeder Zelle Ihres Körpers befindet sich das vollständige „Buch Ihres Lebens“, Ihr gesamter genetischer Code. In jeder einzelnen Zelle befindet sich ein kompletter Satz Ihrer Gene. Stellen Sie sich Ihre Gene als ein Buch mit sehr vielen Kapiteln vor, aus dem immer nur einige Kapitel gelesen werden. In Ihrer Leber wird das Leberkapitel gelesen, in Ihrer Zunge das Zungenkapitel und in Ihrem Herzen dasjenige über das Herz. Die Gene, die für diese Zellen codieren, werden aktiviert und steuern die gesamte Aktivität der entsprechenden Zellen, damit diese ihre Arbeit richtig machen. Während Sie sich noch im Mutterleib entwickeln, sind manche dieser Kapitel aktiviert, andere sind abgeschaltet, zum Beispiel damit eine bestimmte Zelle zu einer Leber- oder einer Herzzelle wird. Später gibt es viele Kapitel, die nicht derart festgelegt sind, sie können vielmehr geöffnet und gelesen oder geschlossen und ignoriert werden. Ein großartiges Beispiel ist, wie Ihre Zellen auf Resveratrol, einem Inhaltsstoff des Rotweins bzw. roter Trauben, reagieren. Studien haben ergeben, dass Resveratrol direkt in Ihre Zellen und zwar geradewegs in den Zellkern wandert, um dort ein sogenanntes „Langlebigkeitsgen“ anzuschalten. Daraufhin werden Enzyme gebildet, die das Leben der Zelle verlängern. Sie können sich dieses Gen als eines der Kapitel der Zelle vorstellen, das ohne Resveratrol ungelesen bliebe.
Daher ist Nahrung Information, die Ihr Immunsystem hochwirksam aktivieren kann – auf eine Weise, die seine Arbeit optimiert, oder auf eine Weise, die Autoimmunerkrankungen fördert. Kehren wir zu meinem Beispiel vom Zuckerkonsum zurück. Wenn Zucker an die Oberfläche einer beliebigen Körperzelle bindet, setzt er eine Kettenreaktion in Gang, die zu Enzymveränderungen in der Zelle führt und sie zur Bildung von allen möglichen Entzündungsmediatoren veranlasst. Passiert das täglich und über einen langen Zeitraum, kann Sie das krank machen, etwa wenn Sie jeden Tag zum Frühstück Donuts essen und zwei Teelöffel Zucker in Ihren Kaffee rühren. „Sündigen“ Sie nur gelegentlich auf diese Weise, verschwindet die Entzündung rasch wieder.
Dieses Konzept wird Nutrigenomik genannt. Inzwischen gibt es wissenschaftliche Fachzeitschriften, die sich ganz diesem Forschungsgebiet verschrieben haben. Wenn Sie den Begriff aufschlüsseln, können Sie sehen, dass er tatsächlich ein Kunstwort ist, um den Gedanken zu transportieren, dass die Nahrung, die Sie zu sich nehmen (Nutri-), die Aktivität Ihrer Gene (-genomik) beeinflusst. Die Nahrung nimmt demnach Einfluss darauf, welche Gene aktiviert werden, die Gene steuern die Enzymaktivität und die Enzyme wiederum bestimmen, wie eine Zelle, ein Gewebe oder ein Organ funktioniert. Ich bin jedes Mal frustriert, wenn mir jemand erklärt, er ernähre sich „gut“, weil er auf kalorienreduzierte Kekse in extra kleinen Packungen zurückgreift. Damit mag er tatsächlich weniger Kalorien zu sich nehmen, aber die Zutaten, einschließlich Zucker und trans-Fette, fordern die Zellen zu Entzündungen auf und lassen den Körper an Gewicht zulegen. Wenn Sie stattdessen eine Handvoll Mandeln essen, sorgen die enthaltenen nützlichen Fette dafür, dass Ihre Zellen die Entzündungen eindämmen. (Und wir wissen, dass Entzündungen die treibende Kraft hinter allen chronischen Krankheiten, auch den Autoimmunerkrankungen, sind.)
All das beweist eindrucksvoll, dass das Sprichwort „du bist, was du isst“ der Wahrheit sehr nahe kommt. Alles, was Sie essen, wird verdaut, resorbiert und mit dem Blut umhertransportiert, bis es schließlich sein Ziel, die Zellen zu ernähren, erreicht. Daher wird jede einzelne Körperzelle durch Ihre Art der Ernährung beeinflusst. Im Falle des Immunsystems haben dessen Zellen regelrecht die Aufgabe, mit allem in Kontakt zu treten, was in den Körper gelangt, daher hat die Ernährung einen so wichtigen Einfluss auf alle Menschen mit einer Immunstörung.
Befassen wir uns nun mit den Nahrungsmitteln, die aus Ihrem Speiseplan gestrichen werden müssen, weil sie Ihrem Immunsystem potenziell schaden. Danach sehen wir uns diejenigen an, die Ihnen wirklich guttun, bei denen es wissenschaftlich erwiesen ist, dass sie die Immunfunktion und das immunologische Gleichgewicht unterstützen, insbesondere bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen.