Читать книгу Wahre Wunder geschehen manchmal: Arztroman Sammelband 4 Romane - A. F. Morland - Страница 14
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Zur selben Zeit saßen Erik Frings und Robert Rahner in einem vegetarischen Restaurant, aßen leckere Getreideschnitzel und tranken alkoholfreies Bier dazu.
„Soll ich dir mal was sagen?“,begann der hagere Trainer unvermittelt. „Matthias Wylander ist nicht gut für Stefanies sportliche Karriere.“
Robert legte das Besteck kurz auf den Tellerrand. „Es ist zwar gegen meine Interessen, wenn ich dir widerspreche, aber ich muss es trotzdem tun: Bisher sind Stefanies Leistungen noch erstklassig.“ „Weil sie außergewöhnlich talentiert ist. Aber ihr Trainingseifer hat merklich nachgelassen. Sie arbeitet nicht mehr so hart wie früher, scheint sich , bewusst oder unbewusst, für Wylander zu schonen. Irgendwann wird das unweigerlich zu einem Nachlassen ihrer gewohnt guten Leistungen führen.“
Robert nahm das Besteck wieder auf und aß weiter.
„Sie ist in Gedanken zu oft bei ihm“, sagte Erik Frings kritisch. „Wie konnte es nur passieren, dass Wylander ihr so sehr den Kopf verdrehte? So gut sieht der Junge doch gar nicht aus.“
„O doch, das tut er.“
Frings sah sein Gegenüber erstaunt an. „Das sagst ausgerechnet du?“
Robert Rahner hob die Schultern. „Man muss, wenn es auch schwerfällt, objektiv bleiben.“
„Du und Stefanie, ihr wart euch eine Zeitlang doch sehr nahe.“
Roberts Stirn umwölkte sich. „Das ist vorbei.“
„Darf man fragen, wieso?“
„Wylander muss wohl die besseren Trümpfe aus dem Ärmel gezogen haben“, antwortete Robert rau und trank einen Schluck alkoholfreies Bier.
Der Trainer rümpfte die Nase. „Ich mag ihn nicht.“
„Du kennst ihn ja kaum.“
„Er passt nicht zu Stefanie“, behauptete Erik Frings.
Robert grinste schief. „Die Boulevardpresse ist da aber ganz anderer Meinung.“
„Du passt besser zu Stefanie.“
Robert zog die Mundwinkel nach unten. „Ich bin bloß ein guter Freund.“
„Als ihr euch noch ein bisschen mehr bedeutet habt, brauchte ich keine Angst um Stefanies Leistungen zu haben. Sie haben stets gestimmt, zwischen euch lief immer so etwas wie ein gesunder privater Wettstreit. Ihr habt euch gegenseitig unheimlich aufgeschaukelt. Einer hat den Ehrgeiz des anderen wachgehalten und ihn veranlasst, sein Allerbestes zu geben. Ihr wart nach dem Training zusammen, konntet stundenlang über euren geliebten Sport reden. Heute guckt Stefanie fortwährend auf die Uhr, bleibt keine Sekunde länger, als sie muss, und kratzt nach Trainingsschluss sofort die Kurve, um sich mit diesem reichen Schnösel zu treffen.“
„Sie liebt ihn“, erwiderte Robert trocken.
„Ich bezweifle, dass er sie ebenso sehr liebt.“
Robert zuckte die Schultern. „Man muss es annehmen.“
Frings schüttelte unwillig den Kopf. „Ach, komm, Wylander könnte mit seinen Verflossenen ein dickes privates Telefonbuch füllen.“
„Ja? Und?“
„Ich meine, da kann es doch nur eine Frage der Zeit sein, bis er auch von Stefanie genug hat“, sagte Frings leidenschaftlich. „Mädchen sind hübsche Spielzeuge für ihn. Wenn sie ihn nicht mehr interessieren, schmeißt er sie zu den anderen in die Ecke. Ehrlich gesagt, dafür ist mir Stefanie zu schade.“
„Was willst du tun?“ Robert schob den leeren Teller von sich. „Du kannst die beiden nicht auseinanderbringen. Wenn du das versuchst, erreichst du mit Sicherheit genau das Gegenteil, dann rücken sie noch mehr zusammen. Und im schlimmsten Fall weigert Stefanie sich, weiter mit dir zu arbeiten und sucht sich einen Trainer, der sich nicht in ihre Privatangelegenheiten mischt.“
„Ein guter Trainer muss sich auch darum kümmern. Sport und Privatleben kann man nicht so einfach trennen, denn letzteres hat immer Einfluss auf die Leistung eines Sportlers.“
Robert leerte sein Glas. Die Bedienung kam. „Noch’n Alkoholfreies?“
„Danke, nein“, antwortete Robert. „Aber mir können Sie noch eines bringen“, sagte Erik Frings. Er neigte sich etwas vor. „Weißt du, was mir lieber wäre?“
„Was?“
Frings bekam sein Bier. „Wenn du und Stefanie, wenn ihr beide ... Na ja, du weißt schon ...“
Robert Rahner winkte lustlos ab. „Vergiss es.“
„Mensch, ich verstehe dich nicht! Ist Stefanie es nicht wert, dass du um sie kämpfst?“
„Ich habe keine Lust, mich lächerlich zu machen“, brummte Robert. „Wer sich auf einen so aussichtslosen Kampf einlässt, ist ein Idiot. Ich habe nicht die geringste Chance gegen Wylander, also werde ich auch nicht versuchen, ihn auszubooten. Ich mach’ mich doch nicht zum Narren!“
„Weißt du, was mir an dir immer besonders imponiert hat? Dein wild entschlossenes Kämpferherz.“
„Ich kämpfe da, wo es einen Sinn hat“, entgegnete Robert. „Wenn meine Erfolgsaussichten von Anfang an gleich Null sind, passe ich lieber und setze die gesparte Kraft dort ein, wo es zweckmäßiger ist.“
„Wylander wird Stefanie unglücklich machen.“
Robert Rahner hob bedauernd die Schultern. „Ich kann es nicht verhindern.“
„O doch, das könntest du, aber du willst nicht.“
Robert machte ein Gesicht, als hätte er Essig getrunken. „Können wir nicht über etwas anderes reden?“
„Dieser Typ wird Stefanie sehr weh tun, und du wirst dir dann vorzuwerfen haben, dass du nichts dagegen unternommen, ja, es nicht einmal versucht hast.“
Robert versuchte das Thema zu wechseln. „Steht schon fest, mit wem wir in Berlin antreten werden?“
Doch Erik Frings ließ sich nicht ablenken. Er sagte: „Wenn die Katastrophe eintritt, brauche wenigstens ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Es wird mir nur leid tun, dass es mir nicht gelungen ist, dich zu überreden, dich um Stefanie zu bemühen.“
Robert seufzte schwer. „Trink dein Bier, ich möchte gehen.“