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„Wir vereinsamen hier noch ohne dich.“

Felix nippte am heißen Tee und verstand sehr gut, was sie meinte. Endlich mal Abwechslung! Die Großeltern vereinsamten hier in diesem Dorf nämlich keineswegs. Jeden Tag kamen Freunde, Nachbarn, ehemalige Schüler oder verirrte Wanderer auf einen Schwatz vorbei oder weil sie sich Rat erbaten in den verschiedensten Dingen des Lebens. Oma Grete war noch ganz schön aktiv, ging zur Gymnastik, fuhr ins Schwimmbad, bemalte Gläser oder kochte Obst und Gemüse ein. Langeweile war ein Fremdwort für sie. Allerdings war sie auch zwanzig Jahre jünger als Opa Wolf. Mit seinen weit über neunzig Jahren war er im Laufe der Zeit immer kleiner und hutzliger geworden. Immer öfter schlief er tagsüber in seinem Sessel ein. In seine Töpferwerkstatt im Keller ging er kaum mehr. Das war einmal Felix’ Lieblingsort gewesen und er hatte sich gewünscht, dass der Großvater ihm das Töpfern beibrächte. Doch je mehr er Schwimmen gegangen war, desto weniger Zeit hatte er gehabt, nach Mutscheid zu fahren.

„Was macht die Schule? – Hast du deine Zeichnungen dabei? Gibt es neue? – Wie geht es deiner Mutter? – Hast du genug Platz im Rucksack, dann gebe ich dir ein paar Gläser eingemachte Kirschen mit!“ Oma Grete war für ihre vielen Fragen bekannt. Sie wollte das Gespräch stets am Laufen halten und möglichst viel über sein Leben in der fernen Stadt erfahren, in die sie nur noch sehr selten kam. Felix beantwortete die Fragen kurz und knapp und berichtete das Nötigste, damit er möglichst schnell wieder in den großelterlichen Kosmos eintauchen konnte.

„Habt ihr schon überlegt, wen ihr zu Opas Geburtstag einladen wollt?“ Es war nicht schwer, ein Gesprächsthema zu finden, das in harmlosere Gebiete führte und Oma und Opa waren schnell bei der Sache und gerieten in Aufregung über das bevorstehende Fest.

„Der Schützenverein wird sicher vor der Tür stehen und ein Ständchen bringen, aber die können wir nicht auch noch alle einladen“, fiel Oma Grete ein. „Einen Schnaps müssen sie allerdings bekommen, da müssen wir dran denken. Kannst du das mal aufschreiben bitte!“

Felix holte Zettel und Stift. Nichts leichter als das. Sie planten, aßen Kuchen und taten bald das, was sie immer taten, wenn Felix zu Besuch war. Die Großeltern zeigten ihm den Garten, diskutierten, was sie für ihn kochen könnten, stöhnten über ihre alten Knochen und darüber, was eigentlich an ihrem Haus alles gemacht werden müsste. Sie kramten das abgegriffene Mensch ärgere dich nicht-Spiel hervor, freuten sich über jeden Spielstein, den sie rauswerfen konnten oder stritten sich abends bei einer Rateshow im Fernsehen über die richtigen Antworten, bevor der Moderator den Streit entschied.

„Das Holz hacke ich dann morgen früh!“

Oma Grete nickte. „Magst du mal den Wolf in sein Bett bringen? Dann räume ich noch die Küche auf.“

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