Читать книгу Extra Krimi Paket Sommer 2021 - A. F. Morland, Pete Hackett - Страница 42

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Rick Montalban trat auf die Terrasse hinaus. Man hatte einen traumhaften Ausblick auf den Bootssteg und das Meer. Dunst hing über dem Wasser. Die Wellen brachen sich schäumend am Strand, aber es wehte nur eine schwache Brise.

Die beiden Männer, die an dem runden Terrassentisch platzgenommen hatten, erhoben sich. Der eine war Mitte Fünfzig, hatte kurzgeschorenes graues Haar und ein bronzefarbenes Gesicht. Sein Maßanzug hatte mindestens 2000 Dollar gekostet. Er hieß Harry Silva. Silva war Ricks Neffe und außerdem sein Anwalt. Seit Jahrzehnten hatte Harry Silva seinen Onkel aus allen Prozessen herausgepaukt.

Der zweite Mann war zehn bis fünfzehn Jahre älter.

Der dünne Haarkranz um seinen Kopf war schlohweiß, ebenso der Knebelbart um das Kinn. Er trug eine pechschwarze Sonnenbrille.

Sein Name war Juan-Angel Carillo. Auch er gehörte zur Familie. Carillo war ein Großcousin von El Columbiano und seit vielen Jahren einer seiner engsten Berater. Carillo hatte für Montalban etwa die gleiche Stellung, wie sie in der italienischen Mafia ein sogenannter "Conciliere" einnahm.

Rick Montalban machte eine Geste mit der Hand. "Bleibt ruhig sitzen", sagte er. "Oder gibt es vielleicht irgendeinen Anlass, um förmlich zu werden?"

Weder Carillo noch Silva sagten ein Wort. Sie setzten sich wieder.

Rick Montalban nahm ebenfalls Platz und schlug die Beine übereinander. Mit einem Fingerschnipsen schickte er den Bodyguard weg, der in der Nähe stand.

"Ihr wolltet mich unbedingt sprechen und habt es sehr dringend gemacht", sagte El Columbiano. "Also schlage ich vor, dass wir gleich zur Sache kommen. Wie ihr wisst, bin ich ein viel beschäftigter Mann!"

Die beiden drucksten etwas herum.

Schließlich war es Carillo, der als erster das Wort ergriff. "Wir machen uns über verschiedene Dinge Sorgen, Rick!"

Rick Montalbans Augenbrauen hoben sich. "So?"

"Es gibt Gerüchte, du hättest die Organisation nicht mehr so fest im Griff wie früher", ergänzte Harry Silva. "Es heißt außerdem, du wolltest dich langsam aber sicher zurückziehen."

"Wer erzählt so einen Unfug?", fragte Rick ziemlich ungehalten.

"Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, Rick", erwiderte Harry Silva. "Und angeblich warten unsere Latino-Vettern nur darauf, unseren Teil des Kokain-Marktes unter sich aufzuteilen."

"Von wem sprecht ihr?"

"Von Benny Dominguez und seinen Puertoricanern zum Beispiel", sagte Silva.

Rick Montalban ballte die Hände zu Fäusten. "Caramba, was ist mit Dominguez?"

"Er soll im Nachtclub 'La Habanera' gesehen worden sein", antwortete der Anwalt. "Wie allgemein bekannt ist, steht der Laden unter der Kontrolle von Fat Paco und seinen Exilkubanern! Rick, du musst doch begreifen, was das bedeutet!"

"Du siehst Gespenster, Harry!", meinte El Columbiano.

"Es ist das, wovor ich dich immer gewarnt habe, Rick", fuhr Silva fort. "Ein Bündnis zwischen Benny Dominguez und Fat Paco. Die werden unsere Leute aus den Straßen von Spanish Harlem und der Bronx fegen, ehe wir uns versehen."

Rick Montalbans Gesicht wurde zu einer starren Maske. Er erhob sich, steckte die Hände in die Taschen seiner Cool Wool-Hose und blickte nachdenklich in Richtung des Meeres.

Dann wandte er sich an Carillo. "Juan-Angel, kümmere du dich darum. Du hast völlig freie Hand. Ich vertraue dir, das weißt du..."

