Читать книгу Trick Play - Touchdown ins Herz - Eden Finley - Страница 6
ОглавлениеKAPITEL 1
MATT
Seinem frechen Grinsen war ich gleich verfallen, auch wenn die fünf Drinks auf leeren Magen sicher ihren Anteil daran hatten. Normalerweise war ich vorsichtiger. Doch jede Zelle meines Körpers vibrierte im Rhythmus des dröhnenden Basses, Alkohol rauschte durch meine Adern, und der Anblick der tanzenden Menge, der vielen Körper, die sich in eindeutiger Weise auf der Tanzfläche aneinander rieben, machte mich leichtsinnig.
Wie immer, wenn wir eine Niederlage einstecken mussten, und erst recht, wenn sich dadurch unsere Chancen auf die Teilnahme am Superbowl in Luft auflösten, stand mir der Sinn nach einer schnellen Nummer. Für uns war die Saison gelaufen, aber dieser Typ mit dem dunklen Haar und den strahlenden Augen sorgte dafür, dass ich all das vergaß. Eigentlich ist es nicht mein Ding, mir in einem Club einen One-Night-Stand aufzureißen, aber es war nicht das erste Mal und würde auch nicht das letzte sein, da gab ich mich keiner Illusion hin.
Ich war keiner dieser heimlich schwulen Kerle, die sich verstellen und überall in weiblicher Begleitung erscheinen. Nein, ich blieb für mich, hielt mich bedeckt und vermied jegliches Aufsehen. Nur in Nächten wie dieser, wenn ich … einfach jemanden brauchte, konnte ich mich nicht zurückhalten. Ich musste mir diesen Kick verschaffen, dieses Hochgefühl, das nur ein Adrenalinschub auslösen kann – notfalls ließ ich mich dafür sogar auf ein bedeutungsloses Sexabenteuer ein. Ich brauchte ein Erfolgserlebnis. Nichts ist mit einem Sieg auf dem Footballfeld vergleichbar, doch Sex kommt dem am nächsten.
Wir wechselten kein einziges Wort. Das war auch gar nicht nötig. Ich ließ mich ganz auf diese Zufallsbekanntschaft ein und zuckte noch nicht einmal mit der Wimper, als er mir die Kappe vom Kopf nahm – die ich sonst zu meinem Schutz immer auflasse. Und als er mich küsste, ging ich völlig darin auf; die Mistkerle mit ihren Handys, die mich erkannt hatten, nahm ich gar nicht wahr. Und selbst als die Blitzlichter aufflackerten, war ich viel zu abgelenkt von dem heißen, feuchten Mund, der mir einen lustvollen Seufzer nach dem anderen entlockte.
Bis zu diesem Moment kannte man mich als Matt Jackson, Tight End der Bulldogs. Seither bin ich nur noch Matt Jackson, dieser schwule Footballspieler, der mit heruntergelassener Hose erwischt wurde.
»Matt«, sagt eine tiefe Stimme.
Sie reißt mich aus den Erinnerungen an diese Nacht, und ich muss mich wieder dem Ernst meiner gegenwärtigen Lage stellen. Mein rechtes Knie wippt unkontrolliert auf und ab, während die beiden Anzugträger hinter dem Schreibtisch erklären, wie sie mich wieder auf die Beine bringen wollen. Nein, nicht mich, sondern mein Image. Anscheinend sind das zwei unterschiedliche Dinge, obwohl ich mir da nicht so sicher bin. Ich bin schwer angeschlagen, genau wie mein Bild in der Öffentlichkeit.
»Die Aufnahmen aus dem Club lassen Sie schmierig wirken, wie einen schäbigen Lustmolch, der es auf unschuldige Jungs abgesehen hat«, erklärt der Ältere der beiden.
Ich funkele Damon böse an. Er ist mein eigentlicher Agent, aber ein Anfänger, weshalb der Alte ihn begleitet und alles im Auge behält. Er passt auf, dass Damon nichts vermasselt. Ich bin Damons erster offizieller Klient. Der schwule Ex-Baseballspieler vertritt den kürzlich geouteten Football-Megastar. Die Presse wird sich nur so auf uns stürzen.
Ich sollte mich glücklich schätzen. Meine alte Agentur hat mich fallen lassen, sobald der Skandal publik wurde. Meine Sponsoren ebenso. Mein Vertrag mit den Pennsylvania Bulldogs war gerade ausgelaufen, und – große Überraschung – der Verein hatte kein Interesse an einer Verlängerung. Meine Karriere schien am Ende zu sein. Bis Maddox bei mir aufgetaucht ist, mit dem ich mir am College ein Zimmer und die Vorliebe für regelmäßige Sexspielchen geteilt hatte. Er hat mich seinem Freund Damon vorgestellt. Ohne die beiden wäre mein Vertrag mit OnTrack Sports niemals zustande gekommen.
