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Die Scheiß-Drauf-Mentalität

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Oftmals legen Menschen eine Scheiß-Drauf-Mentalität an den Tag. Hierbei gibt es zwei Formen. Die eine, die eher darauf beruht, dass ein Mensch keine Lust hat, sich in irgendeiner Form zu bewegen, zu arbeiten oder sein Leben in den Griff zu kriegen. Die andere Form der Scheiß-Drauf-Mentalität liegt vielmehr darin begründet, dass es Menschen gibt, die sich von sozialen und gesellschaftlichen Konventionen lösen und ihr Ding durchziehen, egal, was andere ihnen raten oder es ihnen gar verbieten. Im Grunde ist dieser eine Begriff für zwei gänzlich konträre Einstellungen zu benutzen. Entweder keine Ambitionen an irgendetwas zu zeigen oder aber seine Ziele und Visionen so stark zu verfolgen, dass man Kollateralschäden in Kauf nimmt.

Doch nicht immer resultiert eine derartige Haltung aus schlechten, angeborenen oder sozialisierten Charakterzügen, sie wurde bei vielen Menschen eher anerzogen. Warum? Wer nicht mehr kämpft, vergleicht und nichts mehr zu verlieren hat, ist für fast alle kommerziellen und undurchsichtigen Angebote offen. Der Profit- und Machtgier unserer Kontrahenten sind dann kaum mehr Grenzen gesetzt. Wie bei einer Diät mit allseits gefürchtetem Jo-Jo-Effekt treten einst erzielte Erfolge und Selbstvertrauen in den Hintergrund, werden schadenfroh in der Luft zerrissen und mental zu Kleinholz verarbeitet. Ein neues Wiederaufsetzen in den Sattel ist somit immer weniger möglich. Die Intervalle zwischen Versuch und Irrtum werden kürzer und das Fehlverhalten immer wahrscheinlicher. Teilen lernen gehört zu einer der wichtigsten Erziehungseinheiten, die Eltern ihren Kindern vermitteln. Anerzogen werden muss dies, weil ein Kind nicht von allein und von Geburt an weiß, wie gerechtes Teilen funktioniert. Ein „Mir doch egal, ob die anderen was von meiner Schokolade haben, Hauptsache ich kann naschen.“ klingt erst einmal gemein, doch genau so denken Kinder, weshalb das Teilen erst anerzogen werden muss.

Im späteren Leben und mit dem Heranwachsen der eigenen Persönlichkeit entwickeln wir ein Gespür dafür, wie man mit anderen Menschen umgehen muss. Der eine kann sich besser in sein Gegenüber hineindenken, der andere weniger, manch einer hat gar kein Interesse daran und bei einigen wird es sogar zwingend notwendig, beispielsweise für den Selbsterhaltungstrieb, sich selbst zu sagen: Nach mir die Sintflut. Eine Scheiß-Drauf-Mentalität ist meistens abhängig von der eigenen Denkweise. Sie wird dann zutage gefördert, wenn sich die kleinen Problemchen zu einer unübersichtlichen Wulst bilden. Die Bewältigung scheitert an falsch gesetzten Prioritäten in Bezug auf Wichtigkeit und Dringlichkeit. So gewinnen Süchte, schlechte Angewohnheiten und Selbstbetrug oft die Oberhand.

Wichtig ist, dass man die Balance aus Reflexion und Ignoranz nie außer Acht lässt. Balance ist ja eines von wenigen fast vollständig positiv besetzten Stichworten. Balance wird in allen Lebenslagen als die Lösung unserer Probleme betrachtet, sei es bei der bewussten Ernährung oder dem Jonglieren von Beruf und Privatleben. Bewusst erzielte Balance propagiert Zufriedenheit und Zeit, sich neuen und interessanten Vorhaben zu widmen. Wer aus der Balance geraten ist, hat hingegen zunehmend mit Zeitfressern und dekonstruktiven Verhaltensmaßstäben zu tun. Ein gewisses Quantum an Ignoranz kann sehr hilfreich sein. Einfach mal ignorieren, was Gepflogenheiten, Werte, Regeln, soziale Maßstäbe und gesellschaftliche Konventionen angeht. Nur wer wagt, gewinnt. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie wissen, was Ihnen guttut und was nicht. Dafür ist die Reflexion unerlässlich. Und nicht nur für Sie, denn Sie sollten auch in der Lage sein, durch Reflexion zu sehen, ob Sie mit Ihren Abweichungen vom sozialen Standard jemanden verletzen können. In dem Moment, wo Ihr Denken und Handeln Ihren Mitmenschen schadet, ist es falsch. Dies würde bedeuten, dass Ihre Ignoranz mehr Gewicht hat, als die Reflexion darüber, was Ihnen und anderen guttut.

