Читать книгу 5 lange und 7 kurze Krimis - A. F. Morland - Страница 15
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ОглавлениеHelen Teflin hatte zwar jenes ominöse Ledigenheim gefunden, nicht aber nur einen Menschen, der ihr etwas über den plötzlich aufgetauchten Zeugen und dessen Verbleib hätte sagen können. Dieser McCook hatte seine Aussage vor einem Notar und Friedensrichter abgelegt, sie sogar dort beschworen, was nach amerikanischem Recht möglich war, und dann hatte er sich abgesetzt, um nicht etwa ins Kreuzfeuer einer Gerichtsverhandlung zu geraten. Denn jedes Gericht in den USA würde diese Aussage vor dem Notar und Friedensrichter so werten, als hätte McCook diese Aussage vor jedem ordentlichen Gericht gemacht. Und das zählte.
Als Helen Teflin vor dem Büro ankam, das Time in der John-Kennedy-Street unterhielt, stand dort ein Polizeifahrzeug hinter einem Krankenwagen. Zwei Polizisten lehnten an ihrem Fahrzeug und unterhielten sich. Als Helen auftauchte und hinter dem Polizeiwagen parkte, reagierten sie gar nicht. Helen stieg aus, schloss ab und ging ins Haus zum Lift. Da stand auch ein Polizist und reinigte sich mit einem Taschenmesser sehr angelegentlich die Fingernägel.
„Ist hier was passiert?“, fragte Helen in berufsmäßiger Neugier.
Der Polizist sah sie an, grinste und meinte: „Nee, was soll passieren? Wir holen einen Kranken ab. Übergeschnappt oder so. Die bringen den im Lift. Wenn Sie Angst haben, nehmen Sie die Treppe!“, fügte er hinzu und grinste sie an, musterte sie dann recht begehrlich, und sie machte, dass sie weiterkam. Der Lift, den sie trotzdem nehmen wollte, kam sofort, und sie fuhr bis zum Büro hinauf in den dritten Stock. Als sie ausstieg und zu ihrem Büro gehen wollte, rief jemand hinter ihr, den sie gar nicht gesehen hatte:
„Miss Teflin?“
Sie drehte sich um. Ein Polizist kam auf sie zu. Ein großer, stämmiger Polizist. Und er sagte lächelnd: „Nur eine Routinesache, wenn Sie uns da bitte keine Schwierigkeiten machen wollen ...“
„Was reden Sie?“
Die Tür ihres Büros wurde von innen geöffnet. Der Polizist gab Helen plötzlich einen Stoß, dass sie, die damit überhaupt nicht gerechnet hatte, ins Zimmer flog. Dort fing sie jemand auf, der einen weißen Kittel trug, und eine stämmige Walküre in Schwesterntracht packte sie, wirbelte sie herum, sie bekam einen Schlag ins Gesicht, und als sie sich zur Wehr setzen wollte, hatte man eine Decke um sie geschlungen. Dann pikte sie etwas in den Unterarm. Sie sah dicht vor sich einen Mann im weißen Kittel, der sich über sie beugte, und seine Stimme sagte sonor: „Nur ruhig, dann ist alles ganz einfach.“
Sie roch noch seinen nach Knoblauch stinkenden Atem, dann wurde ihr auf einmal so merkwürdig, als sei sie betrunken. Es störte sie nun gar nicht mehr, dass man sie auf einer Trage festband, dass man sie aufhob und dann wegtrug. Bevor man mit ihr im Lift ankam, war sie eingeschlafen. Unten verlud man die Bahre ins Krankenauto und fuhr damit weg. In direkter Fahrt ging es zum staatlichen Krankenhaus für Neurologie und Psychiatrie. Der Wagen hielt in der Tordurchfahrt beim Pförtner. Ein Hüne von Mensch saß dort und fragte: „Was ist es?“
„Verdacht auf schwere Psychose und Einweisung in die geschlossene Abteilung. — Hier ist der amtsärztliche Beschluss.“ Der Beifahrer des Krankenwagens reichte einen Zettel zum Pförtner, der las ihn, stempelte ihn ab und steckte ihn in eine Mappe.
„Okay, Block 3, ihr wisst ja Bescheid!“