»›Lustmolch‹ ist vielleicht nicht das richtige Wort«, wendet Damon ein, bevor ich dem alten Sack meine Meinung sagen kann, »aber die Bilder sprechen wirklich nicht für dich.«
»Und wie sollen wir das deiner Meinung nach wieder in Ordnung bringen?«, frage ich. »Die Fotos sind jetzt im Umlauf. Dagegen können wir nichts tun.«
»Du versteckst dich nicht länger. Stattdessen stellen wir dich noch stärker ins Rampenlicht«, erklärt Damon.
Ich stöhne auf. »Kein Team will einen Spieler, der so einen Medienzirkus mitbringt. Ich möchte aber unbedingt wieder spielen.«
»Und damit Sie das können, dürfen Sie keinesfalls so wirken, als ob Sie ständig darauf hoffen, dass einer Ihrer Teamkameraden die Seife fallen lässt«, sagt der Alte. Ich sollte mir seinen Namen merken, damit ich ihn auf meine stetig wachsende Liste von Idioten setzen kann.
Sogar Damon ist es sichtlich peinlich, aber er kann sich keinen Kommentar erlauben – der Mistkerl ist sein Vorgesetzter.
»Ich stehe nicht auf Heteros«, erwidere ich.
»Du musst den Eindruck erwecken, als wärst du bereits in festen Händen und deswegen nicht anderweitig interessiert«, führt Damon diplomatisch aus. »Die Fotos wurden vor Monaten aufgenommen, stimmt’s? Wir reagieren auf das Problem, indem wir erklären, dass es keins mehr ist. Du hast mittlerweile jemanden kennengelernt, dich verliebt, und ihr führt eine ernsthafte, feste Beziehung. Du reißt keine Fremden in irgendwelchen Bars auf, du wirst nicht wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet, du …«
»Ich bin noch nie wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet worden. Ich bin überhaupt noch nie verhaftet worden, Punkt.«
»Wir wissen das, aber glaubst du wirklich, die Medien kümmert das auch nur im Geringsten?«, fragt Damon. »Sie werden dir alles Mögliche andichten. Du stehst im Rampenlicht, ob es dir passt oder nicht, und dein Job ist es jetzt, dich so zu präsentieren, dass man dich gern ins Team holt. Egal, in welches. Im Moment schwebst du im luftleeren Raum, und wir haben nur zwei Monate, bis das Training wieder anfängt. Bis dahin müssen wir dich unter Vertrag gebracht haben.«
»Ich muss mir also einen festen Freund zulegen. Darauf läuft es doch hinaus, nicht wahr?«
»Wir haben dir schon einen organisiert«, sagt Damon.
»Was?«
»Meinen Freund Noah. Du hast ihn schon kennengelernt, als Maddox uns in Noahs Wohnung miteinander bekannt gemacht hat.«
Ich kann mich an kaum etwas erinnern, das nach dem Skandal passiert ist. Auch an diesen Abend habe ich nur eine vage Erinnerung. Bis meine Welt in sich zusammengestürzt ist, habe ich nie verstanden, was mit »auf Autopilot funktionieren« gemeint ist. Alle Unterhaltungen, die ich in den letzten Wochen geführt habe, wurden von meinem Gedächtnis nur verschwommen abgespeichert.
»Noah ist cool«, meint Damon. »Er führt sich zwar manchmal auf wie ein Idiot, aber das ist alles nur Fassade. Er war mir noch einen Gefallen schuldig und hat bereits zugesagt.«
»Aha, du verkuppelst mich also einfach mal so eben, oder wie?« Ich will wirklich nicht die beleidigte Leberwurst spielen, aber es geht hier schließlich um mein Leben. Außerdem nervt es mich, dass ich mit zunehmender Aufregung wieder verstärkt in meinen alten Akzent verfalle, den ich mir mühsam abtrainiert habe.
»Das ist doch rein geschäftlich«, fährt Damon fort. »Wir organisieren ein paar PR-Veranstaltungen, die ihr zusammen besucht, und nach der Kreuzfahrt, die wir für euch gebucht haben, damit ihr euch kennenlernen könnt, geben wir bekannt, dass ihr zusammen seid. Eine einwöchige Rundreise zwischen den Bermudas übrigens, und Maddy und ich sind auch mit von der Partie.«
»Solltest du nicht lieber hierbleiben und versuchen, einen neuen Vertrag für mich auszuhandeln, statt auf Kreuzfahrt zu gehen? Und ich sollte auch besser etwas anderes tun, am besten irgendwas, das mit Football zu tun hat!«
»Matt.« Na prima, sogar Damon reicht es langsam. »Du solltest dich darauf konzentrieren, dein Image zu verbessern. Wenn du das nicht schaffst, wird dir keiner einen Vertrag anbieten.«
»Wozu hat die Liga denn dann die Antidiskriminierungsregeln aufgestellt?«
»Ich muss zum nächsten Meeting.« Der alte Sack wendet sich an Damon. »Sie übernehmen ab hier.«
Sobald er gegangen ist, seufzt Damon auf. »Natürlich könnten wir uns auf die Antidiskriminierungsregeln berufen, aber das bringt uns nicht weiter. Falls du dich mit einem hübschen Abfindungssümmchen aus dem Football zurückziehen wolltest, könnten wir das über diese Schiene vielleicht erreichen. Doch realistisch betrachtet würden wir wahrscheinlich verlieren.«
»Wieso? Die Vertragsverhandlungen liefen prima, bis ich geoutet wurde.«
»Alle Verträge mit Sportlern beinhalten eine Sittlichkeitsklausel. Selbst wenn du mit einer Frau auf diesen Fotos zu sehen wärst, könnten die Bulldogs dir von Rechts wegen den Vertrag kündigen. Ob sie das gemacht hätten, wenn es eine Frau gewesen wäre? Wahrscheinlich nicht. Aber das können wir nicht beweisen. Sie können dir aber fragwürdige Moral unterstellen, nachdem du mit irgendeinem dahergelaufenen Typen in diesem Club rumgemacht hast. Wie gesagt, gut möglich, dass du genauso in der Kritik stehen würdest, wenn es eine Frau gewesen wäre.«
»Das ist Schwachsinn, und das weißt du ganz genau. Gegen einige Spieler wurden sogar Vergewaltigungsvorwürfe erhoben, und von denen wurde kein einziger gefeuert.«
»Ach, Matt.« Damon sitzt mir jetzt als Freund gegenüber, nicht mehr als Agent. Ich glaube, so mag ich ihn lieber, als wenn er sich hinter seinem Anzug versteckt. »Was bleibt dir denn schon übrig? Entweder eroberst du dir deinen guten Ruf zurück und damit vielleicht auch deinen Platz in der NFL, oder du ziehst mit wehender Regenbogenflagge vor Gericht und verlierst wahrscheinlich alles. In einer perfekten Welt würde diese ganze Sache keine Rolle spielen, aber so funktioniert unsere Welt nun mal nicht. Als ich noch Baseball gespielt habe und die Gerüchte aufkamen, ich wäre der aussichtsreichste Kandidat beim Draft, hat sich der Druck auf mich verdoppelt, weil ich ein offen schwuler Spieler war. Die Medien stürzen sich auf so etwas, weil die Leute meinen, sie hätten das Recht, alles über jeden zu erfahren – besonders über Sportler und Berühmtheiten –, und weil es die Verkaufszahlen steigert. Mit ein wenig Glück verschwindest du noch vor Beginn der Trainingslager dank eines anderen Skandals aus den Schlagzeilen. Aber bis dahin schreiben sie über dich, und wir müssen alles tun, damit die Artikel positiv ausfallen.«
»Nette Ansprache«, grummele ich. »Wann geht die Kreuzfahrt los?«
»In zwei Wochen.«
Ich lächele gekünstelt. »Kann’s kaum erwarten.«
* * *
Der Plan sieht vor, dass wir erst in letzter Sekunde einchecken. Doch zwei Stunden bevor ich das Hotel verlassen soll, in dem Damons Agentur mich für die Nacht vor der Abreise untergebracht hat, klopft es an meiner Tür. Davor steht der Typ, der für die nächsten paar Monate meinen Freund spielen soll.
Noah Huntington der Dritte. Ich musste ihn googeln. Kaum sah ich sein Foto auf dem Bildschirm, konnte ich mich daran erinnern, ihn am selben Abend wie Damon kennengelernt zu haben. Klar, dass er unter all den Leuten, deren Bekanntschaft ich in dieser Nacht gemacht habe, der Heißeste war. Das einzige Problem daran ist, dass er das auch weiß. Sein Haus hat mich nicht beeindruckt, aber als er mich mit seinen durchdringenden blaugrünen Augen selbstsicher ansah und gleichzeitig jede Menge Charme versprühte, wünschte ich mir, Maddox hätte mich nicht mit ihm allein gelassen, während er in Noahs Gästezimmer wer weiß was mit Damon trieb.