Menschen mit Scheiß-Drauf-Mentalität sind gefährdet, andere Menschen, die ungeprüft jede Meinung übernehmen und als richtig anerkennen, vor den Kopf zu stoßen. Es gehört eine große Portion Mut und Selbstbewusstsein dazu, die eigenen Interessen, die möglicherweise nicht mit denen der Nachbarn, Arbeitskollegen, Politikern und Freunden im Gleichklang stehen, dennoch durchzusetzen. Aber immer unter der Prämisse, diesen keinen Schaden zuzufügen. Die Argumentation der Masse ist meist wasserdichter und kann bewirken, dass Menschen, die etwas vollkommen anderes anstreben, sich leicht dumm oder naiv vorkommen oder nicht ernst genommen werden.

Im Zweifel nehmen Sie eine Rolle an, eine zweite Persönlichkeit. Sie sind dann zwar nicht mehr Sie selbst, aber wenn Sie Ihre Interessen geschickt verpackt in einer passenden Rolle unterbringen können, stoßen Sie fast überall auf reichlich Gehör und Resonanz. Dies lässt sich sehr gut bei Comedians oder auch Kabarettisten sehen. Die wenigsten stehen auf der Bühne als die Person, die sie im täglichen Leben tatsächlich sind. Verkleidungen (zum Beispiel Atze Schröder oder Cindy aus Marzahn) sind ein Teil davon. Doch auch in der Art und Weise wie sie sprechen und ihre Inhalte dem Publikum mitteilen, spielt eine große Rolle dabei. Ein Ralf Schmitz spielt den liebenswürdigen und hibbeligen Liebling aller Schwiegermütter, während ein Ingo Appelt oft durch zynische, reißerische und oft unter der Gürtellinie sitzende Witze ein Image als Bad Boy und kleines Arschloch pflegt. Seien doch auch Sie mal Schauspieler, seien Sie wer Sie möchten. Esoteriker, Bösewicht, der hilflos Alleingelassene, der Gewinner auf allen Ebenen oder der kreative Chaot! Die Rolle, die Sie bekleidet und begleitet, bewirkt eine selbstbewusste Außenseiterstellung, in der auch Menschen mit der Scheiß-Drauf-Mentalität sich einen deutlichen und bleibenden Charakter verschaffen.

Perfektionismus ist ein weiterer Herd für eine entstehende Scheiß-Drauf-Mentalität. Die eigene Anerkennung findet in einem solchen Rahmen fast nie statt. Anerkennung von anderen ist selten und bleibt somit vermehrt aus, genauso wie die Freude am Erreichen gesetzter Ziele. Sie haben heute dreieinhalb Stunden im Fitnessstudio geschwitzt und auch tatsächlich ein paar Kalorien verbrannt oder in Muskelmasse umgewandelt? Super! Doch bei Perfektionisten folgt statt der verdienten Zufriedenheit oft gleich die ausbremsende Selbstanklage: Was ist das schon? Und das Sixpack sieht immer noch nicht so aus, wie Sie wollten. Mindestens vier von zehn Sachen, die Sie erledigen wollten, sind deshalb liegengeblieben. Man könnte sagen, nix geschafft, das negative Selbstbild formt sich beim Anblick des nicht getätigten Abwasches zum Nichtsnutz und die Frustfresserei folgt auf dem Fuße. Und damit haben Sie die abtrainierten Gramm direkt wieder auf der Hüfte. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die sportlichen Aktivitäten und anderen Pflichten und Hobbys so immer widerwilliger ausgeführt werden. Obgleich die Mitgliedschaft im nächsten Fitnessstudio einst mit guten Vorsätzen gepflastert war, gewinnt meist die Scheiß-Drauf-Mentalität. Abmeldung. Hier heißt es: Dran bleiben! Und den Perfektionismus versuchen, mit dem Konzept der Ignoranz zu eliminieren. Perfektionismus bremst aus und tötet Engagement und Kreativität.