"Ich werde sehen, was ich tun kann", sagte Carillo ziemlich einsilbig.

Aber Silva schüttelte energisch den Kopf. Fast beschwörend wandte er sich an El Columbiano.

"Rick, es reicht nicht, wenn sich Juan-Angel darum kümmert. Du selbst musst die Sache regeln, sonst fällt alles auseinander. Die Unterführer werden dir nicht mehr folgen, sondern sich von Fat Paco kaufen lassen!"

"Tut mir leid, mí amigo", erwiderte Rick.

Silva erhob sich. Er war fassungslos. "Was soll das heißen, Rick? Tut mir leid! Ich verstehe, dass dich der Tod deiner Tochter sehr mitgenommen hat. Aber manchmal muss man eben hart sein, wenn man überleben will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dir völlig gleichgültig wäre, wenn alles, was du mit deinen Händen aufgebaut hast, jetzt einfach so zerrinnt!

"Davon kann keine Rede sein!"

"Das kann schneller geschehen, als du dir jetzt vielleicht vorstellen kannst!"

Rick Montalban fasste sich ans Herz. "Harry, weißt du eigentlich, wie es hier in mir aussieht? Du hast keine Kinder. Du weißt nicht, was es bedeutet, wenn man sein eigen Fleisch und Blut verliert."

"Rick...", versuchte sich Juan-Angel Carillo einzumischen.

El Columbiano brachte seinen alten Ratgeber jedoch mit einer Handbewegung zum Schweigen.

"Im Moment konzentriere ich all meine Anstrengungen darauf, diejenigen zur Stecke zu bringen, die für Dolores' Tod verantwortlich sind. Einen nach dem anderen. Ich habe keine Lust, darauf zu warten, dass die Justiz diese Wahnsinnigen in eine psychiatrische Anstalt steckt und für schuldunfähig erklärt. Sie sollen leiden. So wie Dolores gelitten hat! Genau so..."

Einige Augenblicke lang herrschte Schweigen. Nur das Rauschen des Atlantiks war im Hintergrund noch zu hören.

Dirty Rick blickte hinaus auf das Meer.

Carillo warf Silva einen genervten Blick zu und verdrehte die Augen.

Silva richtete eine beschwichtigende Geste an Carillo und erhob sich. Er trat an Rick heran. "Auch wenn ich keine eigenen Kinder habe, verstehe ich doch, was in dir vorgeht, Rick."

"Ach, wirklich?", erwiderte Rick mit belegter, fast tonloser Stimme.

"Aber du musst auch uns verstehen, Rick. Es geht für uns alle vielleicht bald schon um die nackte Existenz. Für dich im Übrigen auch. Die Sache mit Aranjuez... Glaubst du, es war ein Zufall, dass er mit der halben Tonne Koks im Hafen abgefangen wurde? So viel Glück können die Cops nicht haben!"

Rick Montalban drehte sich ruckartig zu Silva herum.

"Was willst du damit sagen, Harry?"

"Na, was wohl? Du kannst mir nicht erzählen, dass dir der Gedanke nicht auch schon gekommen ist."

"Du meinst, dass jemand in unserer Organisation falsch spielt."

"Rick, wir müssen mit dem Drahtbesen an die Sache herangehen. Es muss eine Säuberung geben! Auch wenn es dir nicht gefällt, das zu hören, aber ich bin überzeugt davon, dass Teile der Organisation bereits übergelaufen sind und längst auf die Befehle von Fat Paco oder was weiß ich wem hören!"

Rick Montalban nickte leicht.

Wahrscheinlich hatte Silva mit seinen Vermutungen Recht. Jemand aus seiner Organisation hatte den Cops einen Tipp gegeben. Aranjuez war nur ein Bauernopfer in diesem Machtpoker hinter den Kulissen. Rick wusste nur zu gut, dass er selbst damit gemeint war.

"Okay", sagte El Columbiano schließlich. "Ich hoffe, du hast ein paar gute Vorschläge, Juan-Angel!"

Er wandte den Kopf in Carillos Richtung.

Warum ist der alte Fuchs heute so schweigsam?, ging es ihm durch den Kopf.

Extra Krimi Paket Sommer 2021

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