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9 Neulich im Kino

Vor ein paar Tagen war ich im Kino. Eines von diesen alten Schachtelkinos. Relikte aus den frühen achtziger Jahren. Unbequeme, durchgesessene Stühle, kleine Säle, kleine Leinwände. Wenig Publikum. Die große Zeit der Programmkinos ist vorbei. Filmkunst ist eine seltene Delikatesse für Randgruppen geworden. Filme, die nicht in 3-D sind. Und womöglich noch schwarz-weiß. Geht gar nicht, heutzutage. Oder zumindest nur noch äußerst selten kostendeckend.

Ich zahlte also meine 3 Euro 50. Kinotag. Die Billetts waren preisreduziert. Um mehr Leute ins Kino zu locken. Klappte aber nicht. Außer mir waren nur noch eine vermeintliche Studentin der Soziologe und ein Alt-Achtundsechziger im Kinosaal.

Es gab wenig Werbung. Und zwei Trailer für Filme, die demnächst gezeigt werden würden. „Cyrano de Bergerac“ und „Tee im Harem des Archimedes“. Sicher nichts für die kaugummikauende Masse (wie ein RTL Redakteur mal das Publikum des Senders bezeichnete). Dann begann der Hauptfilm. Er spielte in Paris in den siebziger Jahren. Ein junger Mann besichtigte eine Mietwohnung. Tage zuvor hatte dort seine Vormieterin einen Selbstmordversuch unternommen.

Der Wohnungseigentümer erklärte sich grundsätzlich bereit, die Wohnung an den jungen Mann weiter zu vermieten. Voraussetzung war aber, dass die noch im Krankenhaus liegende Selbstmörderin das Zeitliche segnen würde. Der Mann besuchte die junge Dame im Hospital. Sie starb. Er bekam die Wohnung. Die Nachbarn waren alle sehr merkwürdig. Ständig beschwerte sich jemand bei dem jungen Mann, da er angeblich zu laut war. Und das selbst wenn er nicht einmal im Ansatz Krach gemacht hatte oder gar in der Wohnung war. Die Mitbewohner, allen voran der Wohnungseigentümer, setzten dem Mann stark zu. Dann fand er ein paar Kleidungsstücke seiner Vormieterin.

Und der Mann entdeckte ein Loch in der Wand. Darin steckte ein Wattebausch. Er zog die Watte heraus. In dem Loch lag ein Zahn. Dann war ich kurz auf Toilette.

Als ich wieder ins Kino kam, hatte der Mann Frauenkleider an. Irgendwelche merkwürdigen Typen standen irgendwo auf einem Klo. Der Freund des Mannes redete auf ihn ein. Eine Nachbarin, mit einem behinderten Kind, kam zur Wohnung des Mannes und bedankte sich für irgendwas. Dann verlor der Mann auch einen Zahn und legte ihn in das Loch in der Wand. Ach, zwischendurch war er noch mit einer Freundin der toten Vormieterin im Kino. Dann bei ihr zuhause. Er wollte nicht, dass sie mit zu ihm geht. Weil er angeblich renovieren würde. Aber das stimmte nicht. Er hatte einzig und allein Angst, die Nachbarn könnten sich über den Lärm beschweren, den er und die Frau vielleicht machen würden. Ähm… später hatte er noch mal Frauenkleider an. Und dann sprang er aus dem Fenster. Das überlebte er aber. Da sprang er noch mal aus dem selben Fenster. Dann war er tot und der Film zu Ende.

Ja.

Der Alt-Achtundsechziger war bereits nach zwanzig Minuten gegangen. Und nach der Vorstellung fragte ich die Soziologie Studentin, ob sie vielleicht irgendwann noch einmal mit mir ins Kino gehen würde.

„Filmkunst?“, fragte sie.

„Nö. Action.“, sagte ich. „Am Besten was, mit ´nem Bus, der explodiert, wenn er langsamer als 55 Meilen pro Stunde fährt.“

„Gibt’s schon.“, sagte sie.

„Ach so.“, sagte ich.

Dann gingen wir getrennt nach Haus.

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