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Vorwort

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Ich hätte dieses Buch nicht gebraucht. Zurückschauen, Vergangenheit, Theater, Film, Fernsehen – wen kümmert das? Mich am allerwenigsten. Vorbei ist vorbei und weg ist weg, nach dieser Maxime lebe ich, inzwischen seit bald 90 Jahren. Ich weiß, wovon ich spreche. Ein Buch, in dem ich mich mit meiner Vergangenheit auseinandersetzen soll? Ich kann damit nichts anfangen.

Ich kann stur sein wie ein Bock, bin aber gleichzeitig gutmütig wie ein Schaf. Ich bin eine schlechte Neinsagerin.

Ich konnte es nie, und ein Nein geht mir bis heute nicht von der Zunge. Naja, wenn sie mich so lieb bitten. 2011 zum Beispiel im Kunsthistorischen Museum. Beim Projekt Ganymed Boarding interpretierte ich Franz Schuhs Text zu Wolf Hubers Bild Der Humanist Jacob Ziegler, ganze Abende lang, wieder und immer wieder. Regelmäßig stand ich drei Stunden ohne Pause, fast bis zum Zusammenbrechen. War ich mit einer Partie fertig, stand die nächste bereit, nicht eine Sekunde konnte ich weg. Die Leute bettelten: »Bitte, bitte, Frau Mangold, nur noch einmal!« Und ich fing wieder von vorne an. Einer war schon zum dritten Mal dabei, der meinte: »Frau Mangold, diesmal waren Sie aber besonders gut!« Ja, offenbar hatte ihm gefallen, wie ich in Trance geredet hatte.

Es wäre besser gewesen, öfter Nein zu sagen. Es ging nicht.

Dabei schreibt es sich höchst einfach: Nein. »Erni, da gibt es dieses Stück, magst du nicht?« Nein. »Liebe Frau Mangold, wir laden Sie herzlich ein …« Nein. »Sehr geehrte Frau Professor, Sie müssen unbedingt …« Nein. Nein. Nein. Einfach. Theoretisch. Denn Nein zu sagen, also wirklich und bestimmt: Nein! – Ich schaffe es nicht. Vergiss es.

Und deshalb gibt es dieses Buch. Weil ich es im entscheidenden Moment wieder einmal nicht fertiggebracht habe, Nein zu sagen.

Gut, wenn ich dabei bin, ist es ja okay. Es macht Spaß, immer noch Spaß. Theater, Fernsehen, Hörspiel und irgendwie letztlich dieses Buch, das mir nächtelang den Schlaf raubte. Erinnerungsarbeit. Entzückend.

Und so danke ich allen, die zum Gelingen dieses Buches beige-tragen haben: Frau Dr. Brigitte Sinhuber, die es unbedingt wollte, und ihrem Team für die mühevolle Kleinarbeit beim Zusammenstellen meiner Werkliste. Weiters danke ich Thomas Ballhausen und dem Filmarchiv Austria, dem ORF sowie Stöffi Speich, Harald Fidler und Peter Patzak, ich danke dem Theater in der Josefstadt, dem Schauspielhaus Wien und dem Volkstheater, den Schauspielhäusern in Hamburg und Düsseldorf sowie der Hamburger Theatersammlung der Universität Hamburg, Frau Dr. Michaela Giesing, dem Archiv der Salzburger Festspiele, Frau Mag. Franziska-M. Lettowsky, und dem Deutschen Theatermuseum München, Herrn Stephan Priddy. Ohne sie alle gäbe es dieses Buch nicht. Dieses Buch, das ich nicht gebraucht hätte. Und überhaupt: Doris, du bist schuld, soll ich mich bedanken? Nein – du musst es tragen.

Lassen Sie mich in Ruhe

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