Apropos Kreativität: Man könnte meinen, eine Scheiß-Drauf-Mentalität wäre eine Modeerscheinung des 21. Jahrhunderts. Doch dem ist nicht so. Schauen Sie sich allein die Künstler an, die in der Vergangenheit für Aufsehen gesorgt haben, weil sie gänzlich unkonventionelle Wege gegangen sind und damit der sozialen Norm widersprachen. Ein William Shakespeare sorgte mit seinen Theaterstücken für mächtig Aufruhr im britischen Adel und seine Werke wie „Hamlet“, „Romeo und Julia“ oder auch „Macbeth“ zählen heute zu den wohl bekanntesten auf der ganzen Welt. Die neue Kunstform, die ein Pablo Picasso schuf, präge die Kunstwelt bis heute. Auch die Film- und Musikindustrie brachte mehrere Individuen und Gruppen hervor, die sich durch das Ausbrechen aus bekannten Mustern Weltruhm erlangten. Alfred Hitchcock, Quentin Tarantino, George Lucas oder Steven Spielberg drücken ihren filmischen Werken eine ganz eigene und eigenwillige Note auf. In der Musikwelt gibt es schier unzählige Beispiele für Personen und Gruppen, die durch das Beschreiten von neuen Wegen weltweite Euphorie hervorriefen. Ein Elvis Presley oder auch die Beatles revolutionierten die damalige Musikbranche und die Gruppe Black Sabbath rund um Sänger Ozzy Osbourne gelten als die Erfinder des Heavy Metal, weil sie zeitgenössische Gitarrenmusik mit Texten kombinierten, die sie an damalige Horrorfilme erinnerten. Es gehört viel Mut dazu, gegebene Konventionen über Bord zu werfen, doch gerade in der Kunst ist alles erlaubt.

Grundsätzlich neigen Menschen mit einer Scheiß-Drauf-Mentalität dazu, ausbrechen zu wollen. Und das nicht nur im kreativen Sinne, sondern auch räumlich. Die schon lange geplante Weltreise oder ein Urlaub können sinnvoll und genussverdächtig sein, wenn Sie keine Probleme zurücklassen. Sie können alle Probleme mitnehmen, die Sie haben, wenn Ihnen die Reise hilft, diese zu lösen. Welche Probleme würden Sie mitnehmen, welche blieben ungelöst? Wie schlimm wäre das? Sind Eigentum, Job, Finanzen und soziales Umfeld gefährdet, wenn Sie gehen? Wird möglicherweise auf einen besseren und gesünderen Lebensstandard verzichtet? Sie haben gute Möglichkeiten, aus einer neuen Lebensperspektive Gewinn und Erholung zu schöpfen. Jedoch ist die Balance zwischen Reflexion und Ignoranz in diesem Fall ebenso wichtig, weil Sie auf sich hören müssen, was gut für Sie ist und was Sie glücklich macht, auf der anderen Waagschale Ihr soziales Umfeld aber nicht beeinträchtigt werden darf.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich eine gesunde Portion Scheiß-Drauf-Mentalität durchaus positiv auf Ihre Zufriedenheit im Alltag auswirken kann. Wenn Sie einfach mal mit Konventionen brechen, neue Dinge wagen und ausprobieren, bei denen Ihr Umfeld der Meinung ist, das gehört sich nicht oder dass dies nichts für Sie ist, können Sie nur gewinnen. Achten Sie aber darauf, dass Sie mit Ihren Entscheidungen niemanden verletzen, denn sonst driftet Ihre Einstellung in die falsche Richtung und Ihr Leben wird nicht unkomplizierter, sondern komplexer.

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