Und nun bin ich für die nächsten paar Monate an ihn gebunden. Ganz großartig.
Sein Vater, der ehemalige Gouverneur von New York, mittlerweile Senator der Demokratischen Partei, ist ein Weißer fortgeschrittenen Alters, und seine Mutter ist afroamerikanischer Herkunft. Man füge einen schwulen Sohn hinzu, und schon hat man eine Bilderbuchfamilie aus Utopia vor sich, wo Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung keine Rolle spielen.
Mir ist klar, warum Damon sich für Noah als Besetzung für die Rolle meines festen Freundes entschieden hat, aber ich mache mir Sorgen, dass es zu effekthascherisch wirkt – dass wir viel zu dick auftragen, um noch glaubwürdig zu sein. Es fühlt sich inszeniert an.
Weil es das ist, du Blödmann.
Noah erwidert meinen Blick aus seinen unverschämt hypnotischen Augen, und ein Lächeln umspielt seinen Mund. Seine dunkle Haut und die straffen Muskeln ergänzen perfekt die Selbstsicherheit eines reichen Treuhandfonds-Söhnchens. Ich gebe es nur sehr ungern zu, aber ich kann ihn jetzt schon nicht leiden. Hauptsächlich, weil ich ihn beneide.
Außerdem kann ich ihn kaum als »Söhnchen« bezeichnen, denn er ist drei Jahre älter als ich.
Der einzige Ort, an dem ich jemals so ein Selbstvertrauen ausgestrahlt habe wie Noah, war das Spielfeld. Football war meine Zuflucht. Meine Rettung. Mein einziger Gedanke. Nun bin ich gezwungen, eine Seite von mir zu zeigen, die ich ewig versteckt habe.
Nicht, weil ich das so wollte, sondern weil es nicht anders ging. In der Geschichte der NFL hat es bisher nur eine Handvoll schwuler Spieler gegeben. Die wenigen, die sich öffentlich dazu bekannten, haben das entweder getan, nachdem sie sich aus dem aktiven Sport zurückgezogen hatten, oder wurden nach der Vorsaison aus dem Spielerkader geworfen.
»Matt?« Noahs Stimme verhindert, dass ich erneut wegen meiner sich im freien Fall befindenden Karriere ausflippe. Er legt mir eine Hand auf eine Schulter und drückt zu. Es soll eine beruhigende Geste sein, macht mir aber nur noch stärker bewusst, was für ein heißer Typ mich da gerade berührt. Diese Grenze werden wir nicht überschreiten – schließlich ist das hier rein geschäftlich und sonst nichts. Ich entziehe mich seinem Griff.
Er runzelt die Stirn. »Alles in Ordnung? Du kriegst mir hier jetzt bitte keinen Herzinfarkt, ja?«
»Entschuldige.« Ich trete beiseite und lasse ihn herein.
Noah streift mich im Vorbeigehen, sieht mir in die Augen und lächelt. Er hat die athletische Figur eines Basketballspielers – er scheint hauptsächlich aus Armen und Beinen zu bestehen – und ist ungefähr so groß wie ich. Nur viel dünner. Allerdings ist der Vergleich mit meiner Einhundertfünf-Kilo-Statur wahrscheinlich nicht sehr fair.
Noah zieht einen Rollkoffer hinter sich her ins Zimmer.
»Ich dachte, wir treffen uns auf dem Schiff«, sage ich.
»Damon hat mich hergeschickt, damit wir zusammen dort ankommen. Entweder gibt es bei OTS eine undichte Stelle, oder das Personal der Schifffahrtsgesellschaft kann den Mund nicht halten. So oder so, es warten jede Menge Paparazzi am Terminal. Wir sollen so tun, als ob sie uns ertappt hätten, weil wir nicht mit ihnen gerechnet haben.«
»Oh Mann. Das fängt ja schon gut an.« Wie lange werden sich die Journalisten noch für diese Story interessieren? »Mach’s dir gemütlich. Ich muss noch packen.«
»Du hast noch nicht gepackt?«, fragt Noah.
»Ich hatte vor, mich erst in letzter Sekunde auf den Weg zu machen.«
»Gute Idee. Lassen wir sie ruhig warten.«
»Genau.« Als ob das von Anfang an mein Plan gewesen wäre.
Eigentlich muss ich nur noch meine Zahnbürste und das Rasierzeug in die Reisetasche stopfen. Dabei habe ich den Rasierer seit Wochen nicht benutzt. Mein Bart hat mittlerweile eine beeindruckende Länge erreicht, und ich wüsste nicht, warum ich mich davon trennen sollte.
Ich brauche keine zwei Minuten, bis ich alles eingepackt habe. Währenddessen sitzt Noah auf meinem Hotelbett und tippt auf seinem Handy herum.
Statt meiner Bulldogs-Baseballkappe setze ich eine mit dem Logo der Yankees auf und verstecke mein Gesicht zur Hälfte unter einer Fliegersonnenbrille.
»Glaubst du wirklich, du fällst mit einer anderen Kappe weniger auf?«, erkundigt sich Noah, der das Handy immer noch in der Hand hält.
Ich hasse diese Dinger. Früher war das nicht so. Aber wenn ich jetzt eins sehe, überkommt mich sofort die Angst, jemand könnte ein Foto von mir schießen. Mein eigenes Handy meldet alle zwei Minuten eine neue Nachricht, so geht das seit Wochen. Der Aus-Knopf ist meine einzige Rettung.
»Matt?«, fragt Noah. »Bist du immer so geistesabwesend?«
»Bist du immer so neugierig?«
Noah hebt kapitulierend die Hände. »Kein Grund, mir den Kopf abzureißen. Aber ganz im Ernst, wenn Damon dich mit dieser Kappe sieht, kündigt er dir wahrscheinlich den Vertrag.«
»Ist er Mets-Fan?«
»Der größte aller Zeiten. Er ist völlig besessen.«
»Ich hab noch eine andere, aber die ist von den Bulldogs.«
»Hier, wir tauschen.« Noah wirft mir seine Mets-Kappe zu.
»Regt Damon sich etwa weniger auf, wenn du mit der Yankees-Kappe auftauchst?«
Noah grinst mich an. »Nein, aber ich ärgere ihn gern ein bisschen.«
»Klingt nach einer gesunden Freundschaft.« Ich setze seine Kappe auf und ziehe mir den Schirm tief ins Gesicht.
Dann vergewissere ich mich, dass ich auch wirklich nichts vergessen habe, während Noah im Flur auf mich wartet.
Auf dem Weg zum Fahrstuhl, der in die Tiefgarage fährt, vermeide ich jeglichen Augenkontakt und halte den Mund. Wie Damon gesagt hat, das hier ist eine reine Geschäftsbeziehung. Nicht mehr und nicht weniger. Ich muss mich mit dem Kerl nicht anfreunden, damit wir so tun können, als wären wir zusammen.
Ich persönlich glaube ja nicht, dass diese Scharade mir einen Vertrag einbringt. Oder mein Image wieder geraderückt. Wie das funktionieren soll, ist mir ein Rätsel. Selbst falls mich ein anderes Team verpflichtet – in der Umkleidekabine ist es egal, ob ich einen Freund habe. Es wird trotzdem böse Blicke, Beleidigungen und Drohungen hageln … Die Welt mag mittlerweile toleranter geworden sein, aber von Akzeptanz kann man noch lange nicht sprechen. Schon gar nicht in der Welt des Sports. Mittlerweile kommt es zwar vor, dass ein Sportler sich offen zu seiner sexuellen Orientierung bekennt, jedoch immer noch sehr selten.
Noah tippt selbst auf dem Weg durch die Flure und im Fahrstuhl weiter auf seinem Handy herum. Das ständige Tipp-tipp-tipp-Geräusch geht mir auf die Nerven. Am liebsten würde ich das Gerät an die Wand werfen.
»Alles okay?« Noah sieht mich nicht einmal an, als er mir die Frage stellt, sondern hält den Blick fest auf das Display gerichtet.
»Alles bestens.«
»Klar, genau danach sieht es aus.«
»Woher willst du das denn wissen? Du starrst doch ständig nur auf das Ding.« Ich nicke in Richtung seines Handys.
Noah schiebt es in eine Hosentasche. »Bitte sehr, schon weg. Also, was ist los?«
»Abgesehen vom Offensichtlichen? Meine Karriere rauscht den Bach runter, und mein Agent hält mich für einen so hoffnungslosen Fall, dass er mir einen festen Freund organisiert. Doch, ja, es könnte nicht besser laufen.«
Er wendet den Blick ab und murmelt: »Was hat Damon mir da nur eingebrockt?«