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Petis Backstube

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Eines Tages kam ich hungrig in die Küche gelaufen, bremste mit quietschenden Gummistiefeln und sah meine Schwester herzhaft in eine Semmel beißen. Oh Mann, wie das krachte, wie das schmatzte und wie lecker das aussah. Ich wollte auch eins haben und beäugte beim Kauen den Rest meiner Semmel. Bei uns hieß das übrigens immer Brötchen. Bleiben wir beim Brötchen. Ich machte mir zum ersten Mal Gedanken darum, warum das Teil außen knusprig war und innen herrlich saftig fluffig. Meine Schwester erklärte mir wie im Chemieunterricht, was da alles drin steckte. Könnte einem echt schlecht werden, wenn man das zum ersten Mal hört. Backtriebmittel, aufgehender Teig? Nun ja und ich fragte dann, ob das so ähnlich sei, wie bei Muttis Biskuitrolle. Nee, die war ganz anders. Die Schwester fing Feuer und suchte im Küchenschrank unter Muttis Zutaten ähnliche Produkte raus, die man für ein Brötchen benötigte. Weißes Pulver, welches staubte, ein kleines Päckchen, welches den Teig antrieb und dann hörte ich was von Sauerteig? Nee, das kam ins Schwarzbrot. Also legten wir die Sachen so zusammen, dass man einen Mürbeteig kneten konnte. Natürlich wurde das sofort in die Tat umgesetzt, aber nachdem wir erst mal eine herzhafte Sauerei veranstaltet hatten und am Ende riesige Weihnachtsplätzchen in Form und Größe eines Brötchens aus dem Backofen heraus holten, dachten wir noch mal über die ganze Geschichte nach und beschlossen das ganze unter ständigem Rühren in den Ausguss, vielmehr Mülleimer zu werfen. Ein paar Tage später war ich alleine zu Hause und langweilte mich. Die anderen Kinder waren irgendwo unterwegs und keiner hatte Zeit zum Spielen. Also schaute ich mich um und überlegte, was ich Gutes tun könnte. Backen! Und zwar Brötchen! Ich überlegte, was mir meine Schwester so alles zusammengelegt hatte. Da war das weiße staubige Pulver, das kleine Paket zum Antreiben des Teiges, das Backblech, Eier, obwohl Schwesterchen nicht wusste, ob die wirklich in ein Brötchen gehörten und Butter. Butter war für alles gut. Mit der guten Butter schmierte ich erst mal das Backblech ein. So richtig dick, also so was von dick! Dann fing ich an zu kneten, in der Schüssel und ich war echt stolz wie Oskar, als der Teig schön fest wurde. Oh Mann und wie fest. Ich musste unbedingt noch Wasser dran tun, denn der wurde immer härter. Nach einer Weile konnte ich mit dem Messer Stücke aus dem Wunder heraus trennen und kleine Brötchen formen. Wie steif die Viecher geworden waren, also das war mir so ein Rätsel. Wenn das meine Schwester sehen würde. Viel steifer wie bei ihr. Ich war so stolz und dann machte ich den Backofen an und schob die Dinger da rein. Ich setzte mich vor das Backofen-Fenster und guckte gespannt. Ich guckte auch auf die Uhr. Einige der Brötchen gingen mehr auf, als andere. Egal, es waren doch meine Ersten. Als sie anfingen braun zu werden, holte ich schnell die dicken Handschuhe vom Wandregal und riss die Backofen Tür auf und rettete die Dinger, so schnell ich konnte. Ich hätte auf das "Klongen" achten sollen, als ich das Blech umwarf. Erst knallten einige von den Brötchen auf den sauberen Küchenboden, aber die lauten Einschläge auf den Fließen, die hätten mich stutzig machen müssen. Ich legte die Dinger brav auf eine Platte und stellte sie auf den Tisch. Ich roch dran. Hm, ja, also Brötchen rochen zwar anders, aber sie sahen Brötchen ähnlich. Ich tippte mit dem Finger drauf. Mann, fühlten die sich knusprig an, nur eben härter. Ich schaute mich um und verließ die Küche und vergaß irgendwann mein Backwerk. Abends kamen dann die Familienmitglieder nach Hause und waren entzückt, als sie mein Backwerk sahen und gierig wurde danach gegriffen und rein gebissen. Ein Klong ertönte. Ein "Aua" nach dem anderen und Muttis dritte Zähne knallten aus dem Oberkiefer. Meine Schwester zog die Augenbrauen nach oben und suchte den Horizont nach mir ab. Mutti machte dasselbe zur anderen Seite und ich piepte leise, erstaunt:

»Hier bin ich«, ab in Deckung hieß das bei mir, egal welche chemischen Kampfstoffe ich in die harten, beigefarbenen Steine rein gemischt hatte, irgendwas war nicht in Ordnung. Mutti ließ erschrocken so einen Brocken fallen und der zerknallte am Boden in tausend Fetzen.

»Peeeetra? Was hast du da rein getan?« Ich holte unschuldig drein blickend alle Zutaten, die man mir gezeigt hatte und stellte sie auf den Küchentisch. Mutti und Schwesterchen wechselten die Farben im Gesicht. Die Mundwinkel zuckten auf und ab. Meine Gänsehaut wuchs erbärmlich in die Höhe und der Bestatter nahm links von mir, seitlich Maß. Dann brüllten die beiden laut los. Ich erschrak zutiefst. Was hatte ich nun wieder angestellt? Die Küche war sauber, der Boden war sauber. Ich hatte aufgeräumt? Ich war mir keiner Schuld bewusst und warum lachten die plötzlich so über mich? Muttis Räumwunderküche beinhaltete ja nicht nur Küchenzubehör und Kochzutaten. Nein, da stand ja auch schon Mal Reparatur-Gips neben dem Mehl!

Schuld war nur die Mustertapete 